Heimat-Roman Treueband 18 - Sammelband

5 Romane in einem Band
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. September 2020
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-9249-4 (ISBN)
 
Lesen, was glücklich macht. Und das zum Sparpreis! Seit Jahrzehnten erfreut sich das Genre des Heimat-Bergromans sehr großer Beliebtheit. Je hektischer unser Alltag ist, umso größer wird unsere Sehnsucht nach dem einfachen Leben, wo nur das Plätschern des Brunnens und der Gesang der Amsel die Feierabendstille unterbrechen. Zwischenmenschliche Konflikte sind ebenso Thema wie Tradition, Bauernstolz und romantische heimliche Abenteuer. Ob es die schöne Magd ist oder der erfolgreiche Großbauer - die Liebe dieser Menschen wird von unseren beliebtesten und erfolgreichsten Autoren mit Gefühl und viel dramatischem Empfinden in Szene gesetzt. Alle Geschichten werden mit solcher Intensität erzählt, dass sie niemanden unberührt lassen. Reisen Sie mit unseren Helden und Heldinnen in eine herrliche Bergwelt, die sich ihren Zauber bewahrt hat. Dieser Sammelband enthält die folgenden Romane: Alpengold 176: Einladung zum Fensterln Bergkristall 257: Gefahr im Wildeggtal Der Bergdoktor 1709: Ich will dir Heimat sein Der Bergdoktor 1710: Für dich habe ich gelogen Das Berghotel 113: Nie verlass ich meine Heimat! Der Inhalt dieses Sammelbands entspricht ca. 320 Taschenbuchseiten. Jetzt herunterladen und sofort sparen und lesen.
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 6,11 MB
978-3-7325-9249-4 (9783732592494)

Als die Meinl-Christine die Forststraße hinunter nach Thiersee radelte, hing im Osten bereits ein heller Schein. Auf den geraden Strecken trat sie kräftig in die Pedale. Sie war spät dran. Die Zeitung musste bis fünf Uhr in der Früh ausgetragen sein. Trotz der Eile genoss sie die Fahrt.

Im ersten Licht des Tages funkelte der Tau in den Wiesen. Heller Vogelgesang begleitete ihren Weg, und wieder wurde ihr bewusst, wie gut es ihr doch ging, trotz der schweren Arbeit.

Als sie im Tal ankam, zeigte sich der rosige Morgen schon auf den Bergspitzen, während hier unten noch graublaue Schatten geisterten. Um diese Uhrzeit lagen die Häuser still und verschwiegen zu beiden Seiten der Hauptstraße. Nur in der Backstube und auf den umliegenden Höfen war das Leben schon im Gange.

An der Bushaltestelle warteten bereits die Zeitungspakete. Christine warf sie rasch auf ihren Fahrradanhänger und machte sich an die Arbeit.

Die Uhr der kleinen weißen Kirche schlug vier Mal, als die junge Frau auf ein bäuerliches Anwesen zufuhr, dem größten im Tal. Es gehörte dem reichen Lugner-Bauern, einem angeblich unangenehmen und geldgierigen Mann.

Natürlich schlief der Großbauer um diese Zeit noch, worüber Christine nicht traurig war. Erschrocken zuckte sie deshalb zurück, als sich die kunstvoll geschnitzte Tür des herrschaftlichen Bauernhauses öffnete, gerade in dem Moment, in dem sie die Zeitung in den Kasten stecken wollte.

Vor ihr stand jedoch kein alter, mürrischer Mann in Nachthemd und mit Schlafmütze, sondern ein junger, fescher in Jagdkleidung mit Flinte. Er war ihr auf den ersten Blick sympathisch. Nein, das wäre untertrieben gewesen. Sie fühlte sich vielmehr auf ganz merkwürdige Weise von ihm angezogen.

Lag dies an dem intensiven Blick aus seinen unverschämt blauen Augen? Oder vielleicht daran, dass sie an diesem frühen Morgen, an dem die frische Luft wie Champagner prickelte, mit dem äußerst attraktiven Fremden allein auf der Welt zu sein schien? Vielleicht aber auch daran, dass jetzt die ersten goldenen Sonnenstrahlen die Berglandschaft um sie herum verzauberten und auch sie selbst.

All diese Gedanken und Eindrücke jagten der Meinl-Christine binnen der wenigen Sekunden durch den Kopf, in denen sie den Jäger mit den blonden langen Locken ansah.

***

Als der Lugner-Thomas an diesem Morgen von dem ersten Vogelgezwitscher geweckt wurde, warf er einen Blick auf den Wecker.

Nun gut, es war früher, als er geplant hatte aufzustehen, aber das konnte nicht schaden. Er wollte auf den Morgenansitz gehen.

Voller Zuversicht auf einen guten Abschuss schwang er die Beine aus dem Bett und sprang unter die Dusche. Als er fünfzehn Minuten später vor die Haustür trat, staunte er nicht schlecht, als er sich einer jungen Frau gegenübersah.

Binnen eines Bruchteils einer Sekunde nahm er alles an ihr auf einmal wahr: die zierliche und trotzdem weibliche Figur, das lange hellbraune Haar, die bernsteinfarbenen Augen, in denen goldene Punkte tanzten.

Was machte sie hier zu dieser frühen Stunde? Er schätzte sie auf Mitte zwanzig, also ungefähr so alt wie er selbst. Völlig perplex starrte er sie an wie eine Erscheinung.

Sie schien sich von der Überraschung, die ihr ins ebenmäßig geschnittene Gesicht geschrieben stand, deutlich schneller zu erholen als er. Die Fremde begann zu lächeln, und in diesem Augenblick war ihm zumute, als hätte sich die Sonne an diesem Tag besonders beeilt aufzugehen.

»Grüß dich«, sagte sie mit einer Stimme, die wie Musik in seinen Ohren klang. »Ich bringe die Zeitung.«

»Grüß dich«, erwiderte er, immer noch verwirrt über seine vielfältigen Regungen. »Ich hab dich noch nie hier gesehen«, fügte er hinzu.

»Seit drei Tagen trage ich die Zeitung hier im Tal aus«, erklärte sie ihm und fügte mit spitzbübischem Blick hinzu: »Wahrscheinlich schläfst du um diese Uhrzeit normalerweise noch.«

Auch ihr helles wohlklingendes Lachen gefiel ihm und ganz besonders, dass sie dabei perfekte Zähne zeigte.

»Dann hab ich ja heut Morgen Glück gehabt«, sagte er und kam sich gleich darauf ziemlich deppert vor.

Normalerweise fielen seine Komplimente einfallsreicher aus. Er hatte schließlich Übung darin. Aber allein der Anblick dieses wunderschönen Wesens, das aus dem Nichts völlig unerwartet vor ihm aufgetaucht war, brachte ihn total durcheinander.

Darüber hinaus ging von ihr etwas aus, was ihm die Lockerheit nahm, mit der er sonst mit Frauen umzugehen pflegte. Trotz der ausgeleierten Jogginghose und den sichtbar verschlissenen Turnschuhen strahlte sie Klasse und Format aus. Und eine Herzenswärme, die ihn noch viel mehr anzog als ihre natürliche Schönheit.

Sie standen sich immer noch gegenüber und sahen sich lächelnd an. Verflixt, er wusste nicht, was er sagen sollte. Er wollte auch nicht den Zauber dieser ganz besonderen Situation zerstören, indem er irgendeinen Unsinn von sich gab oder sich gar von ihr verabschiedete. Andererseits konnten sie auch nicht noch eine Ewigkeit hier stumm herumstehen, sich in die Augen schauen und einander anlächeln.

»Ich muss weiter«, sagte die Zauberfrau nun mit ihrer melodisch klingenden Stimme. »Zu den anderen Kunden .«

Er räusperte sich. »Ja, klar. Also dann . Servus«, erwiderte er, während sich Enttäuschung in ihm ausbreitete.

Sie trat ein paar Schritte zurück, hob die Hand und sandte ihm mit dem Blick aus ihren Bernsteinaugen noch einmal einen wärmenden Sonnenstrahl ins Herz.

»Vielleicht sieht man sich noch einmal«, schickte er schnell hinterher, als sie sich umdrehen wollte, um aufs Rad zu steigen.

Sie stutzte sichtlich. »Vielleicht«, sagte sie nur und radelte davon, ohne sich noch einmal umzusehen.

***

Der Lugner-Thomas stieß die Luft scharf aus.

Herrschaftszeiten, dachte er, während er sich mit dem Handrücken über die Stirn fuhr. Was war denn das gerade gewesen? Was für eine Frau! Wie ein Wesen von einem anderen Stern, diese natürliche Schönheit und vor allem dieses offene liebreizende Lächeln! Nichts von Koketterie, keinerlei Geziertheit oder gar Anmache.

Ihre Augen hatten es ihm besonders angetan. Es waren aufrichtig blickende Augen, in denen er Ernst und Ruhe gelesen hatte, aber auch den Anflug von Schalk.

Dann kam Bewegung in ihn. Er lief zu seinem Wagen, startete und fuhr viel schneller als erlaubt vom Hof, in der Hoffnung, der schönen Zeitungsausträgerin noch einmal zu begegnen.

Doch die Straße vor ihm war menschenleer. Wo war die Traumfrau geblieben?

Da nahm er eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahr und entdeckte sie rechter Hand auf einem schmalen Weg, der durch die Wiesen zum Nachbarbauern führte. Sollte er ihr hinterher fahren? Nein, das wäre vielleicht doch zu platt, zu aufdringlich, sagte er sich. Sie gehörte bestimmt zu den Madln, die von direkter Anmache nichts hielten. Ja, sie strahlte Format aus.

Er bremste, schaute ihr nach. Es tat ihm fast körperlich weh zu sehen, wie die Gestalt auf dem Fahrrad immer kleiner wurde, um schließlich ganz aus seinem Blickfeld zu verschwinden.

Aber nur heute, nahm er sich vor. Er musste sie wiedersehen. Um jeden Preis. Zu dumm, dass er am Abend für drei Tage zur Viehmesse nach Wien fuhr! Die Fremde wäre es wert gewesen, sich morgen früh ab drei Uhr im Flur zu positionieren, um sie bloß nicht zu verpassen.

***

In dieser Woche meinte es der Wettergott gut mit den Leuten im Thierseer Tal. Auch der nächste Tag gehörte zu den ungetrübten Sonnentagen, so, wie es im Sommer sein sollte.

Am Abend saß Christine mit dem alten Hansei vor der Hütte. Sie aßen Brotsuppe, die der Senn gekocht hatte.

Wie viel schöner ist die Arbeit hier oben in dem Frieden und der Stille der Natur als meine ehemalige Arbeitsstelle und die darauf folgenden Gelegenheitsjobs in Innsbruck, dachte Christine wieder einmal, während sich die Dämmerung über das Almfeld senkte. Sie hatte schon viel gelernt. Schnell hatte sie den Dreh herausgehabt, beim Melken der Kühe deren Schwanz auszuweichen, das Gesäuge richtig zu reinigen und die Milchzentrifuge zu bedienen.

Ganz gleich, was sie tat, alles machte ihr Spaß. Selbst die schweren Milchzuber schleppte sie ohne Hanseis Hilfe zum Kaser. Dabei klangen die Viehglocken wie Musik in ihren Ohren. Ihre Tante wäre stolz auf sie gewesen. Ihre Mutter dagegen hätte nur verständnislos den Kopf geschüttelt.

»Kennst du eigentlich den Lugner-Bauern?«, fragte sie Hansei nach einer Weile, als dieser sich nach dem Essen mit seinen steifen Fingern eine Zigarette drehte.

»Den kennt jeder im Tal«, brummte der alte Senn nur, ohne sie anzusehen.

Christine rückte auf die Sitzkante vor. »Hat er Kinder?«

Seit sie gestern Morgen dem attraktiven Jäger begegnet war, fragte sie sich, wer er gewesen sein mochte. Der Sohn vom Lugner-Bauern? Oder vielleicht ein Gast? Der Revierjäger des Großbauern?

Heute Morgen hatte sie vergeblich darauf gehofft, den jungen Mann, mit dessen Bild vor Augen sie abends eingeschlafen war, wiederzusehen. Natürlich hatte ihr Verstand ihr sofort gesagt, wie irrsinnig ihre Hoffnung darauf gewesen war. Als würde ein so gut aussehender Typ wegen einer einfachen Zeitungsfrau sich den Wecker stellen!

»Einen Sohn hat er«, murmelte Hansei in ihre Gedanken hinein.

»Ich glaub, ich bin ihm gestern begegnet. Hat er lange blonde Locken?«

Die Augen des Alten sahen sie forschend an. »Das könnte der Lugner-Thomas...

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