
Relational Modernities
Description
Der Architekt Amâncio «Pancho» Guedes (1925-2015) wurde in Lissabon geboren, verbrachte aber den grössten Teil seines Lebens im südlichen Afrika, insbesondere in Mosambik. Einige seiner mehreren hundert realisierten Bauten sind Ikonen des spätkolonialen afrikanischen Modernismus, seine expressive gestalterische Handschrift, der Stiloguedes , ist gar als eigener Stil bekannt.
Relational Modernities widmet sich dem weniger bekannten Teil seines Werks, den ruhigeren, strengeren Bauwerken, die er für protestantische Missionsgesellschaften aus der Schweiz und Grossbritannien in der damaligen portugiesischen Kolonie entworfen hat: Schulen, Studentenwohnheime und Gemeindezentren. Silvia Balzan verortet diese Bauten innerhalb der ungleichen sozialen und politischen Ordnung des spätkolonialen Mosambik. Sie zeigt auf, wie Guedes und die Missionsvereine Allianzen und Räume schufen, die unvermeidlicherweise mit kolonialen Strukturen verflochten, aber zugleich offen für eine postkoloniale Zukunft waren. Als «relationale Modernität» löste diese hybride Praxis Gegensätze zwischen Kolonisatoren und Kolonisierten, Säkularem und Religiösem, westlicher Modernität und indigener afrikanischer Kultur auf.
Relational Modernities betrachtet das Vermächtnis von Guedes jenseits stilistischer Exzentrik oder missionarischer Wohltätigkeit neu und bewertet die soziopolitische und kulturelle Bedeutung der Gebäude selbst, die auch heute noch das Alltagsleben in Mosambik prägen.
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Persons
Silvia Balzan ist Architekturhistorikerin und Dozentin für Architectural Studies an der University of Manchester. Sie forscht über koloniale und postkoloniale Moderne anhand von Gebäuden, Materialien und Infrastrukturen und deren ökologische und geopolitische Nachwirkungen.
Sascha Roesler ist Professor für Architekturtheorie an der Accademia di architettura in Mendrisio. Davor war er als Dozent an der ETH Zürich sowie am Future Cities Laboratory der ETH in Singapur tätig.