
Über die Rechtfertigung
Eine Soziologie der kritischen Urteilskraft
Hamburger Edition, HIS (Publisher)
1st Edition
Published on 25. July 2007
Book
496 pages
978-3-936096-85-9 (ISBN)
Article exhausted; check for reprint
Description
Auf welche Weise artikulieren Menschen in konfliktträchtigen Situationen - in einem alltäglichen Streit oder einer Tarifauseinandersetzung - Widerspruch und wie rechtfertigen sie ihr Handeln, um dann möglicherweise mit ihrem Gegenüber Einvernehmen oder zumindest einen tragfähigen Kompromiss zu erzielen? Dieser Frage gilt das Interesse Luc Boltanskis und Laurent Thévenots. Die Autoren entwickeln eine ebenso anregende wie ambitionierte 'pragmatische Soziologie', die nicht nur eine neue Sichtweise auf soziale Interaktion eröffnet, sondern als wegweisendes soziologisches Paradigma in Frankreich intensiv debattiert wird.
Anders als die traditionelle Soziologie, die das Handeln von Individuen, Gruppen und Klassen auf objektive und den Akteuren verborgene Kräfte zurückführte, nehmen Boltanski und Thévenot die Fähigkeit des Menschen ernst, solche Situationen und deren Anforderungen zu meistern, indem sie auf verschiedene Rechtfertigungsprinzipien zurückgreifen, die ihren Ursprung in der Objektwelt sowie in unterschiedlichen Vorstellungen vom Gemeinwohl haben.
Dabei identifizieren die Autoren sechs für unsere heutige Gesellschaft konstitutive Rechtfertigungsordnungen, die ideengeschichtlich in zentralen Werken der politischen Philosophie Gestalt angenommen haben: die der Inspiration bei Augustinus, der häuslichen Sphäre bei Bossuet, des Ruhmes und der öffentlichen Meinung bei Hobbes, des Marktes bei Smith, des Staatsbürgers bei Rousseau und der Industrie bei Saint-Simon. Wie Boltanski und Thévenot unter anderem am Beispiel einer systematischen Analyse von Management-Strategien zeigen, können all diese Rechtfertigungsordnungen in spezifischen gesellschaftlichen Bereichen gleichzeitig präsent sein und den Akteuren als Ausgangs- und Bezugspunkt in ihrem Bemühen um Verständigung und Anerkennung dienen. Mit ihnen lassen sich auch viele Konflikte erklären, die dann entstehen, wenn die Beteiligten - bewusst oder unbewusst - auf unterschiedliche Ordnungen rekurrieren.
Als Synthese sozialphilosophischer, soziologischer, organisationstheoretischer und ökonomischer Ansätze bietet das Buch eine innovative Perspektive auf Grundfragen der Sozialwissenschaften, die theoretisch reizvoll und zugleich von weitreichender politischer Relevanz sind.
Anders als die traditionelle Soziologie, die das Handeln von Individuen, Gruppen und Klassen auf objektive und den Akteuren verborgene Kräfte zurückführte, nehmen Boltanski und Thévenot die Fähigkeit des Menschen ernst, solche Situationen und deren Anforderungen zu meistern, indem sie auf verschiedene Rechtfertigungsprinzipien zurückgreifen, die ihren Ursprung in der Objektwelt sowie in unterschiedlichen Vorstellungen vom Gemeinwohl haben.
Dabei identifizieren die Autoren sechs für unsere heutige Gesellschaft konstitutive Rechtfertigungsordnungen, die ideengeschichtlich in zentralen Werken der politischen Philosophie Gestalt angenommen haben: die der Inspiration bei Augustinus, der häuslichen Sphäre bei Bossuet, des Ruhmes und der öffentlichen Meinung bei Hobbes, des Marktes bei Smith, des Staatsbürgers bei Rousseau und der Industrie bei Saint-Simon. Wie Boltanski und Thévenot unter anderem am Beispiel einer systematischen Analyse von Management-Strategien zeigen, können all diese Rechtfertigungsordnungen in spezifischen gesellschaftlichen Bereichen gleichzeitig präsent sein und den Akteuren als Ausgangs- und Bezugspunkt in ihrem Bemühen um Verständigung und Anerkennung dienen. Mit ihnen lassen sich auch viele Konflikte erklären, die dann entstehen, wenn die Beteiligten - bewusst oder unbewusst - auf unterschiedliche Ordnungen rekurrieren.
Als Synthese sozialphilosophischer, soziologischer, organisationstheoretischer und ökonomischer Ansätze bietet das Buch eine innovative Perspektive auf Grundfragen der Sozialwissenschaften, die theoretisch reizvoll und zugleich von weitreichender politischer Relevanz sind.
More details
Edition
1., Aufl.
Language
German
Weight
780 gr
ISBN-13
978-3-936096-85-9 (9783936096859)
Schweitzer Classification
Other editions
New editions

Book
11/2014
2nd Edition
Hamburger Edition
€20.00
Available immediately
Persons
Luc Boltanski ist Professor für Soziologie an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris und Mitglied der Groupe de sociologie politique et morale.
Laurent Thévenot, Wirtschaftswissenschaftler und Statistiker, ist Professor an der École des Hautes Études en Sciences Socia les (EHESS) und Mitglied der Groupe de sociologie politique et morale.
Laurent Thévenot, Wirtschaftswissenschaftler und Statistiker, ist Professor an der École des Hautes Études en Sciences Socia les (EHESS) und Mitglied der Groupe de sociologie politique et morale.
Content
Wie wir dieses Buch geschrieben haben 11
Das Verallgemeinern von Beobachtungen aus der Feldforschung und die Herstellung statistischer Äquivalenz 12
Alltägliche Identifizierung und wissenschaftliches Bestimmen 15
Von der Zuordnung zum Urteil 16
Beweisführung und Spannung zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen 19
Die Spannung zwischen unterschiedlichen Formen von Allgemeinheit 21
Die Aufmerksamkeit für kritische Operationen 25
Allgemeinheit und Gemeinwohl: Die Größen der politischen Philosophie 28
Die Suche nach einem umfassenden Modell 31
Das soziale Band auf dem Prüfstein der Dinge 33
Der Gang der Argumentation 36
Erster Teil
Der Rechtfertigungsimperativ 43
I Die Sozialwissenschaften und die Legitimität der Einigung 45
Die Kritik am mangelnden Realismus der Soziologie 47
Individualismus: auch eine gesellschaftliche Metaphysik 48
Die sozialwissenschaftliche Verkürzung politischer Metaphysiken 49
Das Problem der Einigung 53
Zuordnung und Formen der Allgemeinheit 54
Die Ordnung des Allgemeinen und des Besonderen 58
Die Notwendigkeit einer allgemeinen Einigung und die Legitimität der Ordnung 60
Realitätsprüfung und kluges Urteilen 65
II Die Grundlage der Einigung in der politischen Philosophie: Das Beispiel des Gemeinwesens des Marktes 68
Die Neigung zum Tausch aus Eigeninteresse als Grundlage des gesellschaftlichen Bandes 69
Das Zusammenspiel der Individuen in ihrem Begehren nach Gütern 75
Die Veranlagung zur Sympathie und die Position des unparteiischen Zuschauers 81
Zweiter Teil
Die Gemeinwesen 93
III Politische Ordnungen und ein Gerechtigkeitsmodell 95
Politische Philosophien des Gemeinwohls 97
Das Modell der Rechtfertigungsordnung 108
IV Eugenik als illegitime Ordnung 116
Die politischen Formen der Größe 120
Das Gemeinwesen der Inspiration 120
Das häusliche Gemeinwesen 130
Das Gemeinwesen der Meinung 141
Das staatsbürgerliche Gemeinwesen 153
Das industrielle Gemeinwesen 167
Dritter Teil
Die gemeinsamen Welten 177
V Die Prüfung des Urteils 179
Situatives Urteilen 179
Die Ausweitung der Rechtfertigungsordnung auf eine Welt 182
Die Prüfung 187
Der Bericht über die Situation 194
Ein Raster zur Analyse der gemeinsamen Welten 196
Gemeinsinn: Moralischer Sinn und Sinn für das, was natürlich ist 201
Die Kunst, in verschiedenen Welten zu leben 206
VI Präsentation der Welten 222
Die Welt der Inspiration 222
Die häusliche Welt 228
Die Welt der Meinung 245
Die staatsbürgerliche Welt 254
Die Welt des Marktes 264
Die industrielle Welt 276
Vierter Teil
Die Kritik 287
VII Der Konflikt zwischen den Welten und die Infragestellung des Urteils 289
Enthüllung 289
Die Ursachen von Meinungsverschiedenheiten und die Übertragung von Größen 294
Der Konflikt und die Anprangerung 299
Die Monstrosität von hybriden Settings 303
Das Arrangieren von stimmigen Situationen. 307
Das Humane an einem auf Billigkeit beruhenden Urteil 312
Der freie Wille: imstande sein, die Augen zu schließen oder offen zu halten 313
VIII Die Matrix der Kritiken 318
Kritik, die von der Welt der Inspiration ausgeht 318
Kritik, die von der häuslichen Welt ausgeht 323
Kritik, die von der Welt der Meinung ausgeht 331
Kritik, die von der staatsbürgerlichen Welt ausgeht 336
Kritik, die von der Welt des Marktes ausgeht 349
Kritik, die von der industriellen Welt ausgeht 359
Fünfter Teil
Die Beschwichtigung der Kritik 365
IX Kompromisse im Namen des Gemeinwohls 367
Das Umgehen der Prüfung im Kompromiss 367
Die Fragilität von Kompromissen 368
Ein Beispiel für eine komplexe Konstellation: die sich auf einen Kompromiss stützende Anprangerung 374
Die Herstellung von Kompromissen und die Entstehung von Gemeinwesen 375
Die Ausarbeitung eines Staatskompromisses: Auf dem Weg zu einem staatsbürgerlich-industriellen Gemeinwesen 378
X Kompromissfiguren 394
Kompromisse zwischen der Welt der Inspiration 394
Kompromisse zwischen der Welt des Hauses 408
Kompromisse zwischen der Welt der Meinung 424
Kompromisse zwis
Das Verallgemeinern von Beobachtungen aus der Feldforschung und die Herstellung statistischer Äquivalenz 12
Alltägliche Identifizierung und wissenschaftliches Bestimmen 15
Von der Zuordnung zum Urteil 16
Beweisführung und Spannung zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen 19
Die Spannung zwischen unterschiedlichen Formen von Allgemeinheit 21
Die Aufmerksamkeit für kritische Operationen 25
Allgemeinheit und Gemeinwohl: Die Größen der politischen Philosophie 28
Die Suche nach einem umfassenden Modell 31
Das soziale Band auf dem Prüfstein der Dinge 33
Der Gang der Argumentation 36
Erster Teil
Der Rechtfertigungsimperativ 43
I Die Sozialwissenschaften und die Legitimität der Einigung 45
Die Kritik am mangelnden Realismus der Soziologie 47
Individualismus: auch eine gesellschaftliche Metaphysik 48
Die sozialwissenschaftliche Verkürzung politischer Metaphysiken 49
Das Problem der Einigung 53
Zuordnung und Formen der Allgemeinheit 54
Die Ordnung des Allgemeinen und des Besonderen 58
Die Notwendigkeit einer allgemeinen Einigung und die Legitimität der Ordnung 60
Realitätsprüfung und kluges Urteilen 65
II Die Grundlage der Einigung in der politischen Philosophie: Das Beispiel des Gemeinwesens des Marktes 68
Die Neigung zum Tausch aus Eigeninteresse als Grundlage des gesellschaftlichen Bandes 69
Das Zusammenspiel der Individuen in ihrem Begehren nach Gütern 75
Die Veranlagung zur Sympathie und die Position des unparteiischen Zuschauers 81
Zweiter Teil
Die Gemeinwesen 93
III Politische Ordnungen und ein Gerechtigkeitsmodell 95
Politische Philosophien des Gemeinwohls 97
Das Modell der Rechtfertigungsordnung 108
IV Eugenik als illegitime Ordnung 116
Die politischen Formen der Größe 120
Das Gemeinwesen der Inspiration 120
Das häusliche Gemeinwesen 130
Das Gemeinwesen der Meinung 141
Das staatsbürgerliche Gemeinwesen 153
Das industrielle Gemeinwesen 167
Dritter Teil
Die gemeinsamen Welten 177
V Die Prüfung des Urteils 179
Situatives Urteilen 179
Die Ausweitung der Rechtfertigungsordnung auf eine Welt 182
Die Prüfung 187
Der Bericht über die Situation 194
Ein Raster zur Analyse der gemeinsamen Welten 196
Gemeinsinn: Moralischer Sinn und Sinn für das, was natürlich ist 201
Die Kunst, in verschiedenen Welten zu leben 206
VI Präsentation der Welten 222
Die Welt der Inspiration 222
Die häusliche Welt 228
Die Welt der Meinung 245
Die staatsbürgerliche Welt 254
Die Welt des Marktes 264
Die industrielle Welt 276
Vierter Teil
Die Kritik 287
VII Der Konflikt zwischen den Welten und die Infragestellung des Urteils 289
Enthüllung 289
Die Ursachen von Meinungsverschiedenheiten und die Übertragung von Größen 294
Der Konflikt und die Anprangerung 299
Die Monstrosität von hybriden Settings 303
Das Arrangieren von stimmigen Situationen. 307
Das Humane an einem auf Billigkeit beruhenden Urteil 312
Der freie Wille: imstande sein, die Augen zu schließen oder offen zu halten 313
VIII Die Matrix der Kritiken 318
Kritik, die von der Welt der Inspiration ausgeht 318
Kritik, die von der häuslichen Welt ausgeht 323
Kritik, die von der Welt der Meinung ausgeht 331
Kritik, die von der staatsbürgerlichen Welt ausgeht 336
Kritik, die von der Welt des Marktes ausgeht 349
Kritik, die von der industriellen Welt ausgeht 359
Fünfter Teil
Die Beschwichtigung der Kritik 365
IX Kompromisse im Namen des Gemeinwohls 367
Das Umgehen der Prüfung im Kompromiss 367
Die Fragilität von Kompromissen 368
Ein Beispiel für eine komplexe Konstellation: die sich auf einen Kompromiss stützende Anprangerung 374
Die Herstellung von Kompromissen und die Entstehung von Gemeinwesen 375
Die Ausarbeitung eines Staatskompromisses: Auf dem Weg zu einem staatsbürgerlich-industriellen Gemeinwesen 378
X Kompromissfiguren 394
Kompromisse zwischen der Welt der Inspiration 394
Kompromisse zwischen der Welt des Hauses 408
Kompromisse zwischen der Welt der Meinung 424
Kompromisse zwis