Ganz aus Versehen verliebt

 
 
Francke-Buch (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Juni 2019
  • |
  • 336 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96362-952-5 (ISBN)
 
Texas, 1879:
Nach einem Zugunglück sind drei Waisenkinder plötzlich auf sich allein gestellt: Evangeline, die mit zwei unterschiedlichen Augenfarben geboren wurde und durch das Unglück ihren leiblichen Bruder verliert; Seth, der unter Asthma leidet; und der Herumtreiber Zach, der im Waisenhaus als unvermittelbar gilt. Um zu überleben und einander zu unterstützen, schließen sich die Kinder zusammen und gründen eine neue kleine Familie.
15 Jahre später zieht Logan Fowler auf das Nachbargrundstück des außergewöhnlichen Trios. Er hat eine Mission: Rache an dem Mann, der seinem Vater einst beim Pokerspiel Haus und Grund abnahm. Doch dieser Mann ist niemand anderes als Zach Hamilton. Und dessen Ziehschwester Evangeline droht Logan mit ihrer fröhlichen Art einen gehörigen Strich durch die Rechnung zu machen .
Auflage
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 0,43 MB
978-3-96362-952-5 (9783963629525)
weitere Ausgaben werden ermittelt

PROLOG

1879 - Fannin County, Texas

»Verliert nicht den Mut, Kinder. Wir haben noch einige Familien in Bonham. Ich bin mir sicher, wir finden für alle von euch ein gutes Zuhause.«

Die vierjährige Evangeline Pearson lächelte die Dame von der Kinder-Hilfsgesellschaft an, als diese den Gang des Zugabteils entlangschritt und sich dabei immer wieder an den leeren Sitzen festhielt, damit sie während der Fahrt nicht das Gleichgewicht verlor. Sitze, die zu Beginn ihrer Fahrt in New York noch voller Kinder gewesen waren.

Miss Woodson gab Evie immer ein gutes Gefühl. Auch nach sieben . acht . Evie zog ihre Nase kraus und nahm die Finger zu Hilfe, als sie versuchte nachzurechnen. Wie viele Zwischenstopps hatten sie gemacht? Als ihr die Finger ausgingen, gab sie auf, atmete lautstark aus und ließ ihren Kopf gegen die hölzerne Sitzbank sinken. Es war egal. Niemand hatte sie bisher gewollt. Doch Miss Woodson hatte versprochen, ein Zuhause für sie und Hamilton zu finden und Evie glaubte ihr. Sie war so ein netter Mensch. Ganz im Gegensatz zu der echsenartigen Frau, die steif und reglos vorne im Zugabteil saß.

Als hätte Mrs Dougal Evies Gedanken gehört, wandte sie sich um und warf einen finsteren Blick nach hinten. Die hervortretenden Augen und die zusammengepressten Lippen ließen Evie erschauern. Sie barg ihr Gesicht an der Schulter ihres Bruders.

»Hab keine Angst vor ihr«, flüsterte Hamilton und legte den Arm um ihre Schultern. Mit neun Jahren war Hamilton viel größer und stärker als Evie und er fürchtete sich vor nichts. Selbst als Mama und Papa gestorben waren, war er stark geblieben. Oder als das Waisenhaus beschlossen hatte, dass die Geschwister den Waisenzug nach Westen nehmen sollten. Niemals hatte er geweint oder Angst gehabt. Er hatte sie nur fest umarmt und ihr versprochen, dass alles gut werden würde. Er war der mutigste Junge, den es jemals gegeben hatte.

»Sie mag mich nicht.« Evie wagte einen kurzen Blick in Richtung der Echsenfrau, die sie aber immer noch finster anstarrte, und versteckte sich weiter hinter ihrem Bruder. »Es liegt an meinen Augen, stimmt's?«

Hamilton schob seine Hände unter ihre Achseln und zog sie auf seinen Schoß. Er hob ihr Kinn und blickte sie direkt an. »Mit deinen Augen ist alles in Ordnung, Evie. Sie sind wunderschön. Ein Gottesgeschenk. Weißt du noch, was Mama immer gesagt hat?«

Evies Kinn zitterte. An Mama zu denken, machte sie immer traurig. Dann wünschte sie sich, dass alles wieder so wäre wie früher. Dass Mama sie im Schaukelstuhl auf dem Arm hielt und ihr Lieder vorsang. Dass Papa sie durch die Luft wirbelte mit diesem lauten Lachen, bei dem sie immer kichern musste. Sie wünschte sich zurück in ihr Zimmer mit den Rosentapeten. Ihrem Bett mit der rosa Zudecke und dem weichen Kissen. Aber das alles war weg. Sie waren weg. Für immer.

»Was hat Mama gesagt?«, ließ Hamilton nicht locker.

»Dass nur ganz besondere kleine Mädchen zwei verschiedene Augenfarben haben«, murmelte Evie. Sie wollte glauben, dass das stimmte. Wirklich. Aber wenn die beiden verschiedenen Augen sie so besonders machten, warum wollte sie dann niemand haben?

Hamilton nickte. »Das stimmt. Und weißt du was?«

Evie sah ihren Bruder an und beneidete ihn um seine gleichfarbigen braunen Augen. »Was?«

»Ich wünschte, ich hätte auch solche Augen.«

»Wie meine?« Evie lehnte sich zurück und legte die Stirn in Falten. »Warum? Dann würde dich ja auch niemand wollen.«

Hamilton lächelte und tippte ihr mit dem Finger auf die Nase. »Jedes Mal, wenn du in einen Spiegel blickst, kannst du sehen, wie Mama und Papa dich anschauen. Mama mit einem blauen Auge, Papa mit einem braunen. Und dann weißt du wieder, wie sehr sie dich geliebt haben. Es ist wie früher, wenn sie uns umarmt haben. Weißt du noch, wie sie uns immer zwischen sich genommen haben?«

Evie nickte langsam. Oh ja, daran erinnerte sie sich. Es war warm gewesen und sicher. Sie in ihrem Nachthemd in Mamas Armen, die Beine um Mamas Taille geschlungen. Mama hatte süß gerochen und ihre langen Haare hatten Evies Füße gekitzelt. Papa hatte wie ein hungriger Bär gebrummt und gesagt, er brauchte ein Evie-Sandwich, bevor er sich Mama geschnappt hatte und sie Evie zwischen sich umarmt hatten. Ihre Köpfe waren dicht beisammen gewesen. Und dann die Augen . Mamas strahlend blaue auf Evies linker, Papas funkelnde braune auf ihrer rechten Seite. Genau wie ihre eigenen!

Ein Lächeln machte sich auf Evies Gesicht breit. »Oh, Ham-ton, du hast recht! Ich habe die allerbesten Augen!«

Er umarmte sie - nicht so fest, wie Papa es immer getan hatte, aber trotzdem warm und voller Liebe. »Vergiss das nie«, sagte er, während er sie an sich drückte.

Als Evie sich in die Arme ihres Bruders schmiegte, konnte sie die Stimmen aus dem vorderen Teil des Abteils hören.

»Bonham ist der letzte Halt«, sagte die Echsenfrau, als Miss Woodson sich neben sie setzte. »Ich weiß nicht, warum wir uns überhaupt solche Mühe geben. Niemand wird diese Sonderlinge aufnehmen. Zacharias macht den Frauen Angst und bringt die Männer mit seiner aggressiven Art auf die Palme. Seth ist so schwach, dass er kaum den Winter überstehen wird. Und dann noch Evangeline. Sie ist zwar lieb, aber mit ihren unnatürlichen Augen verunsichert sie anständige Menschen. Himmel, sie verunsichert mich

»Senk deine Stimme, Delphinia«, zischte Miss Woodson. »Die Kinder können dich hören.« Sie lächelte Evie entschuldigend an. Das Lächeln konnte dem gemeinen Kommentar der Echsenfrau nicht den Stachel nehmen, doch so konnte Evie versuchen ihn zu ignorieren. Zum ersten Mal dachte sie darüber nach, wie die anderen Kinder sich fühlen mussten. Evie krabbelte zurück auf ihren Sitz und blickte nach hinten zu den anderen beiden Jungen, die wie sie selbst und ihr Bruder noch übrig waren. Drei Reihen hinter ihnen saß ein Junge in Hamiltons Alter. Doch er sah vollkommen anders aus als ihr Bruder. Er war dürr und blass und der neue Mantel, den er von der Kinder-Hilfsorganisation bekommen hatte, war ihm viel zu weit. Der Junge starrte aus dem Fenster, die Schultern schlaff nach unten hängend, die Brust eingesunken. Und jedes Mal, wenn ein wenig Ruß von draußen hereindrang, musste er husten.

Der andere Junge saß ganz hinten in der letzten Reihe auf der anderen Seite des Waggons. Seinen Rücken hatte er in die Ecke des Abteils gelehnt, sein Bein lag ausgestreckt auf der Bank und den Hut hatte er ins Gesicht gezogen. Jedoch nicht so tief, dass Evie seine Augen nicht hätte sehen können. Sie waren dunkel, genau wie der Rest von ihm. Dunkle Kleidung, dunkles Haar, dunkel gebräunte Haut. Er hatte sogar schon dunklen Bartflaum auf den Wangen. Doch seine dunkelblauen Augen ließen sie erschaudern. Vor allem, wenn er sie direkt anstarrte, wie er es jetzt gerade tat.

Sie glaubte nicht, dass Zach irgendwelche Freunde hatte. Er war immer allein gewesen, selbst zu der Zeit, als der Zug noch voller Kinder gewesen war. Sie hatte Hamilton, Zach hatte niemanden. Das war traurig - jeder brauchte doch einen Freund.

Evie lächelte und winkte Zach zaghaft mit der Hand zu.

Zach blitzte sie an und zeigte seine Zähne wie ein knurrender Hund.

Schnell riss Evie ihre Finger zurück und ließ sich auf ihren Sitz fallen. Vielleicht brauchten manche Leute doch keine Freunde.

»Ich habe schon oft Kinder in Bonham vermittelt«, sagte Miss Woodson. »Ich bin mir sicher, es wird alles gut gehen.«

Mrs Dougal schnaufte. »Das einzige Kind, das wir dort vermitteln werden, ist der Pearson-Junge. Ihn wollten schon einige Familien haben. Wir müssen ihn nur von seiner Schwester trennen.«

Eine Trennung von Hamilton? Evies Herz schlug so heftig in ihrer Brust, dass sie Angst hatte, es könnte herausspringen. Sie klammerte sich an ihren Bruder und hielt sich an ihm so fest, wie sie konnte.

»Aber es ist so schrecklich für die Kinder, wenn man sie voneinander trennt«, widersprach Miss Woodson.

»Es wird schlimmer für sie sein, wenn sie in den Straßen New Yorks landen, weil niemand sie haben will. Ich finde, wenn wir einen von ihnen retten können, dann sollten wir das tun. Manchmal sind die harten Entscheidungen die richtigen Entscheidungen.« Mrs Dougal warf Evie und Hamilton über ihre Schulter einen schnellen Blick zu, bevor sie sich wieder Miss Woodson zuwandte. »Es gibt keinen Grund, die Chancen des Jungen zu schmälern, nur um ein paar Tränen zu vermeiden. Sie werden sich schon wieder von ihrem Kummer erholen.«

Evie starrte Miss Woodson an. Sie wollte sie dazu bringen, dass sie der Echsenfrau widersprach. Doch das tat sie nicht. Stattdessen biss sich Miss Woodson auf die Unterlippe und nickte.

»Sie dürfen uns nicht trennen, Ham-ton!«, flüsterte Evie ihrem Bruder eindringlich zu, damit die Echsenfrau sie nicht hörte. »Bitte.«

Hamilton drückte ihre Hand und reckte das Kinn in die Höhe. »Mach dir keine Sorgen. Das werden sie nicht.« Er hielt ihre Hand weiter fest, erhob sich und zog Evie mit sich den Gang hinunter. »Komm. Ich muss mit Zach sprechen.«

Mit dem gruseligen Jungen hinten im Wagen, der sie gerade angeknurrt hatte? Evie blieb stehen. »Ich will nicht .«

Hamilton stieß den Atem aus und warf ihr einen seiner »Benimm dich nicht wie ein Baby«-Blicke zu. »Er ist ein Kind genau wie wir, Evie. Und er kann uns helfen.«

Er war auf keinen Fall...

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