Ein Sommertraum in der Toskana

Roman
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. April 2021
  • |
  • 287 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7517-0402-1 (ISBN)
 

Als Bee Kingdom in einem Krankenhaus in der Toskana aufwacht, ist ihr Unfall während einer Filmproduktion nur noch eine ferne Erinnerung. Das Angebot der Firma, sich in einer wunderschönen Villa auszukurieren, erscheint ihr verheißungsvoll. Die mediterrane Blütenpracht, die Olivenhaine und das köstliche Essen wirken Wunder. Wie auch die Begegnungen mit dem geheimnisvollen Luca, der mit seinem drolligen Hund Romeo ebenfalls auf dem weitläufigen Gelände wohnt. Am Ende eines magischen Sommers muss Bee die Entscheidung ihres Lebens treffen.

weitere Ausgaben werden ermittelt
T.A. Williams wurde in England geboren und studierte Moderne Sprachen an der Nottingham University. Er ist Autor erfolgreicher romantischer Beziehungskomödien mit mediterranen Schauplätzen und lebt mit seiner italienischen Ehefrau in Devon. Ein SommerTRAUM in der Toskana ist sein erster Roman, der auf Deutsch erscheint.

1


»Beatrice, können Sie mich hören?«

Bee vernahm die Stimme wie durch einen dicken Vorhang. Eine warme Hand fasste ihr an den Unterarm, und die Stimme sprach sie erneut an. Sie gehörte einem Mann, und er klang freundlich.

»Beatrice, können Sie mich hören? Ich bin Doktor Bianchi. Sie sind im Krankenhaus von Siena.« Sein Englisch war gut. Er klang wie ein Italiener, der eine Zeit lang in Amerika gelebt hatte.

Krankenhaus? Als die Bedeutung seiner Worte zu ihr durchdrang, überlegte sie angestrengt, wie sie dorthin gelangt sein konnte, aber es blieb ihr ein Rätsel.

»Ja, ich höre Sie.« Die eigene Stimme kam ihr fremd vor. Sie schüttelte den Kopf, um ihren Verstand in Gang zu bringen, und zuckte vor Schmerzen zusammen. Sehr vorsichtig krümmte sie die Finger und Zehen. Schon ein wenig beruhigt, streckte sie die Arme und dann die Beine. Dabei schoss ihr ein scharfer Schmerz in den linken Oberschenkel und den Rücken. »Autsch.«

»Ich fürchte, Sie haben einiges abbekommen, aber das wird wieder. Am Oberschenkel haben Sie einen großen Bluterguss, gebrochen ist nichts.«

Bee hob den freien Arm und befühlte ihr Gesicht und den dicken Verband. Dann erst öffnete sie die Augen. Sie musste einige Male blinzeln, bis sie begriff, dass alles schwarz blieb. Eine panische Angst erfasste sie, und sie kämpfte dagegen an wie noch nie in ihrem Leben.

»Ich kann nichts sehen.« Sie klang noch sehr schwach, aber der Schrecken war ihr anzuhören.

»Das hat seine Richtigkeit, Beatrice. Sehr bald schon können wir Ihnen den Verband von den Augen nehmen. Ihre Sehkraft sollte völlig intakt sein.«

Ihre Erleichterung war unermesslich. Sie stieß einen langen Seufzer aus und merkte, dass ihr Körper sich entspannte. Bee strich sich über den Kopf und wusste zuerst nicht, was sie da fühlte. Es dauerte tatsächlich mehrere Augenblicke, bis ihr benommener Verstand zu der Erkenntnis kam, dass ihre schönen langen Haare verschwunden waren. Was hatte das zu bedeuten?

»Meine Haare? Was ist damit passiert?«

Sie ertastete Stoppeln und einen Verband.

Der Arzt drückte ihr ermutigend das Handgelenk.

»Keine Sorge, die wachsen wieder. Sie haben bei dem Unfall einen Schlag auf den Kopf bekommen und mehrere Schnitt- und Schürfwunden davongetragen. Ihre Haare sind bei der Explosion versengt worden. Die übrigen mussten wir wegrasieren, damit wir die Wunde nähen konnten. Außer der großen haben Sie etliche kleine, die aber nicht allzu schlimm sind. Ihre Haare werden die Narben bald überdecken, und es geht Ihnen wieder gut.«

Explosion? Eine Bombe? War sie Opfer eines Terroranschlags geworden? Bee schüttelte frustriert den Kopf. Wenn sie sich nur erinnern könnte .

»Beatrice, gibt es jemanden, den Sie anrufen möchten? Freunde? Familie? Wir haben Ihre Mutter erreichen können. Ich habe persönlich mit ihr gesprochen und sie beruhigt. Ich war überrascht zu hören, dass sie Italienerin ist.« Er wechselte ins Italienische. »Heißt das, Sie sprechen auch Italienisch? Ich würde mich nämlich lieber in meiner Muttersprache unterhalten.«

Bee konnte ohne Schwierigkeiten auf Italienisch antworten, wie sie feststellte, und nahm das als gutes Zeichen, dass sie keinen Hirnschaden erlitten hatte. »Ich würde gern bei Englisch bleiben, wenn es Ihnen recht ist. Ich spreche zwar Italienisch, bin mir aber nicht sicher, wenn es um medizinische Ausdrücke geht.« Sie wechselte wieder ins Englische. »Es ist sehr freundlich von Ihnen, dass Sie mit meiner Mutter telefoniert haben. Vielen Dank, Doktor .?«

»Bianchi. Dario Bianchi. Ich arbeite auf der Unfallstation des Krankenhauses von Siena.«

Bee lehnte den Kopf ins Kissen, und als sie sich entspannte, ließ ihre Benommenheit allmählich nach, und sie fing an, sich zu erinnern. »Siena, sagen Sie? Ich habe in Siena gearbeitet.« Sie konzentrierte sich sehr, und plötzlich kam ein Schwall von Erinnerungen zurück. »Für eine Filmgesellschaft.«

»Das stimmt. Stimmt genau.« Der Arzt klang erfreut und vielleicht auch ein bisschen erleichtert. »Sie waren am Set eines Films, der hier gedreht wird. Wissen Sie noch, was passiert ist?«

Bee dachte angestrengt zurück. Ihr fiel der Name des Films ein und der des Hotels, in dem die Crew und sie untergebracht waren, aber sie wusste nicht mehr, was ihr passiert war. Sosehr sie sich bemühte, der Unfall blieb für sie im Dunkeln.

»Mal sehen. Der Film, den wir drehen, heißt Der dunkle Prinz. Ein Monumentalfilm, der im Mittelalter spielt. Ich wurde als historische Beraterin engagiert. Ich bin seit zwei Monaten in Siena, und der Dreh steht kurz vor dem Abschluss.« Sie schnaubte frustriert. »All das weiß ich noch, aber was den Unfall angeht, habe ich einen Blackout. Ich habe keine Ahnung, wie ich hierhergekommen bin.«

»Machen Sie sich keine Gedanken, Beatrice. Sie werden sich mit der Zeit erinnern. Der Unfall ist am Set passiert. Es heißt, dass ein Beleuchtungsgerüst auf Sie gestürzt ist und die Lampen explodierten, sodass Sie von fliegenden Scherben getroffen wurden.«

Was er schilderte, löste bei ihr keinerlei Erinnerung aus. »Wurde noch jemand verletzt?«

»Ich fürchte, ja. Mimi Robertson. Sie hat aber mehr Glück gehabt als Sie. Sie wurde nicht am Kopf getroffen, und ihre Schnittwunden waren nicht so ernst.«

»Ach du je.« Mimi Robertson war die berühmteste britische Schauspielerin ihrer Generation und auch in Hollywood eine Größe. Sie spielte in dem Film die weibliche Hauptrolle, und Bee war ihr zu Drehbeginn vor einigen Wochen vorgestellt worden. Seitdem hatten sie aber kaum mehr als ein paar Worte miteinander gewechselt. Die strahlende Schönheit blieb die meiste Zeit für sich, und Bee war ihr klugerweise aus dem Weg gegangen. Denn die anderen Mitglieder der Crew hatten sie gewarnt, sie solle nicht überrascht sein, wenn Mimi - Miss Robertson, wie sie lieber genannt werden wollte - sie ignorierte. Offenbar war sie eine schwierige Persönlichkeit und galt als kühl und unnahbar.

Allerdings war sie auch ein Kassenmagnet.

Bee entspannte sich abermals, erleichtert, weil ihr Gedächtnis sie nicht ganz im Stich ließ. Doch der Gedanke an den Verlust ihrer schönen langen Haare trieb ihr Tränen in die Augen. Ihr Oberschenkel schmerzte stark und brachte sie zu der Frage, ob sich die vielen Verletzungen auf ihr weiteres Leben auswirken würden. Während sie die aufsteigende Panik mit aller Macht niederrang, dachte sie noch einmal an Mimi Robertson. Wie kam sie wohl mit ihren Verletzungen zurecht? Schließlich war die äußere Erscheinung für Filmstars ihres Kalibers enorm wichtig.

Dann fiel ihr ein anderer Name ein: Jamie. Kurz überlegte sie, den Arzt zu bitten, ihn ebenfalls anzurufen und ihm mitzuteilen, dass es ihr gut gehe. Doch dann verwarf sie die Idee wieder. Das mit Jamie war aus und vorbei. Schon vor Monaten hatten sie sich getrennt, und sie erinnerte sich problemlos an die letzte ärgerliche Woche vor der Trennung. Leider. Es wäre ein Segen, wenn ihr Gedächtnis in dem Fall versagte.

Sie war froh, dass ihr Verstand inzwischen besser funktionierte, auch wenn die Ereignisse des Unglückstages am Filmset noch im Dunkeln lagen. Da fiel ihr etwas ein. »Doktor Bianchi, falls Sie Zeit haben, könnten Sie vielleicht jemanden bitten, den Kollegen bei Pan World Bescheid zu sagen, dass ich wach bin.«

»Das ist bereits geschehen. Ich glaube sogar, da war schon jemand, der Sie besuchen will. Die Dame ist im Lauf der Woche immer wieder hergekommen.«

»Im Lauf der Woche .? Wie lange liege ich denn schon hier?«

»Seit fünf Tagen. Wir haben Sie ins Koma versetzt, wegen einer Hirnschwellung, die uns Sorgen machte. Aber erfreulicherweise kann ich Ihnen mitteilen, dass sie vollständig zurückgegangen ist.«

»Fünf Tage? Also haben wir heute .?« Bee war von Neuem durcheinander. »Freitag? Samstag?«

»Samstag. Am Montagmorgen wurden Sie eingeliefert.«

»Und die Hirnschwellung?« Sie tat ihr Bestes, damit ihre Stimme nicht schwankte. »Das hört sich schlimm an.«

»Es hätte ernst werden können, Beatrice, aber Sie brauchen sich deswegen keine Sorgen mehr zu machen. Soweit wir sagen können, haben Sie keinen bleibenden Schaden erlitten.«

»Soweit Sie sagen können?« Der Verlust ihrer Haare erschien ihr auf einmal ganz unwichtig. Wieder musste sie gegen Ängste ankämpfen. Besser, sie lenkte das Gespräch auf ein anderes Thema.

»Und Miss Robertson? Ist sie auch noch im Krankenhaus?«

»Nein, sie wurde sehr schnell entlassen. Aber wie gesagt, gleich wird eine Ihrer Kolleginnen Sie besuchen. Sie wird Ihnen Genaueres erzählen können. Vorher wollen wir Ihnen noch den Verband von den Augen nehmen und die Visite des Chefarztes abwarten. Nun ruhen Sie sich ein wenig aus. Alles kommt wieder in Ordnung.«

»Danke, Doktor Bianchi.«

»Gern geschehen. Ich gehe jetzt, aber Sie sind nicht allein. Die Schwester ist gerade gekommen und wird hierbleiben, bis der Augenverband entfernt wird.«

Bee hörte ihn leise mit jemandem sprechen, dann Schritte, die sich entfernten, und erst einmal fühlte sie sich sehr allein in ihrer Dunkelheit. Kurz darauf nahm jemand ihre Hand. Es war eine warme, sanfte Berührung, die sie an ihre Mutter erinnerte. Bee griff nach den Fingern und drückte sie, wie sie es früher als kleines Mädchen getan hatte. Das wirkte sehr tröstlich auf sie.

»Hallo. Ich heiße Rosa. Ich bleibe jetzt bei Ihnen. Sie können ganz ruhig sein.« Die Stimme war so warm wie die Hand. Die Krankenschwester sprach Italienisch mit ihr,...

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