Lass das Land erzählen

Eine Reise durch das biblische Israel
 
 
SCM Hänssler (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 2. März 2021
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7751-7517-3 (ISBN)
 
Wer die Bibel besser verstehen will, muss an ihren Ursprung zurückkehren. Assaf Zeevi nimmt uns mit auf eine außergewöhnliche Reise durch das Land der Bibel: Israel.

Auf den Spuren biblischer Erzählungen begleiten wir das Volk Israel über Jahrtausende hinweg, von den Erzvätern über die Zeit Jesu bis in die Gegenwart. Wir erleben Sieg und Niederlage großer Herrscher. Erkennen den Einfluss von Natur und Landschaft, Sprache und Kultur auf die biblische Geschichtsschreibung. Und beobachten, wie Gott dieses kleine Land bis heute zum Schauplatz großartiger Ereignisse der Weltgeschichte macht.

mit 4-farbigen Bildern, Landkarten und Cover-Veredelung
weitere Ausgaben werden ermittelt
Assaf Zeevi (Jg. 1982) ist in Israel geboren und aufgewachsen. Nach einigen Jahren als Landschaftsarchitekt und Mitarbeiter der Holocaustgedenkstätte Yad VaShem wurde er Reiseleiter. Seine Kenntnisse über Natur, das Judentum und die Bibel machten ihn zu einem der gefragtesten Israel-Reiseleiter im deutschsprachigen Raum. Heute lebt er am Bodensee.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Auf den Spuren Abrahams, Isaaks und Jakobs


ABRAHAM UND SARA KOMMEN INS LAND


Nach der traditionellen jüdischen Chronologie (Seder Olam Rabba 1) wurde Abraham im Jahr 1948 nach der Weltschöpfung geboren, umgerechnet 1812 v.  Chr. Sara ist zehn Jahre jünger.

Die jüdische Zeitrechnung


Die allgemeine jüdische Zeitrechnung ist anders als die christliche. Sie basiert auf Zeitangaben in der Bibel und beginnt im zurückgerechneten Jahr der Weltschöpfung. Seder Olam Rabba, dt. »Große Weltchronik«, ist die wichtigste Grundlage für die Datierung biblischer Ereignisse im Judentum.

Abraham und Sara lebten als Nomaden. Was hinterlässt schon jemand, der sein ganzes Leben im Zelt wohnt? Dennoch haben sie, wie die anderen biblischen Erzväter und -mütter auch, tiefe Spuren hinterlassen, die heute noch da sind. Sie sind nur nicht immer physisch vorhanden, sondern in unseren Herzen.

Für uns Juden sind sie nicht die »biblischen Erzväter«, sondern die eigenen Stammväter und -mütter. Juden nennen Abraham immer Avraham Avinu. Wie viele Kinder war auch ich in meinen ersten Lebensjahren sicher, Avinu sei Abrahams Nachname. Avinu heißt »unser Vater«. Sara bezeichnen wir auf gleiche Art als »unsere Mutter«. Die gleichen Bezeichnungen bekommen auch Isaak, Rebekka, Jakob, Lea und Rahel.

Beim Umzug nach Kanaan ist Abraham 75 Jahre alt, Sara ist 65. Sie sind kinderlos, aber nicht allein. Es begleiten sie Verwandte und Knechte, man könnte sagen eine mobile Wohngemeinschaft. Ihren Besitz nehmen sie mit, hauptsächlich Haushaltstiere der Region: Schafe, Ziegen, Kamele und Rinder. Ihre Häuser nehmen sie auch mit. Keine große Sache, es sind Zelte.

Lass uns in Abrahams Schuhe schlüpfen und ihn ins Land begleiten. An vielen Stellen lassen sich die Verse wie ein Reiseführer lesen. Wir starten in Haran (Genesis 12) und wollen nach Sichem im Herzen Kanaans, wohin Gott uns führt. Wir nehmen die Königsstraße über Damaskus nach Süden. 60 km südlich der heutigen syrisch-jordanischen Grenze kommt die Abzweigung zum Jordan. Im Jordantal ist es trocken, heiß und baumfrei. Die Sonnenuntergangsstraße wird uns 35 km durch die Schlucht Tirza führen, 1 000 Höhenmeter bergauf haben wir vor uns.

Mit jedem Schritt wird die Landschaft mediterraner und grüner, die Luft kühler und klarer. Je höher wir kommen, desto mehr Dörfer gibt es, mit mehr Landwirtschaft. Links begleiten uns immer die Hänge des Berges Kabir. Der Bach fließt ganzjährig und schnell. Immer wieder kommen wir an Quellen vorbei, die den Bach speisen. An den Quellen haben Menschen Becken und Tränken gebaut. Auch in 3 800 Jahren werden Hirten ihre Herden noch zu diesen Wasserstellen bringen. Das Tal ist fruchtbar. In Tieflagen werden Datteln angebaut, höher sind es Feigen, Oliven und vor allem Granatäpfel. In 1 900 Jahren werden Rabbiner die Granatäpfel und Nüsse aus diesem Tal als Beispiel für besonders kostbare Waren nennen, die nicht nach Gewicht, sondern einzeln verkauft werden (Mischna' Orla 3,8). In den Dörfern werden neben Lebensmitteln Geschirr, Gefäße, Werkzeuge und Stoffe angeboten. Sobald wir oben sind, öffnet sich ein Tal, dahinter erheben sich zwei runde Berge, Ebal und Garizim. Unten, wo sie sich fast berühren, liegt Sichem, unser Ziel.

Die Ortsangabe ist sehr genau: ». bis zur Stätte von Sichem, bis zur Terebinthe More« (Genesis 12,6). Im hebräischen Text ist die Terebinthe eine Eiche. Sichems ältesten Teil nennen die Araber Tel Balata, wahrscheinlich abgeleitet von Balut, dt. »Eiche«.

Tel


Tel ist der archäologische Begriff für einen antiken Ansiedlungshügel. Das Wort bedeutet auf Hebräisch und Arabisch so etwas wie »Ruinenhügel«. Normalerweise besteht ein Tel aus mehreren Schichten, wobei die oberen neueren Datums sind als die unteren. Diese Siedlungsform entstand dadurch, dass Menschen Städte nach ihrer Zerstörung auf den Trümmern wiederaufbauten. Bis zum 4. Jh. v. Chr. war das die typische Stadtform. Rund 200 Tels gibt es in Israel heute.

Hier stand früher wohl ein bekannter, heiliger Baum direkt an der Stadt. Heilige Bäume gibt es in der einheimisch-arabischen Kultur auch heute noch, fast immer sind es Eichen oder Terebinthen. An diesem Baum informiert Gott Abraham, dass er am Ziel angekommen ist (Genesis 12,7). Hier baut Abraham seinen ersten Altar im verheißenen Land. 45 km südlich an der Bergstraße schlägt er sein Zelt zwischen Bethel und Ai auf (Genesis 12,8). Man geht davon aus, dass Bethel in dem heutigen palästinensischen Dorf Beitin und Ai am Dorfrand von Deir Dibwan liegt.

Auf der 2 km langen Strecke zwischen den Orten liegt ein Hügel, 860 m ü. NN, oben felsig, unten mit Oliven bepflanzt. Hier weht meistens der Wind und selbst im Hochsommer braucht man hier abends manchmal eine Strickjacke und Socken. Im Winter kann hier Schnee fallen und es ist nie besonders gemütlich. Aber man kann weite Teile des Landes sehen: im Westen das Mittelmeer, im Osten den Jordangraben und das Gebirge Moab, im Norden die Hügel Samariens und mit Glück den Hermon, im Süden die Höhen Judäas. Abraham hat sich einen Hügel am Nabel des Landes als Zeltplatz ausgesucht, baut einen Altar und ruft den Namen Gottes aus. Er verkündet Gott an dieser Stelle, wo er viel vom Land sieht und wo ihn viele Bewohner des Landes sehen können.

Anschließend geht es auf der Bergstraße weiter Richtung Süden. Die Landschaft bleibt ähnlich - Olivenhaine und Weinberge in Terrassen, undurchdringliche mediterrane Buschwälder mit immergrünen Eichen. Nach 20 km kommt er an Jerusalem vorbei. Der Bibeltext geht nicht darauf ein, aber wir wissen, dass die Stadt schon existierte. Abraham ahnt noch nicht, dass er unweit von hier seinen künftigen Sohn wird opfern wollen. Noch 8 km und er kommt an Bethlehem vorbei, ohne sich vorstellen zu können, dass dort 730 Jahre später der wichtigste König des Volkes, das aus seinem Samen entstehen wird, geboren werden wird. Aus den Hochlagen kann er das Tote Meer in der Wüste unten sehen. 25 km weiter südlich kommt er in Hebron an. Hebrons zweiter Name erzählt etwas über die Landschaft, Alonei Mamre, dt. »Mamre-Eichen«. Heute umgeben viele Weinberge die Stadt, ursprünglich gab es hier einen Taboreichenwald mit großen Abständen zwischen den Bäumen. Taboreichen sind den Korkeichen, die du vielleicht eher aus Südeuropa kennst, sehr ähnlich.

Südlich von Hebron verändert sich die Landschaft. Es gibt immer weniger Bäume und immer mehr Felsen. Die Landschaft wird gelblich und trocken. Quellen gibt es praktisch keine mehr, dafür mehr Zisternen, die das Leben hier ermöglichen. Statt in Dörfern leben hier viele als Nomaden. Bis heute leben in diesem Gebiet Menschen in Höhlenwohnungen mit kleinen, steinigen Äckern davor. 25 km hinter Hebron fällt das Gelände steil ab. Es öffnet sich ein weiter Blick auf die Beerscheba-Ebene in der Wüste. Vor dem Abstieg bleiben Abraham und Sara bestimmt kurz stehen und müssen die Augen mit der Hand abschirmen, um von der Sonne im Süden nicht geblendet zu werden. Am Nachmittag weht der Westwind und bringt Haare und Kopfbedeckungen in Bewegung. 17 km vor ihnen liegt Beerscheba, das zu einer ihrer zentralen Wohnstätten werden wird. Von dort führt der Weg weiter nach Ägypten. Wegen einer Hungersnot werden sie bald selbst auf diesem Weg reisen.

Die Durchquerung des Negev und des Sinai auf dem Weg zum Nil ist logistisch eine echte Herausforderung. Heiß, kaum Bäume, kaum Menschen und das Schlimmste - kaum Wasser. Man ist auf Hilfe angewiesen. Von Beerscheba bis zum Nil sind es 420 km, für die man ohne Pausentage gute zwei Wochen braucht. Aber wenn die Alternative das Verhungern ist, lohnt sich der Aufwand.

Für Abraham und Sara hat es sich mehr als gelohnt. Vor Ägypten waren sie reich, nach Ägypten sehr reich (Genesis 13,2). Und gleich beginnen die Wohlstandsprobleme. Abraham und sein Neffe Lot entscheiden sich für eine Trennung. Die Entscheidung fällen sie auf dem Hügel zwischen Bethel und Ai, wo sie schon einmal lagerten und einen Überblick über Kanaan hatten. 30 km südöstlich und 1 250 m tiefer sieht Lot den Jordankreis mit den Städten Jericho und Sodom.

Dort will Lot hin. Warum? In der Senke tritt Grundwasser durch geologische Risse auf und sorgt für ganzjährig sprudelnde Quellen. Diese Quellen schaffen Oasen, eine von ihnen ist Jericho. Bis heute nutzen hier Menschen das Wasser und bauen Datteln, Bananen, Papayas, Zitrusfrüchte, Melonen und Auberginen an. Wärme und Wasser zusammen schaffen paradiesische Zustände.

Der Jordankreis und Sodom


Der »Jordankreis«, in Bibelübersetzungen mit »Ebene«, »Land«, »Umgegend« oder »Landschaft« wiedergegeben, ist der letzte Abschnitt des Jordantals vor der Mündung ins Tote Meer. Hier öffnet sich der Jordangraben kreisförmig von sonst 10 auf 25 km. Mutmaßungen darüber, dass Sodom am südlichen Toten Meer gelegen haben könnte, sind nicht überzeugend. Zum einen wird der Jordankreis in der Bibel immer in Verbindung mit Jericho oder dem Jordan erwähnt. Am südlichen Toten Meer fließt der Jordan nicht. Außerdem hätte Lot von Bethel aus das südliche Tote Meer nicht sehen können, den Jordankreis schon. Die Forschung vermutet Sodom in Tel el-Hammam, 12 km östlich des Jordan, gegenüber von Jericho. Der Tel ist 5- bis 10-fach größer als andere aus der gleichen Epoche. An dieser Stelle existierte eine Stadt bis zu ihrem abrupten Ende durch...

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