Lore-Roman 83 - Liebesroman

Einsam war mein Herz
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Juli 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7517-0015-3 (ISBN)
 
Ilonas junges Herz ist schwer, denn sie hat vor wenigen Monaten ihre geliebte Mutter verloren. Seitdem wohnt sie bei Familie Brücks, die sie als Pflegetochter zu sich genommen hat. Während die Tante sie liebt, als wäre sie ihr eigen Fleisch und Blut, lässt der Onkel sie immer wieder spüren, dass sie unerwünscht ist. Ilona leidet sehr unter den ständigen Streitereien. Ihr einziger Lichtblick ist Pflegebruder Holger, der sie so zärtlich umsorgt. Leider kommt der tüchtige Ingenieur nur selten nach Hause. So vergehen die Jahre. Ilona hat sich zu einer sehr schönen jungen Frau entwickelt, aber die Feindschaft ihres Pflegevaters hat sie ernst und scheu werden lassen. Nur wenn Holger nach Hause kommt, lebt sie merklich auf. Je älter Ilona jedoch wird, umso zurückhaltender wird sie auch Holger gegenüber. Er zerbricht sich vergebens den Kopf, warum Ilona ihm ausweicht. Er ahnt ja nicht, dass Ilona ihn abgöttisch liebt. Und als Holger eines Tages seine zukünftige Braut mit nach Hause bringt, da möchte Ilona am liebsten sterben ...
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 3,47 MB
978-3-7517-0015-3 (9783751700153)

Einsam war mein Herz

Ein dramatischer Schicksalsroman

Von Helga Winter

Ilonas junges Herz ist schwer, denn sie hat vor wenigen Monaten ihre geliebte Mutter verloren. Seitdem wohnt sie bei Familie Brücks, die sie als Pflegetochter zu sich genommen hat. Während die Tante sie liebt, als wäre sie ihr eigen Fleisch und Blut, lässt der Onkel sie immer wieder spüren, dass sie unerwünscht ist. Ilona leidet sehr unter den ständigen Streitereien. Ihr einziger Lichtblick ist Pflegebruder Holger, der sie so zärtlich umsorgt. Leider kommt der tüchtige Ingenieur nur selten nach Hause.

So vergehen die Jahre. Ilona hat sich zu einer sehr schönen jungen Frau entwickelt, aber die Feindschaft ihres Pflegevaters hat sie ernst und scheu werden lassen. Nur wenn Holger nach Hause kommt, lebt sie merklich auf. Je älter Ilona jedoch wird, umso zurückhaltender wird sie auch Holger gegenüber. Er zerbricht sich vergebens den Kopf, warum Ilona ihm ausweicht. Er ahnt ja nicht, dass Ilona ihn abgöttisch liebt. Und als Holger eines Tages seine zukünftige Braut mit nach Hause bringt, da möchte Ilona am liebsten sterben .

Mit gesenktem Kopf ging Ilona auf das kleine Häuschen zu, das abseits der Stadt lag. Ihr Herz war schwer, denn sie hatte vor wenigen Monaten ihre geliebte Mutter verloren. Seitdem wohnte sie bei der Familie Brücks, die sie als Pflegetochter zu sich genommen hatte.

Kaum hatte Ilona den Hof betreten, als sie heftige Stimmen vernahm. Scheu verhielt sie den Schritt. Sie hörte, dass Frau Brücks und ihr Mann sich wieder stritten.

Ilona war erst vierzehn Jahre alt, aber sie wirkte in diesem Augenblick viel älter. Ihre blauen Augen weiteten sich erschreckt, als sie ihren Pflegevater sagen hörte: "Sieh zu, wie du zurechtkommst, ich war von Anfang an dagegen, dass du dir dieses Kind ins Haus holtest. Eines sage ich dir aber heute schon, von dem Ersparten, das für Holgers Studium fortgelegt wurde, wird nichts genommen. Du hast dir die Sache selbst eingebrockt, und nun musst du sehen, wie du fertigwirst."

Frau Brücks sah ihren Mann groß an.

"Manchmal will es mir scheinen, als ob du kein Herz hättest, Peter. Ich konnte das arme Ding doch nicht einfach im Stich lassen. Ilona ist die Tochter meiner verstorbenen Freundin. Es war meine Pflicht, mich um sie zu kümmern."

"Ach, lass mich doch in Frieden mit diesen Gefühlsduseleien, Lore! Du weißt selbst, wie sehr wir sparen müssen, um unserem Jungen eine bessere Zukunft bieten zu können. Er soll einmal etwas sein im Leben. Holger ist kaum ein Jahr in der Stadt, aber sein Studium hat schon eine ganze Menge Geld verschlungen. Der Junge ist tüchtig und sparsam. Ich will einmal voller Stolz auf ihn sehen können. Ich habe keine Lust, dies alles dahinschwinden zu sehen, nur weil du dich verpflichtet fühlst, ein fremdes Kind großzuziehen."

"Ich finde, du übertreibst das Ganze, Peter. Erstens ist Ilona kein kleines Kind mehr, das man erst noch großziehen muss, und zweitens werden wir nicht gleich hungern müssen. Ich verdiene mit meiner Bügelarbeit auch eine ganze Menge. Natürlich stehen uns nicht die Mittel zur Verfügung, Ilona etwas lernen zu lassen, aber ich will versuchen, für sie eine leichte Stelle zu finden. Ich möchte sie nicht in eine Fabrik schicken. Sie soll eine Stelle bekommen, wo sie jeden Abend nach Hause kommen kann, sie soll wissen, dass sie nicht allein ist."

"Du machst ein Getue um dieses Mädchen, als ob es deine Tochter wäre. Es wäre doch gar nicht schlecht, wenn du für sie eine Stelle finden würdest, wo sie uns nur hin und wieder besuchen kommen könnte", warf Herr Brücks ein.

"Also, ich verstehe dich nicht, Peter! Was hat Ilona dir getan, dass du sie nicht magst? Das Kind ist immer freundlich und höflich zu dir, was verlangst du denn noch? Dass sie dir gegenüber schüchtern ist, ist ganz allein deine Schuld. Sie fürchtet sich vor dir, weil sie erkannt hat, dass du sie nicht magst." Mit feuchten Augen fuhr sie fort: "Mir tut oft das Herz weh, wenn ich in ihre großen, traurigen Augen sehe. Ich mag Ilona so sehr, als ob sie mein eigenes Kind wäre. Ich fühle mich verantwortlich für sie."

"Ich weiß - ich weiß", unterbrach ihr Mann sie. "Ich habe längst erkannt, was dir dieses Kind bedeutet. Ich will nicht behaupten, dass ich sie nicht mag, aber sie hat etwas an sich, das mich einfach zu diesem barschen Ton reizt. Wenn ich ihre blauen Augen so scheu auf mich gerichtet sehe, komme ich mir vor wie ein Unmensch. Ich muss sie dann ganz einfach anschreien. Und im Übrigen wäre es mir wirklich lieber gewesen, wenn du sie nicht ins Haus genommen hättest."

Ilona presste draußen auf dem Hof die Hände fest auf den Mund.

Unaufhörlich rannen ihr die Tränen die schmalen, bleichen Wangen herunter.

"Mama", flüsterte sie erstickt vor sich hin. "Warum hast du mich nur allein gelassen?"

Ihr zarter Körper wurde von einem verzweifelten Weinen geschüttelt.

Frau Brücks hob in der Küche lauschend den Kopf. Hörte es sich nicht an, als ob jemand weinte? Plötzlich schien sie zu wissen, wer es war, der so verzweifelt vor sich hin weinte. Eilig verließ sie die Küche und trat auf den Hof hinaus. In ihr Gesicht kam ein mitleidiger Ausdruck, als sie Ilona sah, die auf der Bank saß und vergebens versuchte, ihre Tränen zurückzuhalten.

"Ilona, mein Liebling, was ist denn mit dir?", fragte sie weich.

Mit einem wehen, erstickten Laut schlang Ilona die Arme um den Nacken Frau Brücks.

"Ich - ich wollte, ich wäre tot, dann wäre ich niemandem eine Last. Dann wäre ich ganz nah bei meiner Mutter. Tante Lore, warum durfte Mama nicht bei mir bleiben? Warum hat man sie mir genommen?"

Ihre Stimme versagte erneut. Ilona weinte, als ob ihr das Herz brechen wollte.

Frau Brücks nahm sie ganz fest in ihre Arme.

"So etwas möchte ich nicht wieder hören, mein Mädchen. Ich hab dich sehr lieb. Du bist nicht allein, solange ich lebe, dieses Versprechen gab ich deiner Mutter, und ich werde es halten."

Die feuchten Kinderaugen sahen sie selig an.

"Ich hab dich auch sehr lieb, Tante Lore, du bist der einzige Mensch, der gut zu mir ist. Ich - ich will nie wieder solche Worte sagen, ich will dir nicht wehtun."

"Du darfst Onkel Peters Worte nicht so tragisch nehmen, Kind, er meint es nicht so", versuchte Frau Brücks, Ilona zu beruhigen. "Du sagtest vorhin, du hättest nur mich. Hast du Holger vergessen? Weißt du nicht mehr, wie bemüht er war, dich von deinem Schmerz abzulenken, Ilona? Holger war sehr dafür, dass ich dich in unser Haus nahm. Er hat dich lieb wie eine eigene Schwester, das hat er mir selbst gesagt!"

Über Ilonas eben noch so traurige Züge glitt ein weicher Schein.

"Ja, Tante Lore, Holger war sehr gut zu mir, ich werde es nie vergessen können. Aber er ist nur selten hier; wenn er dann einmal kommt, hat er nur wenig Zeit."

"Das ist nun mal so, Kind. Holger will einmal ein tüchtiger Ingenieur werden, er muss hart arbeiten, wenn er dieses Ziel erreichen will. Glaube mir, auch mir wird es manchmal schwer, ihn oft wochenlang nicht zu sehen, aber man gewöhnt sich an alles. Das wirst auch du noch einsehen lernen. Nun wollen wir beide aber ins Haus gehen; hast du alle Sachen bekommen?"

"Nein, Tante Lore, Hühnerfutter hatten sie nicht da, sonst habe ich aber alles bekommen."

"Für heute haben wir noch Futter, es ist also nicht so schlimm. Hilfst du mir den Kaffeetisch decken, Kind? Ich habe auch ein paar Waffeln gebacken!"

Frau Brücks sah zu Ilona hinüber, die sich nun wieder etwas gefasst hatte. Sie hatte den Wunsch, das Kind ihrer besten Freundin glücklich zu machen. Sie würde alles tun, was in ihrer Macht stand, um Ilona ein schönes Leben zu gestalten.

***

Ein Tag verging wie der andere. Nur wenn Holger ihnen mitteilte, dass er wieder einmal übers Wochenende nach Hause kommen würde, war alles ganz anders. Dann war selbst Herr Brücks freundlich zu Ilona.

Am Abend, als Holger nach Hause kam, herrschte bei Brücks' große Freude. Er musste erzählen, was er erlebt hatte und wie es ihm ergangen war.

Ilona saß schweigend dabei. Sie fühlte sich wohl und geborgen, wenn Holger in ihrer Nähe war. Ihr Vertrauen zu ihm war grenzenlos.

Holgers Blick glitt hin und wieder herzlich zu ihr. Er mochte Ilona sehr gern. Sie hatte etwas so Hilfloses an sich, dass er immer glaubte, sie beschützen zu müssen.

Am nächsten Tag forderte Holger sie zu einem Spaziergang in den nahe gelegenen Wald auf.

Freudig erregt ging Ilona ins Haus, um sich bei ihrer Pflegemutter die Erlaubnis zu holen.

"Darf ich mit Holger in den Wald gehen, Tante Lore? Wir pflücken auch ein Körbchen Waldbeeren."

Ihre Wangen brannten, und in ihren Augen stand ein Leuchten, dass Frau Brücks sie ganz verwundert betrachtete.

"Geh nur, Kind", erwiderte sie dann in ihrer gütigen Art.

Kaum hatte Ilona die Tür hinter sich geschlossen, als Herr Brücks...

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