Ebbe und Wut. Ostfrieslandkrimi

 
 
Janneke Hoogestraat ermittelt (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. Juli 2020
  • |
  • 200 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96586-207-4 (ISBN)
 

Im Moment seines gewaltsamen Todes nimmt Leonardo Solano dem Direktor des Borkumer Nordsee-Hotels ein letztes Versprechen ab. Finden Sie Isabella … Sagen Sie ihr, es tut mir leid. Seit fünf Jahren kehrte der Italiener immer wieder nach Borkum zurück, um Isabella zu finden. Doch wer ist diese geheimnisvolle Frau? Lebt sie noch auf der Insel? Und wer hatte eine solche Wut auf Leonardo, um ihm den tödlichen Stich mit einem Stilett zu versetzen? Unterstützung bei der Einlösung seines Versprechens erhält der Hoteldirektor von der Schriftstellerin Janneke Hoogestraat, die gerade an den Vorbereitungen für das 130-jährige Jubiläum des Nordsee-Hotels mitwirkt. Sie erhalten Einblick in private Aufzeichnungen des Italieners, der schon vor 60 Jahren als junger Musiker auf Borkum weilte. Nach und nach offenbart sich, was damals wirklich geschehen ist...

1. Auflage
  • Deutsch
Klarant
  • 0,30 MB
978-3-96586-207-4 (9783965862074)
weitere Ausgaben werden ermittelt

2. Kapitel


 

»Jetzt mach schon«, drängelte Janneke Hoogestraat und stupste ihren Onkel an. »Die Fähre wartet nicht auf uns.« Sie standen am Emder Außenhafen am Borkumanleger.

»Ja, ja . jetzt mach mal nicht so eine Hektik.« Hinrich Hoogestraat nahm seinen Rollkoffer und folgte seiner Nichte über die Gangway zum Eingang des Schiffes.

Mit einem freundlichen »Moin« nahm der Bedienstete der Reederei AG Ems die Fahrkarten von Hinrich entgegen und entwertete sie, während Janneke sich mit einer Hand am Geländer festhielt, um nicht hinzufallen.

»Das hast du davon«, brummte Hinrich. »Mit diesen ollen Schuhen sollte man nicht auf ein Schiff steigen. Die sind ja lebensgefährlich.« Missbilligend sah er auf die Schuhe seiner Nichte mit den mörderisch hohen Absätzen. »Irgendwann brichst du dir noch den Hals oder kugelst dir ein Gelenk aus.«

Wütend sah ihn die junge Ostfriesin an. Sie kannte die Stänkereien ihres Onkels, der keinerlei Verständnis für ihre Leidenschaft, High Heels zu tragen, hatte. Nur, wenn es wirklich nicht anders ging, wich Janneke auf etwas bequemere Schuhe aus, aber nur sehr ungern. Denn sie war der festen Meinung, dass sie in flacheren Schuhen wie ein Trampeltier aussah. Deshalb kam für sie kein anderes Schuhwerk infrage. Sie schämte sich auch nicht dafür, dass sie über vierundsiebzig Paar High Heels in allen erdenklichen Farben und Ausführungen ihr Eigen nannte, die in einem hohen, breiten Regal zu Hause darauf warteten, von ihrer Besitzerin getragen zu werden. »Du hast ja keine Ahnung. Außerdem wirke ich dadurch größer«, zischte sie und stöckelte voran in den Fahrgastraum.

Hinrich folgte ihr wortlos, nachdem er das Gepäck in die dafür vorgesehenen Regale im Gepäckraum der MS Ostfriesland verstaut hatte.

»So, das hätten wir«, stöhnte er und ließ sich auf die Polsterbank nieder. »Wie lange fährt das Ding überhaupt nach Borkum?«

»Die Fähre braucht gut zwei Stunden«, informierte Janneke ihren Onkel und streifte unter dem Tisch ihre Schuhe ab.

Hinrich entledigte sich seiner Jacke und krempelte seine Hemdsärmel hoch. »Jetzt erzähl mir noch mal, warum wir auf die Insel fahren müssen.«

Janneke grinste freundlich. »Du musst überhaupt nicht auf die Insel, aber du ja wolltest unbedingt mit.«

»Gut, dann will ich es mal korrekter ausdrücken. Warum musst du zur Insel?«

»Ich werde bei den Vorbereitungen zum hundertdreißig­jährigen Jubiläum des Nordsee-Hotels helfen. Flyer entwerfen, Einladungen vorbereiten und so weiter. Ich habe auch meinen Laptop dabei, vielleicht kann ich nach Feierabend ein paar Worte in meinem aktuellen Manuskript schreiben.«

Hinrich lachte. »Das beruhigt mich aber, dass du nicht vergessen hast, dass du Krimiautorin bist.«

»Wie könnte ich das vergessen, aber«, meinte Janneke und hob den Finger, »es ist schön, wenn man auch mal etwas anderes machen kann. Erstens fördert die Abwechslung die Kreativität und führt mich außerdem noch auf einen der schönsten Fleckchen dieser Erde.«

»Ja, da hast du recht«, stimmte ihr Hinrich zu und nahm seine Jacke. »Ich geh mal an Deck.«

»Ist gut.« Die junge Frau öffnete ihre Tasche und nahm einen Schnellhefter heraus. Sehr konzentriert beschäftigte sie sich mit den Unterlagen, die sie im Vorfeld des aktuellen Auftrages zusammengestellt hatte.

Janneke genoss es, ihre Zeit frei einteilen zu können. Sie selbst entschied, welchen Auftrag sie neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit annahm und wie viel Zeit sie dafür veranschlagte. Vor Jahren hatte sie mal einen Auftrag in Bayern angenommen. Sie sollte dort für ein neues Restaurant eine Werbekampagne entwerfen und organisieren. Das Ganze verzögerte sich um zwei Wochen, weil noch während der Vorbereitungen zur Eröffnung ein Heizkörper geleckt hatte und der Schaden an den Fußböden behoben werden musste. Janneke war über den Zwischenfall mehr als frustriert gewesen, denn sie plagte unbändiges Heimweh nach Ostfriesland. Es war nicht nur Onkel Hinrich, um den sie sich Sorgen machte, sondern auch die Sehnsucht nach dem flachen Land, dem steifen Wind und der weiten Sicht. Von da an achtete sie darauf, dass ihre Arbeit sie nicht allzu weit von zu Hause wegführte und sie, wenn es denn nötig sein sollte, mit ihrem alten Citroën innerhalb kürzester Zeit wieder zu Hause sein konnte.

»Träumst du schon wieder?« Hinrich kehrte zurück und ließ sich auf der Sitzbank nieder. »Von Deck aus habe ich die Insel schon gesehen.«

»Dann sind wir ja bald da.«

Nach knapp zwei Stunden Fahrzeit legte die »Ostfriesland« am Außenanleger in Borkum an. Janneke und Hinrich verließen die Fähre und bestiegen einen Waggon der Borkumer Kleinbahn, die sie in den Ort brachte.

»Und wie weit ist es bis zum Nordsee-Hotel?«, wollte Hinrich wissen, als sie den Bahnhof erreicht hatten. Eisern hielt der Rentner seinen Koffer und seine Mütze fest. »Ganz schön windig hier.«

»Wir müssen nur die Bismarckstraße hochgehen und dann um die Ecke. Und schon sind wir da.«

Nach knappen zehn Minuten betraten die beiden das Hotel.

»Was ist denn hier los?«, wunderte sich Janneke, als sie die Lobby betraten. Mehrere Männer mit Kisten und Taschen in der Hand verließen das Hotel. Einer der Männer drehte sich kurz um und raunte einem anderen etwas zu.

Janneke trat etwas zur Seite und sprach die junge Frau an der Rezeption an, die gerade ein Telefongespräch beendet hatte. »Moin.«

»Moin. Sie müssen diese Unruhe entschuldigen«, bat die Angestellte. »Wir hatten einen kleinen Zwischenfall. Wie kann ich Ihnen helfen?«

»Mein Name ist Janneke Hoogestraat und das ist mein Onkel Hinrich Hoogestraat. Wir hatten reserviert.«

Der Rentner war neben Janneke getreten und nickte nur kurz mit dem Kopf.

Janneke konnte dem dezenten Namensschild an der Bluse der Rezeptionistin entnehmen, dass es sich um Maria Schuster handelte. Sie stellte ihren Koffer ab. »Es wäre nett, wenn Sie Herrn Schmidt sagen, dass wir angekommen sind. Er weiß dann schon Bescheid.«

»In Ordnung. Einen Moment.« Die Mitarbeiterin sprach ein paar leise Worte in den Hörer und legte dann auf. »Herr Schmidt kommt gleich. Nehmen Sie doch noch einen Moment Platz.«

Sie zeigte auf die Sitzgruppen in der Hotelhalle. »Es dauert nicht lange.«

»Ist das der Chef, auf den wir warten?«, flüsterte Hinrich seiner Nichte zu und beobachtete das Treiben in der Halle. »Was ist denn hier passiert?«

Neugierig sah sich Janneke um. »Keine Ahnung, aber normalerweise ist es hier sehr ruhig.«

»Du warst schon mal hier?« Erstaunt sah Hinrich seine Nichte an.

»Im letzten Jahr. Ich hatte einen Artikel für ein Reisemagazin verfasst«, erklärte Janneke. »Die Redaktion hatte netterweise hier im Hotel an der Strandpromenade ein Zimmer für mich gebucht.«

»Das hatte ich überhaupt nicht mehr auf dem Schirm«, zuckte Hinrich mit den Schultern. »Ist ja auch egal, aber .«

Weiter kam er nicht. Janneke war aufgesprungen und lächelte Fokke Schmidt an, der auf sie zueilte und sie umarmte. »Du musst entschuldigen, Janneke. Unser Wiedersehen hätte ich mir auch wirklich anders vorgestellt.«

»Das ist doch nicht schlimm«, entgegnete sie und zog Hinrich an ihre Seite. »Darf ich dir Fokke Schmidt vorstellen? Er ist hier der Chef, und das ist mein Onkel Hinrich Hoogestraat. Er hat liebevoll darauf bestanden, mich zu begleiten.«

»Moin Herr Hoogestraat«, begrüßte Schmidt den älteren Herrn. »Es tut mir leid, dass Sie dieses Durcheinander mitbekommen.«

»Ist doch nicht schlimm«, winkte Hinrich ab.

»Fokke, was ist denn nun hier .«, versuchte Janneke etwas Näheres zu erfahren.

»Erzähle ich dir später«, vertröstete sie der Hoteldirektor. »Ich denke, das wird dich als Autorin von Kriminalromanen brennend interessieren.« Er winkte Maria zu. »Maria, händigst du bitte den Herrschaften ihre Schlüsselkarten aus?«

»Am besten«, wandte er sich an Janneke, »du gehst erst mal auf dein Zimmer. Wir treffen uns in einer Stunde in meinem Büro. Du weißt ja noch, wo das ist?« Er zeigte auf den langen Flur, der in den hinteren Bereich des Hotels führte.

»Ja, das weiß ich noch«, sagte sie. »Wir gehen erst mal nach oben.«

»Ich für meinen Teil werde erst mal zum Strand gehen«, teilte Hinrich seiner Nichte mit. »Der Regen hat ja zum Glück aufgehört. Ich bringe meine Sachen nach oben und dann gehe ich los.«

Er griff nach seinem Rollkoffer und ging die paar Treppenstufen zum ersten Stock.

»Wir sehen uns dann...

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