Biker Day

 
 
Elektronik-Praktiker (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. Juni 2020
  • |
  • 412 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-947167-84-5 (ISBN)
 
Eike Wolf ist Polizist und liebt seinen Beruf. Gerne wäre er Kriminalkommissar geworden, doch seine Eigenmächtigkeiten finden bei Vorgesetzten wenig Anklang. Als er gegen ein Mitglied des niedersächsischen Landtags wegen fahrlässiger Tötung und Fahrerflucht ermittelt, bekommt er den Einfluss der politischen Macht zu spüren und wird in den beschaulichen Harzort Altenau versetzt. Doch er gibt nicht auf und stößt bei seinen Recherchen auf Drogenmissbrauch in höchsten Kreisen.

Als ungewöhnlich viele Biker im Harz verunglücken, glaubt Wolf nicht mehr an Unfälle. Sein Verdacht bestätigt sich, als plötzlich Videoaufzeichnungen davon auftauchen. Wer hat es auf unschuldige Motorradfahrer abgesehen? Und warum? Steckt eine Aktivistengruppe, die sich »Raserfreier Harz« nennt, dahinter oder verfolgen skrupellose Politiker damit eigene Ziele? Eike, selbst ein passionierter Biker, hat eine schreckliche Vorahnung. Weitere Anschläge geschehen und scheinbar kann sie niemand verhindern. Dann rückt der Human Biker Day näher, wo Hunderte Motorradfahrer an einer Benefiz-Ausfahrt teilnehmen. Eine Katastrophe bahnt sich an.
  • Deutsch
  • 0,86 MB
978-3-947167-84-5 (9783947167845)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Hans-Joachim Wildner wurde 1949 in Bad Lauterberg im Harz geboren, wo er heute noch mit seiner Frau lebt. Nach dem Ende seiner beruflichen Tätigkeit als Konstrukteur im Maschinenbau fand er die Muße, sich intensiv dem Schreiben zu widmen und hat darin eine neue Erfüllung gefunden.

Mittwoch, 22. August 2017


Herzberg, Amtsgericht

»Darfst du da einfach so hineinfahren?«, fragte Stella, als ihr Vater an dem Hinweisschild zum Parkplatz vor dem Herzberger Schloss vorbeifuhr und geradewegs durch die Tordurchfahrt lenkte.

»Einfach so nicht, aber für dich mach ich das«, sagte er und fuhr auf den Innenhof des Schlosses. »Sei unbesorgt, für Behinderte ist das erlaubt«, erklärte er ihr, als er vor dem Eingang zum Amtsgericht anhielt. Sven sprang sofort aus dem Auto. »Warte einen Moment«, hielt Stellas Vater ihn zurück. »Ich seh erst einmal nach, in welchem Raum die Verhandlung stattfindet.« Er stieg ebenfalls aus, ging die Eingangsstufen hinauf und verschwand in dem Gebäudetrakt. Nach wenigen Minuten kehrte er zurück. »Ich habs mir schon gedacht. Wir müssen in den ersten Stock«, sagte er und öffnete die Kofferraumklappe. Sven beugte sich zu Stella ins Auto. Sie legte Ihre Arme um seinen Hals und gab ihm einen Kuss auf die Wange, bevor er sie aus dem Sitz hob.

»Ich bin unheimlich aufgeregt«, flüsterte sie ihm ins Ohr.

»Ich auch«, gestand Sven. »Ich habe eine Stinkwut auf die und weiß nicht was ich tue, wenn die mir von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen. Ich werde mich überwinden müssen, denen nicht vor die Füße zu spucken.«

»So kenn ich dich ja gar nicht«, sagte Stella. »Versprich mir, locker zu bleiben.«

Er drückte sie fest an sich und vergrub sein Gesicht in ihrer Schulter. »Ich werde denen niemals vergessen, was sie dir angetan haben«, sagte er. »UNS angetan haben«, ergänzte er.

»Vertrau dem Staatsanwalt, das soll ein scharfer Hund sein. Er wird denen schon zeigen, wo der Hammer hängt.«

»Du hast recht. Außerdem liegt für mich der Fall klar auf der Hand, so wie du jetzt. Und dein Papa ist selbst Rechtsanwalt und vertritt dich mit der Schadensersatzklage. Er wird eine ordentliche Entschädigung herausholen. Was soll da schief gehen?« Er lächelte sie an.

Stellas Mutter ging voraus und hielt die Türen für Sven mit Stella und ihren Mann auf, der den zusammengeklappten Rollstuhl vor sich her trug.

Auf dem oberen Flur setzte Sven seine Freundin in den Rollstuhl zurück und schob ihn in den Gerichtssaal. Sven ging einige Schritte auf den knarzenden Dielen hinein, blieb stehen und sah sich um. Sein Herz schlug schneller, als er den bärtigen Mann in Motorradkluft auf der Anklagebank erblickte. Er tuschelte mit seinem Verteidiger, hielt inne und schielte kurz herüber. Sven erkannte in seinem Gesicht keinerlei Anzeichen von Betroffenheit beim Anblick der jungen Frau im Rollstuhl, deren Schicksal er zu verantworten hatte. Der Mann wandte sich erneut zu seinem Anwalt und setzte das Gespräch mit ihm fort. Auf dem Rückenteil seines T-Shirts protzte ein rundes Emblem mit dem Schriftzug »Vulcan Recken«. Ein solches Abzeichen hatte Sven noch nirgends gesehen. In der ersten Reihe der Besucherstühle hatten vier weitere Männer in Motorradkutte Platz genommen. Sven fand es provozierend, zu diesem Prozess in derartiger Aufmachung zu erscheinen. Ihr Anblick erinnerte ihn an wilde Rockerbanden, die in Film und Fernsehen ihr Unwesen trieben. Diese Banden nahmen sich viele Motorradfans sicher zum Vorbild. Er warf ihnen einen vorwurfsvollen Blick zu und schob Stella absichtlich dicht an ihnen vorüber. Sie schienen den Blickkontakt zu meiden und schauten zur Seite. Stellas Mutter begab sich in die zweite Besucherreihe, wo bereits zwei Frauen saßen.

Sven parkte den Rollstuhl an der Stirnseite des Tisches, hinter dem ein Mann in schwarzer Robe saß und in seinen Akten blätterte.

Er löste sich von dem Papier, erhob sich und kam nach vorne. »Ich bin Staatsanwalt Dr. Henrik«, stellte er sich Stella vor. »Wie geht es Ihnen?«

»Danke, ich bin etwas aufgeregt«, antwortete Stella.

»Dazu besteht kein Grund, Sie sind schließlich nicht angeklagt«, sagte er und begrüßte Stellas Vater, der seinerseits die Anwaltsrobe überstreifte.

»Lassen Sie uns setzen, ich muss Ihnen etwas mitteilen«, sagte er, und Sven glaubte, einen besorgten Zwischenton herauszuhören. Er bugsierte den Rollstuhl näher an den Tisch und die beiden Ankläger rückten die Stühle zusammen.

»Es hat sich ein neuer Aspekt in der Sache ergeben.« Er blätterte in seinen Unterlagen herum, bis er auf Fotos von Motorrädern stieß. »Die Verteidigung beruft sich auf die Ermittlungsakte der Polizei und das Ergebnis der KTU, bei der die beteiligten Motorräder untersucht wurden. Sie behaupten, dass dem Angeklagten keine eindeutige Schuld nachzuweisen sei, da weder an seinem noch an den Motorrädern der anderen Kollisionsspuren zu erkennen seien. Deswegen ist keinem der fünf Fahrer, die an dem Unfall beteiligt waren, eine Schuld nachzuweisen. Hier sehen Sie.« Er zeigte ihnen die Bilder.

»Das ist doch wohl ein Witz«, echauffierte sich Sven. »Heißt das, die kommen ungeschoren davon?«

»Nicht so laut«, ermahnte ihn Stellas Vater. »Kollektivstrafen gibt es in unserem Rechtssystem nicht. Wir müssen deshalb anhand von Zeugenaussagen und eventuellen Gutachten nachweisen, dass einer der Fahrer der Unfallverursacher war.«

»Richtig«, bestätigte der Staatsanwalt. »Ich will Ihnen nichts vormachen, aber das wird schwierig werden, zumal außer den Beteiligten nur zwei Zeugen den Unfallhergang beobachtet haben. Es wird von ihren Aussagen abhängen, ob die Schuld zweifelsfrei bewiesen werden kann.«

»Ich hör wohl nicht recht. Die rasen ein Mädchen auf ihrem Fahrrad über den Haufen und gehen nachher unbescholten nach Hause?«, beschwerte sich Sven im Flüsterton. »Das ist schwer zu ertragen.«

»Nun warten Sie es erst einmal die Verhandlung ab. Noch ist nichts verloren«, erwiderte der Staatsanwalt.

In der linken Wand des Raumes öffnete sich eine Tür. Die Richterin und zwei Beisitzer, eine Frau und ein Mann, betraten den Saal. Alle Anwesenden, mit Ausnahme von Stella, erhoben sich. Die Vorsitzende und ihre Begleiter stellten sich hinter dem Richtertisch auf. Eine Frau, registrierte Sven beifällig. Das könnte von Vorteil sein. Frauen sind normalerweise empathischer als Männer, glaubte er.

»Nehmen Sie bitte Platz«, sagte die Richterin. Mit dem Geräusch rückender Stühle kamen alle der Aufforderung nach. Dann wurde es still im Saal. Sven beobachtete die Vorsitzende einen Augenblick. Was für ein Mensch mag sie sein, überlegte er. Ohne ihre Robe würde sie im Alltag unauffällig bleiben. Er taxierte sie auf Mitte vierzig. Sie trug eine randlose Brille und sah mittelmäßig aus. Ein Muttertyp, schätzte er. Sie ist auf Stellas Seite, was soll da schief gehen?

»Die Hauptverhandlung in der Strafsache Aktenzeichen St 32/4. 3 ist hiermit eröffnet. Ich rufe zunächst die Zeugen auf und bitte Sie nach vorne zu kommen.«

Sie las Stellas sowie sechs weitere Namen von einem Blatt ab. Am Ende standen die vier Männer in der Motoradkleidung, die beiden Frauen und Stella vor dem Richtertisch.

»Ich weise Sie darauf hin, dass Sie vor Gericht die Wahrheit sagen müssen. Uneidliche Falschaussage wird mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren belegt. Meineid mit einer Strafe nicht unter einem Jahr. Bitte nehmen Sie draußen im Flur Platz. Sie werden dann einzeln aufgerufen.« Die Zeugen begaben sich zum Saalausgang.

»Frau Reimers, Sie bleiben bitte gleich hier«, forderte die Richterin sie auf, dann sah sie abwechselnd zur Seite der Anklage und Verteidigung. »Legen Sie Wert auf eine Vereidigung der Zeugin?«, fragte sie.

Kopfschütteln von beiden Parteien.

»Frau Reimers, wann genau passierte der Unfall«, fuhr sie fort.

Bevor Stella antwortete, schaute sie flüchtig zu ihrem Vater und Sven. Beide nickten ihr zu, als wenn sie sagen wollten: »Wir halten zu dir.«

»Es war Mittwoch, der 17. Mai«, begann Stella, »am frühen Nachmittag. Die Uhrzeit weiß ich nicht. Ich war mit dem Fahrrad unterwegs und wollte zu meiner Schulfreundin.« Sie schaute erneut zu Sven hinüber. Er lächelte.

»Ja, und weiter«, drängte die Richterin, der der ablenkende Blick zu Sven offenbar zu lange dauerte.

»Ich hatte bei Lidl noch rasch eine Tüte Chips geholt und fuhr weiter. An der Schanzenkreuzung muss es dann passiert sein. Auf dem Zebrastreifen. An mehr kann ich mich nicht erinnern.«

»Können Sie uns den Weg, den Sie genommen haben, auf der Skizze zeigen?«, fragte die Richterin und zeigte auf einen Flipchart-Ständer.

Stellas Vater stand auf und schob sie vor den übergroßen Papierblock, auf dem der Grundriss der Schanzenkreuzung skizziert war. Mit einem Zeigestock fuhr Stella den Weg auf dem Papier nach.

»Hier am Zebrastreifen ist es dann passiert. Ich hörte ein lautes Brummen, dann spürte ich einen Schlag, hörte Schreie und dann nichts mehr.« Stellas Blick schwenkte abwartend über die drei Gerichtspersonen.

»Einen Schlag haben Sie gespürt«, wiederholte die Richterin. »An welcher Stelle?«

»Ich weiß es nicht. Es ging so schnell«, antwortete Stella.

»Dieses Brummen, von dem Sie sprachen, woher kam das?«, fragte die Richterin weiter.

»Es war kein richtiges Brummen, mehr ein Heulen, und war dicht hinter mir. Furchtbar.«

»Danke Frau Reimers!« Sie schaute abermals zu den sich gegenübersitzenden Parteien. »Haben Sie Fragen an die Zeugin?«

Der Verteidiger erhob sich. »Frau Reimers, sind Sie vom Fahrrad abgestiegen, bevor Sie den Zebrastreifen auf der Abbiegespur überquert haben?«

»Nein, die Ampel dahinter war grün und ich wollte noch rüber«, antwortete Stella.

»Danke«, sagte der Rechtsanwalt. »Ich habe weiter keine Fragen.«

Die vier...

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