Der Hexenschwur

Historischer Roman - Die Hexentrilogie 3
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Juli 2013
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09972-5 (ISBN)
 
Von Krieg und Hexenverfolgungen bedroht, begegnet eine junge Frau einer Liebe, die nicht sein darf ...

Im Jahr 1635 erreicht der Dreißigjährige Krieg das Land an der Saar. Der gebürtige Thüringer Johann will mit seiner Frau Franziska und den gemeinsamen Kindern Magdalena und Benjamin quer durchs Reich aufs Eichsfeld fliehen - in ihre alte Heimat, die sie vor siebzehn Jahren verlassen mussten, da Franziska der Hexerei bezichtigt wurde. Auf ihrer Reise müssen sie die Schrecken des Krieges am eigenen Leib erfahren, doch dann gewährt ein schwedischer Tross ihnen Schutz. Besonders ein junger Arzt setzt sich für die Familie ein, und die 17-jährige Magdalena fühlt sich bald zu ihm hingezogen. Arne gehört zwar feindlichen Truppen an - aber er ist auch der Einzige, der ihr helfen kann, ein dunkles Geheimnis ans Licht zu bringen .



Die Fortsetzung der Erfolgsromane "Das Hexenmal" und "Der Hexenturm".

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Goldmann
  • 1,14 MB
978-3-641-09972-5 (9783641099725)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Deana Zinßmeister widmet sich seit einigen Jahren ganz dem Schreiben historischer Romane. Bei ihren Recherchen wird sie von führenden Fachleuten unterstützt, und für ihren Bestseller »Das Hexenmal« ist sie sogar den Fluchtweg ihrer Protagonisten selbst abgewandert. Die Autorin lebt mit ihrer Familie im Saarland.

Kapitel 1

Oktober 1634, Wellingen im Land an der Saar

Johann trat aus der Hintertür des Wohngebäudes und schnaufte heftig ein und aus, um die Lunge mit frischer Luft zu füllen. Mit sorgenvoller Miene kratzte er sich über sein kantiges Gesicht und ging auf das Fuhrwerk zu, das inmitten des Hofs abgestellt war, um sich anzulehnen. Plötzlich spürte er einen stechenden Schmerz hinter der Stirn. Er rieb sich mit der linken Hand mehrmals die Schläfen. Johann versuchte sich zu entspannen, doch er konnte das totenbleiche Gesicht der sterbenden Frau, die nur noch ein Schatten ihrer selbst war, nicht aus seinem Kopf vertreiben. Auch an diesem Morgen hatte er bestürzt zusehen müssen, wie sich Regina Rehmringers Zustand weiter verschlechterte. Johann ahnte, dass das Leben der Frau zu Ende ging, die vor vielen Jahren ihn, sein Weib Franziska und seine damaligen Weggefährten selbstlos bei sich aufgenommen hatte. Dank ihrer Hilfe hatten sie in der Fremde ein neues Zuhause gefunden.

Der Kopfschmerz ließ nach, und Johann verschränkte mit einem tiefen Seufzer die Arme vor der Brust. Gedankenverloren starrte er auf die Hühner, die im Misthaufen scharrten.

»Unglaublich«, flüsterte er. »Siebzehn Jahre ist es her, seit wir unsere Heimat, das Eichsfeld, verlassen und hier ein neues Leben begonnen haben.«

Es war im Jahr des Herrn 1617 gewesen, als das Schicksal einige Menschen zusammenbrachte, die alle auf der Flucht waren. Einer von ihnen war Johann, der mit seiner geliebten Franziska dem tyrannischen Vater entfliehen musste, weil der ihre Heirat verhindern wollte. Der Großbauer verfolgte die beiden quer durchs Reich und fand sie im Land an der Saar. Getrieben von Hass versuchte er Franziska und ihre kleine Tochter zu töten. Beide wurden gerettet, den Großbauern traf der Schlag.

Auch Clemens war zu dieser Zeit auf der Flucht gewesen. Er wurde vom Ehemann seiner Schwester verfolgt, der vor einem Mordanschlag nicht zurückschreckte. Als man in der abgebrannten Scheune eine verkohlte Leiche fand, glaubte man, dass Clemens der Tote war; doch ihn hatte ein Mönch gerettet und versteckt. Um seine Schwester zu schützen, ließ Clemens sie in dem Glauben, er sei tot. Auf seiner Flucht begegnete Clemens Johann und Franziska und schloss sich ihnen an. Er war ein mürrischer Wegbegleiter, denn das Feuer hatte sein Gesicht mit hässlichen Brandnarben entstellt, sodass er glaubte, auf andere abschreckend zu wirken. Doch dann begegnete er in Wellingen Christel, der Tochter des damaligen Amtmanns .

»Nun sind sie scheinbar schon eine Ewigkeit verheiratet«, murmelte Johann, als er vor dem Haus Stimmen hörte. Eine Frau, die in eine schwarze Nonnentracht gekleidet war, kam um die Häuserecke. »Hier steckst du«, sagte sie und umarmte ihn.

»Sei gegrüßt, Maria«, flüsterte Johann und drückte sein Gesicht an ihre Haube. »Schön, dass du sofort gekommen bist.«

»Das bin ich ihr schuldig«, erwiderte die Frau und blickte Johann aus schwarzen Augen traurig an.

Johann zog leise die Tür des Schlafzimmers zu. Während Maria seine Tochter Magdalena umarmte, die stumm am Bett der Sterbenden saß, blieb er abseits stehen. Müde fuhr er sich über die buschigen Augenbrauen. Er wollte sich den Anblick der kranken Frau ersparen, von dem er wusste, dass er ihn nicht ändern konnte.

Maria trat näher an das Bett heran. Bestürzt blickte sie in das bleiche Gesicht von Regina Rehmringer, die abgemagert daniederlag und ihre Umgebung kaum noch wahrnahm. Maria kämpfte mit den Tränen. Zwar ahnte sie seit ihrem letzten Besuch zwei Wochen zuvor, dass die Frau schon bald vor ihren Schöpfer treten würde, doch sie so daniederliegen zu sehen versetzte ihrem Herzen einen Stich.

Maria atmete tief ein und rümpfte dabei leicht die Nase. Sie glaubte bereits den Geruch des Todes wahrzunehmen. Allein der Gedanke daran erschwerte ihr das Durchatmen. Maria schaute Magdalena bewundernd an, die seit Tagen bei der alten Frau wachte und sie kaum allein ließ. Die Sechzehnjährige schien gegen den Geruch, die Düsternis und das Elend unempfindlich zu sein. Sie saß da und beobachtete mit einem zärtlichen Lächeln den Schlaf der Frau.

Frische Luft, dachte die Nonne und blickte zu dem Fenster, das mit dicht gewobenem Stoff zugehängt war und das Tageslicht wegsperrte. War der Vorhang schon immer so verschlissen?, überlegte Maria kurz. Der schwache Schein der Talglampen spendete kaum Helligkeit, sodass die Misslichkeit, in der sich das Haus befand, im Schatten blieb. Die Auswirkungen dieses unsäglichen Kriegs sind auch hier zu erkennen, dachte Maria betrübt. Obwohl die Gefechte das Land an der Saar noch nicht erreicht hatten, mussten die Menschen tagtäglich ums Überleben kämpfen. Zu Beginn waren es politische und konfessionelle Gründe gewesen, diesen Krieg zu entfachen. Doch mittlerweile hatte man den Eindruck, dass jeder gegen jeden kämpfte und die Gefechte deshalb nicht enden wollten.

Maria seufzte kaum hörbar und blickte zu der Todgeweihten. Erneut wurde ihr die Vergänglichkeit des Lebens bewusst, denn erst vor Kurzem hatte sie einen geliebten Menschen beerdigen müssen. Die Äbtissin des Augustinerklosters zu Fraulautern war nach kurzer, heftiger Krankheit gestorben. Es war ein schwerer Verlust für Maria gewesen, denn seit ihrem zwölften Lebensjahr lebte sie unter der Obhut der Äbtissin im Kloster. Auf Wunsch der Verstorbenen war Maria zur neuen Leiterin des Nonnenstifts ernannt worden. Ich hätte gern auf dieses Amt verzichtet, wenn Sophia weiterleben würde, dachte Maria und wischte sich über die Augen. Nun müsste sie sich schon bald auch von Regina Rehmringer verabschieden, der sie so viel zu verdanken hatte. Gerne hätte sie ihr noch einmal gedankt, doch sie wusste, dass die Frau sie nicht mehr hören konnte.

Maria hatte plötzlich das Gefühl, als ob jemand ihr Herz zusammenpresste. Ihre Augen brannten von aufsteigenden Tränen. Doch sie konnte nicht weinen. Regina Rehmringer hatte ein hohes Alter erreicht, und dafür war die Nonne ihrem Herrgott dankbar.

Sie ging neben Magdalena, die vor dem Bett auf einem Schemel saß, in die Hocke. Die Äbtissin flüsterte: »Geh an die frische Luft, mein Kind, und lass dir etwas zu essen zubereiten. Ich werde dich ablösen.«

Magdalena ergriff Marias Hand und drückte sie sanft. Mit müdem Blick stand sie auf und ging zur Tür, wo ihr Vater sie umarmte. »Kommst du mit hinaus?«, fragte sie ihn leise.

Er schüttelte den Kopf. »Ich bleibe noch eine Weile. Vielleicht wacht Regina ein letztes Mal auf.«

Magdalena nickte, doch ihr Blick verriet Zweifel. »Ruf mich, falls das geschehen sollte«, flüsterte sie und verließ mit hängenden Schultern den Raum.

Johann zog den Stuhl, der neben der Wäschetruhe im Zimmer stand, zu sich und setzte sich. Als Maria aufblickte, nickte er ihr kurz zu. Lächelnd wandte sich die Nonne der alten Rehmringer zu und nahm deren schlaffe Hand in ihre. Maria erinnerte sich an die Zeit, als sie nach Wellingen gekommen war.

Sie war ein kleines Kind gewesen, als ihr Vater der Hexerei beschuldigt und verbrannt wurde. Von da an quälten Maria schlimme Alpträume, in denen sie Menschen sah, die mit dem Teufel tanzten. In einem dieser Träume glaubte sie ihre Stiefmutter zu erkennen. Als ein Nachbar die Stiefmutter des Schadenszaubers anklagte und ihr unterstellte, dass wegen ihres bösen Blicks die Kuh weniger Milch gebe, erzählte Maria dem Richter von ihrem Traum. Fortan galt das Kind als Hexenerkennerin.

So kamen sie ins Land an der Saar in den Ort Wellingen, wo sie Regina Rehmringer kennenlernten, die das Kind ins Herz schloss und von seinen bösen Träumen befreien wollte. Sie stellte das Mädchen unter die Obhut der Äbtissin von Fraulautern. Tatsächlich verschwanden in der Abgeschiedenheit hinter den Klostermauern und durch zahlreiche Gebete sowie Gespräche die bösen Träume, und Maria wurde geheilt.

»Kannst du dich an den Tag erinnern, als ich zu euch gekommen bin?«, fragte Maria mit leiser Stimme.

»Wie könnte ich ihn je vergessen?«

Ohne aufzuschauen, flüsterte sie heiser: »Wer weiß, was aus mir geworden wäre, wenn Frau Rehmringer und ihr euch nicht um mich gekümmert hättet.«

»Vielleicht hättest du einen netten Mann geheiratet, wärst Mutter geworden und nicht ins Kloster gegangen«, sagte Johann mit einem Schmunzeln in der Stimme.

»Oder ich wäre auf dem Scheiterhaufen gelandet«, erwiderte Maria ernst.

»Sag so etwas nicht«, bat Johann verhalten.

Mit starrem Blick schaute Maria ihn an. »Die meisten Menschen hatten Angst vor mir, schließlich zog ich mit einem Magier übers Land, um bei der Hexenfindung zu helfen.«

»Das war nichts Schlechtes«, erklärte Johann. »So konnte man gewiss sein, dass keine unschuldige Frau verurteilt wurde.«

Maria zog zweifelnd eine Augenbraue hoch. »Ich bin nicht sicher. Je älter ich werde, umso mehr denke ich darüber nach, ob unser Handeln damals rechtens war. Manchmal sehe ich im Traum die Frauen, denen ich als Mädchen begegnet bin, nachts vor meinem Bett stehen.«

»Sind die Träume zurückgekehrt?«, fragte Johann. Maria schüttelte den Kopf. »Nein, nicht diese Art von Träumen, die ich als Kind fürchtete und die mich jede Nacht wach hielten. Ich sehe Frauen vor meinem Bett stehen, die mir keine Angst machen. Sie stehen nur da und blicken mich an.«

»Du weißt nicht, was sie wollen?«

Maria...

"Deana Zinßmeisters Geschichten haben Erfolgsgarantie."
 
"Auch der dritte Band der Hexen-Triologie ist wie schon seine Vorgänger wieder absolut spannend erzählt."

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