Eloise: Sammelband zur düster-romantischen Fantasy-Serie "Eloise"

 
 
Carlsen (Verlag)
  • erschienen am 14. Mai 2020
  • |
  • 808 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-646-60620-1 (ISBN)
 
**Kämpfe für das Gute und werde zur Heldin**
Eloise lebt in einer rauen und unerbittlichen Welt, in der jeder Tag ein Kampf ums Überleben ist. Doch sie hat ein Geheimnis, von dem nur sehr wenige wissen: Stets darauf bedacht, im Verborgenen zu wirken, setzt sie sich für die Armen ein, um ihnen in ihrem tristen Alltag ein wenig Hoffnung zurückzugeben. Dabei geht Eloise ein großes Risiko ein, und als sie schließlich enttarnt wird, scheint alles verloren. Doch gerade der Mann, der ihrer Existenz ein Ende bereiten könnte, ist ebenfalls viel mehr, als er zu sein vorgibt .
"Die rote Königin" meets "Robin Hood"
Jessica Wismar hat mit Eloise eine starke und entschlossene Heldin erschaffen, die bereit ist, für ihre Überzeugungen alles zu riskieren. Dieser Fantasy-Liebesroman ist ein Muss für alle, die gern packende und zugleich romantische Buchserien lesen.
//Dies ist der Sammelband zur düster-romantischen Fantasy-Serie "Eloise" bei Impress. Er enthält alle Bände der Reihe:
-- Eloise 1. Hinter den Mauern des Feindes
-- Eloise 2. Inmitten der Dunkelheit//
Diese Reihe ist abgeschlossen.
weitere Ausgaben werden ermittelt
Neujahr 1990 wurde Jessica Wismar als zweite von vier Töchtern geboren. Was mit dreizehn Jahren als emotionales Ventil diente, wurde über die Jahre zu einer Leidenschaft und Texte, die zunächst nur für sie selbst bestimmt waren, dürfen jetzt auch andere begeistern. Als Mittlere war es für Jessica schon immer wichtig auch die andere Seite zu verstehen, was sie in ihre Charaktere einfließen lässt. Dadurch werden die Figuren facettenreich, was einen bis zum letzten Wort mitfiebern lässt.

Kapitel 1


Der Umhang wehte hinter ihr her. Einen Haken um die Kisten in der Gasse schlagen, dann mit dem Fuß gegen die Wand treten, um sich in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen, ohne das Tempo drosseln zu müssen. Sie hatte gelernt, wie man um Häuserecken herumkam, ohne langsamer zu werden. Sie hatte es lernen müssen. Das Knattern, das ihr Umhang im Luftzug ihres Sprints machte, war ein vertrautes Geräusch, eines, das sie gerne hörte. Ein leichtes Schmunzeln schlich sich in ihre Mundwinkel und schon ging es um die nächste Ecke. Wie sie in diese Situation gekommen war? Wie immer natürlich.

Sie huschte in ein Geschäft, nahm in einer fließenden Bewegung den Umhang ab und faltete ihn so, dass die hellblaue Innenseite ihres grauen Umhangs nach außen über ihrem Arm lag. Die Idee mit den zweifarbigen Kleidungsstücken hatte sie von den Reichen. Diese liebten es, ausgefallene Kleidung zur Demonstration ihres Reichtums zu tragen. Über so modischen Mist musste sie sich wirklich keine Gedanken machen. Sie hatte ganz andere Probleme. Aber diese Idee mit dem wendbaren Mantel war genial für sie, wenn sie mitten in der Masse untertauchen wollte. Das Verschwinden direkt vor deren Augen hatte sie inzwischen perfektioniert. Es war viel einfacher, mitten in der Öffentlichkeit unsichtbar zu werden als in einer dunklen Gasse. Mitten in der Menge rechnete niemand damit.

»Junge Dame, das ist kein Geschäft für Leute wie dich«, empfing sie einer der Verkäufer und trat hinter seiner Kasse am Tresen vor. Er trug ordentliche Kleidung, kein Fleck, nicht einmal ein Fussel war auf seinem dunklen Herrenanzug. Im Gegensatz zu dem Fetzen, den sie trug.

In ihrem speckig grauen Shirt waren überall kleine Löcher, der Saum war ausgefranst und Dreck hatte das gute Stück auch nicht wenig abbekommen. Ihre Jeans sah fast noch schlimmer aus. Offene Knie, notdürftig geflickte Löcher, die bereits wieder einrissen, und Schlammspritzer sogen sich an den Hosenbeinen fest.

»Ich wollte es mir nur mal ansehen«, erklärte sie sich und tat so, als würde sie sich für die Ware interessieren. Feine Mode für die Reichen der Gesellschaft. Das war doch sehr authentisch .

Sie sah aus wie ein Gossenmädchen, dessen Rolle sie sehr gerne spielte. Kein Geld, um sich täglich etwas zu essen zu leisten, und so mager, dass man ihr die neunzehn Lebensjahre nicht ansah.

Aber selbst wenn man ihr wahres Alter erkannte, würde niemand sie für die große Ketzerin halten. Deren Reden, Weisheiten, Weitsicht und kluge, besonnene Herangehensweise hatten das Bild einer gestandenen Frau in die Köpfe der Menschen gepflanzt; und ihre Anhänger schürten dieses Bild, wann immer sie konnten.

In diesem Moment rannten die Ordensbrüder draußen am Geschäft vorbei. Sie spannte sich an. Würde er den Zusammenhang begreifen? Die Schritte der kleinen Gruppe, die eigentlich gerade hinter ihr her war, waren noch nicht verhallt, da warf der Verkäufer ihr schon einen wissenden Blick zu. Verdammt.

Dieser hier war leider etwas scharfsinniger als die meisten anderen. Er hob eine Augenbraue und schaute demonstrativ hinter ihr auf die Straße. »Ich denke, ich rufe einen Nicolaner. Vielleicht will sich der auch nur mal ansehen, was du so an deinem Körper versteckt hast.«

Sie schnaubte. Kleider machten eben Leute, besonders in der heutigen Zeit. Zum Glück hatte niemand auch nur die geringste Ahnung, was sie vor ihnen verbarg. Das hieß, das stimmte nicht ganz.

»Security!«, rief er und sofort kam der Wachmann vom Eingang auf sie zu.

Bevor dieser sie mit seinen Pranken fassen konnte, duckte sie sich drunter hinweg, sodass er die Luft umarmte. Sie war flink und wendig. Flinker und wendiger, als sie sein sollte, als irgendjemand sein sollte. Aber man lernte die außergewöhnlichsten Dinge, wenn man Hunger hatte.

Eloise ließ sich tiefer in den Laden treiben. Der Verkäufer huschte hinaus vor die Tür und entzündete einen vorbereiteten Holzhaufen, der sofort anfing heftig zu rauchen. Auf diese Weise wurden die Nicolaner auf den Ort eines Verbrechens aufmerksam gemacht. Das war ein Kommunikationssystem, das sich in den letzten zehn Jahren etabliert hatte. Die Organisation, die frühere Generationen als Polizei kannten, war auf ein Minimum zusammengeschrumpft, und nach der großen Katastrophe hatten staatliche Organisationen wie die Polizei einfach kein Standing mehr gehabt. Sie waren dem Erdboden gleichgemacht worden und durch eine an Hass grenzende Ablehnung innerhalb der Gesellschaft auch nie wieder neu entstanden. Sie waren nach der großen Katastrophe niedergemacht, ihre Autos und Gebäude niedergebrannt und jeder, der mit einer Uniform herumlief, war angegriffen worden.

In den ersten zwanzig Jahren nach der Katastrophe waren alle staatlichen Organisationen, die versucht hatten Ordnung in das zu bringen, was übrig geblieben war, von den Menschen angegriffen worden. Selbst die Armeen. An die Stelle des Staats war schließlich der Glaube getreten.

Sie wartete hinter einem Kleiderständer darauf, dass der Wachmann auf sie zukam, doch er stand nur da und sah sie grimmig an. Sein adretter Anzug im Marineblau der Diener der Reichen spannte über den dicken Muskeln des Mannes. Er würde von seiner Statur eher ins Hafenviertel passen als hier in einen Laden der Reichen.

Sie federte auf ihren Fußballen und machte sich bereit zu reagieren, doch dann wurde ihr klar, dass der Wachmann lediglich vorhatte den Ausgang zu sichern, bis die Nicolaner hier waren. Das trieb ein wildes Grinsen auf ihr Gesicht.

Diese Idioten. Wussten sie denn nicht, dass sie ein weitläufiges Netz an Fluchtwegen in der Stadt hatte? Unter den Armen war es allgemein bekannt. Wie ignorant musste man sein, um die niedere Bevölkerung so zu unterschätzen?

Eloise zog sich rückwärts in eine Umkleidekabine zurück und achtete nicht auf die Frau, die sich panisch das Kleid vor die Brust hielt und schrie. Ihre Rundungen und die scheinbar makellose Haut interessierten Eloise wenig, aber was dahintersteckte . Keine Narben von Krankheiten, gegen die sie behandelt worden war. Keine hervorstehenden Knochen, da sie täglich ausreichend zu essen bekam.

Dank der Katastrophe war der Spalt zwischen Arm und Reich noch größer geworden. Während die Reichen sich extravagante Luxusgüter leisteten, kämpften die Armen in ihren Dreckslöchern ums Überleben und fühlten sich manchmal mehr wie Sklaven denn wie freie Menschen.

Eloise stemmte Arme und Beine gegen die Kabinenwand aus glattem Kiefernholz und kletterte den kurzen Abstand bis zur Decke. Dort hob sie eine Zierleiste an, der man zuvor nicht angesehen hatte, dass sie lose war. Sie hievte sich durch das Loch in die Zwischenebene. Eigentlich ein dämlicher Schachzug, denn die abgehängten Decken in den Geschäften hielten keine Last aus. Aber sie konnten alle nicht wissen, dass hier ein Zugang zu einer ihrer Fluchtstraßen war.

Ihr Gewicht auf den Stützstreben balancierend hob sie ihre Beine bis hinauf zur Betondecke, in der ein durch die abgehängte Decke verborgenes Loch war, der Zugang. Sie schob sich hinauf durch das Loch im Beton, stützte sich dabei an den rostigen, rauen Stahlstreben ab, die aus der Masse in das Loch ragten, und kroch dann den Gang entlang, den es eigentlich gar nicht gab. Damit verriet sie ihnen zwar einen ihrer Fluchtwege, aber für Situationen wie diese waren die Wege schließlich angelegt worden. In Notfallsituationen musste sie dann ab und zu einen ihrer Wege verraten, das ließ sich nicht vermeiden.

Eloise robbte auf ihren Unterarmen den niedrigen Gang entlang. Schon um zu krabbeln war dieser Gang nicht hoch genug. Sie passte kaum hindurch und bei der kriechenden Bewegung kam natürlich neuer Schmutz auf ihre Kleidung und der Mantel, den sie immer noch festhielt, war ganz schön lästig in dem engen Schacht. Ständig blieb das gute Stück an der rauen Oberfläche oder weiteren Metallstreben hängen. Sie musste penibel darauf achten, dass ihr Mantel nicht an den rauen Oberflächen oder Metallstreben hängen blieb und riss. Zumindest hatte es den Vorteil, dass die Nicolaner, die sie so gern verfolgten, nicht hinterherkamen. Einmal war einer in einem der Fluchtgänge stecken geblieben und wäre darin auch verreckt, wenn sie nicht eine ihrer Mäuse losgeschickt und einen Pöbel verursacht hätte, der dann den entscheidenden Tipp in seine Rufe eingebaut hatte.

Das Richtige zu tun bedeutete, ihre Hilfe jedem Menschen anzubieten auch jenen, die sie jagten und töten wollten. Eloise hatte vor sieben Jahren entschieden einfach nur das Richtige tun zu wollen, damit ein paar mehr Menschen die Chance auf Gerechtigkeit hatten und das hatte sie dann auch getan. Sie hatte sich nicht von Angst und Gefahr bremsen lassen. Ihr Leben, es war nichts wert gewesen. Wovor hätte sie also Angst haben sollen und für was sollte es eine Gefahr geben?

Natürlich konnte es passieren, dass das Richtige zu tun nicht die Gerechtigkeit nach sich zog. Denn Gerechtigkeit war etwas anderes als das Richtige. Jeder Mensch bestimmte subjektiv für sich selbst, was er für richtig hielt. Moral und Ethik dagegen sagten einem, was gerecht war. Nur hatten diese Werte in der heutigen Zeit wenig Platz in der Gesellschaft. Die Werte ihrer Zeit waren je nach Viertel sehr unterschiedlich, aber immer auf das Ich zentriert.

Ja, so hatte es damals angefangen, mit dem inbrünstigen Wunsch, für mehr Gerechtigkeit zu sorgen. Damals hatte sie nichts zu verlieren gehabt. Sie hatte nie eine Legende werden wollen, hatte sie wirklich nicht.

Aber jetzt war das anders. Sie hatte etwas bewegt. Sie stand für Hoffnung. Jetzt gab es Dinge, die sie fürchtete, Dinge, für die ihr Handeln eine Gefahr darstellte. Das machte es schwerer, das Richtige zu tun. Aber sie behielt ihre...

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