Zeit des Zorns - Savages

Roman
 
 
Suhrkamp Verlag AG
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 2. November 2011
  • |
  • 338 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-518-75940-0 (ISBN)
 
Wenn dein Feind dich in die Enge treibt. Dir den Boden unter den Füßen wegzieht. Wenn er dir nimmt, was du liebst. Dann bleibt kein Spielraum für Verhandlungen. Dann kommt die Zeit des Zorns. Ben und Chon betreiben ein exklusives Millionengeschäft mit erstklassigem Dope für erstklassige Kundschaft. Sie sind Yin und Yang, Gegensätze, die sich ergänzen. Sie lieben, was sie tun, und sie lieben Ophelia. Die drei sind ein unschlagbares Team: Ben investiert in Hilfsorganisationen, Ophelia bringt den Kreislauf des Geldes in Schwung, und Chon hält ihnen allen Ärger vom Hals. Doch nun macht das mexikanische Baja-Kartell ihnen ein Angebot, zu dem sie besser nicht nein sagen sollten. Aber Ben und Chon sagen nein. Und sie schlagen sich gut. Bis das Kartell Ophelia entführt. Um sie zu retten, sind Ben und Chon bereit, bis zum Äußersten zu gehen - gegen einen Feind, der keine Gnade kennt.

Don Winslow wurde 1953 in der Nacht zu Halloween in New York geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in South Kingstown, Rhode Island, einer Kleinstadt am Atlantik. Sein Vater, der ihm Geschichten von seiner Zeit bei der Marine erzählte, beflügelte seine Fantasie und erweckte in ihm den Wunsch, eines Tages Schriftsteller zu werden.

Schon früh kam Winslow mit den Themen und Figuren in Berührung, die später eine so prominente Rolle in seinen Büchern spielen sollten. Einige Mafiagrößen des Patriarca-Syndikats lebten in seiner Nachbarschaft, und seine eigene Großmutter arbeitete Ende der 60er für den berüchtigten Mafiaboss Carlos Marcello, den mutmaßlichen Drahtzieher des Kennedy-Attentats, der den späteren Autor mehrere Male zu sich einlud.

Nach seinem Schulabschluss kehrte Don Winslow in seine Geburtsstadt New York zurück. Bevor er mit dem Schreiben begann, verdiente er sein Geld unter anderem als Kinobetreiber, als Fremdenführer auf afrikanischen Safaris und chinesischen Teerouten, als Unternehmensberater und immer wieder als Privatdetektiv.

Auch als Schriftsteller ist Don Winslow unermüdlich. Jeden Morgen um fünf setzt er sich an den Schreibtisch. Mittags läuft er sieben Meilen, in Gedanken immer noch bei seinen Figuren, um dann am Nachmittag weiterzuarbeiten. Dabei schreibt er mindestens an zwei Büchern gleichzeitig. Schreibblockaden kennt er nicht, im Gegenteil: Winslow sagt von sich, dass er bislang nur fünf Tage durchgehalten habe, ohne zu schreiben. Es ist eine Sucht, die bis heute ein Werk hervorgebracht hat, dessen Qualität, Vielseitigkeit und Spannung Don Winslow zu einem der ganz Großen des zeitgenössischen Krimis machen.

Don Winslow wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Krimi Preis (International) 2011 für Tage der Toten. Für die New York Times zählt Don Winslow zu einem der ganz Großen amerikanischen Krimi-Autoren.

Das Buch zum Film "Savages"
  • Deutsch
  • 1,90 MB
978-3-518-75940-0 (9783518759400)
351875940X (351875940X)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Don Winslow wurde 1953 in der Nacht zu Halloween in New York geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in South Kingstown, Rhode Island, einer Kleinstadt am Atlantik. Sein Vater, der ihm Geschichten von seiner Zeit bei der Marine erzählte, beflügelte seine Fantasie und erweckte in ihm den Wunsch, eines Tages Schriftsteller zu werden.

Schon früh kam Winslow mit den Themen und Figuren in Berührung, die später eine so prominente Rolle in seinen Büchern spielen sollten. Einige Mafiagrößen des Patriarca-Syndikats lebten in seiner Nachbarschaft, und seine eigene Großmutter arbeitete Ende der 60er für den berüchtigten Mafiaboss Carlos Marcello, den mutmaßlichen Drahtzieher des Kennedy-Attentats, der den späteren Autor mehrere Male zu sich einlud.

Nach seinem Schulabschluss kehrte Don Winslow in seine Geburtsstadt New York zurück. Bevor er mit dem Schreiben begann, verdiente er sein Geld unter anderem als Kinobetreiber, als Fremdenführer auf afrikanischen Safaris und chinesischen Teerouten, als Unternehmensberater und immer wieder als Privatdetektiv.

Auch als Schriftsteller ist Don Winslow unermüdlich. Jeden Morgen um fünf setzt er sich an den Schreibtisch. Mittags läuft er sieben Meilen, in Gedanken immer noch bei seinen Figuren, um dann am Nachmittag weiterzuarbeiten. Dabei schreibt er mindestens an zwei Büchern gleichzeitig. Schreibblockaden kennt er nicht, im Gegenteil: Winslow sagt von sich, dass er bislang nur fünf Tage durchgehalten habe, ohne zu schreiben. Es ist eine Sucht, die bis heute ein Werk hervorgebracht hat, dessen Qualität, Vielseitigkeit und Spannung Don Winslow zu einem der ganz Großen des zeitgenössischen Krimis machen.

Don Winslow wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Krimi Preis (International) 2011 für Tage der Toten. Für die New York Times zählt Don Winslow zu einem der ganz Großen amerikanischen Krimi-Autoren.

2


Das ist heutzutage mehr oder weniger Chons Einstellung.

Ophelia meint, Chon hat keine attitude, er hat baditude.

»Macht seinen Charme aus«, sagt O.

Worauf Chon entgegnet, dass es nur ein muy verstrahlter Daddy fertig bringt, seine Tochter nach einer durchgeknallten Braut zu benennen, die sich ertränkt hat. Ganz schön verkorkstes Wunschdenken.

Das war nicht ihr Dad, klärt O ihn auf, sondern ihre Mom. Chuck hatte keinen blassen Schimmer, dass sie überhaupt geboren war, deshalb hat Paku gemacht, was sie wollte, und dem kleinen Mädchen den Namen »Ophelia« gegeben. Os Mutter Paku ist keine Indianerin oder so, O nennt sie einfach bloß »Paku«.

»Ist eine Abkürzung«, erklärt sie.

P. A. K. U. 

Passiv Aggressive Königin des Universums.

»Hat deine Mutter dich gehasst?«, hat Chon sie mal gefragt.

»Sie hat mich nicht gehasst«, erwiderte O. »Sie hat’s bloß gehasst, mit mir schwanger zu sein, weil sie dabei total fett geworden ist – bei Paku heißt das, sie hat fünf Pfund zugelegt. Sie hat mich rausgepresst und auf dem Heimweg vom Krankenhaus ein Laufband gekauft.«

Ja, ja, ja, weil Paku total SOCR&B ist.

South Orange County Rich and Beautiful.

Blonde Haare, blaue Augen, fein geschnittenes Näschen und dazu DBGT – die besten gekauften Titten (wenn man die Vorwahl 949 und echte Brüste hat, wird man für eine von den Amish People oder so was gehalten) –, der Rettungsring blieb nicht lange auf ihren Hüften. Paku fuhr nach Hause in ihre Drei-Millionen-Dollar-Hütte in Emerald Bay, schnallte sich die kleine Ophelia in einer Babytrage auf den Rücken und stellte sich aufs Band.

Marschierte zweitausend Meilen und kam trotzdem nirgends an.

»Die Symbolkraft ist der Hammer, oder?«, fragt O, als sie mit der Geschichte fertig ist. Sie glaubt, dass daher ihre Vorliebe für Elektrowerkzeug rührt. »Als hätte es diesen einschneidenden, unterschwelligen Einfluss gebraucht. Ich meine, ich war noch ein Baby, und da war das ständige rhythmische Summen und Brummen, die blinkenden Lichter und der ganze Scheiß? Also bitte.«

Als sie alt genug war und kapierte, dass Ophelia Hamlets bipolar gestörte kleine Borderline-Freundin war, die ohne Rückfahrkarte schwimmen ging, bestand sie darauf, von ihren Freunden nur noch »O« genannt zu werden. Die zeigten sich durchaus kooperativ, wobei es aber nicht ganz unriskant war, sich den Spitznamen »O« zu verpassen, wenn man für ohrenbetäubend laute Orgasmen bekannt war. Einmal ging O auf einer Party mit einem Kerl nach oben. Und fing vor lauter Glück an loszuschreien. Trotz der Musik und allem konnte man sie bis unten hören. Der Techno stampfte, aber O übertönte ihn mühelos fünf Oktaven höher. Ihre Freunde lachten. Sie waren alle schon bei Pyjama-Partys gewesen, auf denen O ihren Hochleistungs-Häschenvibrator mit den vielen beweglichen Teilen ausgepackt hatte, und sie kannten den Refrain.

»Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch«, flötete ihre Freundin Ashley.

O war das nicht peinlich. Sie kam total entspannt und glücklich wieder runter, zuckte mit den Schultern und meinte: »Was soll ich sagen? Ich komme halt gern.«

Ihre Freunde kannten sie also als »O«, aber ihre Freundinnen nannten sie »Multiple O«. Hätte schlimmer kommen können, hätte »Big O« sein können, aber sie ist so ein zierliches Mädchen. Einsvierundsechzig und spindeldürr. Nicht bulimisch oder magersüchtig wie Dreiviertel der Frauen in Laguna, sie hat einfach einen Stoffwechsel wie ein Düsentriebwerk. Verbrennt Treibstoff wie blöde. Das Mädchen kann essen, aber kotzen liegt ihr nicht.

»Ich bin wie eine Elfe«, würde sie sagen. »Knabenhaft.«

Na ja, nicht ganz.

Ein Knabe mit knallbunten Tattoos vom Hals an über die linke Schulter und den ganzen Arm runter – silbrige Delphine tanzen mit goldenen Meeresnymphen durchs Wasser, hohe blaue Wellen brechen, und grellgrüne Schlingpflanzen ranken sich drum herum. Ihr einst blondes Haar ist jetzt blond und blau mit zinnoberroten Strähnchen, und sie trägt einen Stecker im rechten Nasenflügel. Womit sie sagen will …

Fick dich, Paku.

3


Ein wunderschöner Tag in Laguna.

Aber sind hier nicht alle Tage schön?

Denkt Chon, als er einem weiteren Sonnentag entgegenblickt. Einem nach dem anderen und immer wieder und wieder …

Noch einer.

Er denkt an Sartre.

Bens Haus steht auf einem Felsvorsprung oberhalb von Table Rock Beach, und ein hübscheres Fleckchen hat man nicht gesehen, was auch das Mindeste ist, wenn man bedenkt, wie viele Nullen der Betrag hatte, den Ben dafür hinblättern musste. Table Rock ist ein riesiger Felsen, der – je nach Wasserstand – ungefähr fünfzig Meter weit in den Ozean ragt und irgendwie, na ja, an einen Tisch erinnert. Man muss keine Intelligenzbestie sein, um darauf zu kommen.

Das Wohnzimmer, in dem er sitzt, ist von der Decke bis zum Fußboden voll verglast, die Scheiben getönt, so dass man von jedem Winkel aus die umwerfende Aussicht betrachten kann – das Meer, die Klippen und die Insel Catalina am Horizont –, aber Chons Augen kleben am Bildschirm seines Laptops.

O kommt rein, sieht ihn an und fragt: »Internet-Pornos?«

»Ich bin süchtig.«

»Alle sind süchtig nach Internet-Pornos«, sagt sie. Sie selbst eingeschlossen – O steht total drauf. Loggt sich ein, tippt »weibliche Ejakulation« und guckt sich die Clips an. »Bei einem Mann ist’s aber ein Klischee. Kannst du nicht nach was anderem süchtig sein?«

»Zum Beispiel?«

»Weiß nicht«, antwortet sie. »Heroin. Mach einen auf Retro.«

»Was ist mit HIV

»Kannst dir doch saubere Nadeln besorgen.« Sie denkt, vielleicht wär’s cool, einen Junkie als Liebhaber zu haben. Wenn man genug gevögelt hat und sich nicht mehr mit ihm abgeben will, lässt man ihn einfach in der Ecke liegen – die ganze »Tragischer Hipster«-Nummer. Bis es langweilig wird und der Entzug beginnt, dann kann man ihn am Wochenende in der Klinik besuchen und ihn, wenn er rauskommt, zur Gruppentherapie begleiten, bis auch das langweilig wird. Dann macht man halt was anderes.

Vielleicht Moutain-Bike fahren.

Egal, Chon ist dünn genug, um als Junkie durchzugehen, total groß, knochig, muskulös – sieht aus wie aus Metallteilen vom Schrottplatz zusammengeschraubt. Scharfkantig. Ihre Freundin Ashley meinte, wahrscheinlich kann man sich an Chon beim Ficken schneiden, und wahrscheinlich weiß die Schlampe ganz genau, wovon sie spricht.

»Hab dir eine SMS geschickt«, sagt O.

»Hab keine Nachrichten gecheckt.«

Er glotzt immer noch auf den Bildschirm. Muss ja super heiß sein, denkt sie. Ungefähr zwanzig Sekunden später fragt er: »Was wolltest du denn?«

»Sagen, dass ich herkomme.«

»Ach.«

Sie kann sich nicht erinnern, wann aus John Chon wurde, dabei kennt sie ihn praktisch sein ganzes Leben lang, schon seit der Vorschule. Sogar damals hatte er schon diese baditude. Die Lehrer hassten Chon. Ha-a-a-a-ssten ihn. Zwei Monate vor dem Highschoolabschluss hat er’s hingeschmissen. Nicht, dass Chon dumm wäre – er ist wahnsinnig schlau; lag einfach an seiner baditude.

O greift nach der Bong auf dem gläsernen Wohnzimmertisch. »Was dagegen, wenn ich rauche?«

»Mach langsam«, warnt er sie.

»Wieso?«

Er zuckt mit den Schultern. »Ist dein Nachmittag.«

Sie schnappt sich das Zippo und zündet die Pfeife an. Nimmt einen mittelprächtig tiefen Zug, spürt, wie der Rauch in ihre Lungen zieht, sich in ihrem Bauch verteilt und ihren Kopf ausfüllt. Chonny hat nicht gelogen – das ist wirklich starkes Hydro-Gras – wie man es von Ben & Chonny’s erwartet, die das beste Hydro-Gras dieseits von …

Von gar nichts.

Sie bauen einfach das beste Hydro-Gras an, Punkt.

O ist sofort breit.

Sie liegt auf dem Sofa und lässt das High über sich hinweg und durch sich hindurch spülen. Hammerhart geiles Dope, es kribbelt auf ihrer Haut. Macht sie rallig. Das ist allerhand, O wird scharf von Luft. Sie öffnet ihre Jeans, fährt mit dem Finger rein und klimpert ihr Lied.

Typisch Chon, denkt O – obwohl sie durch das Super-Dope und ihre aufblühende Knospe eigentlich schon jenseits jeglicher Denkfähigkeit ist –, sitzt lieber da...

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