Königin der Seelen

Roman
 
C. L. Wilson (Autor)
 
Lübbe (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 22. Juli 2011 | 592 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1247-5 (ISBN)
 
Ein grausamer Krieg wütet, und die bösen Magier von Eld stehen kurz vor ihrem größten Triumph. Um die Welt der Fey zu retten, müssen Rain Tairen Soul und Ellysetta lernen, vollends ihrer Liebe und sich selbst zu vertrauen. Doch aufgrund der Schrecken, die Rain in der Schlacht erleben musste, steht er kurz davor, dem Wahnsinn zu verfallen. Und auch Elly befürchet, nicht gegen die wachsende Dunkelheit in ihrer Seele ankämpfen zu können. Schaffen die beiden es trotzdem, die finsteren Mächte zu besiegen?
Luebbe Digital Ebook
1. Aufl. 2011
Britta Evert
Deutsch
Breite: 125 mm
2,25 MB
978-3-8387-1247-5 (9783838712475)
3838712471 (3838712471)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Kapitel 2


Rhakis-Gebirge

Wenn ich erst einmal meine Flügel habe, Rain, wirst du mich kaum noch vom Himmel herunterbekommen, fürchte ich.«

Ellysetta schloss selig die Augen, als sie auf der geschmeidigen Tairen-Gestalt ihres Gefährten in eine Wolkenbank tauchte. Kühl und feucht strichen die Dunstschleier über ihre Wangen und legten sich auf die langen Locken ihres flammend roten Haares. Sie hatten ihre Tarnung eine knappe Flugstunde nördlich von Orest aufgegeben, und jetzt jagten Rain und Steli Seite an Seite über den Himmel.

Ellysetta hielt sich an dem Sattel auf Rains Rücken fest und kostete das berauschende Erlebnis des Tairen-Fluges aus. Sie liebte es zu fliegen. Sie liebte das Gefühl köstlicher Schwerelosigkeit. Sie liebte die einsame Pracht des Himmels. Aber mehr als alles andere liebte sie die Stille, die nur vom Schlagen mächtiger Schwingen und dem Rauschen des Windes unterbrochen wurde.

Ihr war gar nicht bewusst gewesen, wie sehr diese letzten Wochen im Krieg an ihren Kräften gezehrt hatten - die endlosen Tage und Nächte, in denen ständig Schlachtrufe und klirrende Schwerter und die Schreie der Verwundeten zu hören gewesen waren, die sie angefleht hatten, sie entweder zu heilen oder ihren Leiden schnell ein Ende zu setzen. Aber jetzt, eingehüllt in den Frieden des Tairen-Fluges, fühlte sie sich, als wäre ihr eine schwere Last von den Schultern genommen worden. Sie konnte wieder frei atmen.

»Wie weit noch?«, fragte sie. Die anderen Tairen, die ihren Abflug getarnt hatten, waren seit Langem verschwunden, und Rain und Steli flogen jetzt im Schutz der dichten, tief liegenden Wolken durch die eisigen Weiten der schneebedeckten Berge in Richtung Norden.

»Wir sind da«, verkündete Steli. Der weiße Körper der Tairen war vor dem wolkenverhangenen Gipfel eines verschneiten Berges kaum zu erkennen. Steli legte an Geschwindigkeit zu und steuerte den Berg direkt an. Kurz bevor sie hineinkrachte, verlagerte sie den Winkel ihrer Flügel und raste senkrecht nach oben. Wie ein Pfeil schoss sie in die Wolken und verschwand außer Sichtweite.

»Festhalten!«, warnte Rain. Den Bruchteil einer Sekunde später wiederholte er Stelis halsbrecherisches Manöver.

Ellysetta schnappte nach Luft, als ihr Magen bei dem abrupten Senkrechtflug einige Tairen-Längen zurückblieb. Sie brachen durch die Wolkendecke in den klaren blauen Himmel, wo die höchsten Gipfel aus einem Meer weißer Wolkenmasse ragten. Schwarze Flügel breiteten sich im Licht des späten Vormittags weit aus, als Rain der anmutigen weißen Gestalt Stelis folgte. Scheinbar schwerelos stiegen sie immer weiter auf, bis die beiden Tairen ihre Flügel anlegten und sich im Sturzflug in die Wolken zurückfallen ließen. Ellysetta klammerte sich am Sattel fest und lachte vor Entzücken.

Die Tairen brachen durch die Wolken in eine tiefe, enge Schlucht, folgten im Zickzackkurs den Kurven und Windungen des tosenden Stroms, der sich durch die Felsen schlängelte, und glitten dann über eine Reihe atemberaubender, weiß schäumender Wasserfälle zu dem weiten Becken in einer Talsenke zwischen fünf gewaltigen Bergen, deren schneebedeckte Gipfel sich im saphirblauen Wasser des Kristallsees spiegelten.

Eine aus dem gold geäderten grauen Felsgestein der Berge herausgemeißelte Stadt, die direkt aus der Bergwand zu wachsen schien, erhob sich am südwestlichen Ufer des Sees. Unverkennbar von den Fey erschaffen, aber offensichtlich seit langer Zeit dem Verfall preisgegeben. Schön und melancholisch lag sie in ihrer golden schimmernden, grauen, einsamen Pracht wie das Monument einer einstigen Großmacht vor ihnen.

»Dunelan«, sagte Rain. »Die erste Stadt, die von den Fey verlassen wurde. Sie wurde gegen Ende des Zweiten Zeitalters aufgegeben und nur noch gelegentlich als militärischer Vorposten genutzt. Nicht weil wie in Lissilin ihre Quelle versiegt war, sondern weil zu wenige übrig waren, um hier zu bleiben. Ich nehme an, damals hätte uns klar werden müssen, dass unser Volk im Niedergang begriffen ist.«

Rain und Steli neigten ihre Schwingen, um ihre Geschwindigkeit zu verringern, und landeten genau nördlich der uralten Stadt auf dem felsigen Ufer des Sees. Steli stapfte zum Wasser, hielt ihre Nase dicht darüber und schnurrte wohlig, als sie den schweren Duft von Magie einatmete, der die Luft über dem See schwängerte. »Starke Quelle. Sehr mächtig. Gut für Rainier-Eras und Ellysetta-Kätzchen.«

Sie steckte eine Pfote hinein und quiekte empört. »Kalt!« Bilder einer weißen Tairen, die über und über mit Eiskristallen bedeckt war, begleiteten den Ausruf.

Ellysetta ließ sich lachend von Rains Rücken gleiten. »Es ist ein Bergsee, Steli. Was hast du denn erwartet?«

Steli warf den Kopf zurück und schnaubte. Sie hatte es gar nicht gern, wenn sie ausgelacht wurde. Gleich darauf trat ein verschmitztes Funkeln in ihre hellen Augen. Sie holte tief Luft, blies Tairen-Feuer über den See und hielt die Flamme so lange, bis das Wasser beinahe zu kochen schien. Dann watete sie mit hoch erhobenem Kopf und nachlässig wippendem Schwanz in das heiße Wasser und ließ sich direkt am Ufer hineinfallen. »Mhmmm«, schnurrte sie.

Ein Fisch, der durch die plötzliche Erwärmung des Wassers gekocht worden war, trieb an die Oberfläche. Stelis Schnurrhaare zuckten. Sie beschnüffelte den vorbeitreibenden Fisch prüfend und leckte mit ihrer großen rosa Zunge darüber. Anscheinend gefiel ihr, was sie schmeckte, da sie einen größeren Wasserkreis erhitzte und herumpaddelte, um die Fische, die auftauchten, wie köstliche Leckerbissen zu verspeisen.

»Sollen wir ihr Gesellschaft leisten?«, fragte Rain. Er hatte wieder seine Fey-Gestalt angenommen und beschwor gerade das Element Erde, um sich seiner goldenen Kriegsrüstung zu entledigen. Rüstzeug, Stiefel und Waffen formten sich neben seinen bloßen Füßen neu, aber die Magie des von Tairen geschmiedeten Stahls ließ eine leuchtende Aura zurück, die um ihn wogte und den natürlichen Schimmer seiner Fey-Haut verstärkte. Die Kriegsrüstung des Feyreisen konnte, wenn sie angelegt worden war, erst dann in den Königspalast in Dharsa zurückgebracht werden, wenn die Fey gesiegt hatten oder der Träger der Rüstung gestorben war. Bis dahin blieb ein Teil der Magie an Rain haften, auch wenn er sein Rüstzeug ablegte, um zu schlafen oder zu baden.

Seine hohe, muskulöse Gestalt erstrahlte in dem silbrigen Glanz, der ihnen bei den Sterblichen den Namen das Helle Volk eingetragen hatte. Schwarzes, seidenweiches Haar ohne die leiseste Andeutung von Locken fiel bis auf seine Schulterblätter hinab und umrahmte ein Gesicht, das ebenso unbezähmbare Stärke wie atemberaubende männliche Schönheit zeigte. Unter straffem, schimmerndem Fleisch zeichneten sich schlanke, aber gut definierte und steinharte Muskeln ab. Sollte Brandis, der Kriegsgott, je eine körperliche Gestalt annehmen, würde er so aussehen, wie Rain jetzt aussah, dachte Ellysetta - prachtvoll und männlich, erregend und tödlich.

Sie schluckte eine flüchtige und mittlerweile vertraute Anwandlung von Lust hinunter und wandte ihre Aufmerksamkeit hastig ihrer eigenen Kleidung zu. Für Liebesstunden würde Zeit genug bleiben, nachdem sie aus der Quelle frische Kraft geschöpft hatten. Sie konnte die Müdigkeit spüren, die Rain unerbittlich zusetzte, und ebenso die Gefühle, die so dicht unter der allzu dünnen Schicht seiner Selbstbeherrschung brodelten.

»Aiyah«, brachte sie heraus. Obwohl es nicht ihre Absicht war, kam das Wort kehlig und beinahe einladend über ihre Lippen. Sie räusperte sich zweimal und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: »Aber lass uns ein bisschen Abstand halten. Ich schwimme nicht gern in Fischsuppe.« Das Element Erde reagierte mit einem grünen Lichtblitz auf ihren Ruf, und Leder und Stahl fielen in buntem Durcheinander auf den Boden.

Sie blickte rechtzeitig auf, um zu sehen, wie Rains Augen über ihren schlanken Körper wanderten und vor Hunger funkelten, einem Hunger, der ihrem eigenen in nichts nachstand. Er kam einen Schritt näher. Und trotz ihrer Entschlossenheit, vor allem an Rains Befinden zu denken, überlief sie ein wohliger Schauer. Noch immer erfüllte es sie mit ungläubigem Staunen, dass all die Liebe, Leidenschaft und Hingabe dieses unglaublichen Mannes voll und ganz und für alle Zeiten ihr gehörte. Ihr, Ellysetta Baristani. Wer hätte das je für möglich gehalten?

In ihren Augen war sie nach wie vor - und würde es vermutlich immer bleiben - das scheue, unbeholfene und nicht sehr attraktive Mädchen, die ewige Außenseiterin. Jetzt zeigte sich der strahlende Glanz, der ihr bei ihrer Geburt mitgegeben worden war, und verriet ihre Fey-Abstammung, aber Rain hatte von Anfang an mehr gesehen als andere. Und wenn er sie so eindringlich anschaute wie in diesem Moment, fühlte sie sich wie eine andere Frau. Nicht wie Ellie Baristani, sondern wie Ellysetta Feyreisa, eine strahlende Fey-Königin, die ihrem außergewöhnlichen Gefährten in jeder Beziehung ebenbürtig war.

»Andererseits«, erwiderte Rain gedehnt und kam noch einen Schritt näher, »kann das Schwimmen warten.«

Sie zog eine Augenbraue hoch. »Wer sagt, dass das eine das andere ausschließt?« Ihre Lippen verzogen sich zu einem betörenden Lächeln, und sie schoss mit einem leisen, verführerischen Lachen davon. Leichtfüßig lief sie über den steinigen Boden und machte mithilfe des Elementes Luft einen Satz, der sie eine halbe Tairen-Länge vom Ufer entfernt in das erwärmte Wasser beförderte.

Magie traf sie wie ein Blitzschlag und nahm ihr den Atem. Keuchend und mit prickelndem Körper tauchte sie auf. Rain war im selben Moment bei ihr, als...

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