Küss mich - ich gestehe

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. Januar 2018
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-5511-9 (ISBN)
 
Drei Wochen hielt das große Glück. Dann verschwand die blonde Page spurlos aus Gabes Leben. Und zwei Jahre sind vergangen, in denen er sich immer wieder eine Frage stellte: Warum?
  • Deutsch
  • 2,06 MB
978-3-7337-5511-9 (9783733755119)
3733755111 (3733755111)

1. KAPITEL

Paula Smithers war bei ihren Mitmenschen nicht sonderlich beliebt. Das wusste sie selbst, und es störte sie auch nicht. Im Gegenteil - sie verhielt sich bewusst abweisend und unnahbar. In ihrem Leben gab es keinen Platz für Freunde.

Jeden Morgen um Punkt acht Uhr begann sie mit der Büroarbeit bei einem Autohändler in Des Moines im Bundesstaat Iowa. Acht Stunden am Tag arbeitete sie in fast völliger Einsamkeit. Die Verkäufer kamen nur zu ihr, wenn sie Anweisungen oder Fragen hatten. Die anderen Angestellten hatten es aufgegeben, Paula in ihre Gruppe einzubeziehen.

Paula war nie unhöflich, aber auch nicht freundlich. Nach fünf Monaten hielten ihre Kollegen sie für eine Einzelgängerin. Versuchte doch jemand aus Mitleid, sie einzuladen oder sich mit ihr anzufreunden, wies sie ihn mit einem kühlen Lächeln ab. Irgendwann gab es jeder auf.

Blake Jones, der neue Verkäufer des Autohauses, war hartnäckiger als andere.

"Guten Morgen, Paula", begrüßte er sie und kam mit einem Stapel Unterlagen in ihr kleines Büro. "Sie sehen heute wieder hübsch aus."

Das hellbraune Kostüm ließ ihre Haut bleich erschienen und passte im Farbton überhaupt nicht zu den braunen Augen. Auf Schmuck hatte Paula verzichtet. Sie trug nur eine schlichte Armbanduhr und eine dünne Goldkette, die unter dem hochgeschlossenen Kragen verschwand.

Der strenge Haarknoten hätte zu einer wesentlich älteren Frau gepasst. Sie hatte kein Make-up aufgelegt, und die große Brille rutschte ihr ständig von der Nase herunter. Da Paula sich bewusst unvorteilhaft zurechtgemacht hatte, hielt sie nichts von Blakes Kompliment.

"Danke", erwiderte sie kühl und griff nach den Unterlagen.

Blake störte sich nicht an dem abweisenden Ton. In den zwei Wochen, die er für McElden Motors arbeitete, hatte er bereits alle Verkaufsrekorde gebrochen. Mit der gleichen Hartnäckigkeit, die ihm gute Abschlüsse einbrachte, verfolgte er auch seine anderen Ziele. Und aus unerfindlichen Gründen hatte er beschlossen, sich mit Paula anzufreunden.

Von Anfang an hatte sie gefühlt, dass es ihm nicht um Sex ging. Vielleicht war es Mitleid. Oder er konnte es einfach nicht ertragen, wenn ihm eine Frau widerstand.

Blake war Anfang Dreißig und sehr attraktiv. Er wirkte jungenhaft mit dem ganz bewusst zerzausten blonden Haar, den blauen Augen und dem gewinnenden Lächeln. Außerdem war er schlank und trug mit Vorliebe weite Hemden und ordentlich gebügelte Hosen.

"Ich möchte heute Mittag das neue chinesische Restaurant in unserer Nähe ausprobieren", sagte er. "Wollen Sie sich mir anschließen?"

"Nein, danke", erwiderte sie und widmete sich der Arbeit. "Ich habe mein Mittagessen mitgebracht."

Er lehnte sich gegen den Schreibtisch und begann mit dem Hefter, dem Klebebandspender und einem Briefbeschwerer aus Messing zu jonglieren. "Der Tag ist schön. Es wird endlich Frühling. Da verpflegt man sich doch nicht aus einer Papiertüte. Möchten Sie nicht für eine Weile aus dem Büro herauskommen?"

"Nein, ich möchte hier essen", wies sie ihn entschieden zurück und sah zu, wie er die Gegenstände geschickt in einer anderen Reihenfolge von einer Hand in die andere wandern ließ. "Sie haben Ihren Beruf verfehlt. Sie hätten zum Zirkus gehen sollen."

Blake stellte die Gegenstände wieder auf den Schreibtisch. Dabei rutschte die Manschette des hellblauen Hemdes für einen Moment zurück. Paula entdeckte eine kleine Tätowierung am rechten Handgelenk, konnte sie jedoch nicht deutlich erkennen.

"Da war ich schon", erwiderte er lässig. "Reizt Sie der Chinese nicht doch?"

Als sie den Kopf schüttelte, seufzte er übertrieben und schlenderte zur Tür. Blake tat nie etwas hastig.

"Dann eben bei einer anderen Gelegenheit", sagte er.

Paula antwortete nicht. Mit der Zeit würde er schon das Interesse an ihr verlieren. Sie konzentrierte sich wieder auf die Arbeit, um sich nicht so einsam zu fühlen. Die Arbeit war schließlich alles, was sie hatte.

Auf der Heimfahrt hielt Paula bei einem chinesischen Restaurant und holte sich eine Portion Gemüsesuppe mit Eierstich und als Hauptgericht Huhn mit Cashewkernen zum Mitnehmen. Nachdem Blake vom Mittagessen gesprochen hatte, hatte sie einen Heißhunger auf chinesisches Essen bekommen.

Sie schloss ihr kleines möbliertes Apartment auf, das sich in einem billigen und wenig ansprechenden Wohnkomplex befand. Die Einrichtung war funktional und unpersönlich, und Paula hatte sich nicht die Mühe gemacht, die Wohnung auszuschmücken.

Da sie nie Besuch erhielt, war es ihr gleichgültig, wie es hier drinnen aussah. Paula fühlte sich innerlich so leer, dass sie auch die eleganteste Umgebung nicht hätte genießen können.

Sie stellte das Essen auf den Küchentisch und legte die überflüssige Brille beiseite. Dann sah sie die Post durch. Zu ihrer Erleichterung waren es nur die üblichen Werbesendungen und die Stromrechnung. Sie bekam keine Zeitungen und keine persönlichen Briefe. Trotzdem kostete sie das Durchsehen der täglichen Post jedesmal Nervenkraft.

Nach dem Essen schlüpfte sie im Schlafzimmer in ein bequemes Nachthemd, zog die Nadeln aus dem Knoten und ließ das dichte Haar auf die Schultern fallen. Dann strich sie mit den Fingern durchs Haar und suchte nach Stellen, an denen die stumpf wirkende Farbe erneuert werden musste.

Paula wusch sich das Gesicht, putzte die Zähne, nahm die braunen Kontaktlinsen aus den Augen und verwahrte sie sorgfältig in ihrem Behälter.

Den Rest des Abends verbrachte sie auf dem Sofa mit einem Taschenbuchroman. Der Fernseher lief, ohne dass Paula darauf achtete. Sie schaltete den Apparat nur ein, um menschliche Stimmen zu hören.

Das war die einzige Gesellschaft, die sie sich seit über zwei Jahren erlaubte.

Gabes Hand zitterte leicht, als er nach den Fotos griff, die Blake ihm reichte. Es wäre ihm lieber gewesen, wenn Blake es nicht bemerkt hätte, aber diesem Mann entging kaum etwas, mochte er auch noch so lässig wirken.

Eingehend betrachtete Gabe die Fotos. Es handelte sich um heimliche Schnappschüsse, die eine sehr durchschnittlich wirkende Frau von Mitte Dreißig zeigten. Sie wirkte streng und humorlos. Schlichtes Haar, braune Augen, große Brille, unvorteilhafte Kleidung.

Page war jetzt fast achtundzwanzig, hatte goldblondes Haar und himmelblaue Augen. Sie hatte stets hübsche Kleidung in hellen Farben geliebt und fast immer gelächelt. Und sie hatte ihn vor zweieinhalb Jahren verlassen.

"Nun?", fragte Blake.

Gabe seufzte und nickte. Er starrte auf das Foto, das er in der linken Hand hielt. An dieser Hand trug er noch immer den Ring, den Page ihm am Tag ihrer Hochzeit angesteckt hatte.

"Ja", sagte er langsam. "Das ist meine Frau." Er hob den Kopf und sah den blonden Mann vor seinem Schreibtisch durchdringend an. "Wo ist sie?"

Paula war besonders nervös, als sie an diesem Samstag ihre Post durchsah. Eigentlich gab es dafür keinen Grund, aber es bereitete ihr Sorgen, dass Blake Jones verschwunden war.

Seit sie seine Einladung zum Mittagessen abgelehnt hatte, war er einfach nicht mehr zur Arbeit erschienen und hatte sich nicht einmal telefonisch gemeldet.

Nun wusste Paula aus eigener Erfahrung, wie es war, wenn jemand ohne ein Wort verschwand. Und darum beunruhigte sie Blakes Verschwinden. Vor allem fürchtete sie, es könne mit ihr zu tun haben.

Die Reklame warf sie weg, die Rechnungen für Wasser und Kabelanschluss wollte sie später bezahlen.

Bei dem letzten Brief stockte ihr für einen Moment das Herz. Er war an Paula Smithers gerichtet, und die Adresse enthielt die Nummer der Wohnung und die korrekte Postleitzahl. Der Absender fehlte, aber die typische schräge Handschrift kannte sie nur zu gut.

Sie wusste genau, was sie darin finden würde. Fotos, sonst nichts. Keine Erklärung, gar nichts.

Ihre Hände zitterten so heftig, dass sie den Brief kaum aufreißen konnte. Zwei Schnappschüsse fielen heraus.

Die Bilder verschwammen vor ihren Augen, als sie mit den Fingerspitzen das Gesicht berührte, das sie seit zweieinhalb Jahre nicht mehr gesehen hatte. Und dann betrachtete sie das zweite Foto.

"Um Himmels willen", flüsterte sie und stützte sich auf den Stuhl.

Es dauerte mehrere Sekunden, bis sie den Schwindelanfall überwunden hatte und handeln konnte. Sie lief ins Schlafzimmer, griff nach dem großen Koffer, den sie stets bereithielt, und warf Jeans, Tops, Trainingsanzüge, Socken und Unterwäsche hinein. Die schlichten Kostüme und anderen Sachen, die sie zur Arbeit getragen hatte, ließ sie zurück.

Paula Smithers alias Page Shelby Conroy war wieder auf der Flucht.

Gabe hätte sie beinahe verfehlt. Seit einer Viertelstunde saß er in seinem Pick-up auf dem Parkplatz der Wohnanlage, die Blake ihm beschrieben hatte. Er hatte all seinen Mut zusammengenommen und sich auf die Konfrontation vorbereitet.

Zwei junge Männer nutzten das schöne Wetter an diesem Wochenende im April, um auf dem Parkplatz einen alten, aber gut erhaltenen Mustang zu waschen. Sie hatten Gabe bemerkt und fragten sich wahrscheinlich schon, warum er nicht ausstieg.

Er holte tief Atem, öffnete die Tür und hatte gerade den ersten Schritt gemacht, als er eine Frau entdeckte. Sie eilte einen Weg entlang und zog einen Koffer auf Rädern hinter sich her.

Wenn er die Fotos nicht gesehen hätte, dann hätte er sie nicht erkannt. Sie sah ganz anders aus als die Frau, die ihn so lange in seinen Träumen verfolgt...

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