Der Wüstenprinz

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Februar 2021
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7515-0144-6 (ISBN)
 
Wie in einem orientalischen Märchen fühlt sich Jenny, als sie neben Michael Hassan, dem König von Sumaru, in seinem Zelt erwacht. Noch immer spürt sie die zärtlichen Berührungen des Wüstenprinzen auf der Haut, seine heißen Küsse auf den Lippen. Doch jäh erwacht sie aus ihren sinnlichen Träumen! Der Scheich wird schon bald eine andere zur Frau nehmen ...

2. KAPITEL

Es war bereits dunkel, als Jenny zum Hotel zurückkehrte. Vor dem Eingang parkte Jussufs Taxi, er hockte auf der Haube. Sobald er Jenny erblickte, begann er zu strahlen.

"Hey, Lady, hatten Sie Erfolg?"

"Nein. Ich war auf der Botschaft. Sie konnten mir nichts sagen."

Jussuf schüttelte missbilligend den Kopf. "Ich habe herumgehorcht. Einige erinnern sich an Ihren Bruder. Er sieht Ihnen sehr ähnlich, nicht?"

"Ja."

"Ein Taxifahrer hat ihn gefahren."

Jenny war sofort ganz Ohr. "Wirklich? Welcher?"

"Jussuf kann Sie zu ihm bringen. Er hat gerade frei."

"Oh ja, bitte."

"Steigen Sie ein."

Diesmal hatte Jenny keine Bedenken, in den verbeulten Wagen zu klettern. Mit einer schwarzen Rauchfahne hinter dem Auspuff keuchte das Taxi davon.

Der Mann mit dem Turban, der Jenny die ganze Zeit gefolgt war, sprang in ein wartendes Auto und fuhr hinterher. Es war ein Leichtes, denn der dunkle Qualm wies ihm den Weg.

Jussuf steuerte sicher durch das Straßenlabyrinth. Allein wäre Jenny hier verloren gewesen. Er hielt vor einem kleinen Haus, das genauso aussah wie die anderen daneben.

"Sagen Sie nichts, flüstern Sie mir notfalls ins Ohr. Sehen Sie dem Mann nicht in die Augen", sagte Jussuf, während sie auf das Haus zugingen. "Und morgen müssen Sie sich andere Kleider kaufen."

Er klopfte. Eine leicht verschleierte Frau öffnete und schlug sofort die Augen zu Boden, als sie den jungen Mann sah. Doch Jenny beäugte sie neugierig von der Seite. Jussuf brachte sein Anliegen vor, sie verbeugte sich zweimal und schloss die Tür.

"Sie holt ihren Mann", erklärte Jussuf.

"Lassen sie uns nicht hinein?"

"Mich schon, Sie nicht. Da wir zusammen sind, bleiben wir draußen, und er kommt zu uns."

Kurz darauf wurde die Tür erneut geöffnet, ein Lichtfleck fiel auf die Straße. Jenny sah sich den Mann genau an, bevor sie züchtig den Blick senkte. Jussuf stellte seine Fragen auf Arabisch, der Mann antwortete mit einem Wortschwall.

"Er brachte Ihren Bruder zu zwei Privatadressen und drei Geschäften", übersetzte Jussuf knapp.

"Kannst du dir die Adressen geben lassen? Und hat mein Bruder irgendetwas zu dem Fahrer gesagt?"

Jussuf fragte nach und erklärte Jenny: "Nicht direkt, aber Ihr Bruder sagte zu einem anderen Mann, dass er noch etwas Bestimmtes vorhätte und dann nach Hause fliegen würde."

"Wann war das?"

Jussuf fragte. "Sonntag vor einer Woche."

"Hat er Henry danach noch einmal gesehen?"

Jussuf fragte. "Ja, als er das Hotel mit seinem Rucksack verließ und in einen Luxuswagen mit einem Fahrer im dunklen Anzug stieg."

"Sage ihm bitte Dank und gib ihm dies." Sie holte eine Handvoll Münzen aus der Tasche und gab sie Jussuf, damit er sie dem Mann reichte.

Der Mann verbeugte sich mehrfach, während Jussuf und Jenny zum Taxi zurückgingen.

"Wir besuchen jetzt die Adressen, okay?"

"Ja, bitte."

Die Erste war eine große, elegante Villa mit einem mächtigen Gittertor und einer Gegensprechanlage in einem der Torpfosten. Niemand antwortete auf ihr Klingeln.

Die zweite Adresse erwies sich als ebenso eindrucksvoll. Doch die Stimme aus dem Lautsprecher klang feindselig und wies sie kurzerhand ab.

"Ich frage mich, was Henry verbrochen hat, dass er die Leute dermaßen verärgert hat", überlegte Jenny laut.

"Ich mich auch. Aber Sie dürfen hier auf keinen Fall allein herumlaufen."

"Das würde mir nicht im Traum einfallen. Ich würde mich heillos verirren."

Jussuf nickte. "Deshalb ist Jussuf Ihr Fahrer, und Sie sind Fahrgast."

Jenny lächelte.

Jussuf sah es im Rückspiegel. "Sie sind schön, wenn Sie lächeln. Das sollten Sie öfter tun."

"Das werde ich, sobald ich meinen Bruder gefunden habe."

"Ich verstehe. Aber jetzt zum Geschäft." Jussuf bog in eine düstere Seitenstraße. "Sie bleiben hier und halten die Türen geschlossen. Ich gehe hinein." Damit stieg er aus.

Jenny erblickte bärtige Männer, die das Taxi anstarrten. Sie drückte auf die Knöpfe für die Innenverriegelung und machte sich klein. Es half nichts, die Männer umschwärmten sie wie Motten das Licht.

Da erklang ein Ruf, tief und kehlig, und sicher nicht von Jussuf. Jenny sah einen kräftigen Mann in blauen Gewändern und mit Turban, die Hand an der Scheide eines Degens, der die lauernden Männer in die Schranken wies.

Der Mann sagte nichts weiter. Er stand hinter dem Taxi, offensichtlich bereit, Jenny zu verteidigen. Er brauchte keine Worte. Die anderen Männer wandten ihre zudringlichen Blicke ab.

In diesem Moment kam Jussuf zurück und blickte verwundert den Mann in Blau an. Worte wurden gewechselt. Jussuf nickte, stieg in seinen Wagen und brauste mit quietschenden Reifen davon.

"Wer war der Mann?", fragte Jenny.

"Welcher Mann?"

"Stell dich nicht dumm", schalt sie. "Der Mann in Blau."

"Ach, irgendwer. Wir fahren jetzt zum Hotel."

"Und die anderen Adressen?"

"Heute nicht. Vielleicht morgen."

Sie legte ihm die Hand auf die Schulter. "Was ist los?"

"Nichts. Jussuf hat bloß ein bisschen Angst."

Jenny nickte. "Ich auch. Ich glaube, für heute ist es genug. Und danke für alles, Jussuf."

Er lächelte in den Rückspiegel. "Keine Ursache."

Vor dem Hotel angekommen, drückte Jenny ihm den Gegenwert von hundert Dollar in die Hand und sagte: "Bitte, nimm das an. Ich wäre sonst wirklich beleidigt."

Jussuf konnte die Scheine nicht erkennen, aber er ahnte, dass es eine Menge war. "Okay, Lady. Aber morgen machen wir weiter."

"Danke, Jussuf." Spontan küsste sie ihn auf die Stirn.

Er errötete bis in die Haarwurzeln.

"Du musst wissen, dass wir Amerikaner ausgesprochen gefühlsselig sind", sagte sie lächelnd und verschwand im Hotel.

Sie ging zum Empfang. Derselbe Mann hatte noch Dienst. "Tut mir leid, Miss O'Hara, aber Mr. Hassan hat nicht angerufen."

"Danke."

Als Jenny in ihrer Etage aus dem Lift trat, sah sie am Ende des Korridors einen dunkelhäutigen Mann in blauen Gewändern. Er stand mit gespreizten Beinen da, die Arme vor der Brust verschränkt. Es konnte der Mann von vorhin sein, aber sie hatte sein Gesicht nicht gesehen. Und was hätte der hier auch zu suchen?

Sie lächelte ihm zu, doch da kam keine Reaktion. Na schön. Sie hatte heute kein Lächeln bekommen, außer von Jussuf.

Jenny schloss ihre Zimmertür auf. Bevor sie Licht machen konnte, wurde sie von hinten ergriffen. Sie wollte schreien, aber eine Hand legte sich auf ihren Mund.

Sie biss fest in die Hand, wie sie es in dem Kurs für Selbstverteidigung gelernt hatte. Der Mann fluchte, ließ jedoch nicht los.

Jenny versuchte ihm den Ellbogen in die Leiste zu rammen, doch er drehte ihr die Arme auf den Rücken. Dann hob er sie hoch, während sie wild um sich trat. Wie in einem skurrilen Tanz taumelten sie durch den Raum, bis sie auf dem Bett landeten.

Sie zappelte verzweifelt, doch sie verfing sich in Gewändern und wurde von dem schweren Körper niedergedrückt. Die Hand lag noch immer auf ihrem Mund, aber so, dass sie nicht mehr beißen konnte.

Der Mann hielt sie so fest, dass sie keine Möglichkeit hatte, sich zu rühren. Was hatte der Kerl bloß für Bärenkräfte?

"Hören Sie auf", befahl der Mann in reinstem Englisch. Jenny war ohnehin wehrlos. "Ich will Sie nicht verletzen. Ich möchte nur mit Ihnen reden. Versprechen Sie, nicht zu schreien, wenn ich meine Hand wegnehme?"

Jenny zögerte. Schließlich nickte sie. Ihr ganzer Körper stand unter Spannung, bereit, beim ersten Nachgeben des Mannes aufzuspringen.

Doch da war keine Spur von Nachgeben. Er schien zu wissen, was in ihr vorging, und hielt sie fest umklammert.

Sie keuchte und sah ihren Gegner an. Sein bronzefarbenes Gesicht war direkt über ihr, sein unregelmäßiger Atem strich über ihre Haut. Sie spürte das harte Hämmern seines Herzens an ihrer Brust.

Und seine Augen waren von einem Blau, das sie noch nie irgendwo gesehen hatte.

"Ich bin Michael Hassan", sagte er. "Sie brauchen keine Angst vor mir zu haben."

"Michael Hassan?", wiederholte Jenny ungläubig. "Wie können Sie es wagen, mich derartig zu überfallen? Lassen Sie mich sofort los!"

Er gehorchte und stand auf. "Das war kein Überfall", erklärte er, während er ins Bad ging, um seine verletzte Hand unter kaltes Wasser zu halten. "Ich wollte nur verhindern, dass Sie schreien."

Plötzlich flog die Tür auf, und der blau gewandete Mann erschien, jeden Muskel gespannt, den Säbel gezückt, den Blick wütend auf Jenny gerichtet.

Sie war so verblüfft, dass ihr der Schrei in der Kehle stecken blieb. Regungslos lag sie da und wartete auf den Todesstoß. Sie konnte nur denken, was für eine ungewöhnliche Art zu sterben dies war. Schade, dass sie es nicht mehr in einem ihrer Romane verwerten konnte.

Michael Hassan drehte den Wasserhahn zu und kam zurück. Er sagte etwas auf Arabisch zu dem Mann. Der steckte den Degen in die Scheide, verneigte sich und verließ den Raum. Die Tür konnte er leider nicht schließen, denn sie war zersplittert.

Jenny schloss die Augen und sank in die Kissen.

"Alles...

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