Armut - was ist das?

Eine Grundsatzanalyse
 
Gerhard Willke (Autor)
 
Murmann Publishers
1. Auflage | erschienen am 18. April 2011 | 258 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86774-146-0 (ISBN)
 
Was ist eigentlich Armut - genau? Grundlegende Fragen zum Thema Armut greift Gerhard Willke in der als Einführung konzipierten Schrift auf. Der Experte für Wirtschaftspolitik legt ein aufklärendes und lösungsorientiertes Buch über ein komplexes soziales Problem vor, zu dessen Lösung Willke alternativ zur landläufigen Umverteilungspolitik innovative Strategien der 'Chancenpolitik' als Armutsbekämpfung erarbeitet.

GERHARD WILLKE ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Er hat zahlreiche Bücher veröffent licht, darunter zuletzt eine Keynes-Biografie (2002), ein Buch zum Neoliberalismus (2003) und einen Einführungsband 'Kapitalismus' (2006).
Deutsch
Hamburg
10,30 MB
978-3-86774-146-0 (9783867741460)
3867741468 (3867741468)
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GERHARD WILLKE ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Er hat zahlreiche Bücher veröffent licht, darunter zuletzt eine Keynes-Biografie (2002), ein Buch zum Neoliberalismus (2003) und einen Einführungsband "Kapitalismus" (2006).
  • Verlag
  • Inhalt
  • Einführung
  • Armut in einem wohlhabenden Land
  • Sieben Thesen zur Armut in Deutschland
  • 1. Definitionen und Konzepte der Armut
  • Armutsbegriffe und Messgrößen
  • Armutskonzepte
  • 2. Zur Empirie der Armut
  • Armut in der Geschichte und anderswo
  • Armut in Deutschland
  • Armut trotz Erwerbstätigkeit (working poor)
  • Die Sozialberichterstattung
  • 3. Armutstheoretische Erklärungsansätze
  • Das Elend der Armutstheorien
  • Ursachen der relativen Armut
  • 4. Armutspolitik im Sozialstaat
  • Ziele, Prinzipien und Funktionen des Sozialstaates
  • Hartz IV und Grundsicherung
  • Kritik des Sozialstaates
  • Umbau des Sozialstaates
  • Wohlfahrtsgewerbe und Armutsbürokratie
  • 5. Wege aus der Armut
  • Die politischen Prioritäten
  • Eine Politik gegen den Markt muss scheitern
  • Literatur
  • Abkürzungen
  • Über den Autor
  • Impressum
4. Armutspolitik im Sozialstaat (S. 131-132)

Ziele, Prinzipien und Funktionen des Sozialstaates

Soziale Sicherung

Der Sozialstaat ist Teil des demokratischen Rechtsstaats. Seine Zwecke leiten sich aus den Zweckbestimmungen der übergeordneten Einheit ab. In Humboldt’scher Tradition könnte man den Hauptzweck des Staates darin sehen, »den Bürgern die Möglichkeit des selbstbestimmten, freien Lebens zu geben«; Humboldts Gesellschaftsideal war nicht ein Haufen ernährter Sklaven, sondern eine Vereinigung freier Menschen (vgl. Scheel 2010: 799).

Der Zweck des Sozialstaates bestünde dann darin, Systeme der kollektiven sozialen Sicherung einzurichten und zu unterhalten und darüber hinaus subsidiär mit öffentlichen Geldern für jene zu sorgen, die dazu selbst nicht oder nur unzureichend in der Lage sind. Nach Möglichkeit sollen diese Menschen durch sozialstaatliche Hilfen (wieder) in den Stand gesetzt werden, ein Leben auf eigenen Beinen zu führen. Auf dem Papier wird dies auch gerne betont: »Ein zentrales Ziel der Sozialhilfe ist es, die Selbsthilfekräfte zu stärken und die Leistungsberechtigten so weit wie möglich zu befähigen, unabhängig von ihr zu leben« (BMAS mit Bezug auf § 1 SGB XII). In der Praxis wird dieses Ziel jedoch weitgehend verfehlt. In Deutschland basiert der Sozialstaat auf dem Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes (Art. 20 und 28).

Die prinzipiell freiheitlich ausgerichtete Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung soll dabei »sozial« ausgestaltet werden (»soziale Marktwirtschaft«), ohne allerdings dadurch die Funktionsfähigkeit der Märkte übermäßig zu beeinträchtigen. Damit ist ein Konflikt angelegt zwischen den Funktionserfordernissen des Subsystems Wirtschaft einerseits und Zielsetzungen des Sozialstaates andererseits, der einen Ausgleich zwischen den sozialen Schichten, zwischen Einkommensstarken und Einkommensschwachen, herbeiführen soll.

Wenn die traditionellen Strukturen der gegenseitigen Hilfe und Solidarität (Großfamilie, Nachbarschaft, Kirchengemeinde, Dorf etc.) nicht mehr ausreichen oder im Strukturwandel abhandenkommen, müssen politisch organisierte und institutionalisierte »sekundäre Formen der Unterstützung« an deren Seite oder an deren Stelle treten. Ziel der Sozialhilfe ist es, die Selbsthilfekräfte zu stärken und die Leistungsberechtigten so weit wie möglich zu befähigen, unabhängig von ihr zu leben« (BMAS mit Bezug auf § 1 SGB XII).

In der Praxis wird dieses Ziel jedoch weitgehend verfehlt. In Deutschland basiert der Sozialstaat auf dem Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes (Art. 20 und 28). Die prinzipiell freiheitlich ausgerichtete Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung soll dabei »sozial« ausgestaltet werden (»soziale Marktwirtschaft«), ohne allerdings dadurch die Funktionsfähigkeit der Märkte übermäßig zu beeinträchtigen.

Damit ist ein Konflikt angelegt zwischen den Funktionserfordernissen des Subsystems Wirtschaft einerseits und Zielsetzungen des Sozialstaates andererseits, der einen Ausgleich zwischen den sozialen Schichten, zwischen Einkommensstarken und Einkommensschwachen, herbeiführen soll. Wenn die traditionellen Strukturen der gegenseitigen Hilfe und Solidarität (Großfamilie, Nachbarschaft, Kirchengemeinde, Dorf etc.) nicht mehr ausreichen oder im Strukturwandel abhandenkommen, müssen politisch organisierte und institutionalisierte »sekundäre Formen der Unterstützung« an deren Seite oder an deren Stelle treten.

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