Stirb für mich

Charles Boxer 1 - Thriller
 
 
Page & Turner (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. August 2013
  • |
  • 544 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10351-4 (ISBN)
 
Er ist cool, er ist clever und ein Spezialist für die ganz harten Fälle

Alyshia D'Cruz, die Tochter des indischen Großindustriellen Frank D'Cruz, verbringt einen ausgelassenen Abend mit Freunden in einem angesagten Londoner Club. Der Alkohol fließt in Strömen, Alyshia wird unvorsichtig. Und steigt im Morgengrauen in das falsche Taxi ... Als Frank D'Cruz die erste ominöse Nachricht von den Entführern seiner geliebten Tochter erhält, verlässt er sich nicht auf die Hilfe der Polizei. Er heuert den Besten an, den der freie Markt hergibt: Charles Boxer, Ex-Militär, Ex-Polizist und mittlerweile ein angesehener Spezialist für die ganz hochkarätigen Entführungsfälle. Der findet schnell heraus, dass es Alyshias Entführern um weit mehr geht als nur um Geld. Stattdessen spielen sie ein schwer durchschaubares, grausames Spiel mit ihrem Opfer, seiner Familie - und der britischen Regierung. Ein Spiel, das bald zu einer Katastrophe ungeahnten Ausmaßes auszuarten droht ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,93 MB
978-3-641-10351-4 (9783641103514)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Robert Wilson, 1957 in England geboren, lebt abwechselnd in England, Spanien und Portugal. Spätestens seit dem Roman »Tod in Lissabon«, für den er den Gold Dagger Award und den Deutschen Krimi-Preis erhielt, wird er als »einer der besten Thrillerautoren der Welt« (The New York Times) gefeiert.

EINS

Freitag, 9. März 2012, 23.15 Uhr,

Covent Garden, London

Der letzte Akt der Abschiedsparty war der gemeinsame Aufstieg aus der Tapas-Bar im Keller durch den Flaschenhals der Wendeltreppe, und alle waren sturzbetrunken. Alyshia, ihre fünfundzwanzigjährige Managerin, blieb mit dem Absatz im Gitter der Eisenstufen stecken. Die Nachdrängenden spürten den Stau und drückten mit Gewalt gegen das Hindernis. Der Absatz des teuren Stöckelschuhs riss ab, und Alyshia wurde aus dem Treppenschacht in den Raum darüber befördert, der sich vor ihren Augen drehte. Die ramponierte Truppe stolperte nach ihr aus den Tiefen an die Oberfläche. Barhocker schwankten, als sie durch die wilde Menge grölender Betrunkener taumelten, lärmender als Händler an der Börse.

Dann waren sie auf der Straße, und Alyshia hoppelte auf der Maiden Lane herum wie ein lahmes Pony, während die eiskalte Luft den Schweißfilm auf ihrem Gesicht abkühlte. Verdoppelte die zusätzliche Sauerstoffaufnahme ihren Alkoholpegel? Sie versuchte wiederholt, ihren Blick zu fokussieren, während Gesichter von abscheulicher Hässlichkeit in ihrem Gesichtsfeld auf- und wieder abtauchten.

»Alles okay mit dir, Ali?«, fragte Jim.

»Hab einen Absatz verloren«, sagte sie. Ihre Knie wurden weich, und sie klammerte sich an ihn.

»Sie ist besoffen«, verkündete Doggy, immer zur Stelle, um das Offensichtliche festzustellen. Jim stieß ihn aus dem Weg.

»Wir sind alle besoffen«, sagte Toola triumphierend, bevor sie abrupt umkippte und hart auf dem Hintern landete.

»Ich hab dir ja gesagt«, flüsterte Jim in Alyshias Ohr, »wenn du mit dieser Truppe ausgehst, landest du in der Notaufnahme. Das letzte Besäufnis vor der Stütze.«

Es war das einzig Sinnvolle, was sie hatten tun können, dachte sie, während die Straße zur Seite wegkippte. Ihr Kopf fühlte sich an wie ein Sperrballon.

»Alles okay, Ali?«, fragte Jim, fasste sie an den Schultern und tauchte mit besorgter Miene in ihrem zuckenden Blickfeld auf.

»Bring mich hier weg«, sagte sie.

»Wo ist Doggy?«, fragte Toola.

Doggy taumelte auf sie zu.

»Hilf mir hoch, Amigo«, sagte Toola und rappelte sich schwankend auf die Füße.

»Küss mich«, verlangte Doggy und zog sie, die Zunge herausgestreckt, hoch.

Ein Schrei des Ekels, dann stolperte die Truppe grölend wie eine Horde Schüler die Straße hinunter.

Alyshia packte Jims Arm; die Straße war jetzt ein schwankendes Deck.

»Besorg mir ein Taxi«, sagte sie. Blinkende Neonlichter verschwammen vor ihren tränenden Augen.

Tumult in The Strand. Gebell am Charing Cross.

»Jetzt geht's los!«, kreischte eine Stimme von Weitem.

Teenager rannten schwankend durch die Straße, prallten gegen Schaufenster und rissen Passanten zu Boden. Kids in Kapuzenpullovern traten wild um sich, und zwei Mädchen stolperten auf hohen Pfennigabsätzen durch die Gosse. Ein Schrei ertönte, die Menge teilte sich, Schatten huschten in alle Richtungen davon. Gegenüber von The Strand saß ein schwarzer Junge an einen Gerüstpfeiler gelehnt auf dem Boden, die Beine ausgestreckt, den Kopf gesenkt, die Hände auf den Bauch gepresst.

»Der Junge ist niedergestochen worden«, sagte Alyshia.

»Komm«, sagte Jim. »Hier findest du bestimmt kein Taxi.«

»Wir müssen die Polizei rufen.«

Sie suchte das Handy in ihrer Handtasche und verlangte die Polizei, einen Krankenwagen, alles, doch ihre Lippen fühlten sich dick und gummiartig an und weigerten sich, die Worte zu formen.

Sirenen schrillten durch die Nacht. Jim nahm ihr das Handy ab, schaltete es aus und steckte es wieder in ihre Handtasche.

»Komm, wir gehen«, sagte er. »Die kümmern sich schon darum.«

»Wir sollten irgendwas machen

»Wir sind zu betrunken«, erwiderte Jim heftig.

Er nahm ihren Arm. Auf der Wellington Street war kein Taxi in Sicht. Er führte sie zum Royal Opera House.

Ein Segen, dass Jim hier war, dachte sie. Er war älter als die anderen. Hatte sie so viel getrunken? Ein Gin Tonic vor dem Essen. Wein zur Paella. Doggy hatte brennenden Sambuca bestellt. Typisch. Was war nur mit dem Bürgersteig? Eine steile Erhebung in der Mitte. Sie würde sich vor dem Operntempel übergeben. Paella verdauen im Morgengrauen . Ihr Kopf löste sich von ihren Schultern. Tief durchatmen.

In ihrem Alkoholnebel sah sie aus dem Augenwinkel verschwommenes, orangefarbenes Licht.

»Taxi!«, rief sie und riss einen Arm hoch. Der Wagen hielt am Straßenrand.

Sie wischte sich die Wangen ab, saugte Sauerstoff ein, klammerte sich an die Fensterkante und versuchte auszusehen wie jemand, der nicht jeden Moment kotzen musste. Sie nannte ihre Adresse: Lavender Grove. In der Nähe von London Fields.

Der Taxifahrer sah im Licht der Laternen gelbsüchtig aus.

»In Ordnung, Schätzchen«, sagte er, und seine Zunge zuckte zwischen grauen Lippen hervor. »Rein mit Ihnen. Ein Irrenhaus hier, was? Kommen Sie auch mit?«

Jim schüttelte den Kopf, warf die Tür zu und winkte.

Der Fahrer blickte in den Rückspiegel und wendete dann mitten auf der Straße. Sie schreckte zusammen, als die Zentralverriegelung mit einem Klicken zuschnappte. Die Innenbeleuchtung wurde schwächer und erlosch dann ganz. Sie ließ sich ins Dunkel des Taxis sinken, darauf konzentriert, den Kopf oben zu halten.

Jetzt bloß nicht ohnmächtig werden. Sag ihm den Weg, dann weiß er, dass du okay bist.

»Geradeaus, dann links in die Tavistock Street, wieder links in die Drury Lane. Weiter geradeaus . ja, immer geradeaus.«

»Alles in Ordnung, Schätzchen, wir wissen, wohin wir fahren.«

Sie konnte die Lippen nicht befeuchten. Lichter, die über sie hinweghuschten, ließen sie zusammenzucken. Sie hörte ihren Atem in den Ohren rauschen. So betrunken war sie noch nie gewesen. Ihr Kopf sackte zur Seite, ihre Kehle schnürte sich zu. Auf der Heckablage hockte ein nickender Hund. Komm schon, blinzeln, Luft einsaugen. Sie wurde nach links geschleudert, klickte die Gegensprechanlage an und glaubte sich sagen zu hören: »Man hat mir was in den Drink getan.« Aber die Worte fielen formlos vor ihre Füße.

»Keine Sorge, Schätzchen«, sagte der Taxifahrer. »Alles gut.«

Alles gut?, fragte sie sich, während ihr Gesicht in den Sitz gedrückt wurde. Sie starrte auf den Teppich. Wenn es mir gut geht, wie fühlen sich dann Kranke? Dad? Was ist, Dad?

»Nimm nach elf in London immer ein Taxi, ein schwarzes wohlgemerkt, keins von diesen Minitaxis mit fellverkleidetem Armaturenbrett und einem Paki-Bastard am Steuer.«

Was weißt du schon? Du bist in Mumbai. Ich bin hier im Nebel. Im Dunkel .

Dunkel wie ein Sarg. Das einzige Licht kam von innen, von dem migräneartigen Schmerz, der ihren Schädel spaltete. Sie blinzelte zweimal, um sich die Beweglichkeit ihrer Lider und die Abwesenheit jeder Lichtquelle zu bestätigen. Sie strich über den Sitz, dasselbe gerippte Polster des Taxis, in das sie gestiegen war, aber der Wagen bewegte sich nicht. Sie konnte die Zeiger ihrer Cartier-Uhr nicht erkennen. Keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war. Sie tastete nach der Tür. In ihrem Kopf schwappte Masse hin und her. Die Tür war verriegelt. Sie tastete nach Fensterritzen, kniete sich auf den Boden und griff nach dem Schiebefenster zur Fahrerkabine. Geschlossen. Unbeweglich. Ein erstes Flattern der Panik regte sich in ihrem Brustkorb. Die andere Tür. Verriegelt. Fenster geschlossen.

Die Augen weit aufgerissen, lauschte sie auf das kleinste Geräusch. Sie legte die Hand vor den Mund, die Finger zitterten auf ihren Lippen, ihr Atem ging im hyperventilierenden Rhythmus der Phobie. Ein plötzlicher Adrenalinstoß lichtete das Chaos in ihrem Kopf. Sie war nicht mehr betrunken. Sie kniete auf dem Boden, und ihre Oberschenkel zitterten. Sie versuchte vergeblich, die nackte Angst zu unterdrücken, die sich in ihr aufbaute, sich blitzschnell vervielfachte, rasend unkontrollierbar wurde, aus ihrer Lunge platzte, in ihren Ohren kreischte und mit einem grellen Blitz explodierte, der nichts erhellte. Sie warf sich gegen das Fenster, auf die andere Seite, trat und schlug mit allen vieren um sich und schrie so laut, dass es beinahe ihre Stimmbänder zerfetzte.

Vier Lichtstreifen zeichneten sich in der Dunkelheit ab, die Ritzen einer Tür neben dem Taxi. Der Wagen stand offenbar in einer an ein Haus angebauten Garage. Die Tür ging auf. Licht strömte in den dunklen Innenraum und ließ sie komplett erstarren. Zwei Silhouetten. Männer mit rasierten Köpfen. Einer ging auf die andere Seite des Taxis. Sie lehnte sich aufrecht auf dem Sitz zurück, ballte die Fäuste und brachte ihre High Heels in Stellung, zog die Knie an die Brust und presste die Ellbogen gegen das Rückpolster. Ihre Lippen spannten sich über ihren spitzen weißen Zähnen. Die Gesichter vor den Fenstern waren hinter lächelnden weißen Plastikmasken verborgen, die sie schon mal irgendwo gesehen hatte und die ihr Angst machten.

Die Zentralverriegelung klickte. Hände packten sie von beiden Seiten. Sie trat erst mit einem, dann mit dem anderen Bein zu und hörte ein Stöhnen. Das motivierte sie. Bis sie ihren Fuß in der Hand des anderen Mannes spürte, ein unbarmherziger Griff, der ihren Knöchel verdrehte und sie zwang, sich mitzudrehen, wenn sie sich nicht den Fuß abreißen lassen wollte. Er zog sie zu sich. Ihr anderes Bein wurde unter ihrem Körper eingeklemmt. Er drückte sie mit dem Gesicht auf den Boden des Taxis, packte mit einer Hand ihre Knöchel und presste ihre Fersen gegen ihren Hintern. Dann beugte er sich über sie und riss mit der anderen Hand an ihrem Haar, bis ihre Kehle so weit gestreckt war, dass sie...

"Schnörkellos, temporeich und mit viel Tiefgang: So schreibt man klassische Thriller. Und niemand kann es im Moment so gut wie Robert Wilson."
 
"packend und lesenswert"
 
"Ein komplexer Thriller um Macht und Moral"
 
"ein komplexer und wendungsreicher Politthriller"
 
"Vielschichtiger, nervenzerfetzender Psychothriller. Eine Entdeckung!!" Buchhändlerin Rotraut Schöberl, Wien
 
"Absolute Spitzenklasse. Endlich einmal wird ein Schriftsteller durch den Vergleich mit Raymond Chandler nicht bloßgestellt."
 
"Wenigen Schriftstellern gelingt eine dermaßen perfekte Mischung aus Spannung und Action."
 
"Ein äußerst intensives Leseerlebnis. Die letzte Seite dieses mitreißenden Romans werden Sie geradezu atemlos umblättern."
 
"Wilson schreibt mit einer psychologischen Differenziertheit, die ihn vor allen anderen Autoren des Genres auszeichnet."

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