Krieger des Friedens

Historischer Roman
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. September 2013
  • |
  • 640 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12168-6 (ISBN)
 
Es kommt die Zeit, in der man seinem größten Feind die Treue schwören muss .

König Edward von England marschiert in Schottland ein, um sein Ziel eines vereinigten Britischen Königreichs zu verwirklichen. Und nur ein Mann kann Edwards Plan vereiteln: Robert the Bruce, der sein Schicksal erfüllen und den schottischen Thron erobern will. Zu diesem Zweck muss er vor Edward den symbolträchtigen Stab von St. Malachias finden. Doch sein Weg ist noch weit, und zudem wird er von einem gnadenlosen Mörder gejagt, denn er ist nicht der Einzige, der seine Augen auf die schottischen Krone gerichtet hat .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 3,75 MB
978-3-641-12168-6 (9783641121686)
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Mit ihrem Debüt »Die Blutschrift« gelang der Britin Robyn Young in Großbritannien und den USA ein großartiger Durchbruch, der sie auf die Bestsellerlisten schnellen ließ. Geboren 1975 in Oxford, begann sie schon früh, Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben. Aber erst während eines Seminars in Kreativem Schreiben fand sie den Mut, ihre Ideen für einen Roman zu Papier zu bringen. Heute lebt Robyn Young in Brighton, und wenn sie nicht gerade an einer Trilogie schreibt, unterrichtet sie Kreatives Schreiben an verschiedenen Colleges.

Armagh, Irland
(A.D. 1135)

Am Rand von Ard Macha, dessen uralte Hänge den Namen einer Kriegsgöttin trugen, wartete eine Gruppe von Männern. Sie standen eng beieinander vor den Portalen der Kathedrale und spähten angestrengt in den Nebel, der den Gipfel des Hügels einhüllte. Goldenes Licht begann den Dunstschleier aufzulösen, die Denkmäler der Heiligen auf dem Friedhof waren bereits zu erkennen, doch die Stadt Armagh unter ihnen lag weiterhin unter einem dichten, weichen Schleier.

Eine Krähe flog von einer der Eichen auf, die den Zugang zu der Kathedrale bewachten, das Flattern ihrer Flügel zerriss die Stille. Die Augen der Gruppe schossen in Richtung des Vogels und blieben auf einer Gestalt haften, die sich aus dem Nebel löste. Es war ein Mann in einem schwarzen Gewand mit Kapuze, das um seinen hageren Körper schlotterte. Als er auf sie zukam, schlossen sich ihre Hände fester um ihre Waffen. Einige der jüngeren Männer scharrten unbehaglich mit den Füßen, doch einer in der Mitte der Gruppe – breit wie ein Ochse, mit einem harten, zerfurchten Gesicht – drängte sich durch die Reihen nach vorn durch. Niall mac Edan starrte an der sich nähernden Gestalt vorbei in die bernsteinfarbene Dämmerung. Einen Moment später kam hinter dem Mann etwas Großes in Sicht: ein von einem Maultier gezogener Karren. Zwei Männer in schwarzen Kutten führten das Tier am Zügel. Nialls Augen verengten sich vor Erwartung, aber es war keine weitere Bewegung mehr auszumachen. Wie befohlen war Malachias allein gekommen.

Die Männer mit dem Karren machten am Rand des Friedhofs Halt, während Malachias weiter den Hang emporstieg. Der Saum seines schwarzen Ordensgewandes schlug gegen seine nackten Füße. Auf seinem Kopf war eine von der Julisonne rot verbrannte Tonsur ausrasiert. Sein Gesicht wirkte ausgezehrt, die Haut spannte sich über den Wangenknochen und hing schlaff in den Augenhöhlen. Niall spürte die Anspannung seiner Männer, sah, wie einige von ihnen unmerklich zurückwichen. Als Malachias letzten Monat auf diesen Hügel gekommen war und versucht hatte, die Kathedrale zu betreten, hatte er eine Armee mitgebracht, und es war Blut geflossen. Aber Niall wusste, dass es nicht die Erinnerung an die gewaltsame Auseinandersetzung war, die seine Männer nervös machte. Sie wären ruhiger, wenn sie es mit Speeren und Äxten zu tun hätten statt mit diesem einsamen spindeldürren Mann, dessen Füße zahlreiche Schwielen aufwiesen, weil er seit Jahren durch das Land wanderte und das Wort Gottes predigte. Sie alle hatten die Geschichten über ihn gehört.

Es hieß, dass Malachias einst einen Mann, der ihn verleumdet haben sollte, mit einem Fluch belegt hatte, einem Fluch, der die Zunge des Unglücklichen anschwellen, verfaulen und von Würmern wimmeln ließ. Nachdem er sieben Tage lang die Maden erbrochen hatte, die seinen Mund füllten, war der Mann gestorben. Eine Frau, die Malachias während einer Predigt scharf angegriffen hatte, war Berichten zufolge hinterher zusammengebrochen und von so heftigen Krämpfen geschüttelt worden, dass sie ihre Zunge verschluckt hatte. Es hieß, er wäre imstande, Pestilenz zu heilen und sie die Menschen befallen zu lassen, dafür zu sorgen, dass die Flüsse über die Ufer traten und das Land überschwemmten, und man glaubte allgemein, der Zorn des Herrn würde jeden treffen, der es wagte, sich gegen ihn zu stellen.

Trotzdem sah Niall mac Edan ihm furchtlos entgegen und machte sich nicht die Mühe, sein Schwert zu ziehen. Er verwehrte Malachias nun schon seit zehn Monaten den Zutritt zu Armagh und seiner Kathedrale, und bislang hatte ihn noch kein Unheil getroffen. Sein Blick wanderte zu dem Karren. Sogar aus der Entfernung konnte er erkennen, dass er mit Truhen beladen war. Der Anblick bestärkte ihn in seiner Zuversicht. Nur ein gewöhnlicher Sterblicher, fehlbar wie alle Nachkommen Adams, musste zu Bestechung greifen, um zu bekommen, was er wollte. Er bedeutete seinen Männern, zur Seite zu treten, als Malachias, Erzbischof von Armagh, näher kam.

Malachias beobachtete, wie die Männer vor ihm den Weg für ihn freigaben. Die Türen der Kathedrale hinter ihnen standen offen. Der nebelumwaberte Ard Macha war ihm vertraut. Er war vor fast vierzig Jahren in dieser Stadt geboren worden und mit dem Blick auf ihre grünen Hänge zum Mann herangewachsen – die Hügel, auf denen der heilige Patrick seine Kirche errichtet hatte. Die steinerne Kathedrale hatte sich seit seiner Kindheit verändert: Erst vor einem Jahrzehnt war das zerstörte Dach, das in einer Zeit, an die sich kein lebender Mensch mehr erinnern konnte, von einem Blitz getroffen worden war, von Erzbischof Cellach durch ein neues ersetzt worden. Die Schindeln wiesen noch keine Spuren von Alter und Wetter auf. Es freute Malachias, dass das Werk seines Freundes und Mentors weiterlebte, auch wenn Cellach inzwischen gestorben war. Der Gedanke an ihn bewog ihn, seine Aufmerksamkeit auf Niall mac Edan an der Spitze der wartenden Gruppe zu richten.

Seit fast zwei Jahrhunderten beherrschten Männer aus Nialls Clan die Kathedrale; pochten auf ihr Erbrecht, die Diözese samt ihren Reichtümern und den Tributen an Pferden und Kühen, die die Bewohner der Provinz zu entrichten hatten, zu kontrollieren. Nur wenige der Männer, die das Bischofsamt bekleidet hatten, hatten die heiligen Gelübde abgelegt oder waren in Rom geweiht worden. Bei den meisten handelte es sich um verheiratete Laienbrüder, deren Hände mehr an den Umgang mit Waffen als mit der Heiligen Schrift gewöhnt waren; gierige, lüsterne, gewalttätige Männer, deren Herrschaft über Irlands Bischofssitz in den Augen der Kirche ein Anathema darstellte.

Cellach hatte dieses Übel ausgemerzt. Als Sohn des Clans, aber auch als wahrer Diener Gottes und überzeugter Reformator hatte er Malachias zu seinem Nachfolger ernannt, aber nach Cellachs Tod hatten Niall und andere Mitglieder seiner Familie diesen Erlass außer Kraft gesetzt und Malachias nicht in die Stadt gelassen. Also war er gekommen, um sein Recht zu fordern, erst mit einer Armee, was mit Blutvergießen geendet hatte, und jetzt allein mit zehn Truhen voller Münzen. Der Preis war hoch, das, was er dafür bekam, jedoch unbezahlbar.

Malachias blieb vor Niall stehen, dabei fragte er sich, wie dieser ungeschlachte Klotz und ein frommer Mann wie Cellach demselben Mutterleib entsprungen sein konnten. Kain und Abel, ging es ihm durch den Kopf. »Ist es drinnen?«

»Sobald ich die zu entrichtende Gebühr gesehen habe, könnt Ihr ihn haben.« Nialls Gälisch klang abgehackt.

»Meine Brüder bewachen sie.«

Niall nickte zweien seiner Männer knapp zu. »Geht und überzeugt euch selbst.«

Die beiden drängten sich voller Argwohn an dem Erzbischof vorbei und steuerten auf den Karren zu.

Malachias wartete, während Nialls Männer die Truhen inspizierten. Es war noch gar nicht so lange her, dass die Menschen in Irland Handel mit Tieren und Waren betrieben hatten. Die plündernden Wikinger hatten das alles geändert, indem sie ihr vergiftetes Silber mitgebracht hatten. Wie oft schien heutzutage der Wert eines Mannes an diesen Dingen gemessen zu werden statt an der Stärke seines Glaubens.

Kaum waren sie fertig, stiegen die beiden Männer den Hang wieder hoch. Beide grinsten breit.

»Es ist alles da«, sagte einer zu Niall. »Zehn Truhen.«

Nialls Blick richtete sich wieder auf Malachias. Mit einer spöttischen Geste deutete er auf die Kathedrale. »Tretet ein, Eure Exzellenz.« Er würgte den Titel hervor, als würde er auf Knorpeln herumkauen.

Möge das Feuer der Hölle deine Seele reinigen, dachte Malachias, als er an Niall vorbei zwischen den Reihen bewaffneter Männer hindurch auf die Türen der Kathedrale zuging. Keiner von ihnen ließ seine Waffe sinken, doch Malachias schenkte den Speerspitzen und scharfen Klingen keinerlei Beachtung. Am Eingang blieb er stehen. Seine bloßen Füße schienen plötzlich zu zögern, ihn von dem taufeuchten Gras auf die dahinter liegenden Steinfliesen zu tragen. Er hatte das alles nicht gewollt. Nichts davon. In diesem Moment vermisste er die wilde Einsamkeit seines geliebten Klosters Ibracense mehr denn je. Aber Cellach hatte ihn mit diesem Posten betraut. Es war der letzte Wunsch seines sterbenden Mentors gewesen, dass er Erzbischof von Armagh wurde. Überdies hatte der Papst befohlen, dass er diese Diözese übernahm und die Männer aus dem Amt jagte, die fortfuhren, die Gesetze der Kirche zu missachten.

Malachias trat über die Schwelle und in das dämmrige Innere der Kathedrale. Ein leichter Geruch von Männerschweiß hing in der Luft. Er drehte sich nicht um, als die Schritte und die triumphierenden Stimmen hinter ihm verklangen. Niall und seine Bande stürzten sich auf ihre Beute. Vor ihm, am Ende des Kirchenschiffs, befand sich der Hochaltar. Und auf diesem von flackernden Kerzenflammen erleuchteten Altar lag ein langer, in ein weißes Tuch gewickelter Gegenstand.

Vor diesem sank Malachias auf die Knie und widerstand dem überwältigenden Drang, danach zu greifen; das in den Händen zu halten, was Jesus Christus einst berührt hatte. Nachdem er die vorgeschriebenen Gebete gesprochen hatte, erhob er sich und wickelte den Gegenstand behutsam aus. Aus den Falten des Tuchs zog er einen Stab, einen Krummstab in einer kostbaren, kunstvoll gearbeiteten, mit Edelsteinen besetzten goldenen Hülle. Alles Kerzenlicht sowie die Morgensonnenstrahlen, die...

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