Ein unwiderstehliches Angebot

Roman
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. November 2013
  • |
  • 352 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10801-4 (ISBN)
 
Eine genüssliche Lektüre - herrlich wild und unwiderstehlich verrucht!

Endlich hat auch Vivian LaCrosse Aussichten, unter die Haube zu kommen - bis ihr Verlobter mit einer anderen durchbrennt. Zum Glück springt Lucien, der ältere und überaus attraktive Bruder ihres Exverlobten, in die Bresche und macht ihr einen Heiratsantrag. Alles scheint in bester Ordnung, doch dann verschwindet Lucien plötzlich vor der Hochzeit spurlos .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 1,27 MB
978-3-641-10801-4 (9783641108014)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Kapitel 1

Vivian Lacrosse erhob sich und wischte vergebens über den Dreck auf ihren Röcken. Irgendwie machte sie es damit nur noch schlimmer. Sie lächelte entschuldigend.

»Ich denke, ich sollte mich wohl erst umziehen.«

»Ich schicke die Zofe zu Euch.«

Der Butler White sah so makellos aus wie immer. Nicht eines seiner grauen Haare lag nicht glatt an, und seine Miene war undurchdringlich. Falls er es anstößig fand, dass die Tochter eines Baronets in der Erde eines Blumenbeets herumwühlte, ließen seine Gesichtszüge das nicht erkennen.

Er kannte diese exzentrischen Angewohnheiten.

»Der gnädige Herr bittet Euch, ihn im Salon aufzusuchen, Miss Vivian. Ich werde ihn informieren, dass Ihr in Kürze dazustoßen werdet.«

Im Salon? Sie schaute überrascht. Dass er sie würde rufen lassen, damit hatte sie gerechnet … aber warum der Salon? Gewöhnlich verschwand er mit dem Duke of Sanford, wenn dieser ihn besuchte, ganz zwanglos in seinem Arbeitszimmer, wo die beiden Männer Brandy tranken und rauchten. Zwar hatte sie diesmal mit einem ernsten Gespräch gerechnet, jedoch nicht damit, dass es so förmlich zuging.

Vermutlich würde sie jetzt von dem drohenden Skandal in Kenntnis gesetzt.

Sie blieb noch ein Weilchen draußen stehen und atmete tief durch. Der Tag war wunderschön, ein wolkenloser Himmel wölbte sich azurblau über dem Land. Einfach perfekt. Der Garten war wie ein Versprechen. Sie liebte es, wenn die Rosen die ersten grünen Triebe zeigten und im Rhododendron winzige rote Knospen aufblitzten. Der Flieder blühte bereits … süß duftende, zarte Blüten bedeckten die Zweige. Im Hintergrund zwitscherten die Vögel.

Sie hatte es vorgezogen, sich mit Unkrautzupfen abzulenken, statt tatenlos in ihrem Zimmer zu sitzen und auf den Sturm zu warten, der nach Charles’ ungestümem Verhalten zwangsläufig über sie hereinbrechen würde.

Ungestüm, das beschrieb ihren Verlobten recht treffend.

Vielleicht fanden sie es ja angemessen, ihr die schlechte Nachricht zumindest sehr förmlich zu übermitteln. Nur warum musste sie dem Duke überhaupt gegenübertreten? Sie dachte, ihr Vater würde es ihr mitteilen, sobald sein Freund sich verabschiedet hatte.

Irgendetwas Unerwartetes ging hier vor.

»Hilft nichts«, murmelte sie und straffte die Schultern.

Zwanzig Minuten später stand sie in der Tür zum Salon. Sie hatte ein elfenbeinfarbenes Musselinkleid mit hellgrünen Bändern angezogen, die Haare zu einem schlichten Knoten im Nacken frisiert und die Hände sorgfältig vom letzten Rest Gartenerde befreit. Die Herren erhoben sich höflich, als sie den Salon betrat. Allerdings waren es nicht zwei Gentlemen, die sie erwarteten, sondern drei.

Vivian war mehr als überrascht.

Das machte alles nur noch schlimmer, dachte sie missmutig. Sie hoffte, sich so weit unter Kontrolle zu haben, dass niemand ihre Bestürzung merkte. Rasch deutete sie einen Knicks an.

»Guten Tag, Euer Gnaden. Lucien.«

»Vivian.« Der Duke war die ältere Version seiner Söhne: hochgewachsen, mit fein geschnittenen Gesichtszügen und dunkelbraunem Haar, das an den Schläfen ergraute. Vom Wesen her nahm er die Mitte ein, war weder von so großer Spontaneität wie Charles, noch legte er Luciens geschliffene Reserviertheit an den Tag.

Was tat bloß Charles’ Bruder hier?

»Bitte, meine Liebe. Setz dich doch.«

Vivians Vater wies auf einen mit Seide bespannten Polsterstuhl.

Gehorsam sank sie auf den Sitz, während ihr Herzschlag sich beschleunigte. Für sie stand inzwischen zweifelsfrei fest, dass Charles sie in eine verzwickte Lage gebracht hatte.

Der Duke und ihr Vater nahmen ebenfalls Platz. Lucien Caverleigh hingegen, Marquess of Stockton, blieb stehen.

Er stand direkt neben dem Kamin und schaute zu ihr herüber, die Schulter lässig gegen die Einfassung aus italienischem Marmor gelehnt. In der schlanken Hand hielt er ein Glas Claret. Er war auf legere Art elegant gekleidet, trug einen dunklen Mantel, der perfekt zu seinen breiten Schultern passte, darunter eine saphirblaue Weste, die exakt von der gleichen ungewöhnlichen Farbe war wie seine Augen. Eine gelbbraune Reithose und polierte Reitstiefel komplettierten das Bild.

Kurz blickte sie zu ihm auf und fragte sich, warum er wohl hier sein mochte. Seine Mundwinkel verzogen sich ganz leicht zu einem ironischen Lächeln.

Luciens Anwesenheit war wirklich völlig überflüssig, dachte sie. Je weniger Menschen sie beobachteten, umso besser. Und er war der Letzte, der sehen sollte, wie sie reagierte!

Lucien war ihr nämlich seit jeher ein Rätsel. Mit Anfang dreißig ein Jahrzehnt älter als Vivian und furchterregend ernsthaft, verkörperte er das krasse Gegenteil seines jüngeren Bruders Charles. Vor allem, was dessen eher leichtfertigen Lebenswandel betraf. So etwas gab es bei dem älteren Caverleigh nicht, oder man erfuhr zumindest nichts davon. Lucien benahm sich so, wie man es von dem Titelerben und nächsten Duke erwartete.

Er war perfekt, doch für ihren Geschmack ein wenig zu scharfsichtig.

Sie kannten sich alle seit ihrer Kindheit, und Charles und sie hatten ihn nur selten mit ihren zahllosen Eskapaden täuschen können. Immer wusste er über alles sofort Bescheid. Deshalb bezweifelte sie auch, ob sie in seiner Gegenwart mit ihrer Version der Geschichte durchkam. Dieser Bursche konnte Gedanken lesen.

Wie sollte sie da überzeugend ihre Rolle spielen?

Panik wollte in ihr aufsteigen. Nein, das durfte sie nicht zulassen. Sie musste unter allen Umständen dabeibleiben, dass sie von nichts wusste. Was ihr zumindest Vorhaltungen ersparen würde … Nur war sie sich leider Gottes absolut nicht sicher, dass ihr die Maskerade überzeugend gelang. Schon gar nicht, nachdem Lucien hier aufgetaucht war.

Wirklich eine komplizierte Angelegenheit.

»Ich fürchte, wir befinden uns in einer vertrackten Lage«, leitete ihr Vater das Gespräch ein. Seine grünen Augen, zur Abwechslung mal ohne Brille, schauten in die Runde. Er und der Duke verstanden sich sehr gut, waren beide in sich gekehrt und frönten im Grunde nur einer Leidenschaft: der Botanik und natürlich den damit verbundenen Reisen. Beide betrachteten das im Übrigen nicht als bloßes Hobby, sondern hatten sich in der Fachwelt einen exzellenten Ruf als anerkannte Wissenschaftler erworben.

Jedenfalls waren die beiden, solange Vivian zurückdenken konnte, die besten Freunde. Und das war in diesem Augenblick das Problem. Ihr Problem. Denn vor einiger Zeit hatten die beiden Herren beschlossen, ihre Kinder miteinander zu verheiraten.

Vivian wartete und hoffte, ihr Blick wirkte ausreichend unschuldig.

Der Duke ergriff persönlich das Wort. Er hüstelte. »Ich fürchte, Charles ist durchgebrannt.«

Es war einen Moment lang still. Nur das Ticken der Standuhr in einer Ecke des mit schönen alten Stücken möblierten Raumes war zu hören. Vivian wusste nicht, ob ihr schauspielerisches Talent reichte, um überrascht nach Luft zu schnappen und Verzweiflung zu heucheln und drei Männer zu täuschen, deren Blicke aufmerksam auf sie gerichtet sein würden, um den Grad ihres Kummers und ihrer Enttäuschung zu ermessen. Und die erwarteten, dass sie am Boden zerstört war. So gehörte es sich schließlich, wenn man erfuhr, dass der Verlobte durchgebrannt war.

Mit einer anderen.

Betreten hielt sie den Blick gesenkt, rang die Hände und flüsterte heiser und stockend: »Ich … verstehe.«

Zweifellos keine Vorstellung, die ihr auf einer Bühne Begeisterungsstürme eingebracht hätte. Vivian war schon zufrieden, wenn sie einigermaßen glaubwürdig wirkte.

»Ich nicht«, murmelte der Duke. »Dieser verantwortungslose Narr.«

»Wir können alle nur froh sein, dass die Verlobung bislang nicht offiziell verkündet wurde oder in den Zeitungen stand und die Einladungen für den Empfang noch nicht verschickt sind. Wenigstens diese Peinlichkeit bleibt uns erspart«, sagte ihr Vater mit einem gewissen Pragmatismus. Vermutlich war er zunächst einmal erleichtert, dass sie bei der Neuigkeit nicht sofort in Tränen ausgebrochen war.

Wenn er wüsste, dachte sie. Sie hatte Charles nicht nur geholfen, diese überhastete Reise nach Schottland zu planen, sondern ihn überdies ermutigt, sich heimlich um eine andere zu bemühen. Das hielt sie für ihre Pflicht als gute, langjährige Freundin, die sie war. Schließlich wollte sie, dass er glücklich wurde. Und sie genauso.

Aber nicht unbedingt gemeinsam.

»Natürlich entschuldige ich mich für das Vorgehen meines Sohnes und für allen Schmerz oder jede Unannehmlichkeit, die er dir bereitet hat, meine liebe Vivian.« Der Duke schien wie ihr Vater froh über das Ausbleiben hysterischer Reaktionen wie Tränenausbrüche oder Wutanfälle.

Natürlich würde es demütigend für sie sein, falls die Geschichte von der geplatzten Verlobung doch die Runde in der Gesellschaft machte. Trotzdem fand sie es besser, bei solchen Entscheidungen seinem Herzen zu folgen. Und Charles hatte nun mal eine Schwäche für die junge, hübsche Miss Clifton.

Eine Mesalliance, denn die Tochter eines Geistlichen war für den Sohn eines Dukes zumindest unpassend, wenn nicht gar skandalös, und beide wussten, dass sein Vater sie als Schwiegertochter freiwillig niemals akzeptieren würde. Vivian konnte sein Dilemma nachvollziehen.

Dass er sich vor Kurzem mit ihr verlobt hatte, war auf Drängen des Dukes geschehen. Sie und Charles mochten sich, sehr sogar, doch Liebe verband sie nicht. Weshalb Vivian...

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