Verlorene Kinder

Eine Geschichte Über Hoffnung Und Hilfe Für Eine Gefährdete Generation.
 
 
Metro World Child (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 4. August 2016
  • |
  • 200 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-0-9969601-9-9 (ISBN)
 
Metro hat für mich immer etwas mit New York zu tun. Ich würde ja gerne behaupten,dass ich alles im Griff hatte,als ich dort ankam - mit Fünf- und Zehnjahresplänen, einer Erfolgsstrategie und einem Finanzplan. Aber nichts davon hatte ich. Tatsächlich hatte ich keine blassen Schimmer davon, wie ich das Ganze umsetzen könnte - mich trieb nur der nackte Wille, gebrochene und leidende Kinder zu retten. Jahrelang hatte ich auf so genannte Experten gehört, die mir weismachen wollten, dass das, was ich auf dem Herzen hatte, nicht durchgeführt werden könne - besonders in New York. Aber ich wusste, dass das nicht stimmte. Ich stemmte mich dagegen zu glauben, dass ein Dienst unter Kindern in der Innenstadt überall unmöglich sei - besonders in New York. Verlorene Kinder ist die Geschichte über eine Stadt voller Kinder, die heute hoffnungsvoll auf die Zukunft schauen, weil ich mich weigerte zu glauben, dass Gott etwas unmöglich sein sollte - sogar in New York.
  • Deutsch
  • 1,26 MB
978-0-9969601-9-9 (9780996960199)
Die lebensfeindliche Umgebung steht im starken Kontrast zu den Gesichtern der Kinder, die diese Gegend ihr Zuhause nennen.     KAPITEL EINS DIE BLAUE KUEHLTASCHE Als ich die Schlagzeile der letzten Ausgabe der New York Daily News las, erstarrte ich. In Großbuchstaben war zu lesen: "WER IST DIESES KIND?" Unter dieser Überschrift sah man die handgemalte Skizze eines jungen Mädchens mit langem schwarzem Haar. Sie hatte dunkle, schwermütige Augen. Die Stirn war gerunzelt. Die einzige Identität, die sie hatte, war ihre Leichenhausnummer: M91-5935. Sie wog nur elfeinhalb Kilogramm und man schätzte sie auf vier Jahre. Das Mädchen war von Bauarbeitern neben dem Highway am Rand von Harlem gefunden worden - ihr bereits stark verwester Körper steckte in einer Kühl- tasche. Sie war nackt. Hände und Füße waren mit einer Kordel zusammen- geschnürt. Das Haar war zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. "Das ist ja nur ein Steinwurf weit von dem Platz entfernt, an dem wir eine unserer Bürgersteig-Sonntagsschulen abhalten", murmelte ich vor mich hin, während ich die Zeitung anstarrte. Das Leben und der Tod des Mädchens waren ein Geheimnis. Es hieß, sie sei seit mindestens einer Woche tot. Ihr schmächtiger Körper, in der Haltung eines Fötus zusammengekrümmt, hatte in einer grünen Mülltüte gesteckt, die in eine blaue Kühltasche hineingezwängt worden war. Der Chef der New Yorker Kriminalpolizei, Joseph Borrelli, wußte nur eins ganz sicher: "Ihr Gesicht zeigte ein ungeheures Ausmaß an Elend und Leid für einen Menschen, dessen Leben erst vier Jahr alt war." "Wem gehört dieses Kind?" fragte ich mich. Kein schönes Bild Für die Statistiken der an Kriminalität gewöhnten Großstadt war dieses Mädchen nur eine weitere Zahl, doch für mich war sie viel mehr. Sie war einmal eine lebendige Person, die wahrscheinlich gern mit Puppen gespielt und über Zeichentrickfilme gelacht hatte. Sie war für mich auch ein Symbol für die äußerste Verzweiflung, die wie eine schwere Wolke über den Ghettos unseres Landes hängt. Mir kamen die Tränen, als ich die Zeitung hinlegte. Mädchen wie sie waren der Grund, warum ich in diese gottverlassene Stadt gezogen war. Seit mehr als zehn Jahren hatte ich Tag für Tag mein ganzes Leben dafür eingesetzt, solche Kinder zu retten. Hatten wir die Chance gehabt, dieses Mädchen zu erreichen? Hatte sie zu den mehr als zehntausend Kindern gehört, die in jener Woche, bevor sie ermordet wurde, in unsere Sonntagsschule gekommen waren? "Herr", fragte ich, "hätte ich noch mehr tun können?" Ich verließ mein Büro und trat an den Bordstein der Ecke von Evergreen und Grove im Bushwick / Bedford-Stuyvesant-Viertel in Brooklyn. Ich blickte auf die harte Realität des Lebens im Ghetto. Es ist kein schönes Bild. Wenn man die Wohnblocks hinunterschaut, sieht man Mietskasernen aus Sandstein. Die meisten Bewohner sind drogenabhängig. Rostige Autowracks, durch Vandalismus zerstört, verrotten an der Stelle, wo sie geparkt wurden. Hoch türmt sich der Abfall - kaputte Flaschen und Behälter, die einmal zur Aufbewahrung von Crack dienten, liegen im Schutt verstreut. Von dem Platz, auf dem ich stehe, habe ich im Lauf der Jahre mit angeschaut, wie Dutzende von Menschen erschossen, erstochen und ausgeplündert wurden. Nur sechs Meter weiter auf der Straße wurden zwei Männer ermordet - direkt vor den Füßen eines unserer Mitarbeiter. Er konnte den Opfern nicht helfen. Niemand wurde verhaftet, der Mord wurde mit keinem Wort in den New Yorker Zeitungen erwähnt. Ich staune immer wieder über das, was ich sehe. Letztes Jahr am Silvesterabend schaute ich aus dem Fenster und sah, wie sich mehrere junge Männer trotz der Gefahr, überfahren zu werden, auf die Straße geworfen hatten. Ich konnte mit ei- genen Augen beobachten, wie an der Straßenecke Feuer aus Gewehrläufen kam, als blindlings geschossen wurde. Ein Polizeihubschrauber kreiste dicht über der Straße und beleuchtete mit einem Scheinwerfer die Szene - wieder eine Gewalttat. Organisiertes Chaos Auf der anderen Straßenseite befindet sich die Metro Church, die instandgesetzten Reste der ehemaligen Rheingold-Brauerei. Ich bin der merkwürdige Pastor dieser Gemeinde. Ich denke, man könnte das Gebäude als sicher bezeichnen. Zum Schutz besitzt es Stahltüren, schwere Vorhänge- schlösser und ist von mehreren Rollen Stacheldraht umgeben. An einem Tag wie heute sieht die Straßenecke vor mir eher wie ein Überbleibsel aus einer Zeit aus, die die meisten Menschen lieber vergessen würden. Aber samstags und sonntags kann man sich keinen interessanteren Ort vorstellen. Ich möchte dann an keinem anderen Platz der Welt sein. Große Busse - wir haben mehr als fünfzig - treffen alle etwa zur selben Zeit ein. Jeder Bus ist vollgepackt mit Kindern, die die ganze Woche darauf gewartet haben, endlich hier zu sein. Um Viertel vor zehn am Samstag morgen ist der Saal noch leer. Aber fünf- zehn Minuten später ist kein Platz mehr frei. Überall junge Menschen im Alter von fünf bis zwölf Jahren, bereit, alles, was ihnen geboten wird, wie ein Schwamm in sich aufzusaugen. Ich ergreife das Mikrophon und rufe oder richtiger singe: "Hey, auf wessen Seite seid ihr?" Die Kinder singen so laut sie können: "Wir sind auf Gottes Seite!" In den nächsten eineinhalb Stunden erleben die Kinder eine Sonntagsschule, von der viele sagen, dass sie der einzige Lichtblick im Leben dieser Kinder sei. Das ganze Programm ist Minute für Minute sorgfältig vorbereitet und zielt darauf ab, eine einzige Aussage oder einen bestimmten Aspekt einer biblischen Wahrheit darzustellen - als Mittel dienen eine Band, überlebens- große Comic- oder Zeichentrickfiguren, ein Videoprojektor, Sketche, Spiele, Wettspiele, Preise und eine Predigt, die direkt ins Zentrum zielt. Manchmal herrscht das reinste Chaos, doch in der nächsten Minute kann es so still sein, dass ich, selbst wenn ich flüstere, auf der hintersten Empore verstanden wer- de. Um halb zwölf laufen die lachenden Kinder zu ihren nummerierten Bussen und singen auf dem ganzen Heimweg, bis sie wieder in ihren verwahrlosten Mietskasernen und Hochhäusern angelangt sind. Um ein Uhr mittags und vier Uhr nachmittags kann man noch einmal dasselbe Schauspiel beobachten. Auch sonntags haben wir zwei Gottesdienste, außerdem werden während der Woche von Harlem bis zu den South Bronx nach Schulschluss Bürgersteig- Sonntagsschulen durchgeführt, mit einem konzentrierten einstündigen Programm im gleichen Stil. Immer wieder kann ich selbst nicht glauben, dass diese Straßenecke im Ghetto der Platz ist, an dem eine der größten Sonntagsschulen Amerikas mit mehr als einhundert vollzeitlichen Mitarbeitern und mehr als dreihundert freiwilligen Helfern stattfindet. Die Zeitschrift Guidepost ehrte sie als die "Gemeinde des Jahres". Ich war auch überrascht, als ich von Präsident Bush eingeladen wurde, Mitglied in der "National Commission on America's Urban Families" zu werden. Zahlen auf einen Blick Wenn man sich mit den Fakten beschäftigt, beginnt man, die ungeheure Größe der Herausforderung zu ahnen, vor der wir stehen. Für Brooklyn, die South Bronx, Harlem und die anderen Stadtteile, in denen wir arbeiten, gelten folgende Zahlen:    New York City werden jährlich mehr als 100.000 Autos gestohlen.     Die Arbeitslosigkeit ist hier fünfmal höher als im Landesdurchschnitt.    83 % der Schüler, die mit der High-School beginnen, verlassen die Schule vorzeitig ohne Abschluss.    60-70 % der Bevölkerung empfängt Sozialhilfe.    Das New Yorker Familiengericht registrierte letztes Jahr mehr als 24.000
angezeigte Fälle von Kindesmissbrauch und in den letzten zehn Jahren
eine Zunahme von 700 %. Doch dieser sprunghafte Anstieg der Probleme von Kindern und Jugendlichen ist nicht auf New York begrenzt. Es gibt sie in allen Großstädten:    30 % der Bevölkerung der Großstädte Amerikas lebt unterhalb der offiziellen Armutsgrenze.    Kinder aus Minderheitsgruppen gehören vier mal häufiger zu den Armen, so eine Analyse des in Kalifornien ansässigen Insight Center for Community Economic Development 1. 45 % der schwarzen und 39 % der lateinamerikanischen Kinder leben unterhalb der Armutsgrenze    Eines von 50 Kindern in Amerika ist gemäß einer Veröffentlichung des Time magazine in 2009 2 obdachlos....

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