Die Lichter der Nacht

Roman
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2020
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96148-874-2 (ISBN)
 
Kennt das Schicksal keine Gnade? Der berührende Familienroman »Die Lichter der Nacht« von Robert J. Wiersema jetzt als eBook bei dotbooks. Im Schlaf sieht sie aus wie ein Engel ... Für Karen Barret bricht eine Welt zusammen, als ihre kleine Tochter Sherry sich von ihrer Hand losreißt und vor einen Truck läuft. Wie durch ein Wunder überlebt Sherry ihre schweren Verletzungen - doch fortan liegt sie im Koma. Während Karen sie zuhause pflegt und fest daran glaubt, dass ihre Tochter wieder aufwachen wird, droht Karens Ehemann, an dem Schicksalsschlag zu zerbrechen. Als die Not der Familie am größten ist, scheint es plötzlich ein Lebenszeichen von der kleinen Sherry zu geben - jedoch auf so ungewöhnliche Weise, dass kein Arzt es für möglich hält und Sherrys Eltern sich nur noch eins fragen: Kann Glauben wirklich Berge versetzen? »Ein eindrucksvolles, bewegendes, intelligentes Debüt voller Magie.« Publishers Weekly Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der gefühlvolle Roman »Die Lichter der Nacht« von Robert J. Wiersema. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
  • 1,74 MB
978-3-96148-874-2 (9783961488742)
Robert J. Wiersema wurde 1970 in Agassiz nahe Vancouver geboren und studierte englische Literatur. Heute lebt er in Victoria, British Columbia. »Die Lichter der Nacht« ist sein Debütroman, der im englischsprachigen Raum die Bestsellerlisten eroberte.

»JUBILEE, hier ist A32. Zwei, ich wiederhole, zwei verletzte Personen. Unfall mit Fahrerflucht. Geschätzte Ankunftszeit vier Minuten. Ende.«

»Verstanden, A32. Bitte Zustand melden. Ende.«

»Verstanden, Jubilee. Eine weibliche Erwachsene. Blutungen. Schock. Zustand stabil. Ende.«

»Verstanden, A32. Zweite Person. Ende.«

»Verstanden, Jubilee. Ein weibliches Kind, drei Jahre. Schweres Schädeltrauma mit vermindertem Bewusstsein und selbstständiger Atmung. Schwere Schädelblutungen. Ende.«

»Verstanden, A32. Trauma eins erwartet Sie am Tor. Ende.«

KAREN BARRETT Sherry und ich gingen Hand in Hand zum Einkaufszentrum.

Die Hillside-Arkaden sind nur ein paar Blocks vom Haus entfernt, und mittwochmorgens warten in der Feinkostabteilung Clowns, Jongleure und Musiker auf die Kinder. Ich hatte ihr das blaue Kleidchen angezogen, das mit Pooh dem Bären vorne drauf. Sie hatte es sich selbst ausgesucht. »Mein himmelblaues Kleid, weil es zum Himmel passt.« Ganz vorsichtig zog ich den Reißverschluss am Rücken zu, damit sich auch kein einziges flaumiges Härchen in den Zähnen verklemmte. Als ich fertig war, kitzelte ich sie sanft unter den Armen.

War es das letzte Mal, dass ich sie lachen hörte?

Sherry liebte die Clowns, und der Lärm, den die Kinder in der Abteilung machten, war wie Musik in meinen Ohren. Meistens aßen wir eine Kleinigkeit - einen Muffin oder Pommes frites -, bevor wir nach Hause gingen, und wenn wir zurückkamen, war es Zeit für ein Nickerchen, für uns beide.

Es war ein herrlicher Frühlingstag. Der Himmel leuchtete in einem klaren kalten Blau, aber es war nicht kühl. Im Gegenteil, die Luft roch nach Wärme und Wachstum, nach Wiese und Blumen. Auf unserem Weg durch unser Viertel blieben wir des Öfteren stehen, streichelten die Katzen der Nachbarn, rochen am frisch erblühten Flieder und sammelten Steine auf, die meine Taschen ausbeulten.

Ich sah in beide Richtungen, bevor wir den ungesicherten Überweg an der Hillside betraten. Das tue ich immer. Die Straße ist zu breit, als dass man irgendwelche Risiken eingehen kann; drei Fahrbahnen in jede Richtung, durch eine Betonbefestigung voneinander getrennt. Die Busse und Lkws rasen nur so an einem vorbei. An dem Überweg gibt es keine Ampel, also passe ich immer besonders genau auf. Lieber warteten wir eine Weile, bevor wir ein Risiko eingingen.

Wir ließen den von links kommenden Kombi passieren, in einiger Entfernung sah ich, wie sich von rechts ein Truck näherte. Alles in Ordnung. Ich nahm ihre kleine Hand.

Alles in Ordnung.

Wir beeilten uns. Bis zur anderen Seite war es ein ziemlich weiter Weg für eine Dreieinhalbjährige, aber wir hatten ihn schon oft zurückgelegt.

Wir hätten an der Befestigung stehen bleiben sollen.

Als ich wieder aufschaute, war der Truck schon ganz nah, vielleicht hundert Meter entfernt. Er war alt und verrostet, rot mit weißen Kotflügeln. Und er raste auf uns zu.

Ich spürte, wie sich ihre Finger aus meiner Hand lösten. Wie sie loslief.

»Sherry!«, rief ich, als sie mir entglitt.

Wir befanden uns auf der gleichen Spur wie der Truck, wir hätten nur bis zur nächsten laufen müssen. Es war nicht weit, anderthalb Meter höchstens.

Ich hätte sie festhalten müssen. Ich weiß nicht, warum ich sie nicht festgehalten habe.

Sie drehte sich um und sah mich an.

»Sherry!«

Ich sah zu, wie sie mit ihren weißen Beinchen über die Straße lief, in ihren kleinen weißen Schuhen, dem kleinen blauen Kleid.

Ihrem himmelblauen Kleid.

Als ich nach oben sah, konnte ich fast das Gesicht des Truckfahrers erkennen. Er hatte die Spur gewechselt, um uns auszuweichen, war auf die Spur eingeschwenkt, auf die Sherry gerade gelaufen war. Das Brüllen des Motors übertönte alle anderen Geräusche.

Im selben Moment wollte ich sie packen, aber meine Hände streiften nur ihr blondes Haar, bevor der Truck sie davonriss.

Ich hörte, wie ihr Körper gegen die Motorhaube prallte, trotz des Motorenlärms, und der Truck trug sie davon.

Der Fahrtwind schlug mir entgegen, als er an mir vorbeifuhr, als ich nach vorne stürzte, sie zu erreichen versuchte.

Quietschende Reifen. Ein Schrei.

Als ich wieder zu mir kam, starrte ich an die Decke einer Notaufnahme.

»EINSATZZENTRALE, Vermittlung. Wohin darf ich Sie durchstellen?«

»Ich habe gerade ein kleines Mädchen getötet ...«

»Sir ...«

»Ich bin ausgewichen, ich bin ausgewichen ...«

»Sir, wo befinden Sie sich jetzt?«

»Bei der Hillside Mall ...«

»Wo genau bei der Hillside Mall, Sir?«

»Ich hab nur ganz kurz weggeschaut, hab meinen Rückspiegel gerichtet. Ich bin ausgewichen, aber sie ...«

»Sir, von wo aus rufen Sie an?«

»Ich habe gerade ein kleines Mädchen getötet.«

»Sir ...«

»Sir?«

»Sir?«

SIMON BARRETT 10.53 Uhr

Mein Blick wanderte zu der Uhr auf meinem Schreibtisch, als die beiden Polizisten aus Victoria die Tür zu meinem Büro öffneten. Sheila stand dicht hinter ihnen, mit zusammengepressten Lippen.

»Mr Barrett?«, sagte einer der beiden Polizisten.

Ein Anwalt bekommt normalerweise selten unangemeldeten Besuch von uniformierten Beamten, aber es kommt schon mal vor, besonders wenn man wie ich viel mit Unfällen und Personenschäden zu tun hat. Ich hätte mir mehr Sorgen gemacht, wenn es mein Börsenmakler gewesen wäre.

Beschwingt erhob ich mich aus meinem Sessel. »Was kann ich für Sie tun, meine Herren?«

»Ich wollte Sie mit dem Summer rufen ...«, begann Sheila.

»Schon in Ordnung, Sheila. Mary ...«

Sie saß mit der Akte Anderson an meinem Arbeitstisch.

»Wir setzen das später fort.«

Mary erhob sich, ihr Blick wanderte zwischen mir und den Polizisten hin und her. Ich sah zur Tür, und sie folgte Sheila nach draußen.

10.54 Uhr

Ich ging um den Schreibtisch herum und streckte dem Polizisten, der am nächsten bei mir stand, die Hand hin. Aus Beobachtung und Erfahrung habe ich gelernt, dass die Haltung, die eine Person einer anderen gegenüber einnimmt, der Schlüssel dazu ist, die Situation zu dominieren. Wenn zwei oder mehrere Personen zusammen sind, steht die wichtigste meist vorne. Vielleicht nur einen halben Schritt, aber so, dass man es wahrnimmt. So, dass er wichtig wirkt.

Der Polizist, auf dessen Abzeichen CLEMENT stand, schüttelte meine Hand, nicht fest. Seine Hand fühlte sich kühl und glatt an.

»Wie kann ich Ihnen helfen?«, wiederholte ich.

Der Officer warf seinem Kollegen, dessen Namen ich nicht lesen konnte, einen Blick zu, der mich beunruhigte.

»Mr Simon Barrett? Wohnhaft auf der Shakespeare 2718?«, fragte der zweite Beamte.

»Ja. Was gibt es?«

»Es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen ...«

»Ja?«

»Sir, es hat einen Unfall gegeben ...«

»Sherry? Ist Sherry etwas passiert?« Ich griff hinter mich an den Schreibtisch.

»Ihre Frau und Ihre Tochter hatten heute Morgen in der Nähe des Hillside Einkaufszentrums einen Unfall«, fuhr Officer Clement fort. »Wir fahren Sie ins Krankenhaus, wenn Sie hier fertig sind. Wir können im Wagen sprechen.«

»Sind sie ...?« Ich rang nach Worten, aber dann riss ich mich zusammen. »Ich sage Sheila, dass sie meine Termine absagen soll.«

Als ich den Knopf der Sprechanlage drückte und ihr meine Anweisungen gab, war es 10.56 Uhr. Ich nahm nichts weiter als meine Jacke mit und folgte den Beamten durch den Empfang nach draußen.

Mary stand neben der Eingangstür. Ich vermied es, ihr in die Augen zu sehen, als wir an ihr vorbeigingen.

DER MANN in dem schwarzen Mantel stand unter einem Imbissschild und beobachtete, wie der Truck das Mädchen durch die Luft schleuderte und die Mutter streifte. Bewegungslos sah er zu, wie der Truck mit quietschenden Reifen zum Stehen kam und dann weiterfuhr, wie die Leute aus den Häusern liefen und sich um die Gestalten am Boden scharten. Er bewegte sich nicht, als die Mutter schrie, als die Sirenen lauter wurden, als sich die Menge teilte, um den Weg für die weißgekleideten Rettungssanitäter freizumachen. Sie knieten sich neben das Mädchen, und als sie wieder aufstanden, waren ihre Knie nass von ihrem Blut.

In der einen Hand hielt er eine Bibel, in der anderen drehte er eine Silbermünze. Als der Krankenwagen mit flackerndem Licht und heulender Sirene davonbrauste, drehte sich der Fremde um und ging in Richtung Krankenhaus.

KAREN BARRETT Zuerst hatte ich keine Ahnung, wo ich mich befand.

Alles war weiß, viel zu hell und verschwommen. Um mich herum nichts als Konfusion, ein Gewirr von Stimmen und Echos. Als ich versuchte, mir die Augen zu reiben, fuhr ein stechender Schmerz durch meine Hand. Ein Infusionsschlauch steckte in meinem Handgelenk, mit juckendem durchsichtigem Klebeband befestigt.

Die Notaufnahme. Sherry.

Ich lag unter einer grünen Decke, angezogen. Etwas Festes um meinen Kopf, ich tastete danach, es war ein Verband. Langsam sah ich besser.

Vorhänge von gleicher Farbe wie die Decke liefen um das Bett herum. Simon stand vor dem Stahlgeländer.

»Simon?«

»Die Polizei hat mich abgeholt. Vom Büro.«

»Sherry?«

Ich versuchte mich aufzurichten, verhedderte mich jedoch zwischen Infusionsschlauch und Decke und verspürte ein starkes Schwindelgefühl.

»Nicht bewegen. Bleib liegen.« Seine Stimme klang fast...

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