Der Thron der Dornen

Historischer Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Januar 2018
  • |
  • 576 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-20471-6 (ISBN)
 
Die Rosenkriege sind vorbei, doch der englische Thron ist voller Blut und Dornen. Sevilla 1483: Jack Wynter wurde von seinem Vater auf eine geheime Mission nach Spanien entsandt, um eine verschlossene Kiste zu bewachen und sie mit seinem Leben zu schützen. Doch dann wird Jacks Vater des Hochverrats angeklagt, und die ganze Familie steht im Mittelpunkt einer tödlichen Intrige. Jack kann nicht anders: Er muss das Geheimnis der rätselhaften Truhe lüften und zurück nach England reisen, wo der junge Prinz Edward den Thron besteigen soll und dessen Onkel Richard von Gloucester bereits plant, die Herrschaft an sich zu reißen ...
  • Deutsch
  • 3,17 MB
978-3-641-20471-6 (9783641204716)
3641204712 (3641204712)
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Mit ihrem Debüt »Die Blutschrift« gelang der Britin Robyn Young in Großbritannien und den USA ein großartiger Durchbruch, der sie auf die Bestsellerlisten schnellen ließ. Geboren 1975 in Oxford, begann sie schon früh, Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben. Aber erst während eines Seminars in Kreativem Schreiben fand sie den Mut, ihre Ideen für einen Roman zu Papier zu bringen. Heute lebt Robyn Young in Brighton, und wenn sie nicht gerade an einer Trilogie schreibt, unterrichtet sie Kreatives Schreiben an verschiedenen Colleges.

1

Im Morgengrauen waren sie auf dem Weg zu ihm, um ihn zu holen; in scharfem Galopp preschten sie die römische Straße entlang. Die aufgehende Sonne ließ jeden Schwertknauf golden funkeln und fing sich feurig in den gebogenen Klingen zahlreicher Äxte. Unter den sich bauschenden schlammbespritzten Umhängen waren die wattierten Brigantinen - die mit Eisenplättchen besetzten Panzerhemden der Soldaten - deutlich zu erkennen. Die Männer gaben ihren Pferden die Sporen, bis jedes Tier blutete; ihre Muskeln schmerzten ob des gnadenlosen Tempos, und sogar unter den ledernen Handschuhen bildeten sich auf ihren Handflächen offene Blasen. Die feuchte, schneidende Luft verwandelte den Atem der Pferde in weiße Wölkchen, die ihren geblähten Nüstern entquollen. Raureifflecken auf der Straße zerstoben unter trommelnden Hufen.

Über den Köpfen der Truppe wehten keine Banner, auch trugen sie keine Livreen, denn an diesem Aprilmorgen waren sowohl Anonymität als auch Eile ihre Verbündeten. Dort, wo die Watling Street schnurgerade auf den Great Ouse zuführte, stieß der letzte der Wachposten, die vorausgeritten waren, um zu verhindern, dass sich die Nachricht von ihrem Kommen verbreitete, zu der Gruppe, und gemeinsam donnerten die Reiter auf den kleinen Marktflecken Stony Stratford und das Ziel ihrer wilden Jagd zu: den Jungen, der König geworden war.

Thomas Vaughan stieß die Gasthaustür auf und schützte die Augen vor dem goldenen Glanz des Morgens. Heute war Markttag, und auf der Hauptstraße vor dem Rose and Crown herrschte geschäftiges Treiben. Er trat in das Getümmel hinaus und ging die Straße hinunter. Es war noch früh, doch die Frühlingssonne, die voll auf die weiß getünchten Gebäudefassaden fiel, verströmte bereits eine zaghafte Wärme. Ihre strahlende Helligkeit spiegelte sich in den Gesichtern der Händler wider, die die Vorübergehenden ansprachen. Die meisten derer, die sich auf der Straße drängten, waren bereits seit einigen Stunden auf den Beinen und in Werkstätten oder draußen auf den Feldern tätig gewesen. Jetzt waren sie auf der Suche nach einer Mahlzeit, um ihr Fasten zu brechen, hierhergekommen, angelockt von dem Duft fetttriefender Pasteten und der in Kesseln köchelnden Eintöpfe aus Fleisch und Gerste.

Während Vaughan sich einen Weg durch die Menge bahnte, spürte er, dass zahlreiche Augen auf ihm ruhten, und die Rufe der Händler wehten laut und eifrig in seine Richtung. Obwohl seine Hose und seine Stiefel nach dem Ritt von Ludlow hierher Pferdeschweißflecken aufwiesen und seine Kleider eher zweckmäßig als modisch geschnitten waren, hob er sich mit seiner Federkappe und seinem reich mit Brokat verzierten Wams und Umhang von diesen Männern und Frauen in ihrer Werktagskluft ab. Trotz der unwillkommenen Aufmerksamkeit fühlte es sich gut an, sich im Freien aufzuhalten und sich zu bewegen. Er war lange vor Tagesanbruch erwacht und hatte keinen Schlaf mehr finden können, und seine innere Unruhe war mit den langsam verstreichenden Stunden nur noch gewachsen.

Es war schwer, den genauen Grund für sein Unbehagen zu benennen. Die Nachrichten, die sie nach dem plötzlichen Tod des Königs erreicht hatten - von heftigen Szenen, die sich wegen Arrangements für die Krönung zwischen der Königinwitwe Elizabeth Woodville und Verbündeten ihres Schwagers, dem Duke of Gloucester, abgespielt hatten -, waren ungelegen, aber nicht unerwartet gekommen. Es war eine schwierige Zeit, und die Stimmung würde vom Feuer der Unsicherheit noch angeheizt werden. Vielleicht hatte Gloucesters zähe Beharrlichkeit, sich der Gruppe anzuschließen, die seinen Neffen nach London eskortierte, irgendwie seinen Argwohn geweckt? Oder vielleicht, sinnierte Vaughan, suchte er nach Drohungen, wo es nur Schatten gab. Aufgrund all dessen, was in diesem letzten Jahr geschehen war - Ereignisse, die bewirkten, dass er ständig über seine Schulter spähte und auf eine Klinge wartete, die sich in seinen Rücken bohren wollte -, war es nicht weiter verwunderlich, dass sein Vertrauen erschüttert war.

Dennoch war Vorsicht oft ein besserer Freund als Unbesonnenheit, etwas, das er in seinen dreiundsechzig Lebensjahren nur zu gut gelernt hatte, weshalb gestern, als Gloucesters Einladung an ihre Truppe, in Northampton mit ihm zu speisen, beschlossen worden war, dass Anthony Woodville, der Earl Rivers, allein gehen würde, um die Absichten des Herzogs auszuloten, bevor sich die beiden Parteien für die geplante Prozession nach London zusammenschlossen. Rivers, der Onkel und Statthalter des neuen Königs, war am späten Nachmittag aufgebrochen, um die achtzehn Meilen Richtung Norden zurückzulegen. Ein Teil seiner Männer hatte ihn begleitet, während der Rest der königlichen Eskorte ausgeschwärmt war, um in den umliegenden Weilern ein Bett für die Nacht zu finden. Den jungen Edward hatten sie mit einer kleinen Wächtertruppe, Dienern, seinem Halbbruder Richard Grey und Vaughan, seinem Kammerherrn, in Stony Stratford zurückgelassen.

An einer Kreuzung vor ihm, wo die Stände und die Menschenmenge sich lichteten, wurde die Straße von dem Monument zu Ehren Königin Eleanors beherrscht. Der helle Schein der gotischen Bogen, die die Statue der lang verstorbenen Königin umgaben, schien im Sonnenlicht zu glühen. Auf der Straße von Lincoln nach London gab es zwölf solcher Denkmäler; sie waren vor zwei Jahrhunderten von König Edward I. errichtet worden, um die Orte zu kennzeichnen, wo der Leichnam seiner Frau auf dem Weg zur Beerdigung geruht hatte. Vaughan schritt an dem Monument vorbei und schlenderte auf den Great Ouse zu, der sich schlangengleich durch die Wiesen wand und dessen Wasser fast einen Kreis um die Stadt zog.

Hier wich das Stimmengewirr des Marktes aufgeregtem Vogelgezwitscher und dem Rascheln des Windes in den Eichen. In einiger Entfernung überspannte eine Brücke den Fluss, auf der ein Karren stand. Der Fahrer war abgestiegen und unterhielt sich mit den Männern, die die Zahlstation besetzten; ein Geschirr klirrte vernehmlich, als eines der vor den Karren gespannten Saumpferde den Kopf hochwarf. Dahinter führte die Watling Street weiter nach Norden und verschwand im Schatten eines Waldes. Vaughan blieb stehen und ließ den Blick über die Bäume in der Ferne schweifen. Der Wirt des Rose and Crown hatte sie mit neugierigen Fragen bezüglich des hellhaarigen Jugendlichen überhäuft, den sie begleiteten, und schon waren Gerüchte über einen königlichen Besucher in der Stadt im Umlauf. Je eher sie auf dem Weg in die Hauptstadt waren, desto besser, und das nicht nur wegen des Schutzes, den sie bot. Englands Thron war jetzt seit drei Wochen unbesetzt, und Vaughan wusste nur zu gut, wie leicht der Ehrgeiz von Männern aufflammen konnte.

Er kehrte der verlassenen Straße den Rücken und trat den Rückweg an. Möge Gott ihm Geduld schenken. Sie würden bald genug dort sein. Dann würde der Junge in Westminster gesalbt werden, und das große Werk, dem sich Vaughan dieses vergangene Jahrzehnt unter so vielen Opfern verschrieben hatte, würde Früchte tragen. Als das steinerne Monument vor ihm aufragte, dachte er an den Mann, der es in den Tagen, als das Haus Plantagenet in Stärke vereint gewesen war, hatte erbauen lassen. Die Blutlinie dieses Königs war in all den Jahren danach weitergeführt und aufgeteilt worden, war durch die Adern der Nachkommen von John of Gaunt geflossen und schließlich in die eines weiteren langbeinigen Kriegerkönigs namens Edward geströmt - des vierten dieser Linie.

Fast zwanzig Jahre lang hatte Vaughan verfolgt, wie sich die großen Häuser Lancaster und York - zwei rivalisierende Zweige der Plantagenet-Dynastie, beide mit Söhnen mit Thronansprüchen - im Kampf um die Krone auf englischem Boden in blutige Fetzen gerissen, ein Heer von Würmern mit dem Fleisch ihrer Gefallenen gemästet und in jeder neuen Generation von Männern den kalten Stahl des Hasses geschmiedet hatten. Er trug die Narben dieses Krieges am Körper und auch auf der Seele. Mit dem Frieden, der vor einem Jahrzehnt mit König Edwards zweiter Herrschaft angebrochen war, schien England mit einer weiteren langen, fruchtbaren Regierungszeit gesegnet worden zu sein. Aber jetzt war Edward - die Rose von Rouen und weiße Hoffnung von York, Held von Mortimer's Cross und Lancasters Verderben - tot. Der König hatte die Hölle der Schlachtfelder überlebt, nur um zu lange beim Fischen zu verweilen und die Kälte und Feuchtigkeit in seine Knochen sickern zu lassen. Die Krankheit hatte ihn nur Wochen vor seinem einundvierzigsten Geburtstag dahingerafft. Sein von den unstillbaren Gelüsten, die seine letzten Jahre überschattet hatten, aufgeblähter Körper ruhte jetzt in Windsor, was bedeutete, dass die Krone auf seinen zwölfjährigen Sohn und Erben überging. Wieder ein Minderjähriger. Sie hatten diesem Königreich selten gute Dienste geleistet.

Das Donnern von Hufen lenkte Vaughans Aufmerksamkeit abrupt auf die Straße zurück. Reiter lösten sich aus dem Wald und hielten auf die Brücke zu. Seine Hoffnung stieg, sank aber sogleich wieder, als er erkannte, dass die Reiter in schlichte schwarze Umhänge und Tuniken gekleidet waren. Keiner trug die Farben von Earl Rivers und auch nicht die von Gloucester oder Buckingham. Nichtsdestoweniger boten sie einen fesselnden Anblick: ungefähr fünfzig Reiter in vollem Galopp, unter den Hufen der Pferde aufspritzender Schlamm, das unverwechselbare Schimmern von Waffen. Vaughan kniff die Augen zusammen, hielt nach vertrauten Gesichtern Ausschau, aber die Gruppe war zu weit weg und seine Sehkraft nicht mehr das, was sie einmal gewesen war. Er erhaschte einen Blick auf einen bluthell aufblitzenden scharlachroten Umhang in ihrer Mitte, der ihm verriet, dass sich zumindest ein Edelmann unter...

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