Verschüttetes Wasser

Band I Vom Glück verfolgt
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Juli 2020
  • |
  • 318 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-8707-3 (ISBN)
 
Wolf Bergmann ist ein ganz gewoehnlicher Mensch. Und doch unterscheidet er sich von seinen Mitmenschen. Er ist nicht Teil der Masse, ist weder ein Supermann noch ein Genie, auch kein absoluter Versager, aber dennoch ist er wie ein Fettauge auf der Suppe, klar abgegrenzt von seiner Umgebung und kann sich nicht mit ihr vermischen.
Das Markanteste an ihm ist wohl, dass er ein leidenschaftlicher Motorradfahrer ist. Da er fast taeglich fahren muss und Motorradfahren auch als sein Hobby betreibt, kennen ihn die meisten seiner Kollegen und Bekannten auch in Motorradbekleidung und nicht nur in Zivil. Er ist ein großer kraeftiger Kerl, herb, eine maennliche Erscheinung, und Schwermut zeichnet sein Gesicht.

Aber Wolf Bergmann hat auch noch eine andere Seite, er ist feinfuehlig und hasst Ungerechtigkeit, weil er sie schon seit seiner Kindheit über sich ergehen lassen musste, ohne dagegen etwas ausrichten zu koennen, auch wenn er sich wehrte. Das hat ihn zu einem Einzelkaempfer gemacht. Er steht abseits der Masse, wird immer wieder zum Mittelpunkt von Angriffen und Anfeindungen in Schule, Armee und im Berufsleben.
Unglueck, egal welcher Art, scheint er anzuziehen wie ein Magnet die Eisenfeilspaene.

Dieser Wolf Bergmann hat die besten Jahre seines Lebens bereits hinter sich. Er steht im Berufsleben und ist Motorradfahrer seit ueber dreissig Jahren. Er weiss, dass Motorradfahren immer gefaehrlich ist, egal ob als blutiger Anfaenger oder als erfahrener Mann. Aber er liebt das Gefuehl der Freiheit und Unabhaengigkeit.
Schon als Kind lernt er unter Obhut seines Onkels das Fahren; dieser Virus infiziert ihn und laesst ihn zeitlebens nicht mehr los.
Jetzt ist er Anfang Fuenfzig, hat vier gescheiterte Ehen hinter sich und denkt schon an das Ende der Unterhaltsknechtschaft, als das Schicksal erneut zuschlaegt und er eines Nachts auf der Intensivstation einer Klinik aufwacht.

An dieser Stelle beginnt die Erzaehlung. Sie ist als eine Mischung aus der Gegenwart des Klinikaufenthaltes und von Erinnerungen an sein bisheriges Leben aufgebaut. Der Autor gibt teils humorvolle und teils abenteuerliche Begebenheiten des Protagonisten zum Besten und geht auch mit sich und der Gesellschaft zu allen Zeiten zuweilen hart ins Gericht.
Sie soll auch weder ein Reisetagebuch noch eine Autobiographie sein, wenngleich verschiedene Elemente darin enthalten sind, um das Ganze in sich abzurunden.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,35 MB
978-3-7519-8707-3 (9783751987073)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Rick Wildmann, wurde 1960 in der ehemaligen DDR als Sohn eines Bergarbeiters geboren.
Nach dem Abitur studierte er Chemie und arbeitete zunaechst als wissenschaftlicher Assistent. Waehrend dieser Zeit erfolgte die Einberufung zur NVA. Nach Rueckkehr ins Berufsleben gab er die Dissertation auf und arbeitete verschiedene Jahre in einem VEB in der Landwirtschaft.
Der gesellschaftliche Umbruch nach dem Untergang der DDR brachte auch für den Autor private und berufliche Veraenderungen mit sich.
Der Autor ist im oeffentlichen Dienst beschaeftigt, ist geschieden und hat einen Sohn.
Dem Sport blieb er sein Leben lang treu. Er ist begeisterter Motorradfahrer.

I


Er erwachte nur langsam. Das Geräusch von tapsenden Schritten, die auf einem langen Gang widerhallten, weckte ihn. Es waren Steinfliesen oder etwas ähnliches, keinesfalls Teppichboden oder gepolstertes Linoleum. Und noch etwas, nämlich der Geruch von Kresol und Desinfektionsmitteln. Diesen Geruch kannte er. Es roch nach Krankenhaus! Plötzlich waren seine Sinne hellwach. Schlagartig kam ihm die Erinnerung.

Gestern Abend war er wie die vergangenen Tage auch seit dem Beginn des Hochwassereinsatzes zur Nachtschicht aufgebrochen. Kurz nach halb neun saß er auf seiner geliebten BMW Wilma und verließ das heimatliche Grundstück in Arendorf.

Dorthin hatte es ihn vor fünfundzwanzig Jahren verschlagen, weil er glaubte, hier eine gute Arbeit gefunden zu haben.

Es war noch Hochwinter, der Dezember des letzten Jahres war hart und brachte jeden Tag neuen Schnee und Kälte, aber Mitte Januar setzte Tauwetter ein und ließ den großen Fluss anschwellen. Seit Tagen herrschte Hochwasseralarmstufe IV, die höchste. Deshalb war er im Schichtdienst; die Deichwachen waren seit sechs Tagen rund um die Uhr im Einsatz, um die Deiche zu kontrollieren.

Er war lange genug dabei, es war nicht sein erster Einsatz als Leiter der Deichwache. Vor neun Jahren im August hatte er das sogenannte Jahrhunderthochwasser mitgemacht und das Gefühl erlebt, das einem durch Mark und Bein fuhr, als im Nachbarort zu Mitternacht die Sirene heulte, weil ein Deich gebrochen war und sich die schlammigen Fluten in die östlichen Gemeinden ergossen.

Der Landrat des Kreises Mattburg löste gleich zu Beginn des Hochwassers Katastrophenalarm aus. Es war die einzig richtige Entscheidung, auch wenn es am Ende nicht ganz so dick kam, nicht zuletzt deshalb, weil im Oberlauf des Flusses mehrere Deiche gebrochen waren und die sich in den dort überschwemmten Gebieten verlaufenden Wassermassen zu einer kurzzeitigen Absenkung des Pegelstandes unterhalb führten. Er kam häufig erst am späten Vormittag von der Nachtschicht, weil es noch Besprechungen im Katastrophenstab gab oder Sichtungen von Sickerstellen bei Tage besser zu beurteilen waren als im Licht der Taschenlampe. Richtig schlafen konnte er tagsüber auch nicht, also litt er wie so viele der freiwilligen Helfer und hauptamtlichen Einsatzkräfte an permanentem Schlafmangel und war froh, als der Hochwasserscheitel das Kreisgebiet passiert hatte und der Katastrophenalarm und ein paar Tage später auch die Alarmstufe III aufgehoben wurden.

Schon vier Monate später gab es ein Winterhochwasser mit Eisgang, dessen Pegelstand den Richtwert der Alarmstufe IV nur um einen Zentimeter verfehlte und dessen höchsten Stand er mit einem Pegel zwischen 580 und 590 cm vorausgesagt hatte.

Von einem der Vorgesetzten wurde er deshalb gerügt, wie er zu solchen Behauptungen käme, denn in der Zeitung stand, es werden etwa 565 cm erwartet. Doch seine Erfahrungen lehrten ihn, der Zuwachs an einem Richtpegel im Oberlauf käme etwa zu einem Drittel auf den gegenwärtigen Wert von Mattburg drauf. Darauf begründete sich seine Einschätzung. Er sollte Recht behalten; am Ende erreichte der Hochwasserscheitel einen Pegelstand von 5,85 m.

Ein paar Jahre später setzte nach einem schneereichen Winter vor Ostern Tauwetter in den Mittelgebirgen ein, wieder wurde die Alarmstufe IV ausgerufen.

Ein Hochwasser war für ihn schlicht etwas Abwechslung im eintönigen Behördenalltag und er hatte das Gefühl, etwas für die Menschen zu tun, die sich um ihr Hab und Gut sorgten; nicht zuletzt darin sah er den Sinn seines Amtseides.

Den Schnee hatte er in den vergangenen Wochen ohne nennenswerte Probleme überstanden. Einmal war er beim Hoppeln über der aus schlaglochartigen Mulden bestehenden festgefahrenen Schneedecke mit dem Vorderrad weggerutscht. Mit so einer Lappalie musste er jederzeit rechnen und war darauf gefasst. Doch bei dieser Geschwindigkeit passierte da nichts, die BMW kam auf dem Sturzbügel zu liegen. Er stieg ab, richtete die Maschine wieder auf, saß auf und hoppelte weiter. Seine einzige Sorge war, ob das Benzin bis nach Hause reichen würde, denn er fuhr schon auf Reserve und hatte nicht mehr tanken wollen, um Zeit zu sparen. Doch durch die Schleicherei im ersten Gang, mehr war nicht drin, wurde der Verbrauch in die Höhe getrieben und es wurde knapp. Zudem war die Straße mit Autos verstopft, die die Autobahn verlassen hatten. Wann immer es keinen Gegenverkehr gab, musste er sich auch noch an den stehenden Wagen vorbeimogeln. In wenigen Wochen würden die Tage länger werden und der Frühling an die Tür klopfen. Dann waren die Mühsale des Winters Vergangenheit.

*

Der Januarabend war klar. Es herrschten zwar ein paar Grad Frost, aber die Straßen waren frei und er musste sich keine Sorgen machen. Zu der späten Stunde war der Verkehr auf der Hauptstraße abgeebbt. Seit die Autobahn fertig war, benutzten nicht mehr viele Fahrer die Landstraße zur Kreisstadt. Nur zwei Autos überholten ihn mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit.

Ihre Rücklichter leuchteten noch kilometerweit, doch an diesem Abend würde er sie nicht mehr mit den Augen verfolgen können, bis sie unsichtbar wurden.

Ein einsames Auto kam ihm entgegen. Wie gewohnt, benutzte er die Mitte seiner Straßenseite, um im Ernstfall einem Hasen oder einem Fuchs ausweichen zu können. Schwarzwild war eher selten in dieser trostlosen Gegend ohne Berge und Wälder.

Er bedauerte, dass er hier hängen geblieben war, aber nun hatte er seit zwanzig Jahren sein eigenes Haus in Arendorf, und das wollte er behalten, solange es die Umstände erlaubten. Dafür nahm er das endlose Flachland mit seinen Hunderthektarschlägen, auf denen Wintergetreide, Zuckerrüben und Kartoffeln Rekorderträge lieferten, in Kauf. Hier konnten Stürme mit Windstärke zehn aus West blasen, so dass er wie ein Regattasegler schräg im Wind lag, wenn er mit dem Motorrad von der Arbeit kam. Es war eben im Augenblick so und nicht anders.

Wenigstens gab es in den ersten Jahren, als der Windschutzstreifen westlich seines Grundstückes gerade erst gepflanzt und noch niedrig war, bei günstigem Wetter eine Fernsicht bis zum höchsten Berg des sechzig Kilometer entfernten Mittelgebirges und einen phantastischen Sonnenuntergang.

Er befand sich jetzt auf gleicher Höhe mit dem entgegenkommenden PKW und konnte schon das grüne Licht der noch vier Kilometer entfernten Ampel der Kreuzung sehen, als er plötzlich einen Lichtblitz gewahrte, den er im Bruchteil einer Sekunde als die Scheinwerfer eines Autos erkannte, die sich hinter dem Kleinwagen lösten und auf die Gegenfahrbahn steuerten.

Noch bevor er sich darüber wundern konnte, warum dieser so einfach mir nichts dir nichts bei Gegenverkehr zum Überholen ansetzte, krachte es auch schon. Zum Ausweichen oder irgendeiner anderen nutzlosen Reaktion hatte er keine Chance. Der andere ließ ihm keine. Er spürte den Schlag am linken Schienbein, dann schleuderte seine Maschine mit ihm durch die Luft und überschlug sich. Er hörte das Kreischen vom auf dem Asphalt kratzenden Metall hinter sich, während er auf dem Rücken liegend an die fünfzig Meter oder mehr auf der Straße entlang rutschte. Dabei war er nur von der Hoffnung beseelt, dass die Maschine mit ihren mehr als vier Zentnern Gewicht vor ihm zum Stillstand kommen möge, um ihm nicht noch mehr Knochen zu zerschlagen. Denn dass das linke Schienbein gebrochen war, fühlte er schon, als er zu rutschen begann. Er bewegte das Knie nach rechts - der Fuß blieb, wo er war.

Endlich kam er auf der Bankette zum Liegen. Stillstand. Nacht.

Stille. Dunkelheit. Kein Fahrzeug war mehr zu sehen. Nur Wilmas Scheinwerfer warf einen Lichtstrahl zum Acker. Hatte der Typ den Aufprall gar nicht bemerkt? Oder Fahrerflucht begangen? Er wollte fluchen, aber die Schmerzen im Fuß kamen jetzt mit einer Heftigkeit, dass der vorangegangene Adrenalinstoß keine Wirkung mehr zeigte. Auch die Rippen schienen geprellt zu sein, doch das war im Augenblick sekundär. Er durfte jetzt nicht schlappmachen, er musste einen klaren Kopf bewahren und selbst für Hilfe sorgen.

Mit zitternden Händen, die ihm aber doch gehorchten, zog er die Handschuhe aus und löste den Verschluss vom Helm, um ihn abzunehmen. Dann zog er das Handy aus der Jackentasche und wählte den Notruf 110. Besetzt. Er wartete einen Moment und wiederholte, immer noch besetzt. Im Licht des Displays erkannte er einen drei Zentimeter langen Riss auf dem linken Handrücken, der aber nur schwach blutete. Er wählte die Nummer von zu Hause, das Freizeichen ertönte, aber niemand nahm ab. Seine Frau hatte die Angewohnheit, auf ihr unbekannte Nummern nicht zu reagieren, und dies war das Diensthandy. Sie war eigentlich nicht seine Frau, denn sie lagen beide bereits seit zwei Jahren in Scheidung, aber sie lebten zusammen und waren glücklich. Er besann sich auf die Kollegen von der Spätschicht und rief dort an. Sein Chef war selbst am Apparat und erschrocken, als er im Telegrammstil von dem Unglück unterrichtet wurde, doch er würde seine Frau verständigen.

Als er erneut den Notruf wählen wollte, hörte er Stimmen und sah gegen das Licht der Sterne Menschen auf ihn zukommen.

Also hatten sie ihn doch nicht übersehen. Eine Frau sprach...

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