Liebe und Alltag in der DDR

Bewahrt in Briefen der NVA-Zeit von Mai 1985 bis Oktober 1986
 
 
neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. April 2020
  • |
  • 441 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7502-3319-5 (ISBN)
 
Geboren 1960 in der DDR habe ich, Helena Zauber, 2020 ein Patt. 30 Jahre leben in der DDR und 30 Jahre im vereinten Deutschland. Anlass genug, um mal zurück zu schauen. Vieles ist in Vergessenheit geraten. Aber es gibt Zeugnisse darüber, wie das Leben und Lieben in der DDR war. Damit meine ich nicht die offiziellen Reportagen und Geschichten, die jetzt gehäuft im Fernsehen zu schauen sind. Sondern die privaten "Archive", wie Fotoalben, alte Zeitungsausschnitte, Postkarten, Aufzeichnungen, Dokumente usw. Besonders freue ich mich darüber, dass ich all die Jahre ganz besondere "Zeitzeugen" aufgehoben habe. Es sind Briefe, die mein Mann Hannes und ich während seines 18-monatigen Grundwehrdienstes bei der NVA geschrieben haben. Ich habe diese Briefe nach Hannes` Armee-Zeit sorgsam verpackt und bei jedem Umzug mitgenommen. Sind sie doch Zeugen einer wunderschönen jungen Liebe und des Lebens in der DDR, durch Schilderungen des ganz normalen Alltags. Es gibt für mich also genug Gründe, diese Briefe wieder zu lesen und auch für die nachkommenden Generationen fest zuhalten. Aber vielleicht erkennt sich der ein oder andere Leser darin ja auch wieder und erinnert sich. Oder es hilft Außenstehenden, das Leben in der DDR besser zu verstehen, bzw. nachzuvollziehen. Dabei handelt es sich um einen kurzen Zeitraum, eben um diese 18 Monate von Mai 1985 bis Oktober 1986. Rückblickend vergingen diese 18 Monate wie im Flug, was wir damals tatsächlich ganz anders empfunden haben. Wir haben die Tage gezählt, bis wir uns wiedersehen konnten oder bis ein Brief vom Anderen kam. Nun bin ich selbst gespannt, was in diesen Briefen steht, abseits unserer großen, in diesen Monaten sehnsüchtigen Liebe.
  • Deutsch
  • 5,35 MB
978-3-7502-3319-5 (9783750233195)
Helena Zauber - Jahrgang 1960 - ist freiberuflich als Dozentin in der Erwachsenenbildung tätig. Sie schreibt in ihrer Freizeit Geschichten, meist angeregt von wahren Erlebnissen. So bezeichnet sie sich selbst als Geschichtenerzählerin.

1. Kapitel



Angefangen hat alles an einem Samstagabend im Oktober 1983 bei einem Diskobesuch in Greifswald. Eine Freundin wollte unbedingt dort hin und ich habe mich überreden lassen mitzugehen.

Marianne hatte an diesem Abend ihren "Schwarm" nicht getroffen, aber ich habe meinen Hannes kennen gelernt.

Acht Monate später, am 8. Juni 1984, heirateten wir im Greifswalder Standesamt. Es war, wie wir fanden und ich heute noch finde, eine sehr romantische Hochzeit, aber für unsere Familien ungewöhnlich.
Hannes und ich sind alleine mit dem Stadtbus zum Standesamt gefahren. Damals brauchten wir keine Trauzeugen. Ich hatte ein bunt gestreiftes glänzendes Kleid an. Einen Biedermeierstrauß aus roten Rosen, den ich unbedingt wollte und im Haar ein "Klapsband", quasi als Schleierersatz. Mein Hannes hatte Kordhosen und ein blau-weiß-gestreiftes Hemd an. Aber wir hatten einen Fotografen bestellt, um diesen besonderen Moment festzuhalten.

Nur die Standesbeamtin und der Fotograf wussten außer uns, dass wir an diesem Tag heiraten werden. Hannes hatte diesen Vorschlag gemacht und ich fand es spannend und aufregend, so heimlich, ohne unsere Familien zu heiraten.

Anschließend sind wir in das nahe gelegene Cafe zum Frühstücken gegangen. Dort bestaunten einige Gäste meinen wunderschönen Blumenstrauß. Wahrscheinlich vermuteten sie richtig.

Mit dem Zug fuhren wir dann frisch vermählt und glücklich auf Hochzeitsreise nach Erfurt.

Hannes hatte dort Maschinebauer gelernt und wollte mir diese wunderschöne Stadt in Thüringen bei dieser Gelegenheit zeigen.

Da wir ja gleich vom Standesamt aus gereist sind, hatten wir die Eheurkunde dabei. Das war auch gut so, da ich diese im Hotel "Vilnius" in Erfurt vorzeigen konnte. So bekamen wir eine zukünftige Ein-Raum-Wohnung mit Kochnische für uns.

Damals war es in Städten, wie Erfurt und anderswo üblich, dass man zukünftige Wohnblöcke eine Zeit lang als Hotel nutzte und sie später als Wohnungen vermietete. So konnte es sein, dass man ein Zweibettzimmer in einer zukünftigen 3-Raum-Wohnung bekam. Das bedeutete, man teilte sich das Bad mit den Gästen aus den anderen Zimmern, was für uns auf keinen Fall in Frage kam. Wir wollten unser junges Glück mit viel Zweisamkeit und ungestört genießen.

Wenn ich jetzt daran zurück denke, muss ich schmunzeln. Wir waren ja so verliebt, gingen Hand in Hand glücklich in Erfurt spazieren, küssten uns immer wieder und genossen unsere Liebe.

Dann entdeckten wir, dass man in dem Hotel Westfernsehen empfangen konnte. Das war ja was, das mussten wir unbedingt ausprobieren und erwischten gleich den Hitchcock-Thriller "Die Vögel". Oh je, solche Art Thriller hatten wir noch nicht gesehen. Wir waren ganz gebannt davon und es ließ uns eine ganze Weile nach Ende des Films nicht mehr los.

Aber dann fingen wir an, uns gegenseitig zu erschrecken und alberten rum bis wir irgendwann lachend ins Bett fielen, uns wild küssend umarmten und uns unsere Liebe immer wieder mit wunderschönem Sex bewiesen.

Nach diesen Tagen in Erfurt, von wo aus wir Karten an alle, die es wissen sollten, schrieben, dass wir geheiratet haben, fuhren wir zu meinen Schwiegereltern. Auch sie sollten wissen, dass ihr 23-jähriger Sohn geheiratet hatte. Hannes wollte es Ihnen direkt mitteilen.

Ich weiß gar nicht mehr, ob sie überhaupt schon was von meiner Existenz wussten. Das Verhältnis zwischen Hannes und seinen Eltern war sehr angespannt. Besonders zu seinem Vater.

Dieser lies sich dann auch erst mal die Eheurkunde zeigen, ob das auch wahr ist, was sein Sohn da erzählte.

Ich erinnere mich noch genau an sein, sagen wir mal, erstauntes Gesicht. Er schaute auf die Eheurkunde dann auf mich, dann wieder auf die Eheurkunde usw. bis er schließlich ein "herzlichen Glückwunsch" knurrte.

Später habe ich erfahren, dass er sich für seinen schlanken, 1,89 m großen, rotblond gelockten Sohn eine große, schlanke Blondine wünschte und nicht eine 1,66 m Frau mit südländischem Schlag, die auch noch ein Jahr älter war. Aber er fand wenigsten, dass unsere Namen zusammen passten: Hannes und Helena.

Ich glaube wir blieben ein, zwei Tage in Cottbus und fuhren dann zurück nach Greifswald in unsere Wohnunterkunft.
Da wir ja nun verheiratet waren und beide im Kernkraftwerk Lubmin arbeiteten, bekamen wir ein Zweibettzimmer in einer Drei-Raum-Wohnung, die bis zur Fertigstellung des AKWs als Wohnunterkunft für die Monteure und Arbeiter des AKWs diente.

Dieses richteten wir uns gemütlich ein, kauften von unserem Ehekredit schon mal einen Kühlschrank und zwei tolle Bettliegen.

Meine Schwester lebte damals mit Ihrer Familie, Mann und eine Tochter, auch in Greifswald. Sie hatten eine 3-Raum-Neubauwohnung in einem der neuen Stadteile, die damals entstanden, Schönwalde 1. Mit ihnen und meiner Mutter, die aus Wolgast zu Besuch kam, feierten wir unsere Hochzeit nach. Auch mit unseren jeweiligen Kollegen und Freunden feierten wir die Hochzeit tüchtig nach. Ich glaube es waren vier oder fünf Nachfeiern, die sehr viel Spaß gemacht haben und viele Geschenke brachten, alles was man so als Jungvermählte noch so brauchte, wie Töpfe, Bettwäsche, Geschirr und viele andere Dinge.

Aber ich erinnere mich auch daran, dass ich bei jeder Gelegenheit gefragt wurde, wann es denn soweit wäre?

Beim ersten Mal, wusste ich gar nicht, was die Neugierigen meinten. Aber durch nachhaken wurde klar, was. Sie meinten, wann unser Kind käme.


Zu DDR-Zeiten war es oft üblich, dass junge Leute geheiratet haben, wenn die Frau schwanger war oder das erste Kind schon geboren war. Ehepaare mit Kindern bekamen tatsächlich schneller eine Wohnung und wurden durch staatliche Zuwendungen auch finanziell unterstützt.


Das wollte ich auf keinen Fall!

Ich wollte erst den Mann, dann ein Kind, na ja zwei oder drei.

Ich erinnere mich, dass ich bei dem zweiten Treffen mit Hannes tatsächlich dachte: "Das ist der Vater meiner Kinder!"

Ich betrachtete ihn damals das erste Mal ganz genau. Hannes war schlank, hatte wunderschöne blaue Augen und ein bisschen wildes rotblond gelocktes halblanges Haar. Und was ihn auf mich besonders männlich wirken ließ, einen rotblonden gepflegten Vollbart.

Offensichtlich ahnte ich damals, dass unser beider Gene super zusammen passen.

Mein südländischer Hauch drückte sich in braunen Augen, braunen Haaren und einer fraulichen Figur aus.


Na jedenfalls waren die Frager immer sehr verwundert, dass ich nicht schwanger war und wir trotzdem geheiratet hatten.


Das ging so eine ganze Weile, aber langsam kamen wir wieder im Alltagstrott an.

Da wir beide in Schichten arbeiteten, Hannes in der Elektromotorenabteilung, ich in der "Arbeiterversorgung", war es manchmal schwierig, gemeinsame Freizeit zu haben. Aber irgendwie bekamen wir das hin und freuten uns doppelt, wenn wir mal ein gemeinsames Wochenende frei hatten.

Wir liebten es, mit Freunden auszugehen. Wir tanzten so gut zusammen, dass viele glaubten, wir haben uns auf einer Tanzschule kennen gelernt. Wir genossen so oft wir es konnten unser Zusammensein, denn wir wussten, jeden Tag kann ein besonderer Brief kommen, der "Einberufungsbefehl".

Damals wurden die jungen Männer, wenn sie sich nicht 10 Jahre und länger freiwillig verpflichteten, für 18 Monate zur NVA (Nationale Volksarmee) einberufen.

Meist nach der Lehre oder dem Abitur. Aber mein Hannes war noch nicht bei der NVA. Er hat immer gesagt, sie würden ihn erst holen, wenn er verheiratet ist, weil er immer mal wieder "aufmüpfig" in der Vergangenheit aufgefallen wäre. Und so lauerte dieses Geschehen über unserem Glück.

Aber noch war es ja nicht so weit.

Durch unsere Schichtarbeit verdienten wir gutes Geld und konnten uns im ersten Jahr unserer Ehe auch noch einen zweiten Urlaub im Harz gönnen.

Ich erinnere mich auch an diesen Urlaub sehr genau.

Bei der Erinnerung helfen mir viele Fotos aus diesen Tagen. Es war ein goldener Herbst und wir machten viele Ausflüge rund um Wernigerode. Natürlich immer mit der Bahn. So waren wir viel wandern, auf dem Ottofelsen, zur Hermannshöhle, nach Thale, zur Rappbodetalsperre und zur "Steinernen Renne".

Aber die Fotos zeigen nicht, dass wir auf dem geplanten Weg nach Ilsenburg nach einer Kontrolle der Personalausweise aussteigen mussten. Wir vermuteten damals, dass Hannes tatsächlich irgendwie registriert war und nicht in das Grenzgebiet rund um den Brocken durfte.

Und die Fotos zeigen auch nicht, dass wir einmal mit dem Bett zusammengebrochen sind.

Heute weiß ich, das lag wohl doch nicht an unserem wilden Sex, sondern an der Stabilität der damaligen "FDGB-Betten".

Doch die Krönung war, dass Hannes nicht den Mut hatte, das unseren Vermietern zu beichten und mich vorschob mit den Worten:

"Meine Frau möchte Ihnen was sagen!"

Der Vermieter hat nur gelacht und gesagt, er würde sich darum kümmern.

So verbrachten wir unsere zweite Hochzeitsreise mit einigen Überraschungen und Hindernissen, die wir aber nicht als störend empfanden, da wir ja uns und unsere Liebe hatten.



So verflog unser erstes Ehejahr rasant und plötzlich war er da, der Einberufungsbefehl für Hannes.

Am 2. Mai 1985 sollte er sich in Rostock, Kröpeliner Straße melden. Genau weiß ich das nicht mehr. Auf alle Fälle war die Kaserne in Rostock.

Wir waren sehr erleichtert, dass Hannes nicht zu den Grenzern musste.

Unsere größte Furcht war, dass er in die...

Schweitzer Klassifikation
BISAC Classifikation
Warengruppensystematik 2.0

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "glatten" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

9,99 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB ohne DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen