Zeig mir, was Leidenschaft ist

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Mai 2020
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-1742-1 (ISBN)
 
Es ist Lust auf den ersten Blick, als Brianna den attraktiven Collin in Paris kennenlernt. Aber Brianna ist ein gebranntes Kind in Sachen Liebe. Eine kurze, unverbindliche Affäre wird sie mit ihm genießen und dann nach New York zurückfliegen. Doch man liebt sich immer zwei Mal ...

1. KAPITEL

Brianna Hamilton verband eine Art Hassliebe mit den Paparazzi. Das war schon immer so gewesen und würde sich vermutlich auch nicht ändern. Da heute definitiv die Abneigung gegenüber den aggressiven, sensationslüsternen Idioten überwog, eilte Brianna brüsk an den Scharen von Fotografen vorbei, die sich am Rand des roten Teppichs vor dem weltberühmten Carrousel du Louvre drängten, um einen günstigen Platz zu ergattern.

Ihre Hände schwitzten so sehr, dass Brianna ihre Satinclutch eng umklammert hielt, weil sie fürchtete, sie könnte ihr sonst aus der Hand fallen. Mit jedem Schritt fühlte Brianna, wie sie unruhiger und ängstlicher wurde. Lächle, lächle einfach, und niemand wird je erfahren, wie schlecht es dir geht. Keiner wird merken, dass du dich gestern Nacht in den Schlaf geweint hast.

Die frische Herbstbrise strich durch Briannas dichtes lockiges Haar, das ihr auf die Schultern fiel, fuhr unter den Saum ihres schulterfreien burgunderroten Kleides und wehte es so hoch, dass Brianna schon fürchtete, den lauernden Fotografen zu viel Einblick gewährt zu haben.

Es war vollkommen wahnsinnig, was sich hier in der Rue de Rivoli gerade abspielte. Der Lärmpegel überstieg alles, was Brianna je bei einer Filmpremiere oder Modenschau erlebt hatte. Schreiende Fans schwenkten Transparente, das Blitzlichtgewitter der Kameras flaute nicht einen Moment ab, über den Köpfen der Menge kreisten Hubschrauber, und am Rand der Veranstaltung waren Sanitäter postiert, für den Fall, dass wartende Fans beim Anblick ihrer Idole einen Schwächeanfall erleiden würden.

"Brianna, wo ist Ihre Schwester?"

"In welcher Entzugsklinik verbirgt Bailey sich?"

"Haben Sie auch ein Suchtproblem?"

Die Fragen prasselten auf sie ein wie ein Kugelhagel. Aus jeder Richtung kamen sie. Erbarmungslos. Brianna spürte, wie ihre Hände anfingen zu zittern, und mit einem letzten Kraftakt zwang sie sich, der Menge zuzuwinken. Dann eilte sie, so schnell wie sie ihre zehn Zentimeter hohen Absätze trugen, hastig in die Lobby.

Voller Panik atmete Brianna ein und hielt sich eine Hand auf den Bauch. Ihr war übel, aber sie würde sich nicht übergeben. Nein, das nicht.

Der Saal war nur gedämpft beleuchtet und durchdrungen von einer festlichen Stimmung. Es duftete nach einer Mischung aus erlesenen Weinen, teuren Parfums und frischen Blumen. Die gesamte Prominenz, die anlässlich der Fashion Week nach Paris gekommen war, sowie jeder, der Rang und Namen in der Modebranche hatte, war hier versammelt. Brianna blickte sich um und entdeckte viele international bekannte Persönlichkeiten aus Film, Fernsehen und dem öffentlichen Leben.

Stattliche Kellner, die Fliegen trugen, liefen mit Tabletts durch den Raum, um den Gästen Champagner und Horsd'ouvres anzubieten. Wo immer Brianna auch hinblickte, überall schienen die Anwesenden in kleinen Grüppchen zusammenzustehen und in anregende Gespräche vertieft zu sein oder für die anwesenden Fotografen zu posieren. Hier und da lachte jemand - aber auch die fröhliche Stimmung konnte Brianna nicht aufheitern.

Sie ging zu dem für sie reservierten Platz in der ersten Reihe, ließ sich auf den mit Satin überzogenen Stuhl sinken und schlug die Beine übereinander. Sie konnte es kaum erwarten, dass die Fendi-Show endlich begann. Brianna liebte die besondere Atmosphäre von Paris, die alten Gebäude, den besonderen Stil und die Geräusche.

Im Laufe der Jahre war sie bestimmt ein Dutzend Mal hier gewesen, aber dieses Jahr war ihr Herz nicht bei der Sache, und die übliche Begeisterung für die Fashion Week wollte sich nicht einstellen. Im Moment wollte sie am liebsten bei ihrer Schwester Bailey sein, weit weg von den Menschenmassen, den erbarmungslosen Fotografen und Presseleuten, die nur darauf warteten, eine Schwäche zu entdecken.

Ihre Eltern, Roger und Lila Hamilton, hatten jedoch entschieden, dass niemand Bailey in St. Thomas besuchen durfte. Dorthin hatten sie Bailey nach den schrecklichen Ereignissen vor einem Monat bringen lassen. Zudem hatten sie Bailey strikte Ruhe verordnet, und so blieb es Brianna verwehrt, ihre kleine Schwester, die sie mehr als jeden anderen Menschen auf der Welt liebte, zu sehen und zu trösten. Briannas Eltern fürchteten, die Presse könnte irgendwie Wind von Baileys Aufenthaltsort bekommen, sobald ein Mitglied des Hamilton-Clans sich aufmachen würde, um sie zu besuchen.

So war Brianna nichts anderes übrig geblieben, als sich den Wünschen ihrer Eltern zu beugen. Widerwillig hatte sie ihre Koffer gepackt und war am Montagmorgen in aller Frühe mit dem Privatjet der Familie nach Paris geflogen. Brianna war so beschäftigt gewesen mit letzten Anproben, spannungsgeladenen Meetings und Probeläufen, bei denen alles schiefging, was schiefgehen konnte, dass die vergangene Woche wie im Flug vergangen war. Erst jetzt, nachdem die Show von Roger Hamilton Designs endlich vorüber war, konnte Brianna anerkennen, dass es all den Stress und die Mühe wert gewesen war. Die Show war ein voller Erfolg gewesen, und endlich durfte Brianna sich entspannt zurücklehnen und die noch kommenden Veranstaltungen genießen.

Brianna ließ ihren Blick über die Menge schweifen. Natürlich waren alle hier Anwesenden ausnahmslos modisch gekleidet. Frauen in makellos sitzenden Designerkleidern und mit perfekt frisiertem Haar machten Fotos mit ihren edlen Smartphones, während die Models den Laufsteg entlangschritten. Brianna entdeckte die Chefredakteurin der Vogue, die mit kritischer Miene die Show begutachtete und ihrer Assistentin, die mit einem ledergebundenen Notizbuch ausgerüstet war, zwischendurch kurze Kommentare zuflüsterte. Der Raum knisterte förmlich vor Anspannung.

Aber nicht jedermanns Augen waren auf den Laufsteg gerichtet.

Ein stämmiger Fotograf mit dunkler Sonnenbrille sah zu Brianna hinüber, bevor er das große Objektiv in ihre Richtung schwenkte.

Blitzschnell nahm Brianna das Programmheft von ihrem Schoß und hielt es sich vor das Gesicht. Bitte schön, du Idiot! Am liebsten hätte sie es diesem Widerling um die Ohren gehauen, aber stattdessen atmete sie tief durch und versuchte, sich wieder auf die Show zu konzentrieren.

Lieber sollte er Fotos von den Models machen, die elegant über den Laufsteg stolzierten, oder von den vielen anwesenden Prominenten, die am Rand saßen. Brianna war immer noch aufgebracht. Warum lassen sie mich nicht einfach in Ruhe? fragte sie sich ärgerlich. Schließlich war sie eine noch recht unbekannte Modedesignern, die sich nach Möglichkeit hinter den Kulissen und nicht im Rampenlicht aufhielt. Seit dem vergangenen Monat jedoch, als ihre Schwester Bailey so plötzlich im Lincoln Center in New York verschwunden war, ließen die Papparazzi ihre Familie nicht mehr aus den Augen. Und langsam, aber sicher begann dieser Zustand an Briannas Nerven zu zehren.

Hör auf, daran zu denken, wies Brianna sich zurecht. Sie wollte sich nicht mehr damit beschäftigen, was ihrer Schwester nur wenige Wochen zuvor zugestoßen war. Doch sie konnte die Fragen, die immer wieder in ihr aufstiegen, trotzdem nicht unterdrücken. Welches Interesse sollte jemand daran haben, Bailey zu entführen, sie zu betäuben und ihr anschließend Drogen unterzuschieben? Anscheinend gab es jemanden, der es darauf anlegte, Baileys gerade am Anfang stehende Karriere als international erfolgreiches Model zu ruinieren und den Namen der Familie Hamilton in den Schmutz zu ziehen. Aber weshalb nur?

Brianna zwinkerte, um die aufsteigenden Tränen zurückzuhalten. Fast ein Monat war seit dem schrecklichen Zwischenfall vergangen, der ihre ganze Familie erschüttert hatte. Noch immer gelang es Brianna nicht, zu begreifen, wie und warum das passieren konnte. Natürlich war das Modelbusiness kein Zuckerschlecken, aber soweit Brianna wusste, hatte ihre kleine Schwester keine Feinde. Nicht einen einzigen.

Bailey war das Gesicht von Roger Hamilton Designs. Die großgewachsene, schlanke Schönheit war offen, leidenschaftlich und vor allem gelang es ihr, jeden mit ihrer Schlagfertigkeit zum Lachen zu bringen. Allerdings war davon im Moment nicht viel übrig. Wann immer Brianna mit Bailey in dem Resort in St. Thomas telefonierte, hörte sich ihre kleine Schwester gestresst an und schien am Rande eines Nervenzusammenbruchs zu stehen. Geplagt von Panikattacken weigerte Bailey sich, die Hotelsuite zu verlassen und verbrachte stattdessen ganze Tage im Bett, geplagt von den furchtbaren Erinnerungen an den Überfall.

Das Aufblitzen der auf die Bühne gerichteten Scheinwerfer brachte Brianna wieder zurück ins Hier und Jetzt. Sie ließ das Programm, das sie immer noch in der Hand gehalten hatte, auf ihren Schoß sinken und klatschte gemeinsam mit den anderen Zuschauern Beifall, als die Models eines nach dem anderen über den Laufsteg schritten.

Wie jedes Mal bei einer erfolgreichen Show staunte Brianna, wie die Stimmung anscheinend alle Anwesenden in ihren Bann schlug. Die Leute konnten sich vor Begeisterung kaum auf den Stühlen halten, und auch Brianna wäre am liebsten aufgesprungen.

Die Reaktion der Zuschauer war allerdings kaum verwunderlich. Die eleganten Abendkleider waren aufsehenerregend, die Models atemberaubend schön und die pulsierende elektronische Musik, die den Lauf der Models untermalte, war mitreißend.

Einen Moment lang waren alle finsteren Gedanken wie weggewischt, und Brianna vergaß das Drama, in dessen Mittel punkt ihre Familie geraten war, ebenso wie das schreckliche Erlebnis aus ihrer Vergangenheit, das ihr nachts den Schlaf raubte. Brianna liebte diese Welt - wie es der Mode gelang, Menschen aus ganz verschiedenen...

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