Ein Kuss ist lange nicht genug

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 4. Mai 2018
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-3539-5 (ISBN)
 
Neve denkt, Liebe wäre ihr nicht bestimmt. Aber dann hütet sie die Kinder ihrer Schwester, deren Nachbar ausgerechnet der schöne Brendan ist. Seinen heißen Kuss damals kann sie nie vergessen! Jetzt springt er liebevoll als Daddy ein, und Neve merkt, dass Küssen ihr nicht mehr reicht ¿

PROLOG

"Du siehst fantastisch aus, wow. Fast wie eine Prinzessin!"

Neve Delaney lächelte über die ehrfürchtige Miene ihrer jüngeren Schwester, die auf der Schwelle ihres Schlafzimmers stand. "Wirklich? Danke. Es ist schon erstaunlich, was drei Stunden Vorbereitung ausmachen können. Hast du Dads Abendessen fertig?"

Siobhan nickte, und ihr Pferdeschwanz wippte heftig auf und ab. Mit einem Satz warf sie sich auf Neves Bett. "Jepp. Ich werde nachher in mein Zimmer gehen und für die Schule lernen, bis du wieder da bist."

Das war ziemlich normal für ein siebzehnjähriges Mädchen. Doch Neve ahnte, dass es für ihre Schwester auch eine Flucht war. "Du könntest eine kleine Pause einlegen und mit Dad fernschauen. Ich bin sicher, er hätte nichts dagegen."

Siobhan verdreht die Augen, die ebenso grün waren wie die ihrer Schwester, und blickte an die Decke. "Er würde mich höchstens einen langweiligen Dokumentarfilm ansehen lassen. Da warte ich lieber in meinem Zimmer. Dann kannst du mir später alles erzählen." Sie legte ihren Kopf auf einen Ellbogen. "Wehe, du vergisst es. Du musst mich unbedingt wecken, falls ich eingeschlafen bin. Versprich es!"

"Das hat doch auch bis morgen früh Zeit."

"Wenn du es mir nicht gleich erzählst, kann ich bestimmt gar nicht schlafen." Siobhan zog einen Schmollmund.

Neve hob eine ihrer dunklen Brauen. "Hast du nicht gerade gesagt, ich solle dich wecken?"

"So richtig werde ich aber gar nicht schlafen können."

Neve runzelte die Stirn.

"Bitte", bettelte ihre kleine Schwester, "du musst unbedingt zu mir kommen und mir alles erzählen. Ich gehe nie auf Partys, für die man sich derart zurechtmachen muss."

Neve wandte sich um und betrachtete ihr Spiegelbild. Sie sah hinreißend aus, und das verdankte sie Siobhan. Wäre ihre modebewusste Schwester nicht gewesen, hätten ihr ein paar schicke Jeans und ein Hauch mehr Make-up als sonst voll und ganz gereicht. Doch Siobhan hatte sich damit nicht zufriedengegeben. Und es hatte sich gelohnt.

Neve umarmte die Schwester dankbar und verließ das Schlafzimmer. Ihr Herz schlug schneller bei dem Gedanken, was die anderen von ihrer Verwandlung halten mochten. Genau genommen gab es nur einen Menschen, den sie beeindrucken wollte. Einen einzigen Menschen, dessen Meinung wirklich zählte.

Seit sich Brendon McNamara am Anfang des neuen Universitätsjahres von seiner Freundin getrennt hatte, hatten die beiden immer mehr Zeit miteinander verbracht.

Er war der tollste Mann, den sie kannte. Es wäre wunderbar, wenn er sie ansehen und feststellen würde, dass sie ihm ebenfalls gefiel. Und sei es nur für einen einzigen Abend.

Mit dem Versprechen, Siobhan zu wecken, wie spät es auch sein mochte, nahm Neve ihren Mantel und stieg die Treppe hinab. Vorsichtig balancierte sie auf den höchsten Absätzen, die sie jemals getragen hatte, und ihre Gedanken wanderten zu dem einzigen anderen Mann, der zurzeit in ihrem Leben eine Rolle spielte. Ein Tablett mit Essen auf den Knien saß der im Wohnzimmer und sah sich irgendeinen Dokumentarfilm im Fernsehen an.

Neve schöpfte Hoffnung. Bestimmt würde ihr Vater sich heute die Zeit nehmen, ihr zu sagen, wie schön sie war, nachdem sie sich so viel Mühe gegeben hatte? Er würde sie ansehen und feststellen, dass sie erwachsen geworden war. Dass sie jetzt eine Frau war und nicht mehr der Wildfang, der sie die meiste Zeit ihres Lebens gewesen war.

Liebevolle Worte oder gar eine Umarmung wären zu viel verlangt. Aber irgendetwas, ein winziges Zeichen würde ihr schon reichen.

Doch ihr Vater blickte nicht einmal von seinem Essen auf, als sie das Wohnzimmer betrat.

"Ich gehe jetzt, Dad."

"In Ordnung. Sei um zwölf zurück."

"Komm schon Dad, es ist ein Ball! Ich werde erst nach eins wieder da sein." Neve versuchte, das Flehen in ihrer Stimme zu unterdrücken. "Aber ich komme auf direktem Weg nach Haus. Das verspreche ich."

"Das möchte ich dir auch geraten haben."

Sie wartete. Als könnte sie ihren Vater durch ihren schieren Willen zwingen, sie doch noch anzusehen. Doch er aß einfach weiter.

"Hast du Geld?"

"Ja."

"Gib nicht alles aus."

"Das werde ich bestimmt nicht." Mit einem leisen Seufzer blickte Neve auf ihre Füße und wandte sich dann ab. "Bis morgen früh."

"Und ohne dieses Kleiezeug zum Frühstück."

"In Ordnung."

Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter und verließ den Raum. Sie hätte es wissen müssen und sich keine Hoffnung machen dürfen. Warum hatte sie sich nach Jahren der Enttäuschung bloß immer noch keine dicke Haut zugelegt?

Zum Glück hatte sie einen Freund wie Brendon. Er gab ihr Vertrauen in die restliche Welt.

Mit seinen scherzhaften Bemerkungen, seinem neckenden Ton und seiner ruhigen Zuversicht hatte Brendon innerhalb weniger Stunden das Lächeln in ihr Gesicht zurückgebracht.

Er war wirklich ein erstaunlicher Mann. In seiner Gegenwart fühlte sie sich glücklich und sorgenfrei, obwohl sie eigentlich den ganzen Tag über daran erinnert wurde, dass das Leben alles andere als glücklich und sorgenfrei war.

Als sie Brendon kennenlernte, war er der Freund ihrer Mitbewohnerin gewesen, was ihrer beider Bekanntschaft eine unschuldige Note gegeben hatte. Sie konnte ohne Hintergedanken mit ihm befreundet sein, denn die drei jungen Frauen, die sich die Wohnung teilten, verband das ungeschriebene Gesetz, niemals einer anderen den Freund auszuspannen. Nicht, dass Neve jemals auf diesen Gedanken gekommen war. Sie hatte wichtigere Ziele gehabt, als am Arm eines jungen Mannes zu hängen.

So waren Brendon und sie Freunde geworden. Neve wusste alles über Brendon McNamara. Sie wusste, was er vom Leben erwartete und dass dazu eines Tages ein eigenes Heim, eine Ehefrau und Kinder gehören würden. Er war warmherzig und offen, begeisterungsfähig und optimistisch und erfolgreich bei allem, was er in Angriff nahm. Und außerdem sah er verboten gut aus.

Beinahe unglaublich. Brendon war so perfekt, dass es ihr geradezu unheimlich war.

Allerdings war er keinesfalls jemand, in den Neve sich verlieben durfte. Denn er wollte eine dauerhafte, ernsthafte Beziehung.

Und Neve war nicht gewillt, sich auf einen Mann mit so ernsthaften Absichten einzulassen. Zumindest wollte sie niemanden, der eine lebenslange Beziehung anstrebte. Sie hatte aus nächster Nähe erlebt, was eine solche Beziehung zwei Menschen antun konnte. Vor allem, wenn sie irgendwann heirateten, Kinder bekamen und schließlich feststellten, dass sie doch nicht zusammenpassten. Am Ende scheiterten sie, und die Kinder mussten für ihren Irrtum bezahlen.

Neve hatte sich geschworen, so etwas niemals zuzulassen. Sie würde keine Kinder in die Welt setzen, die ertragen mussten, was sie in ihrer Jugend durchgemacht hatte.

Mit Brendon lediglich befreundet zu sein, war ganz entschieden der sicherste Weg. Und diese Freundschaft war ihr wichtig. Sie vertraute Brendon. Spürte, dass er sie gut genug kannte, um niemals eine Grenze zu überschreiten. Dafür war sie ihm sehr dankbar, denn nur zu leicht hätte Brendon all ihre Vorsätze in Wanken bringen können. Er weckte den Wunsch in ihr, an Dinge wie Liebe und Glück bis ans Ende aller Tage zu glauben.

Deshalb erlaubte sie sich, für einen Abend in eine Märchenwelt einzutreten. Sich wie eine Prinzessin zu kleiden und in den Armen eines schönen Prinzen zu tanzen. Weil Weihnachten war. Besser als heute konnte es wirklich nicht kommen.

"Gefällt es dir hier?"

Neve lächelte Brendon an. "Und wie! Ich glaube, so gut wie hier hat es mir noch nirgends gefallen."

Er lächelte ebenfalls, und seine dunklen Augen begannen zu funkeln. "Du solltest wirklich mehr ausgehen, weißt du das? Immer nur über den Büchern zu sitzen, macht ein langweiliges Mädchen aus dir."

"Oh, vielen Dank. Bitte noch ein paar Komplimente von der Art. Ich vertrage das schon."

"Ach komm, ich habe dir schon zweimal gesagt, dass du fantastisch aussiehst. Öfter geht es nicht." Brendon schwenkte sie im Kreis, sodass ihr langer Rock um ihre Fersen rauschte. "Sonst platzt dir vor Stolz noch der Kopf."

Brendons Lob trieb Neve die Hitze ins Gesicht. Obwohl der Blick in seinen Augen bei ihrem Eintritt schon Kompliment genug gewesen war.

Sie näherten sich dem Rand der Tanzfläche, und als Brendon Neve ansah, lachte er leise. "Ich sorge mich einfach um die Menschen, die mir nahe stehen."

Ja, das tat er wirklich. Einen kurzen Moment überlegte Neve, welches junge Mädchen wohl so glücklich sein würde, für den Rest ihres Lebens von ihm umsorgt zu werden. Ein eifersüchtiger Stich durchzuckte ihre Brust, und um ein Haar wäre sie auf ihren hohen Absätzen gestolpert.

Aber nein. Brendon war einfach ein Freund. Er könnte nie mehr für sie sein.

"Achtung, meine Zehen", protestierte er spielerisch.

"Die sind kaum zu verfehlen", neckte Neve ihn, und ihre grünen Augen leuchteten. "Du weißt, was man über Männer mit großen Füßen sagt ."

Brendon sah sie aus blitzenden Augen an und senkte die Stimme, sodass nur sie ihn hören konnte. ". dass sie große Schuhe tragen?"

Lachend wirbelten sie an den Rand der Tanzfläche und hielten unter einem Torbogen inne. Während sie langsam wieder zu Atem kamen, veränderte sich etwas in Brendons Augen. Eine ganze Weile betrachtete er prüfend Neves Gesicht, als wollte er sich jede...

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