Teufel tragen High Heels

Roman
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2020
  • |
  • 318 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96148-744-8 (ISBN)
 
Wird sie über ihre hohen Absätze stolpern? Der ebenso glamouröse wie bitterböse Roman »Teufel tragen High Heels« von Karen Yampolsky als eBook bei dotbooks. Die gewitzte Jill White wurde als Chefin einer Frauenzeitschrift über Nacht zum Star der New Yorker Medienszene: Mit skandalösen Artikeln legt sie seitdem regelmäßig das wahre Gesicht der Modebranche offen. Doch nun wurde ihr Verlagshaus aufgekauft - und Jill muss sich mit zwei geldgierigen Chefinnen anlegen, die sich keinen Deut um ihre treue Leserschaft scheren. Statt anzuecken, soll ihre Zeitschrift in Zukunft den Mainstream bedienen? Für Jill unvorstellbar! Für sie steht fest: Sie muss diesen Schnepfen offen den Kampf ansagen. Und dass der bei ihr so unkonventionell ausfallen wird wie ihre Zeitschrift, versteht sich von selbst! So spritzig und skandalös wie der Bestseller »Der Teufel trägt Prada«. Jetzt als eBook kaufen und genießen: Die turbulente Komödie »Teufel tragen High Heels« von Karen Yampolsky. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
  • 1,36 MB
978-3-96148-744-8 (9783961487448)
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Karen Yampolsky hat an der New York University studiert und viele Jahre in der Medien- und Unterhaltungsindustrie gearbeitet, unter anderem neun Jahre lang als persönliche Assistentin von Jane Pratt, der Gründerin und Herausgeberin des »Jane Magazins«. Karen Yampolsky lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Westchester County, New York.

Kapitel 2


Mädchen aus unserer Stadt bekommt Stipendium
für Prep School in Connecticut
Athens Daily Banner, August 1979

Wieder ein vergeblicher Empfängnisversuch. Und wieder eine kaum verblümte Drohung der Stepford-Zwillinge. Der Tag versprach großartig zu werden.

Um mich von der gescheiterten Fertilitätsbehandlung abzulenken, konzentrierte ich mich auf das Gespräch mit Ellen und Liz, was mich in eine ausgewachsene Depression stürzte. Der Talking-Heads-Song Once in a Lifetime fiel mir ein, in dem David Byrne verblüfft fragt: »Wie bin ich hierhergekommen?« Die Erinnerung daran katapultierte mich in die dunkelste Periode meines Lebens zurück.

Ich war vierzehn und kam direkt aus einer Kommune im ländlichen Georgia.

Ja, aus einer Kommune in den Südstaaten. Nicht aus einer dieser Sekten-Kommunen wie der von David Koresh, sondern aus einer Hippie-Anti-Establishment-Selbstverpfleger-Energiesparer-Kinder-selbst-Unterrichter-Kommune, und die bescherte mir und meinem jüngeren Bruder Alex eine zwar unorthodoxe, aber ganz glückliche Kindheit.

Meine Eltern stammten aus dem Nordosten, aus Neuengland. Sie lernten sich kennen, als sie beide an der Yale auf eine Festanstellung hinarbeiteten - Mom als Kunstdozentin und Dad als Philosophieprofessor. Ermutigt von einem ihrer Mentoren, kehrten sie der starren, akademischen Welt zugunsten des Lebens in einer Kommune auf einer Farm im Bundesstaat Georgia am Stadtrand von Athens den Rücken.

Wann immer ich an meine Mutter denke, wie sie damals war, sehe ich sie in Hüfthosen vor mir und mit lehmverkrusteten Händen. Sie hatte lange, glatte, blonde Haare, sonnengebräunte Haut und Grübchen, die sich vertieften, sobald sie sich angestrengt konzentrierte wie bei ihrer Arbeit mit Ton.

Töpfern war ihre ganz große Leidenschaft. Ich bin ehrlich überzeugt, dass sie es mehr genoss, als mit Dad, mir, Alex oder uns allen zusammen Zeit zu verbringen. Sie verbrachte Stunden in der Werkstatt, und manchmal dachte ich, wenn wir sie nicht von Fall zu Fall herausholten, würde sie weder schlafen noch essen noch sonst etwas tun. Wenn wir sie von ihrer Töpferscheibe loseisten, war es, als erwachte sie aus dem Koma. Sie blinzelte und starrte uns an, als hätte sie keine Ahnung, wer wir waren. Das Skurrile war, dass nur wenige ihrer Gefäße es in den Brennofen schafften. Die meisten standen unfertig, luftgetrocknet und bröselig auf den Borden und warteten. Worauf, wusste ich nicht. Ich glaube, meine Mom wusste es auch nicht.

Dad war voll behaart. Seine Afromähne reichte bis auf seine Schultern, auf seiner Brust wuchs ein kastanienbrauner Pelz, und er hatte einen borstigen, rötlichen Schnurr- und Vollbart, der seine durchdringenden, blauen Augen noch leuchtender erscheinen ließ. Er besaß eine ganz spezielle Art von Humor, etwas sehr Verschmitztes, und er war ausgesprochen schlagfertig und redegewandt. Und er liebte Streitgespräche. Wenn in der Kommune keiner Lust hatte, mit ihm zu diskutieren, zog Dad seinen Blazer mit den Ellbogenflicken an - seinen einzigen Blazer - und ging in sein Lieblingscafé in Athens, wo er sich Studenten als Opfer suchte. Manchmal blieb er den ganzen Tag weg, manchmal sogar mehrere Tage, und immer kam er verjüngt und in Hochstimmung zurück. Wenn wir ihn in die Stadt begleiteten, wurde er jedes Mal von kichernden jungen Mädchen begrüßt, die ihn »Professor« nannten, obwohl er gar keiner war. Nicht mehr, zumindest. Nicht, dass Dad ein Lügner gewesen wäre - er gestattete sich nur, die Wahrheit ein wenig zu korrigieren, und diese jungen Mädchen, das wusste ich, waren ein Festmahl für sein hungriges Ego. Mom wusste es auch, doch sie setzte sich an ihre Töpferscheibe und vergaß es.

Aber Dad war trotzdem ein großartiger Lehrer, und die Ausbildung in der Kommune war der an einer normalen Schule wahrscheinlich weit überlegen. Nicht nur kannten wir mit elf Jahren bereits Shakespeares gesammelte Werke, wir pflegten auch unsere mathematischen Fähigkeiten, debattierten über Politik, malten, zeichneten, skulptierten, zimmerten - und angelten. Das war für mich das Schönste.

Ob ich in unserem selbst gebauten Ruderboot mit Dad, Alex oder allein hinausfuhr (trotz ihrer Naturverbundenheit war Mom zimperlich, was die Innereien von Fischen anging) - Angeln war für mich die beste Fluchtmöglichkeit. Es war eine ruhige Beschäftigung. Es war eine Herausforderung. Draußen auf dem See erschien mir alles andere weit weg und unwichtig. Nur dort fühlte ich mich richtig wohl in meiner Haut, war ganz ich selbst. Außerdem gab es nichts Befriedigenderes, als einen Barsch aus dem Wasser zu holen, der größer war als der von Alex, und sich in Dads beifälligem Lächeln zu sonnen.

Aber die Kommune war nicht die reine Idylle. Ich wusste, dass Mom und Dad sich und uns damit eine bessere, einfachere, tolerantere, weniger böse Welt schaffen wollten, aber so sehr sie sich auch bemühten, die Realität auszusperren - sie stahl sich unweigerlich herein.

Es gab viel Arbeit in der Kommune, und obwohl sich alle bemühten, tolerant und verträglich zu sein, gab es doch ständig irgendwelche Streitereien. Wenn es wieder mal schlimm war, sprach Dad davon, in die Stadt zu ziehen. Aber dort waren die meisten Leute nicht scharf darauf, welche wie uns als Nachbarn zu bekommen. Tatsächlich waren die von der Uni die Einzigen, die nicht »dreckige Hippies« murmelten, wenn wir vorbeigingen. Dummerweise war in der Nähe der University of Georgia zu wohnen ein teurer Spaß.

Also blieben wir, wo wir waren, und das länger, als guttat. Um sich von den Disputen mit den anderen zu erholen oder etwas gegen ihre Ruhelosigkeit zu unternehmen, fuhren meine Eltern einfach weg, manchmal für Tage. Dann besuchten sie ein Grateful-Dead-Konzert oder nahmen an einer Demo teil. Manchmal sagten sie uns gar nicht, wohin sie wollten, aber immer, warum sie gingen. Auch wenn wir Kinder, mein Bruder und ich, uns mit den anderen in der Kommune gut verstanden, fühlten wir uns jedes Mal unwillkürlich im Stich gelassen.

All die Zeit hielten meine Eltern an ihrer Wertschätzung für die akademische Welt fest, weshalb sie mich ermutigten, mich bei den privaten weiterführenden Schulen, kurz Prep Schools, im Nordosten zu bewerben. »Du musst lernen, die Welt auch aus anderen Blickwinkeln zu sehen«, höre ich meine Mutter heute noch in drängendem Ton sagen.

»Du kannst jederzeit zurückkommen, wenn du willst«, machte mein Vater mir deutlich, »aber du musst über den Tellerrand hinausschauen. Eine gute Ausbildung bietet breit gefächertes Wissen - und es spricht vieles für eine gute Ausbildung«, setzte er wehmütig hinzu, womit er erkennen ließ, wo er lieber wäre. Ich fragte mich, ob sie mich wegschickten, um sich so ihre verlorenen Träume zu erfüllen. Waren sie zu verwurzelt in dem Kommunenleben oder zu stolz, um zuzugeben, dass es nicht so funktionierte, wie sie gehofft hatten? Ich glaube eher, dass keiner von beiden die Energie besaß, zu gehen und irgendwo von vorne anzufangen.

Trotz allem erfüllte es mich mit Stolz, wie ich aufgewachsen war. Sogar heute werde ich noch sentimental, wenn ich daran denke. Ich weiß nicht, wie oft ich mich schon nach diesem Leben zurückgesehnt habe, was eine Ironie ist, denn sehr bald nach meiner Aufnahme in eine Preparatory School in Neuengland verabscheute ich, woher ich kam, und alles, was damit zusammenhing.

Meine Eltern hätten nicht stolzer sein können, als ich das Stipendium für Hillander angeboten bekam, die exklusive Prep School im Bundesstaat Connecticut, Alma Mater von Dutzenden Präsidenten, Industriekapitänen und Pulitzer-Preisträgern. Obwohl ich bezweifelte, dass ich in Zukunft zu einer dieser Kategorien gehören würde, freute ich mich auf die Möglichkeiten, die sich mir mit Sicherheit bieten würden. Noch aufregender war, dass ich noch nie mit so vielen Gleichaltrigen zusammen gewesen war. Ich konnte es kaum erwarten, eine Menge Freundschaften zu schließen.

Wie sich zeigte, entwickelte es sich anders.

An dem Tag, als ich die Kommune verließ, packten meine Eltern meinen Bruder Alex, mich und meinen Matchsack in ihren alten, schäbigen Van, und wir fuhren von Athens nach Washington D.C. Meine Eltern und Alex blieben dort, um an einer Anti-Atom-Demo teilzunehmen. Ich ging zum Bahnhof und stieg in einen nordwärts fahrenden Amtrak.

Als ich in Connecticut auf dem der Hillander-Prep am nächsten gelegenen Bahnhof ausstieg, fragte ich am Fahrkartenschalter nach dem Weg und marschierte drei Meilen zum Internat. Unterwegs bewunderte ich das goldfarbene, orangerote und braune Laub an den Bäumen entlang der Fußwege, atmete die frische Herbstluft und freute mich daran, wie der Wind die bunten Blätter um meine Füße wirbeln ließ. Ich weiß nicht, wie lange ich brauchte, um ans Ziel zu kommen, aber ich erinnere mich an die Ehrfurcht, die mich erfasste, als ich es vor mir sah.

Die hoch aufragenden grauen Steingebäude mit ihren ehrwürdigen, efeuberankten Mauern sahen wie die Universitäten aus, die ich mir vorgestellt hatte, als ich A Separate Pace oder Catcher in the Rye las. Eine Gruppe adretter Jungen überquerte den Innenhof, und ich fragte mich, welcher von ihnen wohl mein Holden Caulfield werden würde.

Alles war so anders als in Georgia. Zuerst einmal war es kälter. Die Leute hier gingen schnell und mit entschlossenen Schritten, nicht langsam und bedächtig wie zu Hause. Obwohl Herbst war, gab es noch viel Grün auf dem Gelände, aber während Georgia smaragdgrün war, war Connecticut tannengrün.

Meine freudige Erwartung legte sich jedoch sehr schnell, als ich in meinem Wohnheim ankam. Ich werde nie vergessen, wie meiner Zimmergenossin und ihren Eltern die Gesichtszüge entgleisten,...

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