Amok
Ursachen erkennen - Warnsignale verstehen - Katastrophen verhindern
Britta Bannenberg(Author)
Gütersloher Verlagshaus
Published on 15. February 2010
Book
Hardback
208 pages
978-3-579-06873-2 (ISBN)
Description
Das Spiel mit dem Feuer - wenn Schüler Amok laufen
- Eine behutsame Annäherung an ein beängstigendes Phänomen
- Zum Jahrestag des Amoklaufs in Winnenden
Amokläufe sind lange geplante Gewalttaten mit übersteigerten Hass und Rachephantasien, die meistens im ebenfalls geplanten Suizid enden. Häufiger sind Drohungen oder diffuse Ankündigungen einer solchen Tat, was bei Lehrern, Schülern und Eltern Angst und Sorge auslöst. Echte Drohungen von einem üblen Scherz zu unterscheiden ist sehr schwierig, aber es gibt Anhaltspunkte, die man als Anlass zum Handeln ansehen kann.
Britta Bannenberg analysiert eingehend Ursachen und Warnsignale und beschreibt Möglichkeiten zur Prävention. Damit haben Lehrer und Erziehende eine verlässliche Unterstützung, besorgniserregende Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen richtig einzuordnen und entsprechend zu reagieren.
- Eine behutsame Annäherung an ein beängstigendes Phänomen
- Zum Jahrestag des Amoklaufs in Winnenden
Amokläufe sind lange geplante Gewalttaten mit übersteigerten Hass und Rachephantasien, die meistens im ebenfalls geplanten Suizid enden. Häufiger sind Drohungen oder diffuse Ankündigungen einer solchen Tat, was bei Lehrern, Schülern und Eltern Angst und Sorge auslöst. Echte Drohungen von einem üblen Scherz zu unterscheiden ist sehr schwierig, aber es gibt Anhaltspunkte, die man als Anlass zum Handeln ansehen kann.
Britta Bannenberg analysiert eingehend Ursachen und Warnsignale und beschreibt Möglichkeiten zur Prävention. Damit haben Lehrer und Erziehende eine verlässliche Unterstützung, besorgniserregende Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen richtig einzuordnen und entsprechend zu reagieren.
More details
Language
German
Product notice
With flaps
Dimensions
Height: 21.5 cm
Width: 13.5 cm
ISBN-13
978-3-579-06873-2 (9783579068732)
Schweitzer Classification
Other editions
Additional editions

E-Book
06/2010
Gütersloher Verlagshaus
€2.99
Available for download
Person
Britta Bannenberg, Prof. Dr., geboren 1964, April 2002 bis Februar 2008 Professorin für Kriminologie, Strafrecht und Strafverfahrensrecht an der Universität Bielefeld; seit Februar 2008 Professorin für Kriminologie in Giessen.
Content
Dieses Buch richtet sich primär an Eltern und Lehrer. Es soll aufklären und informieren. Seit dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen am 11. März 2009 hat das Thema Amok (vornehmlich an Schulen, aber nicht nur) die Öffentlichkeit aufgewühlt. Man kann auch sagen, die Möglichkeit solcher Taten hat sich mittlerweile in das kollektive Bewusstsein eingebrannt. Egal, wie die Wissenschaft das Phänomen "Amok" betrachtet, jeder stellt sich unter diesem Begriff ein potenziell tödliches Ereignis mit breiter Medienberichterstattung vor. Viele halten heute Mehrfachtötungen an Schulen für möglich. Neben Medienberichten und der Einsetzung von Expertenkommissionen hat das Thema breite Diskussionen unter Schülern, Eltern und Lehrern, Polizeibeamten, Politikern und in der Öffentlichkeit ausgelöst. Nach der Tat gab es in Deutschland einen sehr starken Anstieg von Drohungen mit einem Amoklauf an Schulen, wie es noch nie zuvor in diesem Ausmaß der Fall war. Darunter sind zum ganz überwiegenden Teil Androhungen, die nicht ernsthaft in eine Tatausführung münden sollten. Das ändert aber nichts an der Verbreitung von Angst und Schrecken durch diese Drohungen und der großen Unsicherheit bei der Beurteilung derartiger Ankündigungen. Außerdem planen einige Täter tatsächlich die Nachahmung einer solchen Mehrfachtötung, weshalb im Einzelfall schnell reagiert werden muss, um eine mögliche Katastrophe zu verhindern.
Das Wort Amok ist eine falsche Bezeichnung für geplante, versuchte oder vollendete Mehrfachtötungen mit unklarem Motiv.
Die Benennung einer Tat als "Amoktat" legt eine unvorhersehbare und plötzlich eintretende Katastrophe unausgesprochen nahe. Dem ist aber in der Regel nicht so. In den meisten Fällen gibt es Anzeichen für eine problematische Persönlichkeitsentwicklung eines Jungen, die insbesondere den Eltern nicht verborgen bleibt. Nur - sie rechnen nicht unbedingt mit dem Schlimmsten. Meistens verdrängen und verschweigen sie ihr Unbehagen und verzichten auf frühzeitige Einschaltung professioneller Institutionen wie etwa der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Auch Mitschüler und Lehrer können eine Reihe von Anzeichen entdecken und eine Tat abwenden. Dazu müssen sie die Zeichen aber lesen können.
Das Buch soll zeigen, dass Tötungen und Katastrophen verhindert werden können. Man muss ehrlich sein: Nicht jede Tat wird sich verhindern lassen. Aber in den meisten Fällen kommt eine Tat nicht wie ein Gewitter "aus heiterem Himmel". Die Anzeichen reichen oft Jahre zurück.
Die Gesellschaft ist gefordert, will sie weitere Taten mit furchtbaren Folgen für die Opfer, die Angehörigen, die Lehrer und Mitschüler in den betroffenen Schulen, aber auch für die Familien der Täter verhindern. Für die meisten ist das Leben nicht mehr so wie zuvor. Es ändert sich grundlegend und bedeutet für manche jahrelanges Leiden und die Aufgabe von Zielen, Hoffnungen und Träumen. Von einer direkten Amokprävention, also der frühzeitigen Verhinderung von Amoktaten, kann dabei nicht gesprochen werden. Die Bezeichnung "Amokprävention" eignet sich am besten für die Gefährlichkeitsbeurteilung von Drohungen mit einem Amoklauf und einer Intervention, die die Tat verhindert. In den meisten Fällen wird die frühzeitige Aufmerksamkeit für stille männliche Schüler, die scheu und voller sozialer Ängste sind und die Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen haben, aber eher ihrer sozialen Entwicklung dienen und primär das Ziel haben, sie zu befähigen, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen und ein zufriedenes Leben führen zu können. Ganz nebenbei können dabei auch destruktive Entwicklungen hin zu erheblichen Persönlichkeitsstörungen oder auch einem - seltenen - Amoklauf verhindert werden.
Meine jahrelange Beschäftigung mit dem Phänomen Amok hat zu der Auffassung geführt, dass junge Männer die Taten letztlich auch begehen, weil nach der Pubertät Probleme mit Sexualität und Partnerschaft für sie deutlich und schließlich übermächtig werden. Die schüchternen Jungen sind nicht in der Lage, mit Mädchen angemessene Freundschaften einzugehen und Sexualität zu erproben. Der eine wird verlacht, nicht ernst genommen, kann Wünsche, ein Mädchen anzusprechen und mit ihm in Kontakt zu treten, nicht realisieren und verliert letztlich die Hoffnung, jemals eine Partnerin zu finden. Andere entwickeln aus diesem Unvermögen sexuelle Gewaltfantasien und malen sich in einer Entwicklungsphase über verbale Abwertungen von Mädchen und Frauen körperliche und sexuelle Attacken bis hin zur physischen Vernichtung in ihrer Fantasie aus. Dieser Aspekt bleibt Außenstehenden meistens verborgen und wird vor allem in intimen Aufzeichnungen, Tagebüchern oder in späteren Äußerungen bei der psychiatrischen Begutachtung sichtbar. Die späteren Täter haben also nicht nur Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen und erreichen keine soziale Anerkennung. Ihre Probleme im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht scheinen ihnen derart groß und zugleich aus ihrer Sicht unüberwindbar, dass sich ein solches Leben nicht mehr lohnt. Daraus resultierende Minderwertigkeitsgefühle und Verunsicherungen ihrer nicht zu findenden, für sie unerreichbaren männlichen Rolle werden in einer Identifikation mit übermächtigen männlichen Heldenrollen kompensiert. Im Zusammenspiel mit ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitszügen folgt daraus eine Tatplanung, die manche in die Realität umsetzen. Das bedeutet keineswegs, dass bei der Tatausführung nur Mädchen und Frauen Opfer werden. Hass- und Rachefantasien wachsen über Jahre und werden auf soziale Institutionen (die Schule) oder die gesamte Gesellschaft übertragen.
Fallbeispiel 1 - Bedrohung oder falsch verstandener Spaß?
"Am 14. Mai 2008 gegen 11 Uhr meldete sich der Schulleiter der Berufsschule bei der Polizei und teilte mit, zwei Schülerinnen seien von dem Beschuldigten mit dem Tode bedroht worden. Die Bedrohung soll über das Internet im Chat bei>ICQ
Wie kam es zu der Festnahme, was war passiert?
Der Schulleiter hatte Strafanzeige erstattet, weil ein Vertrauenslehrer gehört hatte, wie sich Schülerinnen aufgeregt über die Äußerungen des Mitschülers Michael unterhalten hatten, wobei sich eine Schülerin massiv bedroht fühlte. Sie sei über ICQ mit dem Tode bedroht worden und hätte sagen sollen, ob sie den Schuss in den Nacken oder in die Stirn haben wolle. Der Lehrer fragte nach und sollte die Sache zunächst für sich behalten, die Schülerin wollte am nächsten Tag den Ausdruck mitbringen. Der Lehrer informierte jedoch den Schulleiter und man beriet, was zu tun sei. Die Schülerin erschien glaubwürdig. Schließlich rief der Schulleiter den Bezirkspolizisten an, der ohnehin einmal im Monat mit der Schulleitung ein informelles Gespräch über Probleme mit Schülern führt. Dieser sagte zu, zu kommen. Er erschien kurze Zeit später mit vier Beamten.
Das Wort Amok ist eine falsche Bezeichnung für geplante, versuchte oder vollendete Mehrfachtötungen mit unklarem Motiv.
Die Benennung einer Tat als "Amoktat" legt eine unvorhersehbare und plötzlich eintretende Katastrophe unausgesprochen nahe. Dem ist aber in der Regel nicht so. In den meisten Fällen gibt es Anzeichen für eine problematische Persönlichkeitsentwicklung eines Jungen, die insbesondere den Eltern nicht verborgen bleibt. Nur - sie rechnen nicht unbedingt mit dem Schlimmsten. Meistens verdrängen und verschweigen sie ihr Unbehagen und verzichten auf frühzeitige Einschaltung professioneller Institutionen wie etwa der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Auch Mitschüler und Lehrer können eine Reihe von Anzeichen entdecken und eine Tat abwenden. Dazu müssen sie die Zeichen aber lesen können.
Das Buch soll zeigen, dass Tötungen und Katastrophen verhindert werden können. Man muss ehrlich sein: Nicht jede Tat wird sich verhindern lassen. Aber in den meisten Fällen kommt eine Tat nicht wie ein Gewitter "aus heiterem Himmel". Die Anzeichen reichen oft Jahre zurück.
Die Gesellschaft ist gefordert, will sie weitere Taten mit furchtbaren Folgen für die Opfer, die Angehörigen, die Lehrer und Mitschüler in den betroffenen Schulen, aber auch für die Familien der Täter verhindern. Für die meisten ist das Leben nicht mehr so wie zuvor. Es ändert sich grundlegend und bedeutet für manche jahrelanges Leiden und die Aufgabe von Zielen, Hoffnungen und Träumen. Von einer direkten Amokprävention, also der frühzeitigen Verhinderung von Amoktaten, kann dabei nicht gesprochen werden. Die Bezeichnung "Amokprävention" eignet sich am besten für die Gefährlichkeitsbeurteilung von Drohungen mit einem Amoklauf und einer Intervention, die die Tat verhindert. In den meisten Fällen wird die frühzeitige Aufmerksamkeit für stille männliche Schüler, die scheu und voller sozialer Ängste sind und die Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen haben, aber eher ihrer sozialen Entwicklung dienen und primär das Ziel haben, sie zu befähigen, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen und ein zufriedenes Leben führen zu können. Ganz nebenbei können dabei auch destruktive Entwicklungen hin zu erheblichen Persönlichkeitsstörungen oder auch einem - seltenen - Amoklauf verhindert werden.
Meine jahrelange Beschäftigung mit dem Phänomen Amok hat zu der Auffassung geführt, dass junge Männer die Taten letztlich auch begehen, weil nach der Pubertät Probleme mit Sexualität und Partnerschaft für sie deutlich und schließlich übermächtig werden. Die schüchternen Jungen sind nicht in der Lage, mit Mädchen angemessene Freundschaften einzugehen und Sexualität zu erproben. Der eine wird verlacht, nicht ernst genommen, kann Wünsche, ein Mädchen anzusprechen und mit ihm in Kontakt zu treten, nicht realisieren und verliert letztlich die Hoffnung, jemals eine Partnerin zu finden. Andere entwickeln aus diesem Unvermögen sexuelle Gewaltfantasien und malen sich in einer Entwicklungsphase über verbale Abwertungen von Mädchen und Frauen körperliche und sexuelle Attacken bis hin zur physischen Vernichtung in ihrer Fantasie aus. Dieser Aspekt bleibt Außenstehenden meistens verborgen und wird vor allem in intimen Aufzeichnungen, Tagebüchern oder in späteren Äußerungen bei der psychiatrischen Begutachtung sichtbar. Die späteren Täter haben also nicht nur Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen und erreichen keine soziale Anerkennung. Ihre Probleme im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht scheinen ihnen derart groß und zugleich aus ihrer Sicht unüberwindbar, dass sich ein solches Leben nicht mehr lohnt. Daraus resultierende Minderwertigkeitsgefühle und Verunsicherungen ihrer nicht zu findenden, für sie unerreichbaren männlichen Rolle werden in einer Identifikation mit übermächtigen männlichen Heldenrollen kompensiert. Im Zusammenspiel mit ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitszügen folgt daraus eine Tatplanung, die manche in die Realität umsetzen. Das bedeutet keineswegs, dass bei der Tatausführung nur Mädchen und Frauen Opfer werden. Hass- und Rachefantasien wachsen über Jahre und werden auf soziale Institutionen (die Schule) oder die gesamte Gesellschaft übertragen.
Fallbeispiel 1 - Bedrohung oder falsch verstandener Spaß?
"Am 14. Mai 2008 gegen 11 Uhr meldete sich der Schulleiter der Berufsschule bei der Polizei und teilte mit, zwei Schülerinnen seien von dem Beschuldigten mit dem Tode bedroht worden. Die Bedrohung soll über das Internet im Chat bei>ICQ
Wie kam es zu der Festnahme, was war passiert?
Der Schulleiter hatte Strafanzeige erstattet, weil ein Vertrauenslehrer gehört hatte, wie sich Schülerinnen aufgeregt über die Äußerungen des Mitschülers Michael unterhalten hatten, wobei sich eine Schülerin massiv bedroht fühlte. Sie sei über ICQ mit dem Tode bedroht worden und hätte sagen sollen, ob sie den Schuss in den Nacken oder in die Stirn haben wolle. Der Lehrer fragte nach und sollte die Sache zunächst für sich behalten, die Schülerin wollte am nächsten Tag den Ausdruck mitbringen. Der Lehrer informierte jedoch den Schulleiter und man beriet, was zu tun sei. Die Schülerin erschien glaubwürdig. Schließlich rief der Schulleiter den Bezirkspolizisten an, der ohnehin einmal im Monat mit der Schulleitung ein informelles Gespräch über Probleme mit Schülern führt. Dieser sagte zu, zu kommen. Er erschien kurze Zeit später mit vier Beamten.