Das Herz der Savanne

Afrika-Roman
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. November 2019
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8147-4 (ISBN)
 
Atmosphärisch und spannend - ein packender Roman zum Sehnsuchtsland Namibia

Namibia, 1960. Ruth Salden ist glücklich. Zum ersten Mal in ihrem Leben ist sie verliebt, ihre Farm läuft gut, und auch ihr Traum von einer eigenen Käserei scheint Wirklichkeit zu werden. Ihre Mutter und ihre Schwester aber sorgen sich um ihren guten Ruf. Denn Ruth lebt mit dem schwarzen Historiker Horatio zusammen und hat ihn sogar zum Verwalter der Farm ernannt. Als auf Salden's Hill die Leiche eines schwarzen Mädchens gefunden wird und die Polizei Horatio festnimmt, bricht für Ruth eine Welt zusammen. Hat sie sich so in Horatio getäuscht?

Für Leserinnen gefühlvoller Landschafts- und Familienromane.

Außerdem von Karen Winter bei beHEARTBEAT erschienen: "Das Feuer der Wüste" und "Sehnsucht nach Riga".

eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
1. Aufl. 2019
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,98 MB
978-3-7325-8147-4 (9783732581474)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Karen Winter studierte Ethnologie und Sprachen. Ihre Liebe zu fremden Ländern und Kulturen lässt sie immer wieder auf Reisen gehen. Heute arbeitet sie als freie Autorin und lebt in der Nähe von Berlin.


Zweites Kapitel


Seit Rose Salden reich geworden war, hatte sie sich eine Eigenheit angewöhnt: Sie stöhnte, wenn die Dienstboten nicht exakt das taten, was sie sollten. Sie stöhnte, wenn die neuen Vorhänge sich in die falsche Richtung blähten. Sie stöhnte, wenn Ruth beim Essen den Ellbogen auf den Tisch legte. Am meisten aber stöhnte sie, wenn sie an Horatio dachte oder ihm gar über den Weg lief.

Ein Schwarzer in ihrem Haus, der nicht tat, was sie ihm befahl. Ein Schwarzer, der Tag für Tag mit ihr gemeinsam bei Tische saß. Ein Schwarzer, der sich am Abend ungeniert einen Sundowner aus der Hausbar einschenkte. Das war mehr, als Rose Salden verkraften konnte.

»Ich tue immer, was ich tun muss, um zu bekommen, was ich will«, erklärte sie Corinne und betrachtete sie mit einigem Missfallen.

Zu einer Zeit, zu der Rose bereits die gesamte Buchhaltung der Farm erledigt, Einkaufslisten geschrieben und die Vorräte überprüft hatte, saß ihre Tochter im Speisezimmer und frühstückte in aller Ruhe.

»Ich weiß«, erwiderte Corinne, zog ihren ausgeblichenen Bademantel enger um sich und gähnte herzhaft und mit offenem Mund. Rose sah auch dies mit Missfallen.

»Und was willst du dieses Mal, Mutter?«, fragte Corinne.

Rose Salden stöhnte und schloss kurz die Augen. »Liegt das nicht auf der Hand? Es geht um deine Schwester. Und um den Schwarzen, den sie zu lieben glaubt. Horatio. Er muss weg.

Corinne zog die Augenbrauen hoch, doch ehe sie etwas sagen konnte, sprach Rose Salden weiter: »Ja, ja, ich weiß, wir sind ihm zum Dank verpflichtet. Er hat Margaret das Leben gerettet.« Sie nahm eine ältere Ausgabe der Allgemeinen Zeitung zur Hand und hielt ihrer Tochter das Titelblatt vor die Nase. »Da, lies, was dort geschrieben steht.«

Corinne seufzte. »Mutter, ich kenne den Artikel. Ich kann ihn beinahe singen.«

»Lies ihn trotzdem. Offensichtlich hast du alles schon wieder vergessen.«

»Feuer der Wüste« gefunden

Junge Farmerin kämpft um ihre Familie und deckt alte

Verbrechen auf

4. Januar 1960

Ruth Salden, die junge Farmerin auf Salden's Hill in der Nähe von Gobabis, hat ein Abenteuer der besonderen Art bestanden und dabei den größten Schatz der Nama, das legendäre »Feuer der Wüste«, aufgespürt.

Während der Zeit der Herero- und Namaaufstände übergab ein sterbender junger Namakämpfer Margaret Salden, der Gründerin der Farm, den wertvollen Diamanten, den die Nama als Seele ihres Stammes ansehen.

Kurz darauf wurde Wolf Salden, Margarets Ehemann, von deutschen Soldaten getötet, und Margaret Salden floh von der Farm, den edlen Stein in den Kleidern versteckt. Ihre kleine Tochter Rose musste sie in der Obhut zweier schwarzer Frauen zurücklassen.

Seither, seit vierzig Jahren, galten das »Feuer der Wüste« und Margaret Salden als verschollen, und es gab niemanden auf Salden's Hill, der nicht geglaubt hätte, sie wäre tot.

Rose Salden, die Erbin, betrieb die Farm lange Zeit allein, übergab sie jedoch vor wenigen Jahren an ihre jüngere Tochter Ruth.

Diese hielt sich während der blutigen Demonstration im Dezember des vergangenen Jahres in Windhoek auf. Obgleich sie nur die Farmersbank aufsuchen wollte, um einen Kredit zu verlängern, geriet sie in den Aufstand der Schwarzen, bei dem es elf Tote gab. Eine der schwarzen Frauen erzählte Ruth von Margaret Salden und gab ihr einen Hinweis darauf, dass die Frau noch am Leben war.

Sofort machte sich die junge Farmerin auf die Suche nach ihrer verschollenen Großmutter. Dabei wurde sie von einem jungen Nama begleitet, der als Historiker die Geschichte seines Stammes dokumentiert und seinerseits großes Interesse am Heiligtum der Nama hegt.

Der Hinweis führte Ruth Salden und Horatio Mwasube nach Lüderitz zum Diamant Trust, der sich von Beginn an unter deutscher Leitung befand. Dort stießen sie auf geheime Akten, die nicht nur belegten, dass der Konzern bereits zur Zeit der Nama- und Hereroaufstände großes Interesse an dem legendären Diamanten hatte, sondern auch, dass ein Teil des Diamant Trust Wolf Salden gehörte und nun auf seine Erben überging.

Von Lüderitz führte die Spur des Diamanten und seiner Hüterin in die Skelettwüste zu einem Namastamm, der weitab der Zivilisation lebt und vor Jahrzehnten Margaret Salden aufgenommen hatte. Das Treffen zwischen Großmutter und Enkelin war jedoch nicht nur voller Freude, sondern auch von großer Gefahr geprägt, da Henry Kramer, Jurist des Diamant Trust und Sohn des Geschäftsführers, Ruth und ihre Großmutter entführte, um an das »Feuer der Wüste« zu gelangen.

In einer dramatischen Rettungsaktion unter der Leitung von Horatio Mwasube gelang es schließlich, die beiden Frauen zu befreien, den Mörder von Wolf Salden zu entlarven und dessen Sohn, Henry Kramer, wegen Erpressung, Entführung und versuchten Mordes an Ruth und Margaret Salden verhaften zu lassen.

Der legendäre Schatz der Nama aber war bereits Jahre zuvor von Margaret Salden und dem Oberhaupt des Namastamms der Skelettwüste im Atlantik versenkt worden, damit, so die Aussage Margarete Saldens, »um seinetwillen nie wieder Blut fließen möge«.

Corinne ließ die Zeitung sinken. »Großmutter ist tot. Ich verstehe also nicht, was du jetzt willst.«

»Eben. Sie ist tot. Ihr Herz hat die Folgen dieser ganzen Geschichte nicht verkraftet und hat aufgehört zu schlagen. Sie ist vor sechs Wochen gestorben. Gott sei Dank hier, zu Hause, auf Salden's Hill. Aber deshalb müssen wir Horatio Mwasube schon lange nicht mehr dankbar sein.«

»Er hat auch Ruth das Leben gerettet. Zählt das für dich denn gar nicht?« Corinne sah ihre Mutter vorwurfsvoll an.

»Himmelherrgott!«, stöhnte Rose. »Deine Schwester hätte sich auch selbst retten können. Und im Übrigen hat sie sich auch ganz ohne Hilfe in diese verfahrene Situation gebracht! Der Schwarze lebt jetzt seit einem Vierteljahr auf Salden's Hill, isst mit uns an einem Tisch, schläft mit uns unter einem Dach. Zeigen wir uns einem Schwarzen aus den Slums von Windhoek gegenüber damit nicht genug erkenntlich?«

Sie sah Corinne in die Augen und senkte die Stimme, obwohl außer ihnen niemand im Salon war. »Er nistet sich hier ein. Ruth ist naiv, hat keine Ahnung von der Welt. Am Ende wird er sie heiraten wollen oder ihr gar ein Kind machen. Er weiß ganz genau, wie reich wir jetzt sind. Schließlich hat er die geheimen Akten in Lüderitz gefunden. Nun sitzt er im gemachten Nest, und wir sind dem Gespött der Leute ausgesetzt. Ein Schwarzer als Farmbesitzer! Das ist unerhört. Womöglich eines Tages Enkel, die aussehen wie Milchkaffee! Ich dürfte mich gar nicht mehr aus dem Haus trauen.«

Corinne verstand. »Es geht ums Geld, nicht wahr? Seien wir doch mal ehrlich. Niemand wird mehr mit Willem Geschäfte machen wollen, wenn publik wird, dass ein Schwarzer in der Familie das Zepter schwingt.«

»Willem, Willem!« Rose Salden wedelte mit der Hand, als wolle sie eine Schmeißfliege verscheuchen. »Ich höre immer nur Willem. Wo ist er eigentlich, der Vater deiner Kinder?«

Corinne zog einen Schmollmund. »Du weißt genau, dass er wegen dringender Geschäfte zurück nach Swakopmund musste.«

»Aha«, erwiderte Rose und sah ihre Tochter mit leiser Verachtung an. »Und wo macht er die Geschäfte? In eurer wundervollen Villa?«

Corinne schluckte, betrachtete ihre Fingernägel, von denen der rote Lack blätterte. Dann zog sie an einem losen Faden ihres Bademantels. »Du weißt doch längst, dass wir nicht so reich sind, wie wir es gern wären. Willem steht noch am Anfang seiner Karriere. Aber es geht aufwärts. Du wirst sehen, bald leben wir tatsächlich so, wie ich es dir immer vorgemacht habe.«

»Und gerade weil euer Aufstieg so rasant ist, wollte sich Willem Geld von mir leihen, nicht wahr? Du kannst dir sicher denken, warum ich ihm nichts gegeben habe! Einem Mann, der seine Schwiegermutter anpumpen muss, ist in keiner Hinsicht zu trauen.«

Corinne wich dem Blick ihrer Mutter aus, betrachtete stattdessen wieder ihren verschlissenen Bademantel: »Darum geht es jetzt nicht. Wir sollten uns zuerst um Horatio kümmern. Was der plant, möchte ich lieber gar nicht wissen.«

»Und hast du einen Vorschlag?«, fragte Rose.

»Na ja, wir müssen ihn bei Ruth in Misskredit bringen. Sie muss endlich erkennen, dass die Schwarzen uns nur schaden.«

»Und wie willst du das anstellen?« Rose betrachtete ihre älteste Tochter erneut mit Missfallen und schüttelte den Kopf. Sie war so stolz gewesen auf Corinne mit ihrem reichen Mann und den beiden tollen Kindern. Und jetzt hockte ihre älteste Tochter am späten Vormittag ungewaschen und ungekämmt vor ihrem leeren Frühstücksteller. Corinne wirkte schon mit ihren knapp dreißig Jahren verbraucht: Tiefe Falten reichten von der Nase bis zu den Mundwinkeln, ihre Haut war großporig, die Haare waren strohig. Außerdem sprach sie zu laut und lachte zu schrill und trug Kleider, die nicht nur schlecht saßen, sondern auch aus Stoffen gefertigt waren, die Rose nicht einmal für Vorhänge akzeptieren würde. Und dümmer als Ruth war sie auch noch.

Rose stöhnte. So lange hatte sie sich danach gesehnt, ihre Corinne zu sehen. Sie hatte mit ihr nach Gobabis fahren und im Hotel mit ihr angeben wollen. Alle Nachbarn sollten sehen, was für eine schöne, erfolgreiche und elegante Tochter sie hatte. Jetzt hatte sie Corinne endlich bei sich; sie war gleich nach Margarets und Ruths Rückkehr nach Salden's Hill gekommen - und lag ihrer Mutter seitdem nicht nur auf der Tasche, sondern war, bei Licht besehen, auch in jeder anderen Hinsicht eine herbe Enttäuschung. Rose seufzte...

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