Verletzt
Thriller
Elizabeth Becka(Author)
Diana (Publisher)
Published on 4. May 2009
Book
Paperback/Softback
448 pages
978-3-453-35416-6 (ISBN)
Description
Der neue Thriller der forensischen Wissenschaftlerin
Als Spurensicherungsexpertin Evelyn James am Tatort eines Verbrechens erfährt, dass sie die Mutter des getöteten Kindes bereits seit ihrer Jugend kennt, beginnt ihr psychologisch schwierigster Fall. Evelyn muss die Geschichte einer Frau ergründen, die sie immer beneidet hat, und stößt dabei auf menschliche Abgründe, deren Ausmaß niemand ahnte. Und das Drama dieser Familie ist noch nicht zu Ende .
Als Spurensicherungsexpertin Evelyn James am Tatort eines Verbrechens erfährt, dass sie die Mutter des getöteten Kindes bereits seit ihrer Jugend kennt, beginnt ihr psychologisch schwierigster Fall. Evelyn muss die Geschichte einer Frau ergründen, die sie immer beneidet hat, und stößt dabei auf menschliche Abgründe, deren Ausmaß niemand ahnte. Und das Drama dieser Familie ist noch nicht zu Ende .
More details
Language
German
Dimensions
Height: 18.7 cm
Width: 11.8 cm
ISBN-13
978-3-453-35416-6 (9783453354166)
Schweitzer Classification
Persons
Elizabeth Becka ist selbst Spurensicherungsexpertin und als Mitglied der American Academy of Forensic Sciences auch als forensische Gutachterin vor Gericht tätig. Sie arbeitete fünf Jahre im Cuyahoga County Coroner's Office in Cleveland, zuständig für Sto
Content
24. Juli
Der Geruch von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln hing noch in der Luft, obwohl der Umzug und die Kirmes längst vorbei und die Besucher nach Hause gegangen waren. Die Rasenfläche vor dem Rathaus - mit jetzt dunklen Fenstern - war ein einziges Durcheinander. Aber die Arbeit eines Schaustellers fängt erst richtig an, wenn der Spaß vorüber ist. Also demontierten sie ihre nun still stehenden Fahrgeschäfte für den Transport in die nächste Stadt.
Jenna blieb bei dem Hula-Hoop-Karussell stehen und atmete tief durch, damit ihr nicht schlecht wurde. Ich kann das nicht, dachte sie. Doch, ich kann.
Sie rückte ihren kleinen Rucksack zurecht, in dem sich ihre wichtigsten Besitztümer befanden - Haargel, das Foto eines Babys, ihres Bruders, und ihr Lernführerschein -, und beobachtete einen Mann, der eine Kinder-Berg-und Talbahn überprüfte. Im Halbdunkel zog er mit einem Schlüssel an jedem der kleinen Sitze die Muttern an, mit denen sie am Boden fixiert waren. Dann rüttelte er einmal kräftig an dem Sitz, ehe er zum nächsten ging.
Kann ich mich wirklich von solchen dreckigen Händen begrapschen lassen?
Nach ein paar Gläsern aus der Whiskyflasche von Katies Dad hatte der Plan eigentlich wie eine gute Idee geklungen, doch jetzt.
Ich kann das nicht.
Doch, du kannst. Du musst. Wie willst du sonst hier rauskommen?
Sie strich über ihr bis auf den Rücken fallendes Haar, straffte die Schultern und schlenderte über den Weg zwischen Buden und Fahrgeschäften. Obwohl sie erst fünfzehn war, konnte sie sich wie eine Zwanzigjährige bewegen. Alle ihre Freunde hatten ihr das gesagt. Selbst im Gehen mit ihren Plateauschuhen über das unebene Gras spürte sie den verführerischen Schwung ihrer Hüften. Sie stieg über eine herabgefallene Leine mit grünen und weißen Fähnchen.
Doch die Mühe hätte sie sich sparen können. Der Schausteller sah sie erst an, als sie neben ihm stand.
Er grinste sie an, seine Zähne waren schief. Sein T-Shirt war fleckig und er roch nach Schweiß. Juli ist wohl nicht die beste Zeit, um aufs Duschen zu verzichten.
"He, du."
"Hi", sagte sie, bemüht verführerisch zu klingen. Doch es war nur ein Quieken.
"Was machst du denn um diese Zeit noch hier?" Er arbeitete weiter.
"Ich kam nur zufällig hier vorbei." Sie betonte das vierte Wort.
"Gehst du jetzt nach Hause?"
Sie lächelte gezwungen. "Na klar, was sonst."
Sein Blick wanderte über ihre schmale Gestalt, ihre jugendlich glatte Haut, ihre wohlgeformten Beine, die aus den kürzesten Shorts hervorschauten, die sie besaß. Dann wandte er sich wieder seiner Arbeit zu.
Auf ihre Frage, wo er herkomme, antwortete er ausweichend: "Letzte Woche waren wir in Columbus. Von hier geht's nach Toledo."
Das war genau das, was sie brauchte. Immer in Bewegung, niemals lange genug an einem Ort sein, auf die Weise würde man sie nicht finden. "Da wollte ich schon immer mal hin."
"Nach Toledo? Ja, sicher."
"Doch, wirklich! Soll ich dir vielleicht während der Fahrt Gesellschaft leisten?"
"Toledo", sagte er wieder.
Sie hatte nicht erwartet, dass es so schwierig werden würde, hatte nicht mit einem solchen Desinteresse gerechnet. Sie beugte sich vor, um ihm einen Blick auf ihren bereits gut entwickelten Busen in dem tief ausgeschnittenen Tank-Top zu gewähren. Ihr Herz klopfte wie verrückt und sie war sicher, dass er es durch ihre Haut sehen könne. "Es macht bestimmt Spaß, mit einem Mann wie dir zusammen zu sein."
Er sah sie an, sagte nichts. Seinen Gesichtsausdruck konnte sie in der Dunkelheit nicht erkennen.
Du meine Güte, was soll ich denn noch tun, damit er es endlich kapiert? Hol mich aus dieser Stadt raus, dann kannst du Sex mit mir haben, du Idiot.
Bei dem Gedanken daran wurde ihr übel. Dieser dicke Kerl hätte ihr Vater sein können - wenn sie denn einen gehabt hätte. Wahrscheinlich hatte er jede Geschlechtskrankheit, vor denen der Lehrer sie in Gesundheitskunde gewarnt hatte. Ihr Magen revoltierte, und beim Aufstoßen schmeckte sie Whisky.
Vielleicht war das doch keine so gute Idee.
Und ich sollte Josh nicht allein lassen. Aber ich weiß nun mal.
Nein. Ich will hier weg. Selbst wenn es bedeutet, mit diesem
Kerl zusammen sein zu müssen, der nicht gerade das Pulver erfunden hat.
"Ich würde gern mit dir kommen." Sie sprach langsam und jede einzelne Silbe ganz deutlich aus. "Ich glaube, du hättest deinen Spaß dabei."
Er rieb sich über das stoppelige Kinn und musterte sie mit harten, halb zusammengekniffenen Augen, als suchte er nach irgendwelchen Schwächen. Sie wich seinem Blick nicht aus. "Ich weiß nicht", sagte er schließlich. "Ich lasse lieber die Finger von Minderjährigen."
"Ich bin neunzehn. Bin bloß 'n bisschen klein für mein Alter."
"Verstehe. Wohnst du hier?"
"Ich wohne nirgendwo. Genau wie du." Letzte Woche Columbus, nächste Woche Toledo.
"Du hast also einfach mal Lust, wegzulaufen und da kommt dir so ein Zirkus gerade recht, wie?" Er betrachtete wieder ihre Beine.
"Das hier ist kein Zirkus, und ich laufe nicht weg." Zwei himmelschreiende Lügen und sie hatte nicht einmal geblinzelt. Vielleicht hatte sie den Dreh ja langsam raus.
"Wie viel?"
"Ich will kein Geld", sagte sie und seufzte erleichtert. "Ich bin nur nett."
"Du willst weg aus diesem Kaff, wie?"
Sie stimmte zu, ehe ihr bewusst war, was sie tat. "Ja."
Er streckte die Hand aus, als wollte er ihren Arm streicheln. Sie hielt den Atem an. Dann packte er ihren Ellbogen, fest, fast schmerzhaft.
"Komm schon, Kleine."
"Was soll das denn? Lass mich los!" Aber hatte sie diese Reaktion nicht gewollt, nicht herausgefordert? Doch die Berührung wirkte wie ein kalter Guss. Die Vorstellung, mit ihm zu schlafen, war allein schon unerträglich - doch der Gedanke, vergewaltigt zu werden, machte sie wahnsinnig. Allerdings war er fast fünfzig Kilo schwerer und so taumelte sie über das mit Heu übersäte Gras. "Lass mich los! Lass mich sofort los!"
"Hör auf dich zu wehren. Du wirst mir noch mal dankbar sein."
Mit tränenverschleiertem Blick sah sie, dass er sie nicht in irgendeine dunkle Ecke zerrte. Stattdessen zog er sie zu der breiten Treppe, die zum Rathaus hinaufführte, das bis auf die hell erleuchtete Eingangshalle der Polizeiwache im Dunkeln lag.
Der Geruch von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln hing noch in der Luft, obwohl der Umzug und die Kirmes längst vorbei und die Besucher nach Hause gegangen waren. Die Rasenfläche vor dem Rathaus - mit jetzt dunklen Fenstern - war ein einziges Durcheinander. Aber die Arbeit eines Schaustellers fängt erst richtig an, wenn der Spaß vorüber ist. Also demontierten sie ihre nun still stehenden Fahrgeschäfte für den Transport in die nächste Stadt.
Jenna blieb bei dem Hula-Hoop-Karussell stehen und atmete tief durch, damit ihr nicht schlecht wurde. Ich kann das nicht, dachte sie. Doch, ich kann.
Sie rückte ihren kleinen Rucksack zurecht, in dem sich ihre wichtigsten Besitztümer befanden - Haargel, das Foto eines Babys, ihres Bruders, und ihr Lernführerschein -, und beobachtete einen Mann, der eine Kinder-Berg-und Talbahn überprüfte. Im Halbdunkel zog er mit einem Schlüssel an jedem der kleinen Sitze die Muttern an, mit denen sie am Boden fixiert waren. Dann rüttelte er einmal kräftig an dem Sitz, ehe er zum nächsten ging.
Kann ich mich wirklich von solchen dreckigen Händen begrapschen lassen?
Nach ein paar Gläsern aus der Whiskyflasche von Katies Dad hatte der Plan eigentlich wie eine gute Idee geklungen, doch jetzt.
Ich kann das nicht.
Doch, du kannst. Du musst. Wie willst du sonst hier rauskommen?
Sie strich über ihr bis auf den Rücken fallendes Haar, straffte die Schultern und schlenderte über den Weg zwischen Buden und Fahrgeschäften. Obwohl sie erst fünfzehn war, konnte sie sich wie eine Zwanzigjährige bewegen. Alle ihre Freunde hatten ihr das gesagt. Selbst im Gehen mit ihren Plateauschuhen über das unebene Gras spürte sie den verführerischen Schwung ihrer Hüften. Sie stieg über eine herabgefallene Leine mit grünen und weißen Fähnchen.
Doch die Mühe hätte sie sich sparen können. Der Schausteller sah sie erst an, als sie neben ihm stand.
Er grinste sie an, seine Zähne waren schief. Sein T-Shirt war fleckig und er roch nach Schweiß. Juli ist wohl nicht die beste Zeit, um aufs Duschen zu verzichten.
"He, du."
"Hi", sagte sie, bemüht verführerisch zu klingen. Doch es war nur ein Quieken.
"Was machst du denn um diese Zeit noch hier?" Er arbeitete weiter.
"Ich kam nur zufällig hier vorbei." Sie betonte das vierte Wort.
"Gehst du jetzt nach Hause?"
Sie lächelte gezwungen. "Na klar, was sonst."
Sein Blick wanderte über ihre schmale Gestalt, ihre jugendlich glatte Haut, ihre wohlgeformten Beine, die aus den kürzesten Shorts hervorschauten, die sie besaß. Dann wandte er sich wieder seiner Arbeit zu.
Auf ihre Frage, wo er herkomme, antwortete er ausweichend: "Letzte Woche waren wir in Columbus. Von hier geht's nach Toledo."
Das war genau das, was sie brauchte. Immer in Bewegung, niemals lange genug an einem Ort sein, auf die Weise würde man sie nicht finden. "Da wollte ich schon immer mal hin."
"Nach Toledo? Ja, sicher."
"Doch, wirklich! Soll ich dir vielleicht während der Fahrt Gesellschaft leisten?"
"Toledo", sagte er wieder.
Sie hatte nicht erwartet, dass es so schwierig werden würde, hatte nicht mit einem solchen Desinteresse gerechnet. Sie beugte sich vor, um ihm einen Blick auf ihren bereits gut entwickelten Busen in dem tief ausgeschnittenen Tank-Top zu gewähren. Ihr Herz klopfte wie verrückt und sie war sicher, dass er es durch ihre Haut sehen könne. "Es macht bestimmt Spaß, mit einem Mann wie dir zusammen zu sein."
Er sah sie an, sagte nichts. Seinen Gesichtsausdruck konnte sie in der Dunkelheit nicht erkennen.
Du meine Güte, was soll ich denn noch tun, damit er es endlich kapiert? Hol mich aus dieser Stadt raus, dann kannst du Sex mit mir haben, du Idiot.
Bei dem Gedanken daran wurde ihr übel. Dieser dicke Kerl hätte ihr Vater sein können - wenn sie denn einen gehabt hätte. Wahrscheinlich hatte er jede Geschlechtskrankheit, vor denen der Lehrer sie in Gesundheitskunde gewarnt hatte. Ihr Magen revoltierte, und beim Aufstoßen schmeckte sie Whisky.
Vielleicht war das doch keine so gute Idee.
Und ich sollte Josh nicht allein lassen. Aber ich weiß nun mal.
Nein. Ich will hier weg. Selbst wenn es bedeutet, mit diesem
Kerl zusammen sein zu müssen, der nicht gerade das Pulver erfunden hat.
"Ich würde gern mit dir kommen." Sie sprach langsam und jede einzelne Silbe ganz deutlich aus. "Ich glaube, du hättest deinen Spaß dabei."
Er rieb sich über das stoppelige Kinn und musterte sie mit harten, halb zusammengekniffenen Augen, als suchte er nach irgendwelchen Schwächen. Sie wich seinem Blick nicht aus. "Ich weiß nicht", sagte er schließlich. "Ich lasse lieber die Finger von Minderjährigen."
"Ich bin neunzehn. Bin bloß 'n bisschen klein für mein Alter."
"Verstehe. Wohnst du hier?"
"Ich wohne nirgendwo. Genau wie du." Letzte Woche Columbus, nächste Woche Toledo.
"Du hast also einfach mal Lust, wegzulaufen und da kommt dir so ein Zirkus gerade recht, wie?" Er betrachtete wieder ihre Beine.
"Das hier ist kein Zirkus, und ich laufe nicht weg." Zwei himmelschreiende Lügen und sie hatte nicht einmal geblinzelt. Vielleicht hatte sie den Dreh ja langsam raus.
"Wie viel?"
"Ich will kein Geld", sagte sie und seufzte erleichtert. "Ich bin nur nett."
"Du willst weg aus diesem Kaff, wie?"
Sie stimmte zu, ehe ihr bewusst war, was sie tat. "Ja."
Er streckte die Hand aus, als wollte er ihren Arm streicheln. Sie hielt den Atem an. Dann packte er ihren Ellbogen, fest, fast schmerzhaft.
"Komm schon, Kleine."
"Was soll das denn? Lass mich los!" Aber hatte sie diese Reaktion nicht gewollt, nicht herausgefordert? Doch die Berührung wirkte wie ein kalter Guss. Die Vorstellung, mit ihm zu schlafen, war allein schon unerträglich - doch der Gedanke, vergewaltigt zu werden, machte sie wahnsinnig. Allerdings war er fast fünfzig Kilo schwerer und so taumelte sie über das mit Heu übersäte Gras. "Lass mich los! Lass mich sofort los!"
"Hör auf dich zu wehren. Du wirst mir noch mal dankbar sein."
Mit tränenverschleiertem Blick sah sie, dass er sie nicht in irgendeine dunkle Ecke zerrte. Stattdessen zog er sie zu der breiten Treppe, die zum Rathaus hinaufführte, das bis auf die hell erleuchtete Eingangshalle der Polizeiwache im Dunkeln lag.