Heartbeats of Love. Nicky und Brian

Bad Boy Romance
 
 
Carlsen (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. Oktober 2020
  • |
  • 361 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-646-60676-8 (ISBN)
 
**Bad Boy oder Good Guy?** Nicky muss zur Strafe für einen Diebstahl, den sie eigentlich gar nicht begangen hat, sechs Wochen in ein Heim für Jugendliche. Mitten im Nirgendwo lernt sie nicht nur die Ruhe schätzen, die der Ort ausstrahlt, sondern auch die anderen Bewohner. Nur aus Brian wird sie nicht schlau. Der Halb-Ire geht ihr vom ersten Moment an unter die Haut. Immer wieder aufs Neue lässt er sie ein heiß-kaltes Wechselbad der Gefühle durchleben: In der einen Sekunde schroff, ist er in der nächsten zuvorkommend. Gerade noch wirft er ihr einen bösen Blick zu, kurz darauf rettet er sie aus einer brenzligen Situation. Und dann ist da noch dieses Geheimnis, das er mit sich trägt und Nicky fieberhaft zu ergründen versucht ... //"Heartbeats of Love. Nicky und Brian" ist ein in sich abgeschlossener Einzelband.//
1. Auflage
  • Deutsch
  • Hamburg
  • |
  • Deutschland
  • 3,32 MB
978-3-646-60676-8 (9783646606768)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Alice Ann Wonder, bürgerlich Anika Pätzold, wurde 1990 in Arnstadt geboren. Schon früh konnte sie ihr erstes Lieblingsbuch auswendig aufsagen. Seit 2019 veröffentlicht sie selbst Romane. Sie reist gern quer durch die Welt - am liebsten dorthin, wo es warm ist - hört jeden Tag Hörbuch und liebt es, zu tanzen.

1


Ich sah dem blonden Pferdeschwanz meiner Mutter zu, wie er von einer Seite zur anderen wippte, während wir den Schotterweg hinauf zum Ende der Welt fuhren.

Jana Dittel war genauso sportlich und jung, wie es die hohe Position ihres Zopfes vermuten ließ. Wenn man uns zusammen sah, kam man im Leben nicht auf den Gedanken, dass wir verwandt sein könnten. Meine Mutter - eine nordische Schönheit, die mit ihren einundvierzig Jahren noch immer viel vom Glanz eines Supermodels hatte - und ich, mit meinem rabenschwarzen Haar, der jungenhaften Figur und den viel zu großen Augen. Ob ich adoptiert sei, hatte Lena, meine beste und einzige Freundin damals gefragt. Nicht dass ich wüsste, hatte ich geantwortet, woraufhin Lena meinte, dass Mam die hübscheste Frau war, die sie jemals gesehen hatte. Zu dumm, dass sie mir die guten Aspekte ihres Genpools vorenthalten hatte!

Damals war mir das noch nicht so wichtig gewesen. Erst als ich älter wurde, hatte es mich ein bisschen geärgert, dass Tobias P., der einzige Junge, für den ich während der Mittelstufe geschwärmt hatte, bei Schulveranstaltungen nur Augen für meine Mutter statt für mich gehabt hatte.

»Hast du noch andere Schuhe mitgenommen? Nicky?«

Die Stimme von Jana drang von irgendwo weit weg an mein Ohr und riss mich aus meinen Gedanken. Mit einem kurzen Blick auf meine ramponierten Chucks sagte ich: »Ich gehe da nicht auf einen Schönheitswettbewerb!« Mam gab ein theatralisches Stöhnen von sich, so wie sie das immer tat, wenn sie enttäuscht war.

»Dieses Mädchen«, murmelte sie kopfschüttelnd, »lieber Herrgott! Womit habe ich das verdient?« Das war eine rhetorische Frage. Ich verdrehte die Augen, während ich mich ein bisschen tiefer in den Sitz sinken ließ und aus dem Fenster starrte.

Die strenge Gläubigkeit meiner Mutter war vielleicht das Interessanteste an ihr. Nicht dass ich ihre früheren Erfolge als Miss Deutschland, Miss Bayern und Miss Oktoberfest (auch »Wiesn-Playmate« genannt) nicht würdigte. Dann waren da noch ihre unzähligen Modeljobs und TV-Auftritte. Meine Mutter hatte es weit gebracht für ein ehemaliges Kleinstadtmädchen aus ärmlichen Verhältnissen. Trotzdem nervte es mich, dass sie ständig versuchte, ihre Besessenheit von Äußerlichkeiten auf mich zu übertragen. Wenn sie mir am Abend jedoch das Tagesgebet vorlas, waren all die Zankereien der vergangenen Stunden schnell vergessen. Zwar tat ich meistens, als wären mir die Psalmen zuwider, aber insgeheim mochte ich es, dass ihr Glaube an Gott genauso unerschütterlich war, wie ihr schwarzes ultra-starkes Taft-Haarspray. Davon abgesehen, dass ich im Moment wegen meiner Bänderdehnung eh keine hochhackigen Schuhe hätte tragen können, besaß ich auch keine.

»Schmollst du etwa?« Mam warf einen kritischen Blick in den Rückspiegel. »Nicky!«

Ich schüttelte den Kopf, ohne sie dabei anzusehen.

»Wieso sollte ich? Etwa, weil ich ins Heim abgeschoben werde?«

»Sei nicht albern!«, erwiderte sie. Die Schotterstraße wurde unterdessen immer schmaler und die Bewaldung dichter. Hätte ich gewusst, dass die Einrichtung mitten in der Pampa sein würde, hätte ich mich nie darauf eingelassen den Sommer an diesem Ort zu verbringen! Andererseits konnte ich nur hier das notwendige Übel mit einer Sache verbinden, die ich unbedingt vor dem Umzug nach England hinter mich bringen musste.

»Du wolltest doch immer ins Heim!«, kommentierte Jana mit einem Hauch Genugtuung in der Stimme.

Ich nagte an meiner Unterlippe, bevor ich »Kein Wunder, bei zwei Sozialpädagogen als Eltern!« grummelte. Richtig, Mam hatte vor einer Weile ein Fernstudium begonnen. Sie wollte Mal etwas Neues ausprobieren! Schließlich hatte sie gerade erst die Mitte ihres Lebens erreicht!, so ihre Begründung. Weshalb sie sich ausgerechnet die gleiche Profession wie Dad ausgesucht hatte, war mir ein Rätsel. Ihre Wahl hatte nicht bei allen Familienmitgliedern Anklang gefunden, so viel stand jedenfalls fest.

»Dein Vater fühlt sich bedroht«, hatte sie mir erklärt, nachdem vor einigen Wochen deswegen wieder einmal ein Streit ausgebrochen war. Dad hatte kein Verständnis für ihre Hirngespinste, wie er sie nannte. Seiner Meinung nach sollte Mam lieber das tun, womit sie bereits die erste Hälfte ihres Lebens zugebracht hatte: Kaffeeklatsch, hier und da eine Wohltätigkeitsveranstaltung und den Haushalt. Ich verstand nicht, was so schlimm daran sein sollte, dass sie sich weiterentwickeln wollte, aber das ging mich ja auch nichts an. Es ist einzig und allein meine Sache, hatte sie Dad an den Kopf geknallt und damit hatte sie vermutlich recht.

Der Anflug eines Lächelns huschte über das Gesicht meiner Mutter. Es gefiel ihr, dass ich ihre neue Berufung anerkannte und darüber war ich froh. Sosehr sie mich die meiste Zeit über auch nervte - sie verdiente es, unterstützt zu werden, so wie sie das bei Dad und mir auch stets getan hatte.

»Dein Vater und ich haben das zusammen entschieden«, schob sie jetzt noch hinterher, um wieder auf meinen sechswöchigen Aufenthalt im Heim zurückzukommen. »Wenn du wiederkommst, ist der Umzug gemacht und alles fix und fertig!« Ich atmete tief ein und wieder aus, weil ich jetzt keine weitere Rechtfertigung dafür gebrauchen konnte, dass ich für die nächste Zeit hier sein würde. Ich hatte meine Strafe akzeptiert.

Außerdem konnte ich gut auf die Streitereien meiner Eltern verzichten, während sie alles für unsere Reise über den Ärmelkanal vorbereiteten. Dad hatte vor einer Weile eine neue Stelle in einer Londoner Schule angenommen, weshalb sich nun für uns ein neuer Lebensabschnitt auftat.

Ich hatte Glück, dass das nächstgelegene Heim praktisch neben der Stadt lag, in der mein langjähriger Onlinefreund wohnte. Was ihn und England anging, hatte ich einen überlebenswichtigen Plan!

»Schon gut, Mam«, beschwichtigte ich sie und runzelte die Stirn, als langsam aber sicher eine Gebäudeformation aus drei sonnengelben Backsteinhäusern auf einer Lichtung auftauchte. Das ist es also, dachte ich und rutschte ein bisschen hoch, um einen besseren Blick auf meine neue Bleibe zu werfen.

»Wenigstens hast du hier genug Zeit, um deine Freundschaft mit dieser Lena einmal gründlich zu überdenken!« Ich biss die Zähne aufeinander und stöhnte. Warum musste sie nach all den Jahren von meiner besten Freundin immer noch so sprechen, als hätte ich sie eben erst kennengelernt?

»Sie ist kein guter Umgang! Deine Zukunft steht auf dem Spiel!« Ich schloss für einen kurzen Moment die Augen und sog einen langen Atemzug ein, um nicht irgendetwas von mir zu geben, was ich später vielleicht bereute.

»Es wird nicht wieder vorkommen, das sagte ich doch bereits«, versicherte ich meiner Mutter. »Außerdem haben wir bald ein ganzes Meer zwischen uns. Du brauchst dir also nicht weiter den Kopf darüber zu zerbrechen!« Bei diesem Gedanken zog sich etwas in meiner Brust zusammen. Lena war mehr als nur eine Freundin für mich - sie war wie die Schwester, die ich nie hatte. Meine bessere Hälfte - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Im Gegensatz zu mir war Lena beliebt. Sie hatte eine Wahnsinnsausstrahlung, trug ihr Herz auf der Zunge und fürchtete sich vor nichts und niemandem. Ich bewunderte sie, das war schon immer so gewesen. Ihr allein hatte ich es zu verdanken, dass ich während unserer bisherigen Schulzeit nicht zum Mobbingopfer geworden war. Ich war ihre beste Freundin und stand unter ihrem Schutz. Es war nur logisch, dass mir der Arsch ganz schön auf Grundeis ging, wenn ich daran dachte, wie ich bald ohne sie in einer neuen Schule zurechtkommen musste.

»Das kannst du gar nicht oft genug sagen! Klauen! So habe ich dich nicht erzogen!«

Mam schnaubte und ich bohrte meine Fingernägel in meine Handflächen. So gingen wir, jeder für sich, mit unserem Ärger um. Ich war heilfroh, als sie den Wagen zum Stehen gebracht hatte, so dass ich aussteigen konnte.

»Das müsste es sein«, sagte Mam mehr zu sich selbst, als zu mir. »Nummer drei.«

»Ganz schön . gelb«, stellte ich mit kritischem Blick auf das fünfstöckige Gebäude vor uns fest. Es hatte rechts und links zwei kleine Türmchen und einen größeren in der Mitte, weshalb es wie eine Miniaturausgabe eines Schlosses aussah.

»Sieht doch hübsch aus!«, meinte Jana und stemmte die Hände in die Hüften. Ich lief unterdessen zum hinteren Teil unseres Wagens, um mein Gepäck zu holen.

»Wenn du meinst.«

Mit einem Ruck hievte ich meinen Koffer heraus und schnappte mir anschließend noch meine Umhängetasche von der Rückbank. So stand ich da und schaute bis ganz nach oben an die Spitze des mittleren Turms.

Ich hatte im Internet nicht viel über das Heim gefunden: Es gab keine Webseite, lediglich eine Adresse und eine Telefonnummer. Auch das Haus - besser gesagt die Häuser - wirkten, als wären sie zuletzt irgendwann Anfang der Neunziger überholt worden. Es gab drei Gebäude. Eins stand einzeln, die anderen beiden ihm gegenüber. Zwischen ihnen befand sich ein Schotterplatz. Umringt wurden die Häuser von einem dichten, gemischten Wald, in den - soweit ich das sehen konnte - nur ein Trampelpfad führte.

»Willst du nur dastehen oder gehen wir jetzt rein?«, fragte Mam und forderte mit einem Nicken in Richtung des Hauses Nummer drei, dass ich mich in Gang setzte.

»Komme ja schon«, entgegnete ich und wandte meinen Blick von dem Pfad ab, der ins Dunkle führte.

Ich lief einige Schritte hinter meiner Mutter auf den Pflastersteinen, die den Weg von den Parkplätzen zum Gebäude markierten. Auf halber Strecke fiel mir ein, dass ich meinen Comic auf der Rückbank hatte liegen lassen.

»Hab was...

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