Traumhaft verliebt

Roman
 
 
Goldmann Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. November 2011
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06534-8 (ISBN)
 
Wenn man in der Nacht vor Weihnachten ein Plätzchen unter sein Kissen legt, dann sieht man im Schlaf seinen Traummann .

Im kleinen Dörfchen Twilight glauben die Bewohner an eine alte Legende: "Wenn man in der Nacht vor Weihnachten ein Plätzchen unter sein Kissen legt, dann sieht man im Traum seinen Seelenverwandten .". Nur nicht Sarah Collier: Als sie als 15-jährige vergeblich in eine Trauzeremonie stürzte, um Travis Walker davon abzuhalten, die Falsche zu heiraten, platzte ihr Traum von der Liebe. Doch als das Schicksal sie Jahre später zurück nach Twilight führt, scheint es so, als ob an der alten Legende doch etwas Wahres dran sein könnte .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Goldmann
  • 1,03 MB
978-3-641-06534-8 (9783641065348)
3641065348 (3641065348)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Kapitel eins

Das musst du dir anschauen, Sarah. Es wird dir das Herz zerreißen.«

Ha! Zu spät. Das Herz hatte es ihr schon vor neun Jahren zerrissen, als sie eine naive, alberne Fünfzehnjährige gewesen war. Nicht dass sie noch allzu oft an Travis Walker dachte. Und als wäre diese Peinlichkeit nicht genug gewesen, um sie zu einer waschechten Zynikerin zu machen, hatte ihr der Unfall während ihrer College-Zeit den Rest gegeben. Abwesend fuhr sich Sarah mit der Hand über den Bauch und rieb die Narbe, die immer noch von Zeit zu Zeit schmerzte.

Sie blickte über ihren Computerbildschirm hinweg auf ihren Literaturagenten Benny Gent. »Ich werde Weihnachten keine weitere Lesereise antreten, Benny. Das letzte und das vorletzte Jahr waren .«

»Anstrengend, ich weiß. Ich war dabei.« Er stand auf der Schwelle zum Wohnzimmer, das sie in ihr Büro umgewandelt hatte, eine Schulter gegen den Türrahmen gelehnt, und hatte sein ach-so-charmantes Grinsen aufgesetzt.

Benny hatte nach einem Geschäftsessen mit ihrem Verleger Hal Howard bei ihr vorbeigeschaut. Sie waren bei Movers und Shakers gewesen, einem angesagten neuen Restaurant uptown. Benny hielt ein Blatt Papier in der Hand. Sarah konnte sein Aftershave riechen, teuer und exotisch, Sternanis und Kardamom. Er trug einen Designer-Anzug, ein frisches cremefarbenes Button-down-Hemd und einen Seidenschlips mit Paisley-Muster. Sein aschblondes Haar hatte er einem Vielbeschäftigte-Nachwuchsführungskraft-Kurzhaarschnitt unterzogen, und er war knackig braun, was er dem Spray-Tanning-Salon unten in seinem Haus zu verdanken hatte. Benny hatte die Energie eines Kernkraftwerks, und manchmal zermürbte sie seine Anwesenheit schlicht und einfach. Trotzdem war er ihr engster Freund und Vertrauter.

Ach, wem machte sie eigentlich etwas vor? Er war ihr einziger Freund, auch wenn sie jede Menge Bekannte hatte. Sich emotional auf Menschen einzulassen war ihr immer schon schwergefallen, aber noch mehr, seit Gram nicht mehr da war.

Traurigkeit überkam sie, wie immer, wenn sie an ihre Großmutter dachte. Sie war vor acht Jahren gestorben, und Sarah vermisste sie schmerzlich.

»Ich wollte sagen, dass die beiden letzten Jahre ein Albtraum waren«, erklärte Sarah. »Ich werde klaustrophobisch unter all den Fremden.«

»Du lebst in New York.«

»Das ist etwas anderes. In Manhattan ignorieren einen die Menschen. Ich werde gerne ignoriert.«

»Aha, dann ist es also deine Prominenz, die dir zu schaffen macht, nicht die Menge.«

»Nein, es sind die Menschen, die mir zu schaffen machen. Die Sache ist die: Du blühst auf, wenn du deine Geschäfte machst, auf Partys und auf Reisen gehst. Ich dagegen bin ein griesgrämiger Eremit, der mit Weihnachten nichts anfangen kann. Wie Ebenezer Scrooge aus Dickens' Weihnachtsgeschichte. Du kannst mich Scroogetta nennen.«

»Und dennoch hast du ein Weihnachtsbuch geschrieben. Für Kinder, wohlgemerkt.«

»Ja, nun, jeder hat mal schwache Momente.«

»Es hat dich reich gemacht.«

»Du bist selbst nicht schlecht dabei weggekommen.«

»Du bist ja ziemlich gereizt.«

»Ich habe dir gesagt, dass ich Weihnachten hasse.«

Benny blickte sie nachsichtig an. Er kannte sie gut genug, um ihre dramatischen Erklärungen nicht überzubewerten. »Es war eine großartige Entscheidung, dieses Buch zu schreiben, ob dir das nun bewusst ist oder nicht. Es ist ein Dauerbrenner, und selbst wenn du jetzt schon bis ins hohe Alter von den Tantiemen leben kannst, schießen die Verkaufszahlen jedes Jahr zu den Weihnachtsfeiertagen in die Höhe. Folgerichtig ist das die perfekte Zeit für eine Lesereise.«

Er klang immer so vernünftig, dass er sie ungewollt dazu brachte, sich neurotisch zu fühlen.

»Ich ziehe Manhattan im Dezember vor«, sagte sie.

Jetzt war es Oktober, und die Blätter an den Bäumen im Central Park, die Sarah von diesem Winkel ihres rotbraunen Sandsteinhauses in der Upper West Side aus sehen konnte, loderten in herbstlichen Farben.

»Du bist bloß querköpfig«, stellte Benny fest.

»Ja, ja, das bin ich. Ist das nicht mein Privileg als temperamentvolle Künstlerin?«

»Und ist es nicht mein Job, dir zu sagen, was für deine Karriere als temperamentvolle Künstlerin das Beste ist?«

Sarah seufzte, lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und streckte die Hand aus. Den Brief zu lesen hätte einen Vorteil: Es würde ihre Gedanken von der Tatsache ablenken, dass sie mit dem Manuskript, an dem sie gerade arbeitete, absolut nicht weiterkam. Wenn sie es denn überhaupt ein Manuskript nennen konnte.

In den vergangenen sechs Wochen hatte sie die Eingangsszene genau siebenundachtzigmal von Grund auf umgeschrieben. Nicht dass sie mitzählte. »Lass mal sehen.«

Bennys Grinsen wurde breiter. Besserwisser. Er wusste, dass er sie an der Angel hatte. Er schlenderte über den Hartholzfußboden auf sie zu, drückte ihr den Brief in ihre ausgestreckte Hand, dann zog er ein makelloses Taschentuch aus seiner Brusttasche. »Glaub mir, du wirst es brauchen.«

»Offenbar denkst du, du würdest mich so leicht rumkriegen.«

Benny zwinkerte. »Du machst mir nichts vor, Sadie Cool. Tief im Herzen bist du weich wie ein Marshmallow.«

Sadie Cool war ihr Pseudonym. Sie hatte es vor drei Jahren auf Bennys Rat hin angenommen, nachdem er sie angerufen und ihr mitgeteilt hatte, sie sei eine brillante Geschichtenerzählerin, die er vom Fleck weg unter Vertrag nehmen wolle. Zum Entsetzen ihrer Eltern hatte sie auf dem College Englisch im Hauptfach belegt und im Rahmen ihrer Abschlussarbeit die Geschichte Das magische Weihnachtsplätzchen geschrieben. Ihr Professor im Fach Kreatives Schreiben an der Southern Methodist University hatte das Manuskript ohne ihr Wissen an Benny weitergeleitet, so begeistert war er davon gewesen, und Bennys überschwänglicher Anruf war für sie aus heiterem Himmel gekommen.

Sarah hatte nie vorgehabt, Kinderbuchautorin zu werden. Nach ihrem demütigenden Erlebnis an jenem Weihnachtstag in der presbyterianischen Kirche von Twilight hatte sie angefangen zu schreiben, um einen Weg zu finden, mit ihrer Enttäuschung zurechtzukommen und ihr eigenes beschämendes Benehmen zu verstehen. Sie war ein junges, in ein Märchen verliebtes Mädchen gewesen, und selbst wenn sie am eigenen Leib hatte erfahren müssen, dass es keine Märchen gab, war sie doch nicht bereit gewesen, ihren Traum aufzugeben. Obwohl es für sie im echten Leben kein »Und sie lebten glücklich miteinander bis ans Ende ihrer Tage« gegeben hatte, hatte sie diesen Zauber zwischen die Seiten ihres Buches legen können.

Benny hatte die Geschichte gegen einen bescheidenen Vorschuss an einen großen Verleger verkauft, der sich nicht viel von dem Büchlein erwartete und keine große Mühe hineininvestierte. Zu jener Zeit war sie nicht mehr als eine Newcomerin gewesen, die ungeduldig auf die Veröffentlichung ihres ersten Buches wartete. Dann war es Benny irgendwie gelungen, einem Hollywood-Produzenten ein Leseexemplar zukommen zu lassen, und das Nächste, das sie erfuhr, war, dass er die Filmrechte verkauft hatte. Der Wirbel um die verkauften Filmrechte führte dazu, dass das Buch mit großem Tamtam erschien, mit Kritiken überhäuft wurde und verschiedene Preise gewann. Schon bald hatte es Kultstatus wie der computeranimierte Kinderfilm Der Polarexpress erreicht, der auf der Geschichte des Kinderbuchautors Chris Van Allsburg basierte. Im ganzen Land veranstalteten die Buchhandlungen Event-Lesungen, und Sadie Cool wurde im zarten Alter von zweiundzwanzig Jahren über Nacht zum Star.

Jetzt, ein Jahr und zehn Monate nach dem Erscheinen von Das magische Weihnachtsplätzchen verlangte der Verleger ein zweites Buch, doch Sarah steckte mitten in einer Schreibblockade. Der Druck, ihren eigenen Erfolg zu übertreffen, war erschlagend, und zu allem Überfluss fragten ihre Eltern immer noch, wann sie endlich ein »richtiges« Buch schreiben würde. Das musste man Helen und Mitchell lassen: Egal, was ihre Tochter auch im Leben erreicht hatte, es war ihnen nie gut genug. Bei diesem Gedanken schüttelte Sarah den Kopf und las den Brief, der mit königsblauem Buntstift geschrieben war.

Liebe Miss Cool,

ich heiße Jasmine, aber alle nennen mich Jazzy. Ich bin acht Jahre alt. Ich bin ein bisschen klein für mein Alter, weil ich schon lange krank bin. Ich liebe Ihr Buch. Mein Daddy liest es mir jeden Abend vor. Ich tue so, als sei ich Isabella und würde mit dem Weihnachtsmann am Nordpol leben. Natürlich hab ich meinen Daddy mitgenommen, denn er ist der beste Vater auf der ganzen Welt. Ich wünschte, ich könnte Sie eines Tages kennenlernen, bevor ich sterbe. Bitte schreiben Sie noch ein Buch.

Ganz viele liebe Grüße,

Ihr größter Fan Jazzy

Eine Träne lief über Sarahs Wange, und sie griff nach Bennys Taschentuch.

»Ich hab's dir gesagt.«

»Halt die Klappe«, sagte Sarah. »Ich weine, weil mich ein achtjähriges Kind unter Druck setzt, ein weiteres Buch zu schreiben, und ich von einer Schreibblockade gelähmt bin.«

»Lügnerin.«

»Musst du nicht woandershin?«

»Nö.«

»Ist dir klar, dass du der Fluch bist, der auf meinem Leben lastet?«

»Und genau das gefällt dir an mir. Ich bin dein Kontakt zur Außenwelt, Scroogetta.«

»Mach dir doch nichts vor.«

Benny grinste und hob seine Aktentasche vom Fußboden auf. Er...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

7,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der Nutzung dieser Web-Seiten erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok