Drachenbrüder

Teil 1
 
 
BookRix (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. November 2019
  • |
  • 322 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7487-2148-2 (ISBN)
 
In alten Zeiten fürchteten sich die Menschen vor allen möglichen Ungeheuern und Dämonen, allen voran vor einem Drachen, der regelmäßig eine Jungfrau von den Leuten verlangte und obwohl es tapfere Männer immer wieder versuchten ihn zu töten, schaffte es keiner. Schweren Herzens opferten sie ihm ihre Töchter, um sich damit Ruhe und Sicherheit zu erkaufen. Anni, fromm in einem Kloster erzogen, wurde ebenfalls ausgewählt und sie war bereit sich zum Wohle der Menschen zu opfern, doch weder sie noch die anderen ahnten, was wirklich auf sie zukam, als der Drache sie holte........
  • Deutsch
  • 0,83 MB
978-3-7487-2148-2 (9783748721482)

1.Kapitel


 

"Was willst du?" Pater Jakob sah den Mann vor sich streng an.

Er war ungehalten, denn nach der langen Messe hatte er ordentlich Hunger und freute sich schon sehr auf das üppige Frühstück, dass ihm seine Magd bestimmt schon auf den Tisch gestellt hatte.

Der Mann drehte verlegen seine Mütze in den schwieligen Händen.

"Ich bin der Schmied Matthias", versuchte sich der Mann vorzustellen.

"Ich weiß, wer du bist", wehrte der Pater ab, er wäre ein schlechter Priester, wenn er seine Schäfchen nicht kennen würde und den Schmied Matthias kannten alle Bewohner des Dorfes, seine große und massige Gestalt fiel überall auf. Er war ein guter und gottesfürchtiger Mann, den das Schicksal schwer geprüft hatte, denn er hatte erst vor kurzem seine zweite Frau verloren.

Matthias hatte seine Frau sehr geliebt, sie geradezu angebetet. Sie war aber auch ein besonderes Wesen. Keiner des Dorfes hatte verstanden, dass die schöne und zarte Anna ausgerechnet den derben Matthias heiraten wollte. Zuerst wollten ihre Eltern seinen Antrag ablehnen, denn der Schmied war um vieles älter als Anna, verwitwet und noch dazu Vater von drei ebenso starken Söhnen wie er selbst, aber ihre Eltern waren arme Schlucker und der Schmied ein angesehener Mann und so gaben sie ihre Einwilligung. Die beiden dürften sich wirklich geliebt haben, denn nie sah man die beiden streiten und Matthias behandelte seine Frau wie ein adeliges Fräulein.

Anna schenkte ihrem Mann zwei prächtige Söhne und eine Tochter, aber dann war ihr zarter Körper den vielen Schwangerschaften, es gab auch einige Fehlgeburten dazwischen, nicht mehr gewachsen und die nächste Geburt überlebte weder sie noch das Ungeborene. Matthias war seither ein gebrochener Mann, der nur mehr mürrisch und stumm seiner Arbeit nachging.

 

Und nun stand der große Mann vor dem Pater und wollte mit seinem Anliegen nicht so recht rausrücken.

"Matthias, was hast du auf dem Herzen?" nur mühsam konnte der Mann Gottes seine Ungeduld unterdrücken.

Der Schmied griff hinter sich und zerrte ein kleines Mädchen an seine Seite.

"Das hier ist Anni, meine Tochter", fuhr der Schmied fort.

"Ja, und?" der Pater betrachtete das kleine Ding, dass eher an ein nasses Kätzchen erinnerte, als an ein Menschenkind.

"Ich kann mich nicht mehr um sie kümmern", erklärte Matthias verlegen, "Ihr wisst doch, meine Frau ist vor kurzem gestorben und jetzt.Meine Söhne sind tüchtig und stark, mir eine große Hilfe, aber die Kleine.sie taugt zu nichts, jede Arbeit ist zu schwer für sie, sie braucht eben noch die Fürsorge einer Mutter, aber die kann ich ihr nicht geben."

"Schmied, auf was willst du hinaus?" fragte der Priester unwillig.

"Ich dachte mir", Matthias schluckte, "ob nicht vielleicht Ihr."

"Was soll ich mit einem kleinen Mädchen?" fragte Pater Jakob ungehalten, ja wenn sie schon älter wäre, eine hübsche Jungfrau, dann könnte er sich schon vorstellen, wofür er sie brauchen könnte!

"Nein, nein", wehrte der Schmied ab, mein Gott, war das schwer! Er mochte das kleine Spätzchen an seiner Hand, aber er konnte ganz einfach nicht für sie sorgen, er wollte es nicht, denn die Kleine war ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten und sein Herz schmerzte jedes Mal, wenn er die kleine Anni ansah.

"Ehrwürdiger Vater", fing er noch einmal von vorne an, "ich dachte mir, ob Ihr sie nicht vielleicht zu den Nonnen bringen könntet? Ich würde ja selbst, aber ich kann nicht weg, meine Söhne, die zwei Jüngsten, ich kann sie noch nicht zu lange allein lassen und außerdem, meine Arbeit."

Pater Jakob hob eine Hand, um Matthias ungewohnten Redefluss zu stoppen, er sah sich das Kind genauer an.

Ängstlich sahen ihn blaue Augen aus einem schmutzigen Gesichtchen an, ein Gewirr aus Locken umgaben das Gesicht. Leider konnte man die Farbe nicht erkennen, denn auch die Haare waren schmutzverklebt. Ein Kittel aus undefinierbarer Farbe bedeckte die zarte Kindergestalt. Das Mädchen erschien so zart, dass es schier unmöglich schien, dass der Schmied ihr Vater sein konnte.

"Wie alt ist denn die Kleine?" fragte Pater Jakob.

"Um die vier Jahre", antwortete Matthias eifrig.

"Das ist ein bisschen sehr jung", sagte Pater Jakob überlegend, eigentlich nahm das Kloster Kinder erst ab sechs Jahren auf, noch dazu, wo die Kleine so zart war, dass man glauben mochte, sie wäre kaum mehr als drei Jahre alt.

"Ich weiß, ehrwürdiger Vater, aber ich kann mich nicht um sie kümmern", flehend sah ihn der Mann an.

"Du weißt, dass du sie dann nie wieder sehen wirst?" Pater Jakob sah den Schmied forschend an.

"Bei mir und ihren Brüdern würde sie den nächsten Winter nicht mehr überleben", versuchte Matthias den Pater weiter zu überreden.

Pater Jakob dachte nach und Matthias wurde immer nervöser.

"Nun gut", nickte Pater Jakob und der Schmied hätte ihm vor Erleichterung am liebsten die Hände geküsst.

"Kommst du zu mir?" der Pater streckte der Kleinen die Hand hin.

Anni sah ihren Vater fragend an.

"Sei ein braves Kind und geh mit dem ehrwürdigen Vater mit", sagte Matthias zu ihr. Er ließ ihre Hand los und strich ihr unbeholfen über die Wange.

"Leb wohl Anna", sagte er heiser und meinte nicht nur das Kind damit, dann drehte er sich um und stapfte davon.

 

Pater Jakob nahm die Hand des Kindes und zog es mit sich. Da hatte er sich aus purer Gutmütigkeit wieder einmal etwas aufgehalst! Bis zum Kloster waren es gut zwei Tagesreisen, wenn man flott ausschritt!

Mit dem Kind würde er ewig brauchen!

Nun, vielleicht konnte er den Bürgermeister überreden, dass dieser ihm im Gegenzug zum Ablass seiner Sünden seinen Pferdekarren borgte, der gute Mann hatte genug Sünden, um zehn Karren zu verleihen!

 

Im Pfarrhaus angekommen, rief er sofort nach seiner Magd Kathi, eine dralle junge Frau, die nicht nur sehr gut kochen konnte, sondern ihm auch öfters das Bett wärmte.

"Ja, was habt Ihr denn da für ein Vögelchen gefunden, Pater?" fragte sie erstaunt.

Pater Jakob schob ihr Anni zu.

"Wasch sie und gib ihr dann etwas zu Essen", befahl er, "ich bringe sie morgen ins Kloster."

Damit drehte er sich um und ging ins Esszimmer, um endlich seinen Hunger zu stillen.

 

*****

 

Nach dem ausgiebigen Mahl begab sich Pater Jakob zum Bürgermeister. Dessen Haus war das bei weitem größte im Dorf, das hieß, es war im Gegensatz zu den vielen kleinen Bauernkaten aus Holz, eines der wenigen richtig gemauerten Häuser.

Er traf den Bürgermeister in der Stube, wo dieser gerade einen seiner Knechte zusammenstauchte.

"Ehrwürdiger Vater", begrüßte der Bürgermeister den Mann Gottes und stemmte seinen massigen Körper aus dem Stuhl hoch, mit einer Handbewegung bedeutete er dabei dem Knecht, dass er verschwinden soll, was dieser umgehend tat, froh, dem Donnerwetter entkommen zu sein.

"Ich habe dich heute in der Frühmesse vermisst, Bürgermeister", Pater Jakob reichte seinem Gegenüber die Hand.

"Ich wurde aufgehalten", versuchte sich der Bürgermeister zu entschuldigen, "es gab Probleme und ich."

Pater Jakob hob seine Hand, er wollte jetzt nicht die fadenscheinigen Entschuldigungen des Mannes hören.

"Es sollte dir bewusst sein, dass du als Bürgermeister ein Vorbild sein solltest", rügte er ihn trotzdem, "aber du kannst es wieder gut machen, denn ich brauche etwas von dir."

"Alles, was ihr wollt, ehrwürdiger Vater", antwortete der Bürgermeister erleichtert. Er musste den Kirchenmann bei Laune halten, denn wenn er dessen Gunst verlor, konnte er seinen einträglichen Bürgermeisterposten vergessen. Er lud den Pater ein, mit ihm einen Becher Wein zu trinken, denn er hatte dessen begehrlichen Blick zum Weinkrug, der auf dem Tisch stand, sehr wohl bemerkt.

"Ich brauche morgen ein Fuhrwerk", erklärte der Gottesmann, "ich muss zum Kloster fahren."

"Gerne", nickte der Bürgermeister, er goss Wein in einen Becher und reichte diesen Pater Jakob, "wollt ihr den Nonnen etwas bringen, oder etwas holen? Obwohl, wir haben hier selbst nicht genug, nicht mehr, seit das Ungeheuer so viel vernichtet hat", er seufzte, "ich fürchte, es gibt im Winter eine Hungersnot."

"Ich weiß", antwortete Pater Jakob, "die Leute gehen so brav wie schon lange nicht mehr in die Kirche und beten sehr inbrünstig."

"Wie konnten wir auch wissen, dass Sophie keine Jungfrau mehr war", stimmte ihm der Bürgermeister wieder seufzend zu.

Er dachte mit Schaudern daran, als plötzlich die arme Jungfer Sophie vom Himmel mit einem grausig anzuhörenden Platsch zu Boden fiel und mit aufgeplatztem Körper mitten auf dem...

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