
ABC Berliner Alltagsdinge
Nützliches aus vergangenen Tagen
Verlag M
1st Edition
Published on 15. October 2014
Book
Paperback/Softback
96 pages
978-3-939254-20-1 (ISBN)
Description
Wir sind umgeben von Dingen, die wichtig und praktisch, aber so alltäglich
sind, dass wir sie kaum beachten.Sie sind einfach da, gehören
zu unserem Leben, werden genutzt,verbraucht, ausgetauscht, erneuert,
durch modernere Varianten ersetzt oder sind einfach nicht mehr nötig.
Viele dieser Gegenstände geraten dann in Vergessenheit, und dies geschieht
heute viel schneller als vor 50, 100 oder 150 Jahren. In diesem Büchlein
sind 40 Alltagsdinge versammelt, die in vielen Wohnungen und Häusern
zwischen 1750 und 1960 verwendet wurden - von A wie Abwaschtisch bis
Z wie Zoetrop. Benutzt wurden sie bei der Wäsche und beim Kochen, beim
Baden und Spielen - eben im Alltag.Und oft waren diese einfachen Dinge
für ihre Besitzer von großem Wert. Um 1871 verdiente ein guter Facharbeiter
vier bis acht Taler in der Woche. Davon konnte er geradeso leben. Handwerker
verdienten noch weniger, hatten aber oft Kost und Logis frei. Mit diesem
Geld war es schwer, die täglichen Bedürfnisse zu befriedigen, und noch
schwerer, Anschaffungen zu tätigen oder sogar einen Hausstand zu gründen.
Da musste der Kauf eines jeden Haushaltsgegenstandes wohl überlegt
sein. So erklärt sich, dass auch scheinbar ganz gewöhnliche Gebrauchsgegenstände
in den Familien vererbt wurden und Bügeleisen oder Schuhbürsten
eine Lebensdauer hatten, die heutige Hersteller schockieren würde.
Die prekären Lebensumstände der unteren und mittleren Schichten erlaub-
ten weder luxuriöse Verschwendung noch üppige oder gar austauschbare
Ausstattungen. Deshalb wurden Gegenstände des Alltags gepflegt, bewahrt
und sorgsam gehütet - eine traditionelle Form der Nachhaltigkeit. Viele
dieser Dinge wurden in Berlin oder im Umland hergestellt und verkauft, aber
auch aus fernen Teilen Deutschlands und der Welt gelangten Waren nach
Berlin. Die aufkommende Industrialisierung mit hohen Stückzahlen zu
billigen Preisen und die neuen Verkehrsmöglichkeiten durch die moderne
Schifffahrt und die Eisenbahnen trugen dazu bei.
Mancher Gegenstand gibt mit seiner Form und Funktion heute Rätsel auf.
Einige Bezeichnungen rufen Assoziationen hervor, die nichts mit dem
Bezeichneten zu tun haben, wie der Vatermörder, die Ochsenzunge oder
auch der Nacktfrosch. Hinter manchen Begriffen verbirgt sich heute ein ganz
anderer Gegenstand - bei Notlicht und Plättbrett sind diese Veränderungen
offensichtlich. Bei vielen Gegenständen ist noch heute klar, um was für ein
Ding es sich handelt.
Mittlerweile gibt es Shows im Fernsehen und Rätselbilder in Zeitungen und
Zeitschriften, wo solche Alltagsgegenstände erraten werden können. Dieses
Büchlein zeigt einige dieser vergessenen Dinge, die im Stadtmuseum Berlin
bewahrt werden. Vielleicht schenkt es Momente des Innehaltens - wenn
bei ganz alltäglichen Verrichtungen die Dinge wieder neu gesehen werden
können.
Reviews / Votes
taz.de 14.01.2015 MIT WELCHEN OBJEKTEN UMGABEN SICH BERLINER UND BERLINERINNEN VOR 100 ODER 150 JAHREN? EIN KLEINER FEINER BAND GIBT AUFSCHLUSS Nippes zeigt den Wohlstand an Vielen Berlinerinnen und Berlinern ist sie unbekannt, die Stiftung Stadtmuseum, unter deren Dach jedoch sehr bekannte Häuser versammelt sind - die Nicolai-Kirche, das Ephraim-Palais, das Knoblauch-Haus, das Museumsdorf Düppel und das Märkische Museum. In letzterem finden sich fantastische Exponate aus der Berliner Geschichte, besonders aus der Geschichte der Berliner Bevölkerung, aus dem Leben all jener, die zwar für Könige und "Führer" ihren Kopf hinhalten mussten, die die in unserer geschichtsvergessenen Zeit noch immer so beliebten Schlösser errichteten oder putzten oder die in Friseursalons und Kolonialwarenläden ihre Taler verdienten. So ist dort etwa das von Walter Benjamin besungene Orchestrion zu bewundern oder das von Fontane so geschätzte Fangballspiel, mit dem sich der Schriftsteller auch noch lange nach dem Ende seiner Kindheit vergnügte. Doch lagern die allermeisten Stücke der Museumssammlung im Depot, und solange dem Museum nicht endlich ein Haus für die Geschichte des 20. Jahrhunderts zugestanden wird, wird das wohl auch so bleiben. Andere Stücke wiederum stehen im Schatten der großen, lauten und bunten, nach Aufmerksamkeit heischenden Exponate. Deshalb ist es schön, dass der zur Stiftung gehörige Verlag M sich nun daran macht, auch diese Stücke sichtbar zu machen, indem er sie in kleinen, preiswerten, aber aufwändig gedruckten Büchern präsentiert. Peter Matuschek, Ines Quitsch und Silvia Thyzel etwa präsentierten auf den knapp hundert Seiten ihres "ABC Berliner Alltagsdinge" viel "Nützliches aus vergangen Tagen". Sie zeigen neben bekannteren Gegenständen wie dem Abwaschtisch, dem Zimmerklosett oder dem "stillen Portier" auch ein Zoetrop (ein Gerät, mit dem bewegte Bilder erzeugt werden konnten), eine Wellenbadschaukel (einen "Universalbadeapparat", in dem man während des Badens schaukeln, also Wellen erzeugen konnte) oder einen Kopierstift, der wie ein Bleistift aussieht, aber dank besonderer Farbstoffe das Kopieren der von ihm geschriebenen Dokumente ermöglicht. Auch erklären die drei HerausgeberInnen des Bandes in kurzen, sehr informativen Texten die Nutzung und Herkunft der Gegenstände. So sehen wir etwa ein Notlicht, eine Kerze mit Halterung und Stahlstift zu Befestigung, die bequem in der Tasche zu tragen war und die auch "Studentenlicht" genannt wurde, da viele Studenten diese Lichter nutzten, um nicht zusätzlich für die Beleuchtung ihrer Zimmer zahlen zu müssen. Oder man erfährt, woher der Ausdruck "mehrere Eisen im Feuer haben" kommt: Die Ochsenzunge, eine Art frühes Bügeleisen, wurde von einem heißen Eisenbolzen, den man in das Gerät einlegte, erhitzt, und die kluge Büglerin hatte eben "mehrere Eisen im Feuer", um ihr Pensum rasch erfüllen zu können. Für Zeitungsleser und -leserinnen ist selbstverständlich auch der Journalhalter höchst interessant, ein Gebrauchsgegenstand, der zugleich dekorative Zwecke hatte. Man legte in dieser Apparatur, die einem Wimpel ähnelte und an der Wand hing, seine Zeitungen oder Magazine ab. Da man sie nicht unbedingt benötigte, waren diese Journalhalter wie viele andere heute verschwundene Objekte ein Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins, zu dem das Bürgertum nach und nach gelangte. Um den eigenen Wohlstand zu zeigen, deckte es sich mit Nippes ein. Die heute ebenfalls vergessenen Alltagsgegenstände aus dem bäuerlichen und dem proletarischen Leben sind in diesem Bändchen etwas unterrepräsentiert, was aber auch damit zu erklären ist, dass das Märkische Museum zunächst ja eine Bürgerstiftung war und dass die Gegenstände aus verarmten Haushalten bis vor wenigen Jahren ungern gesammelt wurden, da sich auch die, die sie benutzen mussten, ihrer schämten. KOLUMNE VON JÖRG SUNDERMEIERMore details
Series
Language
German
Place of publication
Berlin
Germany
Target group
Children/juvenile
Young adult
Adult education
Edition type
New edition
Product notice
With flaps
Illustrations
40
Farbfreisteller der vorgestellten Objekte
Dimensions
Height: 12.5 cm
Width: 14 cm
Weight
115 gr
ISBN-13
978-3-939254-20-1 (9783939254201)
Schweitzer Classification
Persons
Contributions
Restauratorin
Series Editor
Foreword
Franziska Nentwig, gibt zum Jahresende 2014 ihren Posten als Generaldirektorin der Stiftung Stadtmuseum auf.
Im März 2015 wird sie Geschäftsführerin des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft.
Die gebürtige Dresdnerin und promovierte Musikwissenschaftlerin, die zuvor u.a das Eisenacher Bachhaus leitete, kam im Februar 2006 nach Berlin.
Content
Viele Dinge begleiten nahezu unbemerkt unseren Alltag. Manches verschwindet, weil es niemand mehr benötigt, Neues kommt hinzu. Funktionen ändern
sich - so wird aus der Bettpfanne Wandschmuck, aus dem Haussegen ein politisches Statement. Von A bis Z geben Objekte aus den Sammlungen des Stadtmuseums Berlin Auskunft über alltägliche Helfer vergangener Zeiten. Manches davon hat sich
längst überlebt, aber in diesem Büchlein finden diese kleinen und großen Gegenstände wieder Platz, erzählen sie doch vom Alltag im alten Berlin.
Franziska Nentwig
Herausgeberin