Roger Corman

Die Rebellion des Unmittelbaren - Sonder-Edition
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. April 2020
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-0938-9 (ISBN)
 
Pressestimmen:

"ROGER CORMAN - DIE REBELLION DES UNMITTELBAREN erinnert mich an das Goldene Zeitalter der Filmbücher in Deutschland. In den 1970ern und 80ern erschienen Bücher, die den Spagat zwischen Filmwissenschaft und filminteressiertem Publikum mühelos bewältigten. Beispiele sind VAMPIR FILMKULT von David Pirie und KLASSIKER DES HORRORFILMS von William K. Everson... Robert Zion besitzt eine Gabe, die man normalerweise nur bei anglo-amerikanischen Sachbuchautoren findet. In seinem Buch gehen wissenschaftlich korrekte Argumentationsführung mit Verständlichkeit der Sprache und einer sich auf den Leser übertragenden Begeisterung für das Sujet eine perfekte Symbiose ein. Zions Corman-Monographie wird schon bald als erstes filmwissenschaftliches Standardwerk in deutscher Sprache seit Georg Seeßlens 'GRUNDLAGEN DES POPULÄREN FILMS' (1980) gelten" - Clemens G. Williges, Chefredakteur des 35 Millimeter-Retro-Film-Magazines.

"Bisher gab es keine deutsch-sprachige Publikation über Roger Corman. Aber das Warten hat sich gelohnt. Robert Zions Monografie mit dem Untertitel 'Die Rebellion des Unmittelbaren' ist exzellent... Natürlich kennt Zion die amerikanische Literatur über Corman inklusive dessen Autobiographie..., aus der er gelegentlich zitiert, aber es sind vor allem seine eigenen Beobachtungen, die die Lektüre spannend machen. Inhalt und Form der Filme werden so präzise beschrieben, wie man es selten liest... Die Qualität der rund 140 Abbildungen und zehn Farbtafeln ist hervorragend. Ich bin beeindruckt!" - Hans Helmut Prinzler, ehemals Vorstand der Stiftung Deutsche Kinemathek, Direktor des Filmmuseums Berlin und Mitglied der Akademie der Künste.

"Ein anschaulich bebildertes und angenehm zu lesendes Standardwerk" - Frame, Magazin der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) am Sonntag.

"Eine Roger-Corman-Monografie, liebevoll und angemessen" - epd-Film.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 15,49 MB
978-3-7519-0938-9 (9783751909389)
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Robert Zion, 1966 in Kassel geboren, studierte u. a. Philosophie und Soziologie, Arbeit in der Kulturförderung, als Publizist, Kinoleiter und Politiker. Zahlreiche Veröffentlichungen über Film, Philosophie, Gesellschaft und Politik in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Er organisierte als Kinoprogrammgestalter u. a. Film- und Vortragsreihen über deutschsprachige Filmliteratur und Roger Corman. Nach seinen Büchern über Vincent Price ("Die Kontinuität des Bösen"), William Castle ("Die Macht der Dunkelheit") und Dario Ar-gento ("Der verletzliche Blick"), ist "Die Rebellion des Unmittelbaren" seine vierte umfangreiche Monografie über das Kino. Robert Zion schreibt als Redakteur regelmäßig für das "35 Millimeter Retro-Film-Magazin".

1. Kapitel: Michigan-See, Winter


THE ST. VALENTINE'S DAY MASSACRE von 1967, Roger Cormans erster und einziger Film, der gänzlich im Studio entstanden ist, und nicht zuletzt deshalb sein mit einem Budget von $1,1 Millionen bis dato teuerster, beginnt mit einem wunderbar stimmungsvollen Bild der Draufsicht einer Straßenschlucht von downtown Chicago in den 20ern, getaucht in die dumpfe Stille des sanft rieselnden Schnees. Die Potiemkinschen Dörfer der "New York Street" der Stages 9 und 10 auf dem Desilu-Studiogelände - tatsächlich fand dieser Strassenzug bereits in der Gangster-Fernsehserie THE UNTOUCHABLES (1959 - 1963) seine Verwendung - schienen für Roger Corman wie gemacht, um mit ihnen jene eigenartig friedliche Stimmung der klirrenden Winter in den Großstädten im Norden der USA rund um den Michigan-See wiederauferstehen zu lassen - konnte doch das ehemalige Studiogelände der RKO sowie der Paramount an der Gower Street bei nahezu jedem Wetter genutzt werden. Die großen Studios Hollywoods, sie waren nicht nur die größten Spielzeugeisenbahnen, mit denen Jungen jemals spielen durften, wie Orson Welles einmal anmerkte, sie waren zuweilen auch Traummaschinen für diese Regisseure, die immer ein wenig Junge geblieben sind, mitunter gigantische Instrumente der Erinnerung an die eigene Kindheit, in der die Welt noch voller Leidenschaften, Geheimnisse und seltsamer Stimmungen war. Vielleicht hat Roger Corman mit diesem melancholisch machenden Bild genau jenes Gefühl wiederzufinden gesucht, das ihm aus den 30er Jahren, als er in seiner Heimatstadt Detroit im Winter auf den zugefrorenen Straßen Eishockey spielte, so nachdrücklich in Erinnerung geblieben ist: die Großstadt als ein in kaltes Weiß getauchter, zeitweilig so friedlich wirkender Dschungel möglicher Abenteuer. Detroit und Chicago unterschieden sich diesbezüglich kaum voneinander, es waren zu dieser Zeit noch typische Arbeiterstädte, in denen die Auto- bzw. Fleischindustrie boomte, downtown mit ihren in die Höhe schießenden Häuserschluchten sowie jenen schier endlos scheinenden suburbs mit ihren aufgereihten Holzhäusern und roten Backsteinbauten mit Vorgärtchen.

Downtown Chicago: THE ST. VALENTINE'S DAY MASSACRE (1967)

Desilu Studios (Stages 9 u. 10): 780 Gower Street, Hollywood (heute)

In einem dieser Backsteinhäuser in einem Vorort Detroits kam Roger William Corman am 5. April 1926 zur Welt. Sein einziger Bruder Gene wurde achtzehn Monate später geboren. Die Cormans stammen aus der gehobenen amerikanischen Mittelschicht, der Vater, William Corman, ein Einwanderer aus Europa in der ersten Generation, wuchs in St. Louis auf, studierte an der dortigen Engineering School der Washington-University und arbeitete während des Ersten Weltkrieges als Ingenieur bei der US-Marine. Nach dem Krieg siedelte William Corman in die Industrie-Stadt Detroit über um dort u. a. bei der McCray Steel Company und später auch in den Projekten des legendären Henry Ford als Bauingenieur Karriere zu machen. Rogers Mutter, die Anwaltssekretärin Ann High, lernte William Corman während eines Tennis-Spieles kennen. Während Roger Corman über die Beziehung zu seiner Mutter nur sehr wenig preisgibt, beschreibt er seinen Vater als einen extrem intelligenten und streng logisch denkenden Menschen, der dem Intellekt eine ungleich höhere Bedeutung zumaß als der Fähigkeit Emotionen zu zeigen.

Für William Corman war es daher eher eine Frage der Logik, seinen beiden Söhnen, denen schließlich ein Leben voller Arbeit bevorstand, eine möglichst unbeschwerte Kindheit voller sportlicher Aktivitäten und Spiele zu gestatten. Die ersten Helden des kleinen Roger aber kamen keineswegs aus der Glitzerwelt Hollywoods, es waren die Fliegerasse des Ersten Weltkrieges wie der Kanadier Roy Brown und "Der rote Baron" Manfred von Richthofen, denen die frühen Fantasien der Corman-Brüder galten. Ihr gemeinsames Zimmer wirkte wie ein Miniatur-Flugzeughangar, vollgestopft mit aus Balsaholz und Reispapier gebastelten Modellen historischer Doppel- und Dreidecker. Diese naive Begeisterung für die Ritter der Lüfte hat das Brüderpaar selbst noch 1971 mit VON RICHTHOFEN AND BROWN geteilt - wieder wurde die Filmindustrie für sie zu einer Erinnerungsmaschine, aus dem Spielzeughangar ihrer Jugend ein aufwendig inszenierter Luftzirkus.

Damals verschlang Roger Corman noch Zeitschriften wie Popular Mechanics und Boy's Life, die ihm jedoch im Rückblick als "eine billige Propaganda, um den american way of life zu verkaufen", vorkamen. Doch 1929, mit der beginnenden wirtschaftlichen Depression, als der naive Glaube an diesen american way of life seine ersten Risse bekam, wurden auch für die Cormans die Zeiten härter. Die Hälfte der Belegschaft in der Firma seines Vaters wurde auf einen Schlag entlassen und auch William Corman musste seine Stellung aufgeben: "Mein Vater war organisiert und stolz genug um sich, im Alter von 43, aus seinem Ingenieur-Beruf zurückzuziehen. Es gab auch gesundheitliche Gründe. Da er ein ruhiger, sozial nicht sonderlich aggressiver Mensch war, bekam er Herzprobleme. Kalifornien schien der ideale Ort für ihn zu sein. Es war das Goldene Land,... Er wurde nicht wirklich pensioniert, er nahm verschiedene Berater-Jobs an. Er hatte einfach genug von der Routine, wir alle hatten genug vom Schnee in den Michigan-Wintern."

Beverly Hills (um 1940)

1940 zogen die Cormans so in einen Bungalow in Altamont, einem unterhalb von Wilshire gelegenen und noch zu Beverly Hills gehörenden Stadtteil von Los Angeles. Rogers Klassenkameraden an der Beverly Hills Highschool unterschieden sich nicht nur durch ihren offen zur Schau gestellten Reichtum von den Arbeiterkindern Detroits, sie hatten auch klingende Namen wie Zukor, Goldwyn oder Laemmle, und es waren diese Zöglinge der Studio-Mogule, von denen Roger die ersten fantastischen Geschichten aus der Traumfabrik zu hören bekam.

Doch zunächst schien er noch in die Fußstapfen seines Vaters treten zu wollen, er konzentrierte seine Studien auf die technisch-naturwissenschaftlichen Fächer, in der Hauptsache Mathematik und Physik. Erst allmählich zeichnete sich Roger Cormans eigentliches Interesse ab: die Literatur. Er ließ sich zu Weihnachten das Gesamtwerk Edgar Allan Poes schenken, begann für Zeitschriften zu schreiben und an der High School in Radiosendungen und Theaterstücken aufzutreten. "1943, im Alter von 17, verließ ich die High School und ging nach Palo Alto im Norden in der Absicht Flugingenieur zu werden, dann wechselte ich über zur Elektrotechnik. Als ich das College halb absolviert hatte, traf ich die Entscheidung, überhaupt keine Ingenieurslaufbahn anzustreben. Doch da gerade Krieg herrschte, meldete ich mich freiwillig bei einem Trainingsprogramm für Marineoffiziere, das V-12 genannt wurde und mir eine vierjährige Ausbildung als Ingenieur sicherte." Er absolvierte das V-12-Programm in Stanford und Boulder und schloss 1947 als Industrie-Ingenieur ab - bezeichnenderweise für seinen späteren Ruf als enorm schnell und effizient arbeitender Regisseur mit den Spezialgebieten Rationalisierung und Management.

Dass Roger Corman ein Regisseur war, in dem sich extrem widersprüchliche Pole vereinigten, insbesondere was seine Stellung zwischen Kunst und Kommerz betrifft, ist des Öfteren gesagt worden; was jedoch kaum Erwähnung findet, ist, dass diese Widersprüchlichkeit bereits in der Jugend stark ausgeprägt war. Sicher war es die Erziehung des dominanten, gänzlich rational ausgerichteten Vaters, von dem Roger Corman sagte, er habe lediglich vermuten können, dass er von ihm geliebt wurde, an der sich dieser zentrale Charakterzug Cormans festmachen lässt. Hatte in Roger Corman diese frühe, rational bestimmte Prägung, mit samt ihrer ökonomischen und naturwissenschaftlich-technischen Ausrichtung, zu der nicht zuletzt auch der Mythos des selfmade mans innerhalb eines euphorisch propagierten american way of life gehörte, auch ihre nachhaltigen Spuren hinterlassen, so fand in Corman doch immer auch ein fortwährender Emanzipationsprozess statt, hin zum Irrationalen, Kreativen und zuweilen auch Rebellischen.

Für das Verständnis seiner Filme der 60er Jahre, vor allem der Poe-Verfilmungen und Gangster-Filme, deren oftmals bitterböse Kritik in erster Linie dem Mythos der "heiligen amerikanischen Familie" gilt, ist es wesentlich, dass Roger Corman die eigene Familie immer auch als Ort extremer Widersprüche erlebt hat. Der Vater, der sich durch seine Arbeit die Gesundheit ruiniert hat, bevor die wirtschaftliche Depression seiner Karriere ein jähes Ende setzte, war für ihn zugleich Vorbild und Opfer, zu überlegt und kritisch, um sich dem System gänzlich anzudienen und zugleich zu angepasst, um wirklich ausbrechen zu können. Roger Corman ist beide Wege gegangen, und dies in einer Form, wie es wohl extremer nicht mehr möglich gewesen wäre: er wurde als Regisseur und Produzent ein Rebell, der künstlerisch und kommerziell mitunter alles auf eine Karte setzte,...

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