Kriegspferd

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Mai 2017
 
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978-3-641-21244-5 (ISBN)
 
Jäger und Beute

Die Tampies, eine Alien-Spezies, benutzen sogenannte Pferde, um durch das All zu reisen. Diese Pferde sind kilometerlange Kreaturen, lebende Raumschiffe mit PSI-Kräften, die von den Tampies gezähmt und kontrolliert werden. Man spannt sie vor das eigentliche Schiff und lässt sich von ihnen durch Wurmlöcher ziehen. Sie sind jeder Technologie weit überlegen und werden seit Kurzem auch von den Menschen zur Raumfahrt benutzt, da herkömmliche Schiffe viel zu lange brauchen würden, um die gewaltigen Distanzen zwischen den Sternen zu überwinden. Doch diese Pferde haben einen schrecklichen Feind: haiähnliche Raubtiere, die sie töten und fressen. Die Tampies sind jedoch absolute Pazifisten, die eher tatenlos dem Gemetzel zusehen, als ein Tentakel gegen die Räuber zu erheben - ganz anders als die Menschen, die selbst von einer beutemachenden Spezies abstammen und dieses Erbe mit in den Weltraum genommen haben .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,69 MB
978-3-641-21244-5 (9783641212445)
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Timothy Zahn wurde 1951 in Chicago geboren, lebt in Oregon und ist heute einer der beliebtesten Science-Fiction-Autoren der USA. Sein bekanntestes Werk ist die »Thrawn«-Trilogie, die mehrere Jahre nach dem Ende von »Die Rückkehr der Jedi-Ritter« spielt und die Geschichte des »Star Wars«-Universums in eine neue Zeit vorantreibt (»Expanded Universe«). Diesen Büchern folgte eine Reihe weiterer »Star Wars«-Romane. Für seine Novelle »Cascade Point« wurde Zahn mit dem renommierten Hugo Award ausgezeichnet.

1. Kapitel


 

Zwei Stunden zuvor hatte die Dryden ihre Rotation abgestellt und die Besatzung lebte zum ersten Mal seit fünfzehn Tagen wieder in der Schwerelosigkeit. Eine Stunde zuvor war der letzte Kurswechsel erfolgt und das Schiff so genau wie möglich in einen direkten Vektor mit dem Zielplaneten Arachne gebracht worden. Und nun, in den allerletzten fünf Minuten, war die leuchtend rote Masselinie endlich in der Mitte der Steueranzeige aufgetaucht und begann gemächlich, sich zum Rand hin auszudehnen.

Sie waren beinahe am Ziel. Beinahe in Arachne . und bei den sie erwartenden Tampies.

Captain Haml Roman betrachtete die Masselinie noch einen Augenblick lang und bedauerte zum letzten Mal, dass ausgerechnet sein Schiff für diese Mission eingesetzt worden war. Dem Anschein und allen Versicherungen zum Trotz war der Ausgang genauso ungewiss wie Arachnes Umlaufbahn, und dass er bei der Scharade mitmachen musste, verursachte ihm Sodbrennen. Aber weder der Senat noch die Admiralität hatten jemals daran gedacht, ihn in solchen Fällen nach seiner Meinung zu fragen. Wahrscheinlich hätte es ohnehin nichts gebracht.

Noch vier Minuten. Roman griff nach den Schaltern seiner Bordsprechanlage und tippte die Kabine seines Passagiers ein, doch noch während er damit beschäftigt war, ging die Tür rechts von ihm auf und Botschafter Pankau schwebte auf die Brücke. »Captain«, - er nickte und stieß sich ab, so dass er über die Brücke zu Roman glitt -, »wissen wir schon, wann wir ungefähr eintreffen werden?«

Roman nickte ebenfalls. »Ich wollte Sie gerade anrufen, Mr. Ambassador.« Er fragte sich kurz, wie Pankau es schaffte, seine steife Würde zu bewahren, während er wie ein Luftballon durch den Raum trieb. »Wir brechen in etwas weniger als vier Minuten durch.«

Pankau griff nach der Rücklehne von Romans Stuhl, um seinen Schwung abzustoppen, und stellte die Füße energisch auf eine der Haftplatten auf dem Boden. »Wie lange brauchen wir von hier aus nach Arachne?«

»Es kann sich nur um einige Stunden handeln. Vielleicht weniger, das hängt davon ab, wie nahe wir vor dem Durchbruch herankommen.«

Pankau war nicht begeistert, aber er besaß sichtlich genügend Erfahrung, um zu wissen, dass sich solche Ungewissheiten Romans Kontrolle entzogen. Der Mitsuushi-Raumantrieb brauchte dreißig Stunden für ein Lichtjahr und verschlang alle 1,7 Sekunden eine astronomische Einheit; trotz der Computerkontrolle hatte ein Schiff Glück, wenn der Durchbruch innerhalb einer Entfernung von fünfhunderttausend Kilometern von dem vorgesehenen Ziel erfolgte. »Tun Sie Ihr Möglichstes«, meinte der Botschafter beinahe widerwillig. »Und dann erwarte ich einen Mindestzeit-Kurs nach Arachne. Es hat keinen Sinn, es länger als unbedingt erforderlich hinauszuzögern.«

Lieutenant Commander Trent, der auf dem Platz des stellvertretenden Kommandeurs saß, warf Pankau einen verärgerten Blick zu, den dieser zum Glück nicht bemerkte. »Selbstverständlich, Mr. Ambassador«, antwortete Roman, unverändert höflich-neutral.

Pankau nickte kurz und verstummte, und dann beobachteten sie gemeinsam, wie sich die Masselinie ausdehnte. Sie hatte beinahe den Rand der Steueranzeige erreicht, als die Lichter auf der Brücke abrupt schwächer wurden und die Hälfte der Haupt-Statusanzeige von Grün über Rot zu Dunkelblau wechselte.

Die Dryden war angekommen.

»Lieutenant Nussmeyer?«, fragte Roman und schaltete den Hauptmonitor ein. Der Bildschirm erwachte zum Leben; auf ihm leuchteten unzählige Sterne und links vom Zentrum die rot-orangefarbene Kugel der Sonne von Arachne.

»Haargenau am Ziel, Sir«, meldete Nussmeyer, der seinen Steuermonitor beobachtete. »Wir befinden uns etwas mehr als siebzigtausend Kilometer hangaufwärts von Arachne.«

Hangaufwärts bedeutete, dass die Schwerkraft der Sonne sie bei der Annäherung nicht behindern, sondern unterstützen würde. »Sehr gut, Lieutenant. Berechnen Sie einen Mindestzeit-Kurs bei .« - er warf Pankau einen Blick zu - »bleiben Sie unter 1,5 Ge.«

»Aye, Sir. Ungefähr neunzig Minuten bis Orbit.«

»Sehr gut. Ausführen.«

Der Beschleunigungsalarm begann zu trillern, und Roman hörte dem Klicken und Knarren zu, als die Brücke in die Position für lineare Beschleunigung vorwärts einschwenkte. Die Zahl und das Dezibelniveau der Geräusche war in letzter Zeit gestiegen, und er schickte rasch ein Stoßgebet zum Himmel; hoffentlich hielt das Material wenigstens so lange, bis sie in den Hafen einliefen. Selbst bei einem relativ kleinen Kriegsschiff wie der Dryden konnte es sehr schnell zu einer sehr unangenehmen Situation kommen, wenn man versuchte, es von einer falsch ausgerichteten Brücke aus zu steuern. »Wollen Sie Nachrichten absenden, bevor wir in den Orbit einschwenken?« Roman blickte wieder zu Pankau hinüber. Dieser betrachtete mit zusammengekniffenen Augen den Hauptbildschirm, in dessen Mitte jetzt der kleine, sichelförmige Planet zu sehen war. »Das hängt wahrscheinlich davon ab, ob die Tampy-Delegation noch oben ist, oder ob sie gelandet sind und ihr Schiff nach Hause geschickt haben«, antwortete er. »Können Sie das Bild noch ein wenig vergrößern?«

Roman wandte sich wieder seinem Steuerpult zu und stellte den Bildschirm erwartungsvoll auf volle Vergrößerung ein. Wenn das Tampy-Schiff tatsächlich noch bereitstand .

Die kleine Sichel füllte sprunghaft den ganzen Bildschirm, stabilisierte sich, wurde größer und zum flachen Streifen eines bunten Planetenrandes. Die Kamera begann das Gebiet langsam abzutasten .

Und da war es, hob sich von dem beleuchteten Teil ab: eine kleine, dunkle, rechteckige zylindrische Form, die einen ähnlichen, aber viel größeren Zylinder hinter sich herzog. Das Tampy-Schiff und das dazugehörende Raumpferd.

Auf dem Schirm blendete sich der Maßstab ein und stabilisierte sich, und jemand auf der Brücke pfiff leise. »Neunhundertzwanzig Meter lang«, las Pankau ab; selbst in seiner professionell kühlen Stimme lag ein Hauch von Ehrfurcht. »Ich glaube nicht, dass ich jemals ein so großes Raumpferd gesehen habe.«

»Die durchschnittliche Größe beträgt achthundert Meter«, bestätigte Roman. Sogar ihm fiel auf, wie jungenhaft aufgeregt seine Stimme klang.

Pankau hörte es offensichtlich ebenfalls, und sein Blick wanderte vom Bildschirm zu Roman. »Ihr erstes Raumpferd, Captain?«

Zum Glück war es in der Schwerelosigkeit schwierig, rot zu werden. »Es ist das erste, dem ich nahekommen werde«, gab er zu. »Natürlich habe ich sie schon aus der Ferne gesehen.«

Pankau brummte. »Für den Kommandanten eines Grenzschiffs wäre es ziemlich schwierig, ihnen gänzlich auszuweichen.« Seine Augen wanderten zum Hauptschirm zurück; er schob die Lippen vor. »Wahrscheinlich sollte ich jetzt zu ihnen sprechen. Wir müssen sie zumindest wissen lassen, dass wir hier sind.«

Roman nickte. Er griff nach dem Schalter für den Kommunikationslaser; erinnerte sich im letzten Augenblick und schaltete stattdessen das Funkgerät ein. Die Tampies hatten nie den Laser entwickelt und waren keineswegs daran interessiert gewesen, von der Kordonale die erforderliche Technologie zu erwerben. »Sie sind dran, Mr. Ambassador«, sagte Roman.

Pankau räusperte sich. »Hier spricht Botschafter Pankau an Bord des Kordonale-Raumschiffs Dryden«, meldete er sich. »Mit wem habe ich das Vergnügen?«

Die Reaktion erfolgte sofort; die Tampies hatten zweifellos bereits bemerkt, dass die Dryden eingetroffen war. »Ich höre«, antwortete die fremde Stimme.

Die greinende, kratzende, durch Mark und Bein gehende fremde Stimme. Roman biss die Zähne zusammen und versuchte, daran zu denken, dass die Tampies es nicht absichtlich machten.

»Ich bin Ccist-paa; ich spreche für die Tamplissta«, fuhr der Alien fort. »Ich begrüße euch.«

»Ich begrüße euch ebenfalls«, antwortete Pankau; in seinem Ton und seinem Verhalten war nichts von Romans Gereiztheit zu spüren. Aber Pankau war auch viel mehr an die Tampiestimmen gewöhnt. »Ich komme mit offenen Händen und gutem Willen und überbringe den Wunsch des Obersten Senats, unsere Differenzen so rasch wie möglich beizulegen.« Er zögerte den Bruchteil einer Sekunde. »Kannst du mir sagen, ob sich die Situation in den letzten vierzehn Tagen verändert hat?«

Pankaus Stimme klang leicht verstimmt, was Roman sehr gut verstehen konnte. Berufsdiplomaten lernten es, mit aufreizenden Stimmen und Verhaltensweisen zu leben; das Nichtvorhandensein von ausreichenden, zeitgerechten Informationen war etwas ganz anderes. Die Dryden war vierzehn Tage lang mit dem Mitsuushi-Antrieb unterwegs gewesen, und alles, was sie über die Schwierigkeiten auf Arachne wussten, war vierzehn Tage alt. Die Tampy-Mission hingegen hatte mit ihrer Kolonie bis zu dem Augenblick in Verbindung gestanden, in dem sie ihren Heimathafen verlassen musste . Was wahrscheinlich vor einigen Stunden geschehen war.

In diesem Fall stellte sich heraus, dass die Zeitdifferenz tatsächlich wesentlich war. »Es hat eine Veränderung gegeben«, erwiderte Ccist-paa und seufzte keuchend. »Einige der Menschen in der Arachne-Siedlung haben die Tamplissta von den Tyari angegriffen.«

Pankau schnalzte leise mit der Zunge. »Hat es Tote gegeben?«

»Menschen wurden nicht verletzt. Zwei Tamplissta sind gestorben.«

Roman verzog das Gesicht. Es war ein Schema, das sich in letzter Zeit immer öfter auf dem halben Dutzend Welten wiederholte, die die Kordonale mit den Tampies teilte: Gärende Konfrontationen entwickelten sich zu heftigen Ausbrüchen von Gewalttätigkeit . und immer waren die Tampies die...

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