Starfire - Kreuzzug

Starfire 2
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Oktober 2013
  • |
  • 624 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-11330-8 (ISBN)
 
Auf Messers Schneide

Die Menschheit hat das Weltall erobert. Schon bald nach der ersten Begegnung mit der Zivilisation des Orion-Systems bricht ein interstellarer Krieg aus. Bis beide Seiten zur Erkenntnis kommen, dass ein Friedensabkommen mehr nützen kann als Krieg, dauert es. Endlich ist jedoch ein brüchiger Friede vereinbart - da taucht plötzlich ein Raumschiff aus der Vergangenheit auf und greift die Orion-Flotten an. Ist dies das Ende?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,95 MB
978-3-641-11330-8 (9783641113308)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1 Rückkehr aus dem Exil

»Schmeckt Ihnen das Zeget?«

Lord Talphon, sechsundzwanzigster Kleinstkrall des Clans Khardanish'zarthan, strich sich mit den Krallen bedächtig durch den üppigen Schnurrbart und sah seinen Verbindungsoffizier aus geschlitzten Pupillen über den Tisch hinweg an.

»Ja, danke, Captain. Und es ist auch genau richtig gegart.«

Khardanish registrierte billigend Lieutenant Johansens Lächeln, bei dem diese darauf achtete, die Zähne nicht sichtbar werden zu lassen. Menschen vergaßen häufig, dass das Zeigen der Zähne bei Orionern eine Herausforderung bedeutete. Dass Johansen die Zheeerlikou'valkhannaieee in Vorbereitung auf diesen Einsatz sorgfältig studiert hatte, war ihm bekannt, dennoch war es erfreulich, dass sie wusste, was sich gehörte. Was nicht bedeutete, dass er schon aufhören würde, seinen Gast ein wenig zu necken.

»Das freut mich«, sagte er, »und ich bitte um Nachsicht, dass die Köche so lange gebraucht haben, bis sie begriffen haben, dass Sie es wirklich gekocht vorziehen.«

»Keine Ursache, Captain. Ich tröste mich damit, dass einem Koch der Föderations-Navy die Vorstellung ebenso fremd wäre, dass Sie es tatsächlich roh vorziehen würden.«

Khardanish erlaubte sich ein knurrendes Schmunzeln. Eigentlich erstaunlich, wie gut er und Johansen gelernt hatten, Feinheiten in der Ausdrucksweise des Anderen zu erkennen, insbesondere da keiner über die nötigen Sprechwerkzeuge verfügte, um die Sprache des Anderen sprechen zu können. Khardanish hatte den Verdacht, dass man ihm die Lorelei-Patrouille zumindest teilweise deshalb zugeteilt hatte, weil er terranisches Standardenglisch verstand. Es war zwar häufig von neuer Übersetzungssoftware die Rede, aber die derzeitige Generation war immer noch ziemlich grob und unpräzise . und benötigte viel zu viel Speicherkapazität, jedenfalls was die Möglichkeiten eines armseligen Zerstörers anging.

Der Kleinstkrall war nicht gerade begeistert gewesen, als er von seinem neuen Posten gehört hatte. Für einen Kleinstkrall war es schmeichelhaft, im Patrouillendienst eingesetzt zu werden, tatsächlich sogar als Kleinstkrall mit einem eigenen Geschwader - aber die vier alten Schiffe des Zehnten Zerstörergeschwaders stellten nicht gerade die Spitze der Kriegsmarine des Khanats dar, und das Lorelei-System war auch nicht gerade ein kritischer Sektor. Es war eines der ganz wenigen Systeme, die das Khanat im Ersten Interstellaren Krieg vor zwei Orion-Jahrhunderten der Föderation hatte entwinden können, aber der absolut nutzlose Stern ließ sich in keiner Weise verteidigen, wie die Terraner im Zweiten Interstellaren Krieg bewiesen hatten, ein Umstand, dem es vermutlich geschuldet war, dass die Föderation das System dem Khanat gelassen hatte. Lorelei besaß keine bewohnbaren Planeten, und nur eines seiner sechs Sprungtore führte in orionisches Territorium, vier weitere in terranisches Hoheitsgebiet. Das sechste führte ausschließlich in den Tod, denn bis jetzt war noch kein Forschungsschiff jemals aus ihm zurückgekehrt. Seine ZNAMAE und ihre Schwesterschiffe befanden sich lediglich hier, um »Flagge zu zeigen«, wie Terraner das ausdrückten.

Doch inzwischen war Khardanish klar geworden, dass seine Mission in einer Weise wichtig war, wie sie nur wenige seiner Kollegen erkennen konnten. Dass der im Vertrag von Valkha beschlossene Einsatz von Verbindungsoffizieren in sämtlichen Grenzpatrouillen ein vernünftiges Mittel war, potenzielle Zwischenfälle zu vermeiden, war allen klar, seit die Föderation und das Khanat sich im Dritten Interstellaren Krieg gegen die Rigelianer verbündet hatten. Dass die sich dadurch ergebenden Kontakte zwischen den Spezies ähnlich wünschenswert waren, weil sie den immer noch nur langsam wachsenden wechselseitigen Respekt zwischen den Soldaten der Sternennationen förderten, erkannten wesentlich weniger Leute an.

Khardanish wunderte sich selbst, wie sympathisch ihm Lieutenant Johansen mittlerweile geworden war. Attraktiv würde er Menschen nie finden. Ihre Gesichter waren platt, ihre Ohren klein und rund und saßen viel zu tief. Sie hatten nicht einmal die Andeutung eines vernünftigen Pelzes, und das Fehlen von Schnurrhaaren, dem Stolz eines jeden Orioners, machte es wirklich schwer, sie ernst zu nehmen. Selbst ihre Männer hatten nur einen weichen Flaum wie Kätzchen, aber was den Lieutenant anging, war es noch wesentlich schlimmer. Sie war eine Frau, und das lange Haar, das ihr Gesicht umrahmte, betonte nur noch dessen völlige widerwärtige Kahlheit. Und auch wenn die Angewohnheit der Menschen, stets körperverhüllende Kleidung zu tragen, in ästhetischer Hinsicht nicht verwerflich war - wenigstens war ihre nackte Haut auf die Weise verdeckt! -, schien es ihm doch . seltsam.

Aber Samantha Johansen besaß viele Qualitäten, das musste er zugeben. Sie war aufmerksam, intelligent und verfügte über ein hohes Maß von Sensibilität für die unvermeidlichen Unterschiede zwischen ihren Kulturen. Und ihre militärischen Leistungen waren ohnehin beeindruckend. Der Lieutenant war erst dreiundfünfzig - achtundzwanzig nach der Zeitrechnung ihrer Rasse -, aber sie musste sich militärisch bereits ausgezeichnet haben, trug sie doch an ihrer Uniform das Band des Military Cross der Föderation, was etwa dem Valkhaanair entsprach. In den fünfzig terranischen Friedensjahren seit dem Dritten Interstellaren Krieg war es vermutlich nicht ganz einfach gewesen, diese Auszeichnung zu erringen. Vielleicht, überlegte er, hatten ihre Vorgesetzten sie mit ähnlichem Bedacht für diesen Einsatz ausgewählt, wie Erstzahn Lokamah das - da war er sich inzwischen sicher - in seinem Fall getan hatte.

»Ah, Saahmaantha!«, sagte er jetzt. »Manchmal ähneln Sie meinen Leuten auf geradezu unangenehme Weise.«

»Das betrachte ich als Kompliment, Captain.« Johansen kaute sichtlich angetan an einer Scheibe Zeget. Für ihren Geschmack hatte es einen ziemlichen goût, aber es war jedenfalls ein Kriegermahl. Der bärenähnliche Zeget waren vier pelzbedeckte Meter reiner Wut, das gefürchtetste Raubtier der ursprünglichen Heimatwelt der Orioner, und Kleinstkrall Khardanish hatte ihr eine große Ehre erwiesen, indem er dieses Gericht bestellt hatte.

»Tatsächlich?« Khardanish schenkte Wein nach. Für seinen Geschmack war das terranische Gewächs übermäßig trocken, aber es war ein Geschenk Johansens gewesen, und so ließ er sich anmerken, dass er den Wein genoss, wie sie das verdient hatte. Er kippte das Glas etwas zur Seite und bewunderte das Lichterspiel der rubinfarbenen Flüssigkeit. »Dann will ich Ihnen jetzt etwas sagen, Lieutenant. Wissen Sie, wie wir Zheeerlikou'valkhannaieee die beiden Kriege nennen, die wir mit euch geführt haben?«

»Ja, Captain«, nickte Johansen. »>Kriege der Schande<.«

»Exakt.« Er nahm einen kleinen Schluck. »Und ich finde diese Bezeichnung passend, obwohl wir jetzt Verbündete sind. Wir hatten zweimal so viel Sternsysteme, zehnmal so viel Bevölkerung und eine Kriegsmarine, und Sie hatten - ja, was hatten Sie eigentlich? Ein paar Dutzend leicht bewaffnete Forschungsschiffe? Sollte nicht jeder Krieger Scham empfinden, wenn er im Kampf gegen einen so viel schwächeren Feind unterliegt?«

Johansen erwiderte seinen Blick ruhig, was den Kleinstkrall beeindruckte. Selbst unter seinesgleichen hätten viele versucht, ihr Unbehagen hinter irgendwelchen höflichen Floskeln zu verbergen. Aber dieser Mensch wartete einfach nur.

»Aber in dem Punkt, auf den es am meisten ankam, waren Sie nicht schwächer, Saahmaantha«, sagte er ernsthaft. »Für Ihr Volk war Krieg eine Frage von Planung und Disziplin, für das meine die Chance, durch individuellen Mut Ehre zu erlangen. Ihr Erstzahn Anderson hat uns in Fallen gelockt, uns Hinterhalte gestellt und uns mit massivem Beschuss niedergebrannt, wenn wir ihn angriffen. Für die Zheeerlikou'valkhannaieee war das die Taktik eines Feiglings. Mein Großvater, der Erste Lord Talphon, hat in beiden Schand-Kriegen gekämpft. Er war ein intelligenter Offizier, einer der Protegés von Varnik'sheerino, aber selbst er war der Ansicht, dass die Art, wie Ihre Leute Krieg führten, nur Chofaki zukam.«

Johansen sagte immer noch nichts, obwohl es in ihren Augen zuckte. Wörtlich übersetzt bedeutete Chofaki »Dreckesser«, im übertragenen Sinn bezeichnete es Wesen mit so wenig Sinn für Mut und Ehre, dass sie diese Begriffe nicht einmal verstehen konnten.

»Doch ich habe seine Tagebücher mehrmals gelesen, Saahmaantha, und er hat mit der Zeit begriffen, dass dem nicht so war.« Khardanish beobachtete, wie sein Gast sich entspannte. »Er hat nicht bei Aklumar gekämpft, aber sein Schiff hat als einziges die erste Schlacht von Ophiuchi Junction überlebt, und er war an jedem größeren Gefecht jenes Feldzugs beteiligt. Am Ende hatte er gelernt, was die Navy Ihrer Föderation uns gelehrt hat; dass es die Pflicht eines Kriegers sein muss zu gewinnen, nicht Coups zu zählen, wie man das bei Ihnen, glaube ich, nennt. Und wenn Sie uns ähnlich sind, dann liegt das zum Teil vielleicht daran, dass meine Leute den...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

8,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen