DSA: Rabenbrut

Das Schwarze Auge
 
 
Ulisses Spiele (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 29. April 2021
  • |
  • 804 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96331-805-4 (ISBN)
 
Die mächtigen al'anfanischen Granden haben auch unter der Herrschaft des Schwarzen Generals Oderin du Metuants nicht aufgehört, ein Netz der Intrigen zu spinnen. Als Oderin einen Feldzug plant, der Al'Anfa neue Größe und neuen Ruhm verspricht, setzen sie alles daran, ihre Figuren in Stellung zu bringen. Doch Amir Honak, der Patriarch und höchste Borongeweihte des Imperiums, verweigert dem Schwarzen General den Segen, denn der düstere Totengott schweigt. Die Truppen stehen vor den Toren und langweilen sich, der Boronszug droht zu scheitern. Während tief unter dem Silberberg Verschwörer den Sturz des Generals voranreiben, sammeln sich in den Dschungeln vor der Stadt jene Unzufriedenen, die schon einmal die blutigen Hände gegen die Herren Al'Anfas erhoben haben. Es ist Zeit, neue Bündnisse zu schließen. Doch wem kann man vertrauen in dieser Stadt, in der sich jeder selbst der nächste ist? Es handelt sich um einen Sammelband der beiden Romane Rabenerbe und Rabenbund.

Heike Wolf (geb. 1977) lebt und arbeitet in Marburg. Wenn sie nicht gerade Romane schreibt, unterrichtet sie Geschichte und Latein an einem Gymnasium und verbringt ihre Abende mit Rollenspiel. Mit DSA beschäftigt sie sich seit Mitte der 1980er Jahre, ihre Liebe zum tiefen Süden Aventuriens kam mit der ersten Al'Anfa-Box 1994. Seitdem lässt sie die Region nicht mehr los. Aus ihrer Feder stammen der Roman Rabengeflüster (2004; mit Anja Jäcke und Alex Wichert) und der Kampagnenband Rabenblut (2011), die die jüngsten Geschehnisse in Al'Anfa geprägt haben. Neben ihrer Tätigkeit für DSA hat sie auch historische Romane verfasst.
  • Deutsch
  • 2,96 MB
978-3-96331-805-4 (9783963318054)
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I

Esmeraldo

Ein Kitzeln am Bauch weckte ihn aus dem Dämmern. Neben ihm regte sich die Sklavin und schob träge ein Bein über seinen Oberschenkel. Ihr Gesicht ruhte auf seiner Schulter, während ihre Fingerspitzen die Konturen der Muskeln unter seiner Haut nachzeichneten. Ihre Wangen waren gerötet und die Haare zerzaust vom ausgiebigen Liebesspiel, dessen Geruch noch in der Luft hing.

»Ihr seid wundervoll, Herr.« Ihre Stimme war ein dunkles Gurren, rauchig von dem Rauschkraut, das sie genommen hatten. »Aber vermutlich bin ich nicht die Erste, die Euch das sagt.«

»Das bist du nicht.« Esmeraldo gähnte, während er in das schummrige Licht der Öllampen blinzelte, die über dem Bett an der Decke befestigt waren. Die See war ruhig, sodass sie nur sacht im Rhythmus der Dünung hin und herschaukelten und gedämpfte Schatten an die Wände der Kajüte warfen. Draußen schrie ein Seevogel, und das Poltern schwerer Stiefel verklang unter dem gleichmäßigen Trommelschlag, der die Rudersklaven in den Takt zwang. Esmeraldo fuhr nicht gerne zur See, trotz der zweifellos komfortablen Unterkunft, die man ihm an Bord der Paligana Septima zur Verfügung gestellt hatte. Aber Goldos Nachricht war zumindest in diesem einen Punkt eindeutig gewesen - er hatte sich zu beeilen.

Esmeraldo seufzte stumm, während er an seinen Präfektenpalast in Sylla dachte, den er zurückgelassen hatte. Nicht, dass er viel Verlangen danach verspürte, sich länger mit aufsässigen Freibeutern und Piraten aus Charypso herumzuschlagen, aber die Macht seines Amtes hatte ihm durchaus gefallen. Als Präfekt und Statthalter hatte er die Interessen des Imperiums mit harter Hand durchgesetzt. Das war auch nötig in dieser Stadt, die erst seit einigen Jahren unter dem Rabenbanner stand und sich nur schwer an Ketten und Geißel gewöhnen mochte. Er hatte seine Sache durchaus gut gemacht, wie er fand, sodass ihn Goldos Nachricht unvorbereitet erreicht hatte. Er sollte sich unverzüglich in Al'Anfa einfinden, hatte das Oberhaupt des Hauses Paligan geschrieben, als reichte das als Erklärung vollkommen aus. Nicht, dass Esmeraldo eine solche erwartet hätte. Ein Goldo Paligan bat nicht, er befahl. Vielleicht hätte er beunruhigt sein sollen, aber es war nicht seine Art, sich Sorgen über Dinge zu machen, die er nicht beeinflussen konnte. Was immer sein Großonkel von ihm wollte, es war wichtig genug, ihm den Nachfolger im Präfektenamt gleich mitzuschicken, sodass Esmeraldo keine Erwartungen hegte, nach Sylla zurückzukehren. Nein, seine Zukunft lag in der großartigsten aller Städte - in Al'Anfa.

Ein zufriedenes Lächeln strich über seine Züge, was die Sklavin dazu veranlasste, ihre Finger ein wenig tiefer wandern zu lassen. Khaya hieß sie. Goldo hatte sie ihm geschenkt, als er sein Amt in Sylla angetreten hatte. Fünf Jahre waren eine ungewöhnlich lange Zeit, um bei einer Sklavin zu verweilen, aber Khaya war besonders, sodass er kein Verlangen verspürt hatte, sie zu ersetzen.

»Was würde Euch nun gefallen, Herr?« Wie dunkler Samt glitten die Worte über ihre Lippen. »Ich habe neulich ein paar Dinge gelernt, die ich Euch noch gar nicht gezeigt habe. Interessante Dinge. Ihr werdet mich um Erlösung anflehen, das verspreche ich Euch.«

»Mach keine Versprechungen, die du nicht halten kannst.« Esmeraldo hob die Hand, um durch ihr duftendes Haar zu streichen. »Sonst könntest du es bereuen.«

Die Sklavin lachte leise, ohne das Spiel ihrer Finger zu unterbrechen. »Ihr wisst, ich bereue nie, was Ihr mit mir tut, Herr.« Bei den letzten Worten hatte sie die Stimme zu einem Raunen gesenkt, und auch wenn Esmeraldo wusste, dass sie lediglich gut schauspielerte, gefiel ihm die sehnende Unterwürfigkeit, die sie an den Tag legte. Es gab viele perfekt ausgebildete Sklaven, die wussten, wie sie ihren Herren zu gefallen hatten, aber nur wenige, denen es gelang, darüber hinaus den Anschein echter Hingabe vorzugaukeln. Seine Hand grub sich in ihr Haar und packte es grob, sodass sie einen ergebenen Seufzer ausstieß. Sie hatte schönes Haar, samtweich und hell wie das Sonnenlicht auf der Goldenen Bucht.

»Wir werden sehen«, ließ er sie wissen und schloss mit einem zufriedenen Brummen die Augen. »Zeig mir, was du gelernt hast, und ich werde darüber befinden, ob es mir gefällt.«

Sie lachte erneut, ein verführerisches Lachen, ebenso bewusst gesetzt wie die Berührung ihrer Schenkel, als sie sich aufrichtete. »Entspannt Euch, Herr.« Sie beugte sich vor, sodass die Spitzen ihres Haars über seine Haut strichen. »Ihr hattet eine anstrengende Zeit.«

Esmeraldo ließ den Kopf zurücksinken. Es war ein guter Gedanke gewesen, sie mitzunehmen, damit er nicht an die endlosen Tiefen unter dem Rumpf der Galeere nachdenken musste.

Ihre Berührungen begannen gerade, ihm ein leises Stöhnen zu entlocken, als eine harte Stimme und ein energisches Klopfen ihn unsanft aus den wohligen Gedanken rissen.

»Don Esmeraldo? Seid Ihr da?«

Esmeraldo atmete tief ein und öffnete die Augen. Unter anderen Umständen hätte er die Störung geflissentlich ignoriert und den Verantwortlichen zu einem späteren Zeitpunkt seinen Unmut spüren lassen, aber die Stimme gehörte der Capitana, der einzigen Person an Bord, die er zu seinem Leidwesen nicht übergehen konnte.

»Was gibt es?«, rief er ungehalten. »Ich hoffe sehr für Euch, dass es wichtig ist.«

»Ich sollte Euch mitteilen, wenn wir Al'Anfa erreichen. Der Visra ist bereits in Sicht. In einem knappen Stundenglas laufen wir im Hafen ein.«

In einer Stunde ...

Esmeraldo stieß einen Fluch aus und schob die Sklavin zur Seite, die mit einem erschrockenen Laut vom Bett rutschte. Er rechnete nicht damit, dass man ihm einen triumphalen Empfang bereitete, dazu war Goldos Nachricht zu knapp, zu kurzfristig und vor allem nicht förmlich genug gewesen. Aber er sollte sich an Deck zeigen, wenn sie einliefen. Falsche Bescheidenheit hatte noch niemanden nach oben gespült, am allerwenigsten in der Stadt des Raben. Man nannte Goldo schließlich auch deshalb den Großartigen, weil er sich mit Gold und nicht mit Asche bestäuben ließ.

»Ihr werdet erst einlaufen, wenn ich bereit bin«, befahl er barsch in Richtung der Tür. »Geht auf Euren Posten.«

»Sehr wohl, Don Esmeraldo.« Die Antwort kam klar und zackig. »Ich schicke Euch Euren Leibburschen.«

Die Schritte entfernten sich.

Esmeraldo schwang die Beine aus dem Bett und schob die braunen Haare mit einer unwilligen Handbewegung zurück über die Schultern. »Steh auf«, herrschte er die Sklavin an, die sich die Lippe rieb. »Und zieh dir etwas an. Wir sind da.«

Fünf Jahre hatte er in Sylla verbracht. Doch nun würde er endlich heimkehren. Nach Al'Anfa.

Als er wenig später an Deck trat, fühlte er sich bereit, der Welt die Zähne zu zeigen. Esmeraldo zählte zu jenen Granden, die zu jung waren, um nach jahrelanger Schwelgerei fett und aufgedunsen zu sein oder hager und eingefallen vom Rauschkraut. Ehe man ihn nach Sylla entsandt hatte, um die unruhige Piratenstadt zu verwalten, hatte er unter Oderin du Metuant gedient. Der harte Drill des Generals hatte ihm nicht nur politisch genutzt, sondern ihn auch körperlich gestählt. So hatte er auch nach den Jahren in Sylla noch immer die breitschultrige Figur eines Soldaten, die durch die lange Weste und die breite Schärpe vorteilhaft betont wurde. Sein Gesicht war kantig, befehlsgewohnt, wie seine Leibmagierin einmal trocken festgestellt hatte, aber nicht unansehnlich. Nur seine Augen standen eine Wenigkeit zu eng beieinander, bei aller Perfektion ein Ärgernis, aber eins, das zu verschmerzen war. Ja, er war ein Glücksfall für seinen Großonkel, der ihn erst in den letzten Jahren wirklich wahrgenommen hatte. Doch das würde sich nun ändern.

Die Capitana stand an der Reling. Als er nähertrat, drehte sie sich mit einer schneidigen Bewegung zu ihm um und neigte den Kopf.

»Don Goldo hat mich beauftragt, Euch dies zu geben, sobald wir die Stadt erreichen«, teilte sie mit und reichte ihm ein sorgsam gefaltetes Papier. »Ihr sollt es lesen und gemäß seinen Anordnungen verfahren.«

»Anordnungen?« Esmeraldo hob eine Augenbraue, nahm das Schreiben aber entgegen. Kurz blieb sein Blick an dem Siegel hängen, das eine protzige Krone...

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