Der Cowboy & der Schreibtischhengst

 
 
dead soft verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Juli 2019
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96089-262-5 (ISBN)
 
Paul Smith mag seinen Taschenrechner lieber als Menschen. Menschen findet er anstrengend, im Gegensatz zu Zahlen, die ihn nie enttäuschen. Und so hat er den passenden Job im Kreditunternehmen seines Vaters. Nach einer schweren Krankheit verwandelt sich Pauls Vater allerdings plötzlich in einen mitfühlenden Wohltäter und Paul, dem jahrzehntelang rücksichtslose Geschäftspraktiken eingetrichtert wurden, ist von den neuen Ideen seines Vaters überhaupt nicht begeistert. Cort Callahan lebt und arbeitet auf der Ranch seines Großvaters. Als der mit den Zahlungen für ein Hypothekendarlehen in Rückstand gerät, beschließt Pauls Vater, den beiden Männern mit einer unorthodoxen Idee wieder aus den Schulden herauszuhelfen. Und so sind Paul und Cort auf einmal gezwungen, eng zusammenzuarbeiten. Aber was noch viel erstaunlicher ist - sie fühlen sich zueinander hingezogen. Allerdings vertraut Paul sein ganzes Leben lang nur Zahlen und Kalkulationen. Und egal, wie sehr er Cort will - wenn man die beiden grundverschiedenen Männer addiert, kommt dabei am Ende kein sinnvolles Ergebnis heraus.
  • Deutsch
  • 0,88 MB
978-3-96089-262-5 (9783960892625)
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Kapitel Eins


 

"Oh, Scheiße", fluchte ich. Ich war mitten in einen Haufen Pferdemist getreten. Und das mit meinen Stiefeletten von Louis Vuitton!

"Wortwörtlich", schnaubte Benji.

Ich hob mein Bein und versuchte, den Dreck abzuschütteln. "Das ist eklig."

"Was hast du dir dabei gedacht, die hier auf einer Ranch zu tragen?" Benji schüttelte den Kopf. Sein breites Grinsen half nicht gerade dabei, meinen Unmut zu verringern.

"Das sind die einzigen Stiefel, die ich besitze", sagte ich unwirsch. Dann streifte ich meinen Schuh am Kies ab und versuchte alles abzukratzen, was noch daran haftete. "Man sollte doch an einem Ort wie diesem Stiefel tragen."

"Du hättest im Auto bleiben sollen." Benji verdrehte die Augen. "Ich habe dir ja gesagt, ich schaffe das schon." Er beäugte meinen wadenlangen Kaschmirmantel mit einem Schmunzeln. "Du siehst aus, als würdest du direkt von einem Fotoshooting für Herrenmode kommen."

"Halt die Klappe."

"Ich meine ja nur ."

"Du warst schon zweimal hier und es hat sich nichts zum Besseren verändert. Wenn ich will, dass etwas erledigt wird, muss ich es offensichtlich selbst tun", knurrte ich, wirbelte herum und wollte weitergehen. Die Worte hatten kaum meine Lippen verlassen, als ich mit einem lauten 'Uff' in jemanden hineinlief. Die Kraft des Zusammenstoßes ließ mich taumeln, sodass ich mit dem Gesicht voran einem Metallzaun entgegenstürzte, doch bevor ich dagegenprallen konnte, griff jemand nach mir. Kräftige Finger bohrten sich in meine bloße Haut und ich landete mit dem Gesicht voran an einer muskulösen Brust.  

"Huch, sind Sie okay?" In der rauchigen Stimme, die direkt an mein Ohr murmelte, schwang eindeutig ein Südstaaten-Akzent mit.

Sprachlos hielt ich mich an dem ausgeprägten Bizeps desjenigen fest, der mich davor bewahrt hatte, gegen das Geländer zu krachen. Als ich nach oben sah, starrte ich in die klarsten blauen Augen, die ich je erblickt hatte. Sie erinnerten mich an den Perito-Moreno-Gletscher, den ich letztes Jahr im Urlaub in Argentinien gesehen hatte.

"Hab ich Ihnen wehgetan?" Der Mann trug einen schwarzen Cowboy-Hut und starrte mich an, als wäre ich eine Porzellanpuppe, die von einem Bücherregal gefallen war. Seine Stimme war tief, maskulin, und ließ mich erschaudern. Nach seinen anfänglichen Fragen klopfte er mir höflich auf die Schulter. Dann blickte er mich ungerührt und schweigend an. Ich löste mich von ihm und räusperte mich peinlich berührt. "Mir geht's gut." Er starrte immer noch. "Danke."

"Kein Problem."

"Ich habe Sie nicht gesehen." Mit glühenden Wangen rückte ich mir die Krawatte zurecht. "Ich bin in etwas hineingetreten und das hat mich abgelenkt."

Als er meine Stiefel anstarrte, schürzte er die Lippen. "Ach", meinte er und runzelte die Stirn. "Die sind nicht gerade angemessen für eine Ranch."

"Oh, Sie nicht auch noch", sagte ich brüsk. "Ich versichere Ihnen, das sind Stiefel. Die Beschreibung im Katalog war ziemlich deutlich."

Er hob eine Augenbraue.

Benji räusperte sich. "Hallo nochmal, Cort." Er gestikulierte in meine Richtung, als er den Cowboy ansprach. "Das ist Paul Smith. Ich habe Ihnen gesagt, dass er vielleicht irgendwann mitkommt, wissen Sie noch?"

"Howdy." Cort gab Benji die Hand und streckte sie dann mir entgegen.

Ich zögerte und hätte schwören können, dass seine Lippen zuckten.

"Ich beiße nicht", sagte er sanft.

"Das habe ich mir schon gedacht." Ich streckte ihm meine Hand entgegen. Er griff danach und hielt sie länger fest als erwartet, bevor er sie wieder losließ. Ich ignorierte das Flattern in meinem Magen, das seine Berührung hervorgerufen hatte.

Reiß dich zusammen. Jesus, du hast schon öfter gutaussehende Männer getroffen.

"Was ist heute los?" Benji stand auf den Zehenspitzen und betrachtete das Meer von Menschen, die sich um die Zäune drängten. "Steigt hier eine Party?"

Cort musterte mich mit neugierigem Gesichtsausdruck, als er Benji antwortete. "Wir machen ein kleines Rodeo für die Angestellten und ihre Familien. Nur zum Spaß."

"Klingt teuer." Ich hielt seinem Blick stand.

"Keine Ahnung. Ich bin nicht für die Finanzen verantwortlich", sagte Cort.

"Ist Marty im Wohnwagen?" fragte Benji beiläufig.

Corts Augen verhärteten sich. "Er fühlt sich heute nicht gut."

Benji zögerte. "Oh, ähm ." Sein flüchtiger Blick streifte mich. "Vielleicht sollten wir ein anderes Mal wiederkommen."

Ich zog eine finstere Miene. "Blödsinn. Wie krank kann Marty sein, dass er nicht einige Minuten für uns übrig hat?", fragte ich und musterte Cort, der die Lippen aufeinanderpresste.

"Mein Großvater ist kein junger Mann mehr. Gibt es etwas, mit dem ich Ihnen weiterhelfen kann?"

"Nicht, wenn Sie sich nicht um die Finanzen kümmern." Ich wandte mich Benji zu. "Du hast mit Marty gesprochen, richtig? Marty Callahan?"

"Ich hab's versucht", sagte Benji und musterte Cort mit gesenkten Brauen. "Aber er ist nie zu sprechen."

Ich seufzte und begegnete Corts kühlem Blick. "Sehen Sie, ich weiß, dass das unangenehm ist, aber wir müssen mit Ihrem Großvater über eine wichtige geschäftliche Angelegenheit sprechen."

"Was gibt es da zu bereden?" Cort nahm seinen Hut ab und fuhr sich mit einem schroffen Lachen durch die dunklen Haare. "Die Zeiten sind hart, und wir tun unser Bestes." Er setzte den Hut entschlossen wieder auf.

"Ich dachte, Sie hätten mit den finanziellen Angelegenheiten nichts zu tun?"

"Habe ich auch nicht. Aber ich bin nicht blind. Ich kann am Gesicht meines Großvaters erkennen, dass er gestresst ist. Man muss kein Genie sein, um zwei und zwei zusammenzuzählen und auf die Idee zu kommen, dass es etwas mit der finanziellen Situation zu tun hat."

Eine Staubwolke wehte vorbei. Ich hustete und wedelte mit der Hand vor meinem Gesicht herum. "Es muss doch einen zivilisierteren Ort geben, an dem wir uns unterhalten können?"

Cort zuckte mit den Schultern und nickte. "Mir nach." Er wandte sich um und ging mit langen Schritten voran. Ich musste mich beeilen, um mit ihm mitzuhalten. Wir kamen an einem Zelt vorbei, wo Familien rosa Zuckerwatte verschlangen und lachten, als hätten sie keinerlei Sorgen. Widerwillig musste ich ihre Fähigkeit bewundern, sich in diesem Moment zu verlieren und ihre wahrscheinlich trostlosen Leben zu vergessen. Herrgott nochmal, sie lebten am Arsch der Welt in Colorado! Was gab es denn da für einen Grund zur Freude?

Schließlich kamen wir zu einem Wohnwagen, der aussah, als hätte er seine besten Tage bereits hinter sich. Cort führte uns die klapprigen Stufen hinauf und dann ins Innere. Der kleine Raum roch nach altem Lack und Tabak. Es gab eine Metallspüle und einen Küchentisch mit orange-rot gestreiften Sitznischen am hinteren Ende. Auf der windschiefen Tischplatte befanden sich Papierstapel und ein Desktop-Computer. Cort gestikulierte in Richtung der schmuddeligen Bänke und ich schüttelte den Kopf.

"Ich stehe lieber." Argwöhnisch beäugte ich den Wohnwagen. Er sah aus wie die perfekte Kulisse für einen Horrorfilm. Es roch muffig und ich fragte mich unwillkürlich, ob vielleicht jemand eine Leiche in einem der Gepäckfächer versteckt hatte.

"Mein Großvater hat hier sein Büro." Cort wirkte nicht unbedingt viel begeisterter über den Ort als wir. "Er ist etwas festgefahren in seinen Gewohnheiten"

"Alte Menschen, was?", fragte Benji mit einem Grinsen und verzog das Gesicht, als er die Unordnung betrachtete.

Cort blickte stirnrunzelnd auf die Papierstapel am Tisch. "Seine Buchführung ist nicht die beste."

"Wussten Sie, dass Ihr Großvater mit den Zahlungen für sein Hypothekendarlehen im Rückstand ist?"

Cort zog seine dunklen Augenbrauen zusammen und schüttelte den Kopf. "Ich wusste, dass etwas nicht in Ordnung ist, aber er redet nicht gerne über Geld."

Ich räusperte mich. "Er ist fünf Monate im Rückstand."

Cort knabberte an seiner Unterlippe. Eine Falte hatte sich zwischen seinen Augenbrauen gebildet. "Ehrlich, ich habe nicht gelogen, als ich sagte, dass er krank ist. Ich kann ihm sagen, dass Sie vorbeigekommen seid, aber er kann keinen Besuch empfangen."

"Oh, also schön, richten Sie ihm einfach aus, dass wir da waren", meinte Benji fröhlich und drehte sich zur Tür.

"Warte", sagte ich, blickte meinen Arbeitskollegen finster an und wandte mich wieder an Cort. "Wir verschwinden nicht einfach unverrichteter Dinge wieder. So funktioniert das nicht."

Cort seufzte tief und hob die Schultern. "Aus einer leeren Kasse ist nichts zu holen."

"Aber sicher doch. Sie können die Kasse zwangsversteigern lassen und sie dem Höchstbietenden verkaufen. So können Sie zumindest ein bisschen Geld wieder hereinholen."

Cort zog eine finstere Miene. "Das ist eine arschige Aussage."

Die Abscheu in seiner Stimme ließ meine Wangen heiß prickeln. "Wir sind ein Kreditunternehmen, keine Kirche."

Er ließ seinen Blick über meinen teuren Mantel schweifen und schüttelte den Kopf. "Was weiß ein Städter schon über die Führung einer Ranch?"

"Nichts. Aber mit Zahlen kenne ich mich aus."

Benji nickte. "Er ist ganz verrückt nach...

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