Papa Blödmann
Ein Vater packt aus - Die beliebtesten Glossen aus ELTERN -
Titus Arnu(Author)
Goldmann (Publisher)
Published on 6. April 2009
Book
Hardback
160 pages
978-3-442-39168-4 (ISBN)
Description
Das ideale Geschenk für alle Väter!
Die schonungslose Wahrheit über das Leben mit Kindern - Titus Arnu erzählt von seinem turbulenten Alltag als Familienvater: treffende Beobachtungen, rührende Geschichten und witzige Anekdoten.
"Wischen impossible": wenn putzen zwecklos ist
"Die Seele des Kuscheltiers": Liebt mein Kind seinen Teddy mehr als mich?
"Das Schnurpsel-Syndrom": über Sprachstörungen bei Erwachsenen
"Meuterei für das Bounty": der tägliche Kampf um die Süßigkeiten
"Service-Wüste Familie": Ist Kinderarbeit im Haushalt illegal?
"Noch maaaaal!": Warum Wiederholungen pädagogisch so wertvoll sind
> Das ideale Geschenk für werdende, frische und erprobte Väter
> Eines der letzten großen Abenteuer für einen Mann: Vater sein
Die schonungslose Wahrheit über das Leben mit Kindern - Titus Arnu erzählt von seinem turbulenten Alltag als Familienvater: treffende Beobachtungen, rührende Geschichten und witzige Anekdoten.
"Wischen impossible": wenn putzen zwecklos ist
"Die Seele des Kuscheltiers": Liebt mein Kind seinen Teddy mehr als mich?
"Das Schnurpsel-Syndrom": über Sprachstörungen bei Erwachsenen
"Meuterei für das Bounty": der tägliche Kampf um die Süßigkeiten
"Service-Wüste Familie": Ist Kinderarbeit im Haushalt illegal?
"Noch maaaaal!": Warum Wiederholungen pädagogisch so wertvoll sind
> Das ideale Geschenk für werdende, frische und erprobte Väter
> Eines der letzten großen Abenteuer für einen Mann: Vater sein
More details
Series
Language
German
Illustrations
75
75 s/w Abbildungen
Dimensions
Height: 18.3 cm
Width: 11.5 cm
ISBN-13
978-3-442-39168-4 (9783442391684)
Schweitzer Classification
Persons
Titus Arnu war als Autor für verschiedene Zeitungen und Magazine tätig, u. a. für "sz-Magazin", "SPIEGEL", "Geo", "Brigitte" und "Vogue". Seit 2006 ist er Reporter bei der Panorama-Redaktion der "Süddeutschen Zeitung".
Content
Das Schnurpsel-Syndrom
Selbst vernünftige Menschen verfallen in die Mausi-Hasi-Butzi-Sprache, wenn sie es mit Babys oder Kleinkindern zu tun haben. Muss das sein?
Huhuuuu! Haaaalloooo! Hallöchen, liebes Leserlein! Hassu Lust auf ein süßes kleines Textchen? Ja? Au ja? Fein. Feinchen. Feinileinchen. Mussu aber schön richtig machen. Also, machsu Äuglein brav auf und schaussu diese winzigen, niedlichen Butzi-Butzi-Buchstäbchen an. Einen nach dem anderen, gell? So ist's gut. Schön lieb sein! Und weiterlesen!
Mal ehrlich: Wollen Sie so angeredet werden? Wollen Sie nicht. Sie sind ja kein Trottel, dem man alles ganz, ganz langsam erklären muss. Sie wollen nicht von oben herab behandelt werden, nicht mal von der Seite - wie ein Fernsehzuschauer von den Teletubbies, diesen halbdebilen bunten Wichten, die ihre Zeit mit Staubsauger-Jagen, Hüpfen, Grinsen, Oh-Oh-Sagen und Winke-Winke-Machen verbringen.
Genau so verhalten sich aber ansonsten ganz vernünftige Erwachsene, sobald sie ein kleines Kind erblicken. Eltern sprechen zu ihren Krabblern mit dieser Sirenenstimme, immer rauf und runter, rauf und runter. Dazu gehören außerdem große Kulleraugen und eine enorm ausgestülpte Schnute.
Als wäre das nicht schon demütigend genug, geben die Großen den Kleinen auch noch die furchtbarsten Kosenamen. Schnurpsel, Bobbele, Schnecke. Einjährige können sich ja noch nicht wehren.
Viele Schnurpsel heißen allerdings noch mit sieben so, manch ein Bobbele kann sich erst mit 17 von seinem elterlichen Spitznamen befreien.
Das Butzi-Butzi-Problem ist weltweit verbreitet, und es scheint kein Mittel dagegen zu geben. Nicht mal langjähriges Lesen des FAZ-Wirtschaftsteils oder andere Versuche, das Sprachzentrum trockenzulegen, helfen gegen den Instinkt, beim Anblick eines Babys in süßes Gesäusel zu verfallen. Und das scheint auch gut so zu sein, wie Psychologen behaupten. Denn die übertriebene Sprachmelodie macht es angeblich leichter, einzelne Wörter zu verstehen und ihre emotionale Bedeutung zu lernen. Forscher nennen das Phänomen "Ammensprache".
Die Ammensprache ist gut für den Anfang, aber spätestens beim Eintritt in die gymnasiale Oberstufe haben die lieben Kleinen ein Recht darauf, von der Mutter nicht mehr mit "Machsu schön fein deine Hausis, Schatzilein" angesprochen zu werden. Das Grundrecht, ernst genommen zu werden, existiert auch für Minderjährige.
Wenn Eltern so vernarrt in die Produkte ihrer Liebe sind, dass sie auch das Wohnzimmersofa, den Hund und sich selbst nur noch in Ammensprache anreden, ist also Vorsicht geboten. Professionelle Hilfe sollte dann hinzugezogen werden, wenn Kinder im Schulalter noch immer "Will trinken!" sagen, sobald sie Durst haben. Schuld daran sind meistens die Eltern.
Vielleicht hilft ein Perspektivwechsel. Stellen Sie sich einfach vor, Sie seien ganz klein. Sie sind weder in der Lage, laut Nein zu sagen, noch abzuhauen, weil Sie weder sprechen noch laufen können. So weit klar? Okay.
Jetzt beugt sich ein grinsender Riese über ihr Bett und brüllt Sie mit heller Stimme an: "Haaaaalloooooo! Jaaa weeeeeen hamm wir den daaaa-aaaah?" Also bitte, reißen Sie sich doch etwas zusammen. Mussi jetz Schlussi-Schlussi machen! Tschüssi! Tschüssilein! Winke-Winke!
Die Monster-AG
Es gibt Phasen im Leben eines Vaters, da fragt er sich: Bin ich eigentlich ein Ungeheuer?
Manchmal fühle ich mich wie Frankensteins Monster. Ich laufe zwar nicht mit Elektroden im Schädel herum, aber trotzdem reagieren bestimmte Menschen panikartig auf meine bloße Anwesenheit. Sie laufen weinend weg, schreien "Mama!, Mama!" und verstecken sich in ihren Zimmern. Das Problem ist: Diese Menschen sind meine Kinder.
Okay, nicht jeder muss mir Stofftiere zuwerfen oder mich um Autogramme anbetteln, das wird ja auch irgendwann lästig. Aber wieso bin ich manchmal dermaßen unbeliebt?
Als meine Tochter zwei Jahre alt war, muss ich für sie eine Kombination aus Rübezahl, böser Wolf, Kater Karlo und Saddam Hussein gewesen sein. Im besten Fall ignorierte sie mich. Im schlimmsten Fall rannte sie kreischend davon, wenn ich ihr die Zahnpasta auf die Bürste drücken wollte. Mein Sohn blieb sogar mal drei Stunden auf der Toilette sitzen, weil er sich weigerte, sich von mir
helfen zu lassen: "Nein, Mamaaaaaa!"
Anderen Vätern geht es offenbar nicht besser. Ein befreundetes Monster erzählte mir, es dürfe das Zimmer seiner Tochter nicht mehr betreten. Und ein anderes Ungeheuer berichtet, sein Sohn verstecke sich jedes Mal hinterm Sofa, wenn es vom Büro nach Hause komme. Dabei kann ich bezeugen, dass die Kollegen der Monster-AG ihre Kinder weder schlagen noch anbrüllen.
Ehrlich, liebe Kinder: Wir Papas sind keine bösen Menschen. Unser Fehler ist doch nur, dass wir nicht so hübsch, rundlich und langhaarig sind wie Mamas. Wenigstens die meisten von uns. Frauen sind weich und haben diesen Baby-Singsang in der Stimme. Männer dagegen kratzen und brummen. Ab Mitte 30 nehmen viele von ihnen regelrecht monsterartige Züge an. Teile des Körpers, die früher mal straff waren, hängen auf einmal schlaff herum. Während der Haarwuchs auf dem Kopf nachlässt, befällt er Körperregionen, die haarlos eigentlich schöner wären, die Schultern zum Beispiel. Aus Nasenlöchern und Ohren beginnen dicke schwarze Borsten zu sprießen. Aus Sicht eines winzigen Lebewesens muss so ein Fleisch- und Haarberg wirklich etwas Schreckliches sein.
So weit können wir Männer die Vorlieben und Abneigungen der Kinder durchaus verstehen. Aber sind wir auch schlechtere Menschen? Vielleicht liegt es daran, dass viele männliche Wesen häufig abwesend sind, und der Nachwuchs daher länger braucht, sich an uns zu gewöhnen. Aber wir meinen es doch nicht böse, wenn wir arbeiten gehen, Windelpakete und Mineralwasserkästen besorgen oder aus anderen trivialen Gründen außer Haus sind.
Aus Sicht des Kleinkindes muss ein arbeitender Vater irgendwie als Fremder erscheinen. Auf der einen Seite ist da die schöne, gut riechende Frau, die einen mit Essen versorgt und immer zur Stelle ist, wenn man nur leise quäkt. Auf der anderen Seite der muffelige Typ, der sich ewig nicht blicken lässt. Und wenn er mal da ist, will er auch noch ein bisschen Aufmerksamkeit von der schönen Frau.
Vätern, die trotz dieses Dilemmas arbeiten gehen, bleibt nur wenig, um sich bei ihrem Nachwuchs einzuschmeicheln: immer gut rasieren, zum Beispiel. Das Tragen von Rock und Perücke könnte helfen, wenn es für ausgewachsene Monster nicht so extrem erniedrigend wäre.
Selbst vernünftige Menschen verfallen in die Mausi-Hasi-Butzi-Sprache, wenn sie es mit Babys oder Kleinkindern zu tun haben. Muss das sein?
Huhuuuu! Haaaalloooo! Hallöchen, liebes Leserlein! Hassu Lust auf ein süßes kleines Textchen? Ja? Au ja? Fein. Feinchen. Feinileinchen. Mussu aber schön richtig machen. Also, machsu Äuglein brav auf und schaussu diese winzigen, niedlichen Butzi-Butzi-Buchstäbchen an. Einen nach dem anderen, gell? So ist's gut. Schön lieb sein! Und weiterlesen!
Mal ehrlich: Wollen Sie so angeredet werden? Wollen Sie nicht. Sie sind ja kein Trottel, dem man alles ganz, ganz langsam erklären muss. Sie wollen nicht von oben herab behandelt werden, nicht mal von der Seite - wie ein Fernsehzuschauer von den Teletubbies, diesen halbdebilen bunten Wichten, die ihre Zeit mit Staubsauger-Jagen, Hüpfen, Grinsen, Oh-Oh-Sagen und Winke-Winke-Machen verbringen.
Genau so verhalten sich aber ansonsten ganz vernünftige Erwachsene, sobald sie ein kleines Kind erblicken. Eltern sprechen zu ihren Krabblern mit dieser Sirenenstimme, immer rauf und runter, rauf und runter. Dazu gehören außerdem große Kulleraugen und eine enorm ausgestülpte Schnute.
Als wäre das nicht schon demütigend genug, geben die Großen den Kleinen auch noch die furchtbarsten Kosenamen. Schnurpsel, Bobbele, Schnecke. Einjährige können sich ja noch nicht wehren.
Viele Schnurpsel heißen allerdings noch mit sieben so, manch ein Bobbele kann sich erst mit 17 von seinem elterlichen Spitznamen befreien.
Das Butzi-Butzi-Problem ist weltweit verbreitet, und es scheint kein Mittel dagegen zu geben. Nicht mal langjähriges Lesen des FAZ-Wirtschaftsteils oder andere Versuche, das Sprachzentrum trockenzulegen, helfen gegen den Instinkt, beim Anblick eines Babys in süßes Gesäusel zu verfallen. Und das scheint auch gut so zu sein, wie Psychologen behaupten. Denn die übertriebene Sprachmelodie macht es angeblich leichter, einzelne Wörter zu verstehen und ihre emotionale Bedeutung zu lernen. Forscher nennen das Phänomen "Ammensprache".
Die Ammensprache ist gut für den Anfang, aber spätestens beim Eintritt in die gymnasiale Oberstufe haben die lieben Kleinen ein Recht darauf, von der Mutter nicht mehr mit "Machsu schön fein deine Hausis, Schatzilein" angesprochen zu werden. Das Grundrecht, ernst genommen zu werden, existiert auch für Minderjährige.
Wenn Eltern so vernarrt in die Produkte ihrer Liebe sind, dass sie auch das Wohnzimmersofa, den Hund und sich selbst nur noch in Ammensprache anreden, ist also Vorsicht geboten. Professionelle Hilfe sollte dann hinzugezogen werden, wenn Kinder im Schulalter noch immer "Will trinken!" sagen, sobald sie Durst haben. Schuld daran sind meistens die Eltern.
Vielleicht hilft ein Perspektivwechsel. Stellen Sie sich einfach vor, Sie seien ganz klein. Sie sind weder in der Lage, laut Nein zu sagen, noch abzuhauen, weil Sie weder sprechen noch laufen können. So weit klar? Okay.
Jetzt beugt sich ein grinsender Riese über ihr Bett und brüllt Sie mit heller Stimme an: "Haaaaalloooooo! Jaaa weeeeeen hamm wir den daaaa-aaaah?" Also bitte, reißen Sie sich doch etwas zusammen. Mussi jetz Schlussi-Schlussi machen! Tschüssi! Tschüssilein! Winke-Winke!
Die Monster-AG
Es gibt Phasen im Leben eines Vaters, da fragt er sich: Bin ich eigentlich ein Ungeheuer?
Manchmal fühle ich mich wie Frankensteins Monster. Ich laufe zwar nicht mit Elektroden im Schädel herum, aber trotzdem reagieren bestimmte Menschen panikartig auf meine bloße Anwesenheit. Sie laufen weinend weg, schreien "Mama!, Mama!" und verstecken sich in ihren Zimmern. Das Problem ist: Diese Menschen sind meine Kinder.
Okay, nicht jeder muss mir Stofftiere zuwerfen oder mich um Autogramme anbetteln, das wird ja auch irgendwann lästig. Aber wieso bin ich manchmal dermaßen unbeliebt?
Als meine Tochter zwei Jahre alt war, muss ich für sie eine Kombination aus Rübezahl, böser Wolf, Kater Karlo und Saddam Hussein gewesen sein. Im besten Fall ignorierte sie mich. Im schlimmsten Fall rannte sie kreischend davon, wenn ich ihr die Zahnpasta auf die Bürste drücken wollte. Mein Sohn blieb sogar mal drei Stunden auf der Toilette sitzen, weil er sich weigerte, sich von mir
helfen zu lassen: "Nein, Mamaaaaaa!"
Anderen Vätern geht es offenbar nicht besser. Ein befreundetes Monster erzählte mir, es dürfe das Zimmer seiner Tochter nicht mehr betreten. Und ein anderes Ungeheuer berichtet, sein Sohn verstecke sich jedes Mal hinterm Sofa, wenn es vom Büro nach Hause komme. Dabei kann ich bezeugen, dass die Kollegen der Monster-AG ihre Kinder weder schlagen noch anbrüllen.
Ehrlich, liebe Kinder: Wir Papas sind keine bösen Menschen. Unser Fehler ist doch nur, dass wir nicht so hübsch, rundlich und langhaarig sind wie Mamas. Wenigstens die meisten von uns. Frauen sind weich und haben diesen Baby-Singsang in der Stimme. Männer dagegen kratzen und brummen. Ab Mitte 30 nehmen viele von ihnen regelrecht monsterartige Züge an. Teile des Körpers, die früher mal straff waren, hängen auf einmal schlaff herum. Während der Haarwuchs auf dem Kopf nachlässt, befällt er Körperregionen, die haarlos eigentlich schöner wären, die Schultern zum Beispiel. Aus Nasenlöchern und Ohren beginnen dicke schwarze Borsten zu sprießen. Aus Sicht eines winzigen Lebewesens muss so ein Fleisch- und Haarberg wirklich etwas Schreckliches sein.
So weit können wir Männer die Vorlieben und Abneigungen der Kinder durchaus verstehen. Aber sind wir auch schlechtere Menschen? Vielleicht liegt es daran, dass viele männliche Wesen häufig abwesend sind, und der Nachwuchs daher länger braucht, sich an uns zu gewöhnen. Aber wir meinen es doch nicht böse, wenn wir arbeiten gehen, Windelpakete und Mineralwasserkästen besorgen oder aus anderen trivialen Gründen außer Haus sind.
Aus Sicht des Kleinkindes muss ein arbeitender Vater irgendwie als Fremder erscheinen. Auf der einen Seite ist da die schöne, gut riechende Frau, die einen mit Essen versorgt und immer zur Stelle ist, wenn man nur leise quäkt. Auf der anderen Seite der muffelige Typ, der sich ewig nicht blicken lässt. Und wenn er mal da ist, will er auch noch ein bisschen Aufmerksamkeit von der schönen Frau.
Vätern, die trotz dieses Dilemmas arbeiten gehen, bleibt nur wenig, um sich bei ihrem Nachwuchs einzuschmeicheln: immer gut rasieren, zum Beispiel. Das Tragen von Rock und Perücke könnte helfen, wenn es für ausgewachsene Monster nicht so extrem erniedrigend wäre.