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Agenda 21
Vision: Nachhaltige Entwicklung
Birgit Breuel(Editor)
Campus (Publisher)
2nd Edition
Published on 17. March 1999
Book
Hardback
252 pages
978-3-593-36033-1 (ISBN)
Description
Was erwartet die Welt im 21. Jahrhundert? In diesem Buch setzen sich namhafte Wissenschaftler mit allen Bereichen der Zukunft - Energie, Umwelt, Mobilität, Wissen und vielen anderen Themen - auseinander. Erstmals wird hier diskutiert, was Nachhaltigkeit konkret bedeutet. Ein Muß für alle, die an den Inhalten und der Umsetzung der Agenda 21 interessiert sind!
Reviews / Votes
Die Bücher zur Expo - was ist zu erwarten?"Die Autoren haben das globale Ganze und die Zukunft im Blick, heben aber mit ihren in der Buchreihe formulierten 'Visionen' nicht ab. Sie orientieren sich an praktischen Vorschlägen für die dringenden Probleme." (Hannoversche Allgemeine, 03.04.1999)
Die Buchreihe zur Expo 2000
"Hochkarätige Autoren schildern in gut lesbarer Form ihre Thesen und Visionen für das 21. Jahrhundert." (Hamburger Abendblatt, 17.05.1999)
Was die Verlagslandschaft zur Jahrtausendwende zu bieten hat
"Aus der Konzeption als Buchreihe schöpfen die einzelnen Bände den nötigen Raum, die Themen mit dem gebotenen Tiefgang und fachlicher Kompetenz darzustellen." (Buchkultur, 01.12.1999)
Visionen einer besseren Zukunft
"In der Expo-Reihe schicken die Autoren ihren Visionen eine sehr informative Zustandsbeschreibung der heutigen Situation voraus. Dem Haupttext folgen sehr aufschlussreiche Beiträge von Autoren aus allen Teilen der Welt." (Hamburger Abendblatt, 09.12.1999)
More details
Series
Language
German
Edition type
New edition
Dimensions
Height: 15.2 cm
Width: 22.8 cm
Weight
470 gr
ISBN-13
978-3-593-36033-1 (9783593360331)
Person
Birgit Breuel ist Generalkommissarin und seit 1997 auch Geschäftsführerin der Weltausstellung EXPO 2000 Hannover. Sie war Wirtschafts- und Finanzministerin Niedersachsens und von 1991-1994 Präsidentin der Treuhandanstalt.
Content
Vorwort (Birgit Breuel)
Wege in eine nachhaltige Zukunft (Ortwin Renn, Anja Knaus, Hans Kastenholz)
Was bedeutet Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit umsetzen - aber wie?
Globale Umweltproblem lösen (Udo Ernst Simonis)
Globale Probleme - eine Bestandsaufnahme
Konzepte für eine erfolgreiche internationale Umweltpolitik
Das 21. Jahrhundert (Martin Jänicke)
Der Mensch (Paul Velsinger, Roger Lienenkamp)
Menschliche Grundbedürfnisse (Günter Altner)
Gesundheit (Susanne Moebus, Rainer Fehr)
Ernährung (Joachim von Braun)
Zukunft der Arbeit (Franz Lehner)
Umwelt und Landschaft (Meinhard Schulz-Baldes)
Klima (Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, Peter C. Werner)
Mobilität (Udo J. Becker, Elke Elsel)
Energie (Hans Christoph Binswanger)
Wissen: Information und Kommunikation (Franz Josef Rademacher)
Zwölf Thesen
Literatur
Autorennotiz
Register
Wege in eine nachhaltige Zukunft (Ortwin Renn, Anja Knaus, Hans Kastenholz)
Was bedeutet Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit umsetzen - aber wie?
Globale Umweltproblem lösen (Udo Ernst Simonis)
Globale Probleme - eine Bestandsaufnahme
Konzepte für eine erfolgreiche internationale Umweltpolitik
Das 21. Jahrhundert (Martin Jänicke)
Der Mensch (Paul Velsinger, Roger Lienenkamp)
Menschliche Grundbedürfnisse (Günter Altner)
Gesundheit (Susanne Moebus, Rainer Fehr)
Ernährung (Joachim von Braun)
Zukunft der Arbeit (Franz Lehner)
Umwelt und Landschaft (Meinhard Schulz-Baldes)
Klima (Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, Peter C. Werner)
Mobilität (Udo J. Becker, Elke Elsel)
Energie (Hans Christoph Binswanger)
Wissen: Information und Kommunikation (Franz Josef Rademacher)
Zwölf Thesen
Literatur
Autorennotiz
Register
Wege in eine nachhaltige Zukunft
Was bedeutet Nachhaltigkeit?
Als der sächsische Oberberghauptmann von Carlowitz im Jahre 1713 in seinem Buch Sylvicultura Oeconimica zum erstenmal den Begriff der Nachhaltigkeit verwendete, hatte er wohl nicht geahnt, daß dieser Begriff 274 Jahre nach dem Erscheinen seines Werkes international in aller Munde sein würde. Eine nachhaltige Forstwirtschaft, so der Oberberghauptmann, beruhe auf dem Grundsatz, daß man nur so viel an Holz einschlagen dürfe, wie durch Neupflanzung an Bäumen nachwachsen würde. Das Konzept einer nachhaltigen Bewirtschaftung von Naturressourcen leuchtete damals nicht nur den Forstwirtschaftlern ein. Was auch immer der Mensch durch Erfindungsgeist, Arbeitseinsatz und Organisationskraft an Produkten geschaffen hat und auch weiter schaffen wird, ist auf irgendeine Vorleistung der Natur angewiesen. Alle dem Menschen zur Verfügung stehenden Grundstoffe wie auch alle Primärenergieträger, die zur Herstellung von Produkten und Dienstleistungen benötigt werden, sind aus der Natur entnommen. Ohne Atemluft, Wasser und Sonneneinstrahlung wäre jedwedes Leben auf der Erde unmöglich.
In den mehr als 250 Jahren, die seit der Mahnung des Hauptmanns von Carlowitz vergangen sind, hat die Welt den Grundsatz der Nachhaltigkeit nur wenig beherzigt. Weltweit gesehen kann man nicht einmal mehr von einer nachhaltigen Forstwirtschaft sprechen. Schätzungen zufolge sind seit dem Jahr 1700 mehr als 24 Prozent der damals existierenden Waldgebiete von 4,5 Milliarden Hektar verschwunden. Mit 180 Millionen Hektar fiel nach Berechnungen der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) im Zeitraum zwischen 1980 und 1995 weltweit eine Waldfläche der Rodung zum Opfer, die fünfmal so groß ist wie die Fläche des vereinten Deutschlands. Die schwindenden Waldflächen sind nur ein Indikator für die besorgniserregende Lage. Eine Reihe von weiteren Anzeichen sprechen dafür, daß sich die Welt auf einem gefährlichen Kurs bewegt. Eine kleine Auswahl mag einen Eindruck von der Brisanz der Lage vermitteln: Zur Zeit wächst die Weltbevölkerung alle neun Monate um gut 80 Millionen Menschen, also etwa um die Einwohnerzahl von ganz Deutschland. In Deutschland belastet jeder Einwohner die Umwelt jährlich mit 13,7 Tonnen Treibhausgasen, mit den Schadstoffemissionen von 158 Gigajoule Energieverbrauch, mit rund 0,01 km Straßennetz und 400 Kilogramm Hausmüll. Im Bereich der Energieversorgung wird der Weltbedarf heute zu etwa 90 Prozent durch fossile Energieträger gedeckt. Diese werden in absehbarer Zeit, also in Jahrzehnten oder spätestens Jahrhunderten, versiegt sein. Entscheidender ist jedoch, daß mit ihrer Nutzung in großem Ausmaß Schadstoffe in Luft und Wasser entlassen werden, die sich negativ auf die menschliche Gesundheit und die Funktionsfähigkeit ökologischer Systeme auswirken. Der Biologe Hans Mohr resümiert: "Wir leben total von der Substanz. Die hohe Tragekapazität, auf die wir angewiesen sind, verlangt den vollen Einsatz der einmaligen, eng begrenzten fossilen Energie- und Rohstoffreserven und die totale Verwandlung der Welt in eine Produktions- und Abfallbeseitigungsmaschine mit gigantischem Energiebedarf." Die menschlichen Gesellschaften sind also auf dem besten Wege, die Grundsätze einer nachhaltigen Bewirtschaftung in den Wind zu schlagen. Was vor mehr als 250 Jahren mit der nachhaltigen Forstwirtschaft angedacht wurde, muß heute als Prinzip des Wirtschaftens neu entdeckt und praktiziert werden.
Diese Forderung ist einfacher gesagt als in die Tat umgesetzt. Eine zukunftsgerechte, den berechtigten Ansprüchen kommender Generationen angemessene Entwicklung läßt sich weder mit dem Motto "Weiter so wie bisher" noch mit der Devise "Zurück zur Natur" verwirklichen. Die Hoffnung vieler Ökonomen, der Markt werde schon für die richtigen Signale einer vorausschauenden Naturnutzung sorgen, läßt sich angesichts der heutigen Bedrohungen nicht oder nur bedingt aufrechterhalten. Gleichzeitig würde aber eine Politik der Prioritätensetzung für den Erhalt der Natur die Angewiesenheit des Menschen auf die Umwandlung von Natur- in Kulturflächen und auf die Inanspruchnahme der Material- und Energiereserven dieser Welt verkennen und die für alle Menschen ebenfalls lebenswichtigen Zinsen aus dem künstlichen Kaptialstock gefährden. Kurzum: Eine einfache Verhaltensregel, wie die Menschen mit den Bedrohungen ihrer Umwelt umgehen sollen, ist weder in Sicht noch zukünftig zu erwarten. Vielmehr liegt die schwierige Aufgabe darin, genauer zu bestimmen und zu begründen, welche Eingriffe in die Natur aus heutiger Sicht gerechtfertigt und welche besser zu unterlassen sind. Alle Nationen müssen sich daher mit der Frage beschäftigen, welches Erbe sie der kommenden Generation hinterlassen wollen.
Was bedeutet Nachhaltigkeit?
Als der sächsische Oberberghauptmann von Carlowitz im Jahre 1713 in seinem Buch Sylvicultura Oeconimica zum erstenmal den Begriff der Nachhaltigkeit verwendete, hatte er wohl nicht geahnt, daß dieser Begriff 274 Jahre nach dem Erscheinen seines Werkes international in aller Munde sein würde. Eine nachhaltige Forstwirtschaft, so der Oberberghauptmann, beruhe auf dem Grundsatz, daß man nur so viel an Holz einschlagen dürfe, wie durch Neupflanzung an Bäumen nachwachsen würde. Das Konzept einer nachhaltigen Bewirtschaftung von Naturressourcen leuchtete damals nicht nur den Forstwirtschaftlern ein. Was auch immer der Mensch durch Erfindungsgeist, Arbeitseinsatz und Organisationskraft an Produkten geschaffen hat und auch weiter schaffen wird, ist auf irgendeine Vorleistung der Natur angewiesen. Alle dem Menschen zur Verfügung stehenden Grundstoffe wie auch alle Primärenergieträger, die zur Herstellung von Produkten und Dienstleistungen benötigt werden, sind aus der Natur entnommen. Ohne Atemluft, Wasser und Sonneneinstrahlung wäre jedwedes Leben auf der Erde unmöglich.
In den mehr als 250 Jahren, die seit der Mahnung des Hauptmanns von Carlowitz vergangen sind, hat die Welt den Grundsatz der Nachhaltigkeit nur wenig beherzigt. Weltweit gesehen kann man nicht einmal mehr von einer nachhaltigen Forstwirtschaft sprechen. Schätzungen zufolge sind seit dem Jahr 1700 mehr als 24 Prozent der damals existierenden Waldgebiete von 4,5 Milliarden Hektar verschwunden. Mit 180 Millionen Hektar fiel nach Berechnungen der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) im Zeitraum zwischen 1980 und 1995 weltweit eine Waldfläche der Rodung zum Opfer, die fünfmal so groß ist wie die Fläche des vereinten Deutschlands. Die schwindenden Waldflächen sind nur ein Indikator für die besorgniserregende Lage. Eine Reihe von weiteren Anzeichen sprechen dafür, daß sich die Welt auf einem gefährlichen Kurs bewegt. Eine kleine Auswahl mag einen Eindruck von der Brisanz der Lage vermitteln: Zur Zeit wächst die Weltbevölkerung alle neun Monate um gut 80 Millionen Menschen, also etwa um die Einwohnerzahl von ganz Deutschland. In Deutschland belastet jeder Einwohner die Umwelt jährlich mit 13,7 Tonnen Treibhausgasen, mit den Schadstoffemissionen von 158 Gigajoule Energieverbrauch, mit rund 0,01 km Straßennetz und 400 Kilogramm Hausmüll. Im Bereich der Energieversorgung wird der Weltbedarf heute zu etwa 90 Prozent durch fossile Energieträger gedeckt. Diese werden in absehbarer Zeit, also in Jahrzehnten oder spätestens Jahrhunderten, versiegt sein. Entscheidender ist jedoch, daß mit ihrer Nutzung in großem Ausmaß Schadstoffe in Luft und Wasser entlassen werden, die sich negativ auf die menschliche Gesundheit und die Funktionsfähigkeit ökologischer Systeme auswirken. Der Biologe Hans Mohr resümiert: "Wir leben total von der Substanz. Die hohe Tragekapazität, auf die wir angewiesen sind, verlangt den vollen Einsatz der einmaligen, eng begrenzten fossilen Energie- und Rohstoffreserven und die totale Verwandlung der Welt in eine Produktions- und Abfallbeseitigungsmaschine mit gigantischem Energiebedarf." Die menschlichen Gesellschaften sind also auf dem besten Wege, die Grundsätze einer nachhaltigen Bewirtschaftung in den Wind zu schlagen. Was vor mehr als 250 Jahren mit der nachhaltigen Forstwirtschaft angedacht wurde, muß heute als Prinzip des Wirtschaftens neu entdeckt und praktiziert werden.
Diese Forderung ist einfacher gesagt als in die Tat umgesetzt. Eine zukunftsgerechte, den berechtigten Ansprüchen kommender Generationen angemessene Entwicklung läßt sich weder mit dem Motto "Weiter so wie bisher" noch mit der Devise "Zurück zur Natur" verwirklichen. Die Hoffnung vieler Ökonomen, der Markt werde schon für die richtigen Signale einer vorausschauenden Naturnutzung sorgen, läßt sich angesichts der heutigen Bedrohungen nicht oder nur bedingt aufrechterhalten. Gleichzeitig würde aber eine Politik der Prioritätensetzung für den Erhalt der Natur die Angewiesenheit des Menschen auf die Umwandlung von Natur- in Kulturflächen und auf die Inanspruchnahme der Material- und Energiereserven dieser Welt verkennen und die für alle Menschen ebenfalls lebenswichtigen Zinsen aus dem künstlichen Kaptialstock gefährden. Kurzum: Eine einfache Verhaltensregel, wie die Menschen mit den Bedrohungen ihrer Umwelt umgehen sollen, ist weder in Sicht noch zukünftig zu erwarten. Vielmehr liegt die schwierige Aufgabe darin, genauer zu bestimmen und zu begründen, welche Eingriffe in die Natur aus heutiger Sicht gerechtfertigt und welche besser zu unterlassen sind. Alle Nationen müssen sich daher mit der Frage beschäftigen, welches Erbe sie der kommenden Generation hinterlassen wollen.