Lords of Salem

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Dezember 2013
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-11344-5 (ISBN)
 
Eine obskure Gothrock-Band, ein uralter Fluch aus der Zeit der Hexenverfolgung und die entfesselten Mächte der Hölle

Als Radio-DJane Heidi Hawthorne einen Song der Gothrock-Band The Lords spielt, ist in Salem der Teufel los: Die Melodie spricht die dunkelsten Seiten in den Hörern an, und bald geschehen täglich Morde. Wer verbirgt sich hinter The Lords? Die Antwort liegt in der Vergangenheit Salems verborgen, und zwar im dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte: den Hexenprozessen. Heidi wird in immer seltsamere Vorfälle verwickelt, und ein schrecklicher Verdacht keimt auf: Sind die Hexen etwa aus der Hölle zurückgekehrt, um blutige Rache zu nehmen?

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Heyne
  • 1
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  • 1 s/w Abbildung
  • |
  • 1 schwarz-weiße Abbildungen
  • 0,81 MB
978-3-641-11344-5 (9783641113445)
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2

Das neugeborene Kind heulte und zappelte und fühlte sich sichtlich unwohl in den knotigen Händen, die es ungeschickt umklammerten. Die Frau in der dunklen Robe mit der Kapuze hatte sich vom Bett abgewandt und trat in die Mitte des Raums. Sie zog sich die Kapuze vom Kopf, ging in die Hocke und beugte sich über die Feuergrube im Boden, wo sie mit noch blutigen Händen aus Zweigen und Ästen eine Menschengestalt über der ersterbenden Glut webte. Die anderen Mitglieder des Hexenzirkels beobachteten sie, entfernten sich langsam von dem Bett, auf dem die tote Frau in ihren Eingeweiden lag, und versammelten sich um die Feuergrube. Die dürre Frau, die das Kind hielt, näherte sich der mit der Kapuze ehrerbietig von hinten und beugte sich an ihr Ohr.

»Wir haben es, Mistress Morgan«, sagte sie mit lauter Flüsterstimme. »Noch schlüpfrig und blutig von seiner Geburt vom Tod in das Leben. Sollen wir es mit seinem eigenen Blut benetzen und das Leben wieder aus ihm entweichen lassen und mit unserer Beschwörung beginnen?«

»Alles zu seiner Zeit, Clovis«, sagte Margaret Morgan, ohne von der Figur aufzusehen, die sie geformt hatte. Sie hatte ruhige braune Augen, so dunkel, dass sie in dem schwachen Licht beinah schwarz wirkten. Das asketische Gesicht, in dem sie lagen, hatte hohe, fast aristokratische Wangenknochen. Ihr Mund war grausam, die Lippen blutleer und die Gesichtshaut blass, als mangelte es ihr ebenfalls an Blut. Sie blies gleichmäßig in die Feuergrube, bis die graue Glut rot aufleuchtete, ehe sie weitersprach. »Alles zu seiner Zeit.«

Clovis verbeugte sich und entfernte sich mit dem noch immer weinenden Baby. Morgan blies erneut, die Glut wurde heller, und mit einem Mal fingen die Beine des Holzmännchens Feuer.

Als sie überzeugt war, dass die Flammen brannten, erhob sie sich und trat zurück. Mit der blutigen Spitze ihres Messers malte sie ein unheiliges Zeichen in die Luft, die dunklen Augen ruhig, aber leuchtend vor Inbrunst.

»Im Namen Satans, des Herrschers der Erde, Königs der Welt, Herrn der Unterdrückten«, intonierte sie mit einer Geste zu der bunt gemischten Gruppe von Hexen in Fellmänteln und Lumpen, die sich um sie herum versammelt hatte. »Ich gebiete den Kräften der Dunkelheit, ihre teuflische Macht den armseligen Gefäßen zu gewähren, die ich dir bereitgestellt habe.«

Hinter ihr ließ Clovis das Baby wie ein Hühnchen kopfüber herabbaumeln, beide Füße in ihrer Faust. Es kreischte mit dunkelrotem Gesicht, verkrampftem Körper und ausgebreiteten Armen. Langsam trat Clovis vor, näher ans Feuer. Sie verneigte sich ein wenig und schwang das Kind nach vorn, um es Margaret Morgan, der Anführerin des Hexenzirkels, zu übergeben.

»Ich bitte dich«, rezitierte Clovis mit noch immer gesenktem Haupt die auswendig gelernten Worte, »nimm diese Gabe, und heile mich von den tödlichen Wunden, die der christliche Glaube mir beigebracht hat.«

Morgan schob sich das Messer in den Gürtel und nahm das Kind entgegen. Sie hielt es mit leicht gerunzelter Stirn und steinernem Blick vor sich. Als sie weitersprach, war ihre Stimme ein tiefes, fast hypnotisches Säuseln.

»O Lord Satan, Geist der Erde«, sagte sie, »öffne die Tore der Hölle weit, und tritt hervor aus deinem gepriesenen Abgrund.«

Mit glänzenden Augen hob sie das Kind hoch über ihren Kopf. Vor ihr brandeten die Flammen empor und schienen lebendig zu werden. Die brennende Puppe im Feuer stöhnte und klagte, als begänne die Trennwand zwischen der Welt und der Hölle einzustürzen und erlaubte der Verdammnis so, ins Diesseits zu dringen.

»Schwestern!«, sagte Morgan und ließ den Blick über den Zirkel schweifen, der sich um sie versammelt hatte. »Offenbart euch unserem obersten Gebieter! Ich bin nicht mehr als eine demütige Dienerin in diesem Land der Qualen.«

Die Hexen antworteten ihr wie aus einem Mund, während das Feuer ihre verzerrten Schatten einen dunklen Tanz auf den Wänden der Hütte aufführen ließ. »Er sei gepriesen!«, proklamierten sie. »Unheiliger Vater, verkünde uns heute Nacht deine Gegenwart!«

Morgan wandte sich wieder dem Feuer zu und neigte das schreiende Baby den Flammen entgegen. »Hilf mir, diese neue Welt zu züchten, mit dem gepriesenen Samen deiner Herrlichkeit«, sagte sie.

Eine blasse Frau mit langem wirrem Haar trat wie in Trance vor. »Ich bin bereit!«, sagte sie.

»Und wofür bist du bereit?«, fragte Morgan sie. »Wirst du dich in die Dienste unseres Dunklen Herrn und Meisters begeben, Mary?«

Mary nickte, und ihre Augen huschten unabhängig voneinander in ihren Höhlen herum. »Ich bin bereit, die sterbliche Existenz aufzugeben und Jesus Christus, den Täuscher der gesamten Menschheit, zu verleugnen!«

Die Flammen kletterten höher, und die brennende Puppe schien größer als zuvor. Morgan nickte Mary beifällig zu. »Wer sonst unter uns ist bereit?«, fragte sie. »Wer von euch wird den Täuscher der gesamten Menschheit verleugnen und sich zum einzigen wahren Herrn der Dunkelheit bekennen?«

Eine mollige Frau, deren Gesicht von großen nässenden Furunkeln übersät war, kam schwankend näher. »Ich bin ebenfalls bereit«, sagte sie.

»Sprich, Abigail«, sagte Morgan. »Er drückt sein Ohr an die Wand der Hölle und lauscht dir.«

Abigail holte tief Luft. Als sie den Mund öffnete, kam alles in einem Schwall heraus, und die Wörter stolperten übereinander. »Ich verachte alle Symbole des Schöpfers. Ich schwöre heute, eine getreue Dienerin Prinz Luzifers zu sein.«

Das Feuer erhob sich mit einem zischenden Geräusch. Gegen alle Vernunft schien sich die brennende Holzpuppe zu bewegen, als erwachte sie zum Leben. Morgan nickte erneut. Sie begann, ihre Aufforderung zu wiederholen, doch es war bereits eine weitere Hexe vorgetreten, eine bucklige Frau, die eher einem Tier als einem Menschen ähnelte. In ihrer schmutzigen Mähne hingen Blätter und Fetzen, und ihr Haar sah aus, als wäre es noch nie gewaschen worden. Sie riss die Arme empor.

»Sprich, Sarah«, sagte Morgan. »Der Dunkle Lord hat seinen Kopf durch die Bresche gesteckt, die wir in der Wand der Hölle geschaffen haben, und wartet darauf, dass du ihm ein Zeichen gibst und ihn in diese Welt des Schmerzes gebärst.«

Sarah stieß ein raues Lachen aus. »Ich verschreibe meinen Geist, meinen Körper und meine Seele den Plänen Satans, unseres Herrn, und seinen Jüngern!«

Wieder erhob sich das Feuer, und die in Flammen gehüllte Puppe schien sich zu winden. »Er kommt«, zischte Morgan. »Er kommt!«

Zwei weitere traten Hand in Hand vor. Zuerst wirkten sie im flackernden Feuerschein wie Mutter und Kind, aber als sie sich ganz ins Licht begaben, wurde offenbar, dass es sich um eine verwitterte alte Hexe und eine zwergenhafte Frau handelte. »Sprich, Martha. Sprich, Elizabeth«, sagte Morgan.

»Wir treten das Kreuz mit Füßen!«, kreischte die Zwergin mit hoher zitternder Stimme.

Die der Hexe war tiefer, aber brüchig, als wäre ihr die Hälfte der Stimmbänder herausgerissen worden. »Wir spucken auf das Buch der Lügen!«, sagte sie.

Das Feuer flackerte kurz. Dann stieg es noch höher als zuvor, sodass die ganze Hütte in Brand zu geraten drohte. Die Holzpuppe war von einem Augenblick auf den anderen von den Flammen verzehrt worden, und das Feuer nahm einen rötlichen Farbton an. Und obwohl die Puppe verschwunden war, schienen die Flammen sich nun zu winden und zu biegen wie Gliedmaßen, und eine seltsame menschenähnliche Gestalt blitzte gelegentlich über der Kohle auf, die längst verbraucht war und trotzdem weiterbrannte.

Morgan ließ das Baby herabsinken, bis es gleich neben dem Feuer in ihren Händen strampelte. Die Flammen schienen es dort zu spüren und streckten sich nach dem Kind, leckten danach, als wollten sie es verschlingen.

Morgan musste schreien, damit man sie durch das Brüllen des Feuers verstand. »In Treue zu unserem Herrn Satan versprechen wir, jeglichen anderen Glauben zu missachten. Macht euch bereit, diese falschen Körper zu schänden! Entblößt euch!«

Um sie herum begannen die Hexen, ihre schmutzigen Kleider und Lumpen und Felle zur Seite zu werfen und sich schnell auszuziehen, bis sie splitternackt vor den tosenden Flammen standen. Ihre Körper waren mit Blut beschmiert und mit unheiligen Zeichen bemalt. Die Symbole ähnelten Buchstaben, aber keinen aus einem menschlichen Alphabet, und sie schienen fast lebendig, wie sie sich auf der Haut wanden und schlängelten, als der Hexenzirkel sich wiegte und in Bewegung setzte. Es waren Runen, aber wiederum keinem bekannten System zugehörige, und wenn die Frauen zu dicht ans Feuer kamen, züngelten die Flammen nach ihnen und erfüllten die Zeichen mit einem unirdischen Glühen. Sie waren alle unterschiedlich, nur zwischen den Brüsten trugen sämtliche Frauen dasselbe Symbol: einen Kreis, der ein umgedrehtes Kreuz enthielt, dessen Enden oben und unten in einen nach außen gerichteten Halbkreis mündeten: das Zeichen ihres Hexenzirkels.

Morgan nickte kurz, und unvermittelt begannen sie, im Gleichklang zu sprechen. Die Flammen sprangen und tanzten im Rhythmus ihrer...

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