Das Flüstern des Todes

Thriller
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. April 2013
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10311-8 (ISBN)
 
Wenn die Angst dich packt ...

Ella ist ein ganz normales junges, lebenslustiges Mädchen. Auf einem Italien-Trip verbringt sie unbeschwerte Tage. Doch dann ändert sich ihr Leben schlagartig. Vor Ellas Augen erschießt ein Mann auf offener Straße eiskalt zwei Passanten. Ella weiß nicht, wie ihr geschieht, als der Mörder sie zwingt, mit ihm zu kommen. Schnell stellt sich heraus, dass der Fremde den Auftrag hat, sie zu beschützen. Ella weiß nicht, wer ihre Verfolger sind, aber sie weiß, dass sie dem Killer vertrauen muss, um zu überleben ... koste es, was es wolle. Für beide beginnt eine tödliche Reise, nach der nichts mehr so sein wird wie zuvor.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,39 MB
978-3-641-10311-8 (9783641103118)
weitere Ausgaben werden ermittelt

ZWEI

Sie hockten an einem kleinen Tisch und hatten ihre Stühle zur Straßenseite gedreht, um die Passanten besser beobachten zu können. Und es gab eine Menge zu sehen: Leute, die draußen vor den anderen Bars und Cafés saßen, vor allem aber die passeggiata, den traditionellen Abendspaziergang, auf dem die Einwohner durch diese und die benachbarten Sträßchen promenierten.

Ab und an machte Chris sie auf einen besonders markanten Charakter aufmerksam: einen Bilderbuch-Italiener mit einem Medaillon an einer Goldkette um den Hals etwa oder eine Frau, die wie eine Nutte oder ein Transvestit daherkam. Sie kicherten dann kurz, waren die meiste Zeit aber still und völlig damit zufrieden, den Menschen zuzuschauen, an ihren Drinks zu nippen und sich nach dem anstrengenden Tag einfach nur auszuruhen.

Die letzten Tage in Rom und Florenz waren anstrengend gewesen, aber trotzdem war Ella rundum zufrieden. Der Thailand-Trip mit Susie im vergangenen Jahr war dagegen der reinste Albtraum. Andererseits hatten sie mehrere Bekannte gewarnt, dass eine Reise mit dem Freund ein sicheres Rezept dafür war, seine Ferien zu vermurksen und seine Beziehung kaputt zu machen.

Doch bislang lief alles wie am Schnürchen, und sie war froh, dass sie zusammen unterwegs waren. Wenn sie mit jemand anderem gefahren wäre, hätte sie ihn ohnehin ständig vermisst. Sie schaute ihn von der Seite an, die ungekämmten Haare und sein Gesicht, das schon eine gesunde Bräune angenommen hatte. Chris spürte ihren Blick und drehte sich mit einem fragenden Lächeln zu ihr um: »Was ist?«

»Nichts.« Sie lächelte und beugte sich zu ihm vor. Er drehte sich zur Seite, gab ihr einen Kuss und schob ihr die Zunge zwischen die Lippen. Sie lachte ein wenig und erwiderte seinen Kuss - bis ihr die Situation doch zu peinlich wurde.

»Später«, sagte sie und deutete zur Straße. »Ohne Publikum.« Sie ließ ihre Augen wieder über die Nachbartische gleiten, um sich zu vergewissern, dass niemand sie beobachtet hatte.

»Du bist so verdammt protestantisch«, sagte Chris spöttisch.

»Und du der geborene Italo-Hengst.«

»Und ob. Ich schwör dir: Noch heut Abend werd ich mir 'ne fette Goldkette zulegen. Und ein Brust-Toupet obendrein.«

Sie lachte, und beide widmeten sich wieder dem Panoptikum auf der Straße. Ihre Augen wanderten zu einem Mann, der im Café gegenüber saß. Er sah definitiv nicht wie ein Italiener aus, wirkte gleichzeitig aber völlig undefinierbar und durchschnittlich. Er war vermutlich in seinen Vierzigern, kurze Haare, mittelgroß - und in seinem Erscheinungsbild so normal, dass er in der Menge nicht weiter auffiel.

Irritierend war nur, dass ihre Augen trotzdem an ihm hängen geblieben waren - und je länger Ella ihn anschaute, umso sicherer war sie, ihn schon einmal gesehen zu haben. Sie schloss ihre Augen, konnte aber keine Erinnerung abrufen. Dann starrte sie ihn erneut an. Da er ebenfalls in die Beobachtung der passeggiata vertieft schien, nahm sie die Gelegenheit wahr, ihn genauer zu studieren - und sich einmal mehr zu fragen, wo sie ihn schon einmal gesehen hatte. Vielleicht am Bahnhof in Rom? Auf der Ponte Vecchio? Am Duomo in Florenz?

Die Vorstellung, dass sie ihn möglicherweise in Rom und Florenz gesehen hatte, beunruhigte sie, und sie versuchte eine Weile vergeblich, sich von ihm abzulenken. »Chris, siehst du den Burschen da drüben?«, sagte sie schließlich. »Kurzärmliges blaues Hemd. Um die vierzig.«

»Was soll mit ihm sein?«

»Ich weiß, es klingt verrückt, aber ich bin mir sicher, ihn sowohl in Rom als auch in Florenz gesehen zu haben.«

»Wenn er ein Stalker ist - stellt er dann dir nach oder mir?« Sie musste lachen. »Hör mal zu«, sagte er. »In einem Land wie Italien besuchen alle Touristen die gleichen Orte. Es gibt hier wahrscheinlich 'ne ganze Menge Leute, die vorher in Rom und Florenz waren.«

Er übertrieb ein bisschen und ignorierte die Tatsache, dass Montecatini nicht gerade eine Touristenhochburg war. Und trotzdem hatte er wahrscheinlich recht: In Thailand letztes Jahr hatten sie immer wieder die gleichen Leute getroffen, die kreuz und quer durchs Land reisten - oft genug auch an den unwahrscheinlichsten Orten.

Sie schaute noch einmal zu dem Mann hinüber und war genervt, dass er ihr einfach nicht aus dem Kopf gehen wollte, und versuchte, endgültig das Thema zu wechseln. »Es ist hübsch hier, oder? Nicht so überlaufen.«

»Scheint auch nicht ganz so heiß zu sein. Vielleicht sollten wir ein paar Tage hier abhängen, uns in ein Thermalbad setzen und einfach entspannen.«

»Da hätte ich nichts dagegen«, sagte sie. »Venedig kann warten.« Sie schaute wieder zur Straße hinüber. Sie brauchte ein, zwei Sekunden, um ihn wiederzufinden, und als sie ihn erspäht hatte, fiel ihr auf, wie nervös er plötzlich wirkte - und dass diese Unruhe seltsamerweise sofort auf sie übergriff. Er schaute die Straße hinauf, doch als sie seinem Blick zu folgen versuchte, konnte sie nichts entdecken - niemanden, der in irgendeiner Form aus der Masse herausstach.

Sie schaute zu ihm zurück und zuckte zusammen. Er starrte sie inzwischen unvermittelt an und sprang von seinem Sitz auf. In ihrem Kopf überschlugen sich die Gedanken und machten einer wachsenden Panik Platz. Eine Gruppe mit Kindern spazierte gerade auf dem Bürgersteig vorbei, und als sie verschwunden waren, sah sie, dass er inzwischen mitten auf der Straße stand und wieder in die gleiche Richtung wie vorhin starrte.

Während er näher kam, griff er unter sein Hemd, holte etwas heraus - und hatte plötzlich eine Pistole in der Hand. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Schlagartig wurde ihr klar, dass er sie tatsächlich die ganze Zeit verfolgt hatte - und nun mit einer Pistole direkt auf sie zukam. Ihr Herz setzte einen Schlag aus, und einen Augenblick lang fehlten ihr die Worte.

»Scheiße! Chris!« Für mehr war keine Zeit. Sie registrierte, dass Chris etwas antwortete, verstand aber nichts. Der Mann hatte sie fast erreicht - und dann hörte sie ohrenbetäubende Schüsse, gefolgt von Schreien und Panik.

Er stand jetzt direkt vor ihr, hatte ihr allerdings den Rücken zugedreht. Er hatte zwei Schüsse abgegeben, und ein paar Meter weiter lagen zwei Männer auf der Straße. Er schaute einmal schnell um sich, trat dann zwei Schritte nach vorne, zielte auf einen der beiden Köpfe und drückte ab. Wieder ein schockierter Aufschrei der Menge.

Ella hörte, wie Chris unartikuliert fluchte, doch im nächsten Moment stand der Mann ganz nah bei ihnen. Diesmal wirkte er nicht mehr nervös, sondern ruhig und bestimmt.

»Kommt mit.«

Ella sprang auf, hörte aber, wie Chris rief: »Einen Teufel werden wir.«

»Komm mit - oder ich bring dich an Ort und Stelle um.« Er richtete seine Pistole auf ihn.

»Mach, was er sagt, Chris.«

Wortlos gingen sie durch die hysterische Menschenmenge. Es dauerte eine Weile, bis sie überhaupt realisierte, dass der Killer sie am Arm führte. Sie sagten kein Wort - eine Insel konzentrierten Schweigens inmitten des brodelnden Chaos. Während sie sich zügig vom Tatort entfernten, schaute sie ein paarmal zu Chris hinüber, doch er schien - noch immer schockiert und fassungslos - zu keiner Reaktion fähig.

Sie hatten gerade mit ansehen müssen, wie zwei Menschen ermordet wurden, und doch folgten sie dem Killer, der obendrein auch Chris bedroht hatte - und sie taten es, ohne Fragen zu stellen oder gar Widerstand zu leisten. Es war, als hätte der Albtraum der letzten Minuten sie zusammengeschweißt - ja, als würde der Mörder sie irgendwie beschützen.

»Du setzt dich auf den Beifahrersitz. Ella du legst dich flach auf die Rückbank.« Sie stiegen in das Auto, zu dem er sie geführt hatte, und Ella legte sich auf die Sitzbank. Als er abfuhr, schien die Bewegung des Autos ihre Orientierungslosigkeit nur noch zu verstärken. Sie hörte Sirenen. Und: Der Mann kannte ihren Namen.

»Was zum Teufel läuft hier ab?« Es war Chris, und seine Stimme war unnatürlich laut - als wollte er das aufgestaute Adrenalin auf diese Weise herauslassen. »Und wer zum Teufel sind Sie überhaupt? Und was . was zum Teufel geht hier ab? Scheiße!«

Zunächst sah es so aus, als wollte der Mann nicht antworten, doch nach einer Weile sprach er - und sprach so ruhig und leise, dass der Kontrast zu Chris' Gefühlsausbruch umso eklatanter wirkte.

»Vermutlich wollten sie Ella entführen. Ich heiße Lucas. Mark Hutto hat mich beauftragt, ein Auge auf Ella zu werfen, sollte sie in eine derartige Situation geraten.«

»Dann habe ich Sie also tatsächlich in Rom und Florenz gesehen!«

»Du kannst jetzt hochkommen.« Sie richtete sich auf. Sie befanden sich bereits außerhalb der Stadt. Draußen war es schon deutlich dunkler.

»Wo fahren wir hin?«

»Nach Florenz. Da bleiben wir heute Nacht. Ich werde von dort aus deinen Vater anrufen.«

Chris drehte sich in seinem Sitz um und schaute sie an. Sein Gesicht war nur noch ein schemenhafter Schatten.

»Wer könnte ein Interesse haben, dich zu kidnappen?«

»Ich weiß es nicht.«

»Und ein Bodyguard?« Seine Stimme klang fast schon vorwurfsvoll. »Ich kapier's einfach nicht. Welcher Film läuft denn hier?«

»Ich weiß es doch auch nicht, Chris. Ich hab keinen blassen Schimmer. Okay?«

»Okay. Mein Gott!« Er drehte sich wieder nach vorne und schwieg, wandte sich nach ein paar Sekunden dann aber zu Lucas: »Was ist mit Ihnen?...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

8,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen