Wo die Sehnsucht wohnt

Auf dem Sternenweg durch ein friedliches, und einzigartiges christliches Europa
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. November 2018
  • |
  • 420 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7528-7575-1 (ISBN)
 
Wir leben im Überfluss und der materielle Konsum wird immer fragwürdiger. Nur kurz, wenn überhaupt, bewirkt er heute eine anhaltende Befriedigung. So oft wir in teure Restaurants essen gehen, so oft wir ein neues Smartphone kaufen oder so oft wir den letzten neuen Modeschrei mitmachen. Es werden nicht mehr Bedürfnisse, sondern nur noch Triebe bedient und so suchen wir unbewusst nach mehr. Doch kann das "Mehr" durch noch mehr Konsum gedeckt werden?

Der Trend zum Minimalismus kann einerseits durchaus verstanden werden, als der Versuch aus diesem Teufelskreislauf auszubrechen, doch es gibt auch andere Möglichkeiten dieses "Mehr" zu erfahren. Es ist der Jakobsweg, auch Sternenweg genannt, ein Schicksalsweg für Millionen von Menschen, die ihn schon gegangen sind und noch gehen werden. Der Trend der letzten Jahre zeigt, dass hier mehr als nur das Verlangen nach Wandern als Motiv gesehen werden kann. 2017 sind mehr als 301000 Pilger in Santiago de Compostela angekommen, so viel wie noch nie, ein absoluter Rekord. Doch schon im März 2018, als ich dieses Buch schreibe, sind die Vergleichszahlen schon wieder höher

Was also sucht der Mensch auf dem Jakobsweg? Die einfachste Antwort darauf mag der Begriff "Sinn" sein, doch in Wahrheit ist es der Ausbruch aus dem System der Konsumgesellschaft, in früheren Zeiten auch Alltag genannt, dem Sprengen der tonnenschweren Ketten, welche wir uns fremdbestimmt anlegen ließen.

Wer den Jakobsweg geht, tauscht die starren Regeln seines Verstandes gegen den mystischen Glauben einer Erkenntnis, die tief in ihm wohnt und auf dessen Grund er das Wunder zu entdecken vermag, nach dem er sucht.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 10,95 MB
978-3-7528-7575-1 (9783752875751)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Reinhold Zanoth, Jahrgang 1947, verheiratet, drei Kinder, hat nach einer Feinmechanikerlehre in Celle und seiner Bundeswehrzeit, wo er an den ersten Systemen zur elektronischen Datenverarbeitung gearbeitet hat, später am Abendgymnasium Kempen-Krefeld das Abitur abgelegt und danach an der TU Hannover Elektrotechnik studiert. Im Laufe seines Berufslebens war er zunächst in der Sparte Medizintechnik der Siemens AG tätig, wo er die Computertomographie-Systeme betreut hat, bevor er in die Informations- und Kommunikationsindustrie wechselte. Weltweites Reisen kombiniert mit unzähligen Marathonläufen auf nahezu allen Kontinenten, brachten ihn mit den unterschiedlichsten Kulturen und Menschen zusammen. Seit seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2007 widmet er sich als Seniorenstudent der Universität Trier den Gebieten Philosophie, Psychologie und Geschichte. Seine Freizeit widmet er dem Schreiben, Wandern, Laufen, seinen Enkeln und dem Tanzen.

Tag 2


Di 2.5.2017 von Perl nach Kedange sur Canner (40km, gesamt 75km)


Der Wecker klingelt um 5:30h, die Nacht ist für mich zu Ende. Waschen und Rucksack packen. Als alles verstaut ist, schaue ich auf dem Smartphone nach dem Wetter. 1° C in Perl. Ich packe daraufhin den Rucksack wieder aus, weil meine Handschuhe ganz unten liegen, gleich neben der Badehose, wie praktisch. Ich bin noch weit davon entfernt ein Konzept zu haben, wie man einen Rucksack packt. Eigentlich habe ich gedacht die Handschuhe nicht zu brauchen, aber bei 1° C, sind die Finger bestimmt abgefroren, bevor ich mich warmgelaufen habe.

Ich habe meine Wander-App "Komoot" auf dem Smartphone so programmiert, dass sie mich auf kürzestem Wege nach Saint- Hubert bringen soll. Der Ort liegt knapp 10 km hinter Kedange sur Canner. Der offizielle Jakobsweg führt von Perl zunächst auf die andere Seite der Mosel nach Schengen in Luxemburg, dann wieder zurück nach Frankreich und dort entlang der Mosel, bevor er in das Hinterland aufsteigt. Ich wähle aber den direkten Weg von Perl über die Berge und kann so im Ort noch die Reste des gestrigen 1. Mai bestaunen. Noch bin ich richtig fit und da es kalt ist, mache ich Tempo damit ich warm werde. Was ich heute an "Kilometern" absolvieren möchte, nämlich an die 40km, entspricht bestimmt nicht dem normalen Pilgerdurchschnitt, aber ich bin ja viele Jahre Marathon & Ultramarathon gelaufen. Obwohl beim Wandern ganz andere Muskeln beansprucht werden, ist natürlich eine gute Kondition von großem Vorteil. Trotzdem denke ich: "Hoffentlich geht das alles gut und ich übernehme mich nicht". Vor allem aber, hoffentlich halten das meine Füße durch, auch wegen möglicher Blasen.

Vorbei an einem Neubaugebiet mit schmucken Häuschen, schlängelt sich der Weg hinauf durch den dichten grünen Wald. Bald habe ich den ersten Gipfel erreicht und sehe gleich wieder das Atomkraftwerk Cattenom düster rauchen. Sonst keine Wolke am Himmel. Auch der Saar-Steig führt als Wanderweg hier vorbei. Ab und zu wird der Weg, fast nur ein Pfad, richtig herausfordernd und an manchen Stellen sind zusätzlich uralte, morsche Holzbohlen mit wenig Vertrauen in ihre Stabilität, zu überwinden.

Es geht bergab und ich komme im ersten Ort an ein kleines öffentliches Häuschen, in dem anscheinend irgendetwas gewaschen wird. Ich weiß nicht was und es ist noch viel zu früh jemanden danach zu fragen. Im Laufe der nächsten Wochen soll mich diese Frage noch häufiger beschäftigen. Meine App meldet sich und meint, ich solle links abbiegen, doch zu meiner großen Überraschung ist der Wanderweg bergab gesperrt und komplett aufgerissen. Anscheinend wird hier eine neue Kanalisation verlegt. Tiefe Gräben wurden wie Wunden in den Weg geschlagen. Ich hangele mich trotz der Absperrgitter hindurch und muss bestimmt einen Kilometer weit auf frisch zugeschütteten Gruben über große, holprige Schottersteine gehen. Meine robusten, alpinen Trailschuhe, die ich anhabe, werden jetzt vor ihre erste Probe gestellt. Noch sind sie neu und kleben förmlich an jedem Stein. Ich hoffe sie freuen sich mit mir auf die nächsten 2500km.

Kühe auf der Wiese schauen mich staunend an. Wahrscheinlich bin ich hier seit Wochen der erste Wanderer. Unten geht es über einen Fluss und dann den nächsten Berg hinauf. Wieder ein sehr anstrengender Aufstieg. Als ich oben ankomme, bin ich tief gerührt. In der Morgensonne breitet sich ein unglaublich schönes Panorama vor mir aus. Es ist 7 Uhr morgens und die aufgehende Sonne liegt flach über der schier unendlichen Weite der Acker- und Rapsfelder. Auf dem gegenüberliegenden Kamm, mitten in den Feldern, beherrscht und beobachtet ein einzelner, großer Baum majestätisch die gesamte Szene.

Was macht er dort, frage ich mich, ist er dort nicht sehr einsam? Eigentlich sind doch Bäume äußerst gesellige Wesen und fühlen sich im Wald, mit ihren Kindern und Enkeln am wohlsten. Was der Mensch für die Gattung der Tiere, ist der Baum für die Gattung der Pflanzen, das jeweils höchstentwickelte Wesen. Auch der Baum lässt in seinem Schatten entweder nur niedere Wesen zu, oder solche mit denen er eine Symbiose eingehen kann und hat den Hang, so er nicht gehindert wird, sich extensiv auszubreiten. Ich kenne dies, so ich an unsere Wiese zu Hause denke. Im Schatten der Bäume wächst nicht viel. Der Vergleich zum Menschen geht mir eine zeitlang nicht aus dem Kopf.

Rechts taucht wieder Cattenom, das Menetekel fehlgeleiteter, menschlicher Technologiegläubigkeit auf. Von hier oben gut sichtbar, wie sich die bedrückenden, weißgrauen Wolken aus den Kühltürmen am frischen, blauen Morgenhimmel zuerst übergeben um dann geheimnisvoll zu verenden. Welche unsichtbaren, vielleicht sogar gefährlichen Rückstände sinken dabei wohl zu Boden. Wir wissen es nicht.

Beim Abstieg geht es durch eine bizarre Landschaft aus verwunschenen Bäumen. Der Zauberer von Oz kann nicht weit sein. So schön die Natur, ja, sie ist mein Gott, so sehr sehne ich mich aber auch nach einem anderen weltlichen Produkt. Ich suche eine Bäckerei, um mir Brötchen zu beschaffen, die heißen hier eigentlich schon Baguette, denn ich habe die Grenze nach Frankreich längst überschritten.

Die Orte hier sind so klein, dass es weit und breit, keine Bäckerei oder einen Tante-Emma-Laden gibt. Hungrig ziehe ich weiter. Mir fällt auf, dass im Gegensatz zu uns, an den Straßen immer eine Batterie von Briefkästen steht. Sie sind grün. Das erspart dem Briefträger an jedem Haus zu halten. Er bedient gleich eine ganze Häuserzeile. Die Anwohner können sich ihre Post dann dort abholen. Ich kenne das schon von Christine in Passins und hoffe insgeheim auf ihre guten Wetterprognosen, wenn ich in der Nähe von Lyon sein werde. Irgendwann sehe ich wieder die kleinen stilisierten, gelben Muscheln auf blauem Grund am Wegrand. Ich bin wieder auf dem Jakobsweg. Wieder Cattenom, wieder diese tiefe Abneigung gegen diese Technik.

Ein großes, sauber gemaltes Holzschild am rechten Wegrand erklärt, dass ich jetzt den "Foret de Sierz", einen außergewöhnlich schönen, einladenden Wald erreicht habe. Als ich vom Anblick der Bäume, durch die sich jetzt die Morgensonne mit voller Kraft ihren Weg bahnt, richtig verzaubert bin, spielt mir mein digitales Diktiergerät, auf dem ich tausende Musiktitel für den Weg gespeichert habe, über die Zufallswiedergabe den Titel "Glory, Glory Halleluja". Ein schöner Zufall und in den Schweiß, der mir von der Stirne rinnt, mischen sich plötzlich Tränen der Emotion, die ich nicht zurückhalten kann. Wo will ich eigentlich hin, was habe ich mir da vorgenommen? 2500km zu Fuß, wie soll ich das schaffen? Sind nur verrückte Leute zu außergewöhnlichen Leistungen fähig?

Kurze Zeit später taucht am Wegesrand ein recht neues Denkmal auf, auf dem ich wen sehe, natürlich Jakobus. Ich finde dort auch den Hinweis auf den Jakobsweg. Eine Richtung, aus der ich komme, sagt Trier, die andere, in die ich wandere sagt Metz. Weiter oben steht zu lesen, dass es nach Santiago de Compostela nur noch 2200 km sind. Ja, kann man glauben, wenn man sich nicht verirrt und auch keinen Abstecher zu einer neben dem Weg liegenden Kneipe macht. Irgendwie bin ich dann doch ergriffen aber beruhigt. Millionen von Menschen vor mir, so denke ich, sind doch auch schon diesen Weg gegangen. Oft unter ganz anderen, erbärmlichen Bedingungen. Sie hatten noch nicht einmal eine Kreditkarte bei sich. Den spontanen Gedanken, dass es in Metz einen Bahnhof gibt, von dem aus ich in gut einer Stunde wieder in Trier sein könnte, verscheuche ich.

Im Foret de Sierz sehe ich immer wieder große Stapel von Buchenholz am Wegesrand. Hier wird der Wald nicht nur seiner ökologischen Bedeutung gerecht, sondern verdient sich auch das Synonym "Sparbuch". So nannten Landwirte früher und so nennen sie auch heute noch ihren Waldbesitz. Ich verlasse den Jakobsweg und mache heute einen zweiten beschwerlichen, aber sehr wichtigen Umweg. Ich besteige den Berg, auf dem die größten Bauten der Maginot-Linie zu besichtigen sind. Mehr als 4 Stunden Bergwanderung, ohne Wegzehrung mit nur einem halben Liter Wasser, auf teilweise fast alpinen Pfaden liegen hinter mir und so verlangt der Aufstieg zur Maginot-Linie die letzten Reserven. Mit dieser Einstellung werde ich bestimmt nicht nach Santiago kommen. Dann bin ich oben und stehe voller Staunen mit offenem Mund auf frisch gemähtem Rasen. Dazwischen unzählige Betonbunker. Unmenschliche, grausame Zeugen, so müssen sie auf jeden Besucher wirken. Größe und Ausdehnung sind unglaublich und lassen sich auch auf einem Foto nicht wirklich festhalten.

Ich gehe über einige gut ausgebaute Wege um diese Anlage herum und muss am anderen Ende, meiner App folgend, wieder nach rechts auf einen Weg. Vor mir ein steiler, eigentlich unbezwingbarer Hang von bestimmt 100 m Höhe und wohl 60 bis 70 Grad Steigung. Ich klettere hinauf und komme trotz meiner guten Schuhe immer wieder ins Rutschen. Auf halbem Wege hänge ich fest. Wieder runter geht genauso wenig, wie weiter rauf. Überall nur Laub, welches gleich mitrutscht, wenn ich...

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