Das Asam Vermächtnis

 
 
RICCARDI (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. April 2020
  • |
  • 194 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96917-711-2 (ISBN)
 
Was wäre wenn? Wenn es in den ehrwürdigen Mauern eines weltberühmten Klosters ein uraltes Geheimnis gäbe, das gewisse Kreise um jeden Preis hüten wollten? Was, wenn dieses Geheimnis aufzufliegen drohte und der mysteriöseste Geheimorden aller Zeiten aus den Tiefen der Geschichte stiege, um dies zu verhindern? Hauptkommissar Leo Dietz ist aus den Osterferien zurück. Das Präsidium ist mintgrün gestrichen und die neue Polizeipräsidentin ein hipper digital native. Kaum im Dienst, erhält Dietz einen Anruf von Tim Gräber, einem alten, längst vergessenen Schulfreund. Tim bittet ihn um Personenschutz und will ihn unbedingt treffen. Bevor es jedoch zu diesem Treffen kommt, wird in der weltberühmten Klosterkirche von Weltenburg ein Mann mit wie zur Kreuzigung ausgebreiteten Armen und einer altertümlichen Lanze in der Brust aufgefunden. Bei dem Toten handelt es sich um Tim Gräber, Dietz alten Schulfreund

Rüdiger Woog wurde 1971 in Eckernförde geboren. Er wuchs in einem kleinen Dorf am südlichen Rand des Altmühltals auf, studierte Germanistik und Romanistik. Heute lebt er mit seiner Familie in der Nähe von Ingolstadt, wo er als Schriftsteller, Lehrmittelautor, Sprachenlehrer und Werbetexter arbeitet. Nach seinem letzten großen Roman 'Anna und der Winter' schickt Woog nun Leo Dietz zum dritten Mal auf Ermittlungen.
  • Deutsch
  • 0,84 MB
978-3-96917-711-2 (9783969177112)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Leo war sehr früh aufgestanden und hatte schon um sieben am Schreibtisch gesessen. Er hatte die Idee, nach dem Treffen mit Tim Anna und Michaela mit warmem Leberkäse und frischen Semmeln daheim zum Mittagessen zu überraschen und erst dann wieder ins Büro nach Regensburg zurückzufahren.

Natürlich war er wie immer spät dran und kam erst um zehn nach neun auf dem Busund Touristenparkplatz in Weltenburg an. Deshalb zog er die Polizeikarte aus dem Handschuhfach, warf sie vor sich auf das Armaturenbrett und steuerte auf das Kloster zu. Dann hielt er noch einmal kurz an und rief von der erhöhten Straße aus dem Parkwart auf seinem Campingstuhl hinunter »Polizei Regensburg. Tut mir leid. Ich bin ein bisschen spät dran .«

Der Parkwart machte eine lässige Handbewegung.

»Is' schon gut. Fahren's nur zu. Ihre Kollegen sind eh schon da.«

Kollegen? Wie war das denn gemeint? Zielte der Mann womöglich auf irgendwelche Touristen ab, die sich mit allerlei Ausreden die drei Euro Parkgebühr sparen wollten, und steckte ihn jetzt mit denen unter einen Hut?

Als Leo vor dem Torbogen des Klosters ankam, den Defender links davon auf dem ausladenden Kiesbett des Donauufers abstellte und durch die hintere Pforte den Klosterhof betrat, sah er, was oder wen der Parkwart gemeint hatte.

Im Hof standen ein Rettungswagen, ein Streifenwagen und zwei dunkle BMW mit Blaulicht und Landshuter Kennzeichen. Zwei Polizeibeamte in Uniform waren dabei, ein Absperrband um den Kircheneingang zu ziehen, und zwei weitere Leute, ein Mann in Leos Alter und ein etwas jüngerer, trugen Westen mit der Aufschrift KIT Landshut.

Einer der Polizisten bezeigte Dietz von weitem mit einer abwehrenden Handbewegung, dass er sich fernhalten sollte. Als er das aber nicht beachtete, kam der Beamte auf ihn zu.

»Bleiben Sie bitte zurück. Hier ist vorläufig alles gesperrt.«

Leo zog seinen Dienstausweis aus der Jackentasche und hielt ihn dem Polizisten hin.

»Hauptkommissar Leo Dietz, Kripo Regensburg. Was ist hier passiert?«

Der Polizist besah sich den Ausweis genau, etwas zu genau, fand Leo, bevor er antwortete »Eine Person wurde offensichtlich getötet - in der Kirche.«

»Was für eine Person? Und wie?«

»Ein Mann. Er wurde vermutlich mit einem Speer. aufgespießt.«

»Was? Mit einem Speer?«, entfuhr es dem Kommissar.

»Mit einer Lanze, nicht mit einem Speer«, hörte Dietz dicht hinter sich eine Frauenstimme und drehte sich ruckartig um. Er hatte nicht bemerkt, wie lange die Mittdreißigerin mit den brünetten, schulterlangen Haaren und der roten Softshellkapuzenjacke schon neben ihm stand. Obwohl die Frau perfektes Deutsch sprach, erkannte Leo an ihrer Art, wie sie jedes h im Wortanlaut zu ch machte, dass sie keine gebürtige Deutsche war. Sie war offensichtlich aus dem Konventeingang herausgekommen, wo ein hochgewachsener grauhaariger Benediktinermönch mit Brille und scharf geschnittenen Gesichtszügen unbeweglich, wie aus Stein gemeißelt, verharrte und seinen Blick über den Hof schweifen ließ.

»Eine Lanze ist länger als ein Speer. Sie wird nicht geworfen, sondern dient zum Stoßen«, ergänzte die Frau, wobei ihre blauen Augen den Blick des Kommissars fixierten.

»Elena Choffmann-Bühl, Chauptkommissarin aus Landshut«, stellte sie sich vor und reichte Leo eine kleine Hand mit kalten Fingern.

»Wie kommt es, dass Sie chier sind, Cherr Kollege?«, fragte sie. »Wir chaben gar keine Chilfe aus Regensburg angefordert.«

Leo stellte sich noch einmal vor.

»Ich bin eigentlich privat hier, oder halbprivat, wenn man so will.«

Elena Hoffmann-Bühl hob fragend die Augenbrauen.

»Ich wollte mich vor zwanzig Minuten mit jemandem treffen, der mich um Hilfe gebeten hat, um Hilfe als Polizist, nehme ich an. Aber wahrscheinlich wurde er von Ihren Kollegen schon mit den anderen Touris fortgeschickt, nehme ich an.«

Die Kommissarin und der Polizeibeamte wechselten einen kurzen Blick.

»Wie cheißt dieser Jemand, Cherr Dietz?«

Leo fühlte plötzlich ein äußerst unangenehmes Gefühl in der Magengegend.

»Gräber, Tim Gräber, vielleicht ist er auch noch gar nicht gekommen. Warum möchten Sie das wissen?«

Wieder ein Blickwechsel.

Dietz sah unwillkürlich zu dem geschlossenen Rettungswagen hinüber.

»Moment mal! Sagen Sie jetzt nicht, dass .«

»Kommen Sie!«, erwiderte die Landshuter Kommissarin anstatt einer direkten Antwort und ging mit Dietz hinüber zum RTW. Sie gab dem jungen Mann vom Kriseninterventionsteam, der sich gerade eine Zigarette anstecken wollte, ein Zeichen, der daraufhin wiederum eine Sanitäterin mit ungewöhnlich langem Pferdeschwanz anstupste, die schließlich die Heckklappen des Fahrzeugs öffnete. Leo stieg nach ihr ein und sah ihr zu, wie sie den Leichensack auf der Bahre öffnete, wobei ihr langer Pferdeschwanz beinahe das Gesicht der Leiche berührte.

Der Tote war nicht Gräber. Der Professor war immer sehr korpulent gewesen und hatte eine richtige Wolle an rotem, krausem Haar, das ihm meistens auf der verschwitzten Stirn klebte. Diese Leiche jedoch war hager und hatte weder Kopfhaar noch Augenbrauen.

»Er ist es nicht«, sagte Leo erleichtert, »Tim Gräber sieht anders aus«.

Die Kollegin aus Landshut sah ihn irritiert an.

»Es tut mir leid, Cherr Dietz: Doch, das ist Tim Gräber. Chier ist sein Personalausweis. Sie chaben Ihren Freund wohl schon länger nicht mehr gesehen.«

Elena Hoffmann-Bühl hielt Leo einen Plastikbeutel mit dem Ausweis, dem Führerschein, einer Geldbörse und einem Schlüsselbund hin.

Leo besah sich den dünnen Mann mit den wachen, fast listigen Augen, die ihn durch die Plastikhülle aus einem regungslosen Gesicht, wie es bei biometrischen Passbildern erforderlich ist, anstarrten. Lag da so etwas wie eine stille Anklage in Gräbers Blick? Vor zwei Tagen hatte Leo einen Anruf aus der Vergangenheit erhalten. Einer der Uncoolen und Loser hatte seine Hilfe gebraucht und er war zu spät gekommen. Nun lag dort drüben im RTW ein Toter, der mit Leos Erinnerung bis auf den Namen nichts, absolut gar nichts zu tun hatte. Wer zum Teufel mochte dieser zweite Tim Gräber sein?

Dietz wandte sich seiner Landshuter Kollegin zu.

»Könnte ich bitte die Tatwaffe sehen?«

Hoffmann-Bühl antwortete nicht sofort. Sie schien die möglichen Konsequenzen ihrer Antwort abzuwägen.

»Also gut, Cherr Kollege. Ich zeige sie Ihnen. Aber lassen Sie mich bitte von vorncherein etwas klarstellen: Die Ermittlungen führen wir Landschuter. Das chier«, sie machte eine ausladenden Handbewegung, »ist unser Einzugsgebiet, wie Sie wissen.«

Leo hatte mitnichten vor, sich einzumischen. Er nickte schulterzuckend und hob den linken Daumen hoch.

Elena Hoffman-Bühl öffnete den Kofferraum eines der Zivilfahrzeuge und zog die mangels einer größeren Folie in lauter kleine aufgeschnittene Plastikhüllen eingewickelte Lanze heraus. Sie war von der flachen, geschmiedeten Spitze bis zum hölzernen Schaft gänzlich schwarz und hatte einen Durchmesser von etwa vier Zentimetern. Im oberen Drittel des Schafts wies eine Fissur daraufhin, dass das Holz schon einmal gebrochen und wieder geleimt worden war. Auf der einen Seite der Spitze war eine Art Stift oder Nagel derart eingearbeitet, dass sich die dünnen, schnurartigen Eisenbänder wie Lederriemen ausnahmen. Leo drehte und wog die Lanze mit einer Hand. Die Waffe war überraschend leicht. Er tippte auf Eschenholz.

»Können Sie damit etwas anfangen oder irgendwie mit Ihrem Freund in Verbindung bringen?«, fragte die Landshuter Kommissarin.

»Er ist . er war nicht mein Freund. Wir haben uns seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Ich habe wirklich keine Ahnung, wo da ein Zusammenhang bestehen könnte«, antwortete Dietz.

»Sie sieht irgendwie römisch oder frühmittelalterlich aus, finde ich«, sagte Hoffmann-Bühl.

Leo nickte.

»Mmh, wahrscheinlich stammt sie von irgendeinem Römeroder Ritterfest. Da kann man solche nachgemachten Waffen und alles Mögliche kaufen. Ich wollte mir auch schon einmal ein Langschwert, so eines wie in Braveheart, zur Deko kaufen, aber meine Freundin hätte mich wahrscheinlich rausgeworfen oder gleich mit dem Ding erschlagen.«

Die Kommissarin lächelte kurz und mechanisch.

»Dann sind Sie ja ein Spezialist mittelalterlicher Waffen. Denken Sie, es könnte auch ein Artefakt sein?«

»Sie meinen, dass die Lanze wirklich alt ist? Bestimmt nicht. Ich kann Ihnen eine ganze Reihe Kunstschmiede nennen, die Ihnen so etwas für einen Fünfziger basteln. Die Frage ist nur, wer mit so einem Ding durch die Gegend läuft und Menschen umbringt.«

»Stimmt, genau das ist die Frage, die ich mir stelle.«

Sie betonte ich mit einem Nachdruck, der Leo ganz und gar nicht gefiel.

»Vielen Dank für den Wink mit dem Zaunpfahl, Frau Kollegin. Ich werde Ihnen schon nicht reinpfuschen.«

Damit reichte er der Kommissarin die Hand.

»Also dann, ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Aufklärung; und natürlich können Sie mich jederzeit anrufen, wenn ich Sie doch noch irgendwie unterstützen könnte. Ich wohne übrigens nur ein paar Kilometer von hier entfernt.«

Er hatte sich schon zum Gehen umgedreht, als sie ihn am Arm festhielt...

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