Operation Armageddon

ein Krimi aus teutschen Landen
 
 
TWENTYSIX (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. August 2020
  • |
  • 532 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7407-7698-5 (ISBN)
 
Der Tod eines jungen Neonazis wird von der Kripo Cottbus schnell als Selbstmord zu den Akten gelegt. Lediglich zwei Ermittler vom Rauschgiftdezernat wollen diese Entscheidung nicht akzeptieren und verfolgen den Fall entgegen konkreter Anweisungen von oben weiter. Dabei verstricken sie sich schnell in einem Netz aus alten Intrigen, illegalen Geheimdienstoperationen und aktueller Bodenspekulation.
Unabhängig davon beginnt der Bruder des Toten mit eigenen Nachforschungen. Er war vor Jahren aus der rechten Szene ausgestiegen und zur Fremdenlegion gegangen. Inzwischen arbeitet er als Söldner und ist aus Afrika zurückgekehrt um jemanden für den Tod seines Bruders zur Rechenschaft ziehen.
Während andere die Ermittlungen der Polizei und des Bruders je nach Interessenlage behindern oder für ihre Zwecke nutzen wollen, ist längst Operation Armageddon angelaufen.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,66 MB
978-3-7407-7698-5 (9783740776985)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Frank Westenfelder wurde 1953 in Karlsruhe geboren, wo er Literaturwissenschaft und Geschichte studierte. Der freischaffende Autor lebt seit vielen Jahren in Barcelona und beschäftigt sich vorwiegend mit der Sozialgeschichte der Söldner und Abenteurer.

2


"Ein Desaster ist das! Ein absolutes Megadesaster. Du wirst es nicht für möglich halten, aber wir sind vielleicht so was von am Arsch."

"Am Arsch bin ich so ungefähr 220 Tage im Jahr, ob's mehr oder weniger sind, hängt davon ab, wie viel Urlaub sie mir genehmigen, und nicht von irgendwelchen dummen Geschichten, die du auf dem Weg ins Büro aufschnappst." Richard Treiber hatte zwar gelernt den Übereifer seines jungen Kollegen Marc Krause weitgehend zu ignorieren, so früh am Morgen ging ihm diese Hektik doch etwas mehr als normal auf die Nerven. Bei seiner zweiten Tasse Kaffee sah er sich im Internet gerade nach günstigen Angeboten für Autoreifen um. Manchmal musste man auch was Vernünftiges bei der Arbeit machen.

"Ja, ja, schon gut. Wenn du mit deiner morgendlichen Selbstbemitleidungsphase so langsam durch bist, könntest du mir vielleicht deine volle Aufmerksamkeit schenken. Es ist nämlich wirklich wichtig, nicht zuletzt für dich ganz persönlich. Gestern hat sich nämlich anscheinend unser potenziell wichtigster, da einziger, Spitzel, Holger Nagel, das Hirn weggeblasen."

Das war nun doch der Hammer. Richard hätte sich fast an seinem Kaffee verschluckt. Er sah es noch genau vor sich, wie er sich das kleine Arschloch vorgenommen hatte. Die coolen Sprüche waren dem schnell vergangen, als er ihm mit allen bunten Details die Bauchtanznummer beschrieben hatte, die er im Cheeky-Serail in Dissenchen für all die schwulen Türken und Araber aufführen müsste. Er müsste sich natürlich die Haare wachsen lassen, da diese Grauwölfe und Islamisten da so richtig drauf abfahren würden. 'Holgi, Holgi lass dein goldenes Haarrr herunter'. Richard hatte betont hämisch gelacht und sich das R genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Da war Holgi dann recht schnell sehr blass geworden, hatte sich fast in die Hosen gemacht.

Dann dieser kindische, panische Fluchtversuch. Ein echtes Muttersöhnchen eben. Letzten Endes hatte er dann aber doch dichtgehalten, nach seinem Anwalt verlangt, wie das inzwischen alle aus dem Fernsehen gelernt hatten. Aber er sollte ruhig mit seinem Anwalt reden. Immerhin hatten sie ihn mit einem halben Kilo bestem Metamphetamin geschnappt. Was konnte ein Anwalt dazu schon sagen? 5 Jahre, vielleicht 4. Jedenfalls genug Zeit, um sich die goldenen Haare bis zum Arsch wachsen zu lassen. Hatte er ihm noch hinterhergerufen, damit er was zum Nachdenken hatte. Und das hatte er anscheinend auch getan.

"Vielleicht hast du ihn doch etwas zu hart hergenommen."

"Red' nicht so einen Stuss! Ich habe einen Nazi und Drogenkurier befragt, außerdem noch seinen Fluchtversuch vereitelt, wozu du ja nicht in der Lage warst. Und jetzt hab ich ihn in den Selbstmord getrieben? Das ist doch wohl der Gipfel!"

"Nein, nein. So war das doch nicht gemeint. Reg dich bloß nicht auf. Du warst absolut korrekt. Wirklich. Ich wollte nur sagen, er war eben doch nicht so taff, wie er tat. Aber wie sollten wir das wissen?"

"Natürlich wusste ich das. Ein verwöhntes Muttersöhnchen war das. Meinst du, ich lass mich von ein paar Springerstiefeln beeindrucken?" Richard zündete sich eine Zigarette an und ging zum Fenster. Rauchen war zwar strengstens untersagt, aber er war schließlich Stubenältester und wenn er den Rauch nach draußen blies, protestierte Marc nur selten. Und jetzt bei dem ganzen Ärger mit diesem Nazi-Bubi war gegen eine Kippe wirklich nichts einzuwenden. Das beruhigte und half beim Nachdenken.

Er merkte, wie ihn das Nikotin entspannte und begann die ganze Angelegenheit nüchterner zu betrachten. Holgi hatte einfach nicht das Zeug dazu, sich in den Kopf zu schießen. Der hätte vorher geplaudert, gesungen wie ein Kanarienvogel, daran änderte auch ein Anwalt nichts. Und weil nicht nur er dies wusste, war Holgi jetzt tot. Das war der Punkt.

"Und woher weißt du das mit der Selbsttötung?", wandte er sich an Marc.

"Ich habe gerade Torin vom KDD getroffen. Die hatten den Fall heute in der Frühschicht."

"Ach. Und dann haben also die zwei Pfeifen vom Dauerdienst schnell auf Selbsttötung entschieden, damit sie sich wieder in aller Ruhe vor die Glotze legen können?"

"Nein, haben sie nicht", entgegnete Krause. "Die haben Schibulski von Kapitalverbrechen angerufen. Der kam dann, hat sich die Sache angesehen und auf Suizid erkannt."

"Viel gemacht hat der sicher nicht, das faule Schwein?"

"Torin meinte, die Sache sei ziemlich eindeutig gewesen. Nagel saß tot im Auto, die Waffe noch in der Hand. Eindeutige Spurenlage."

"Tja, wenn das alles so eindeutig ist und seine Oberwichtigkeit Shitbulski mit seinen zwei Gehirnzellen auf Selbsttötung entschieden hat, müssen wir wohl von vorne anfangen oder das Hussock-Verfahren beerdigen, bevor wir richtig losgelegt haben." Richard gab sich betont gleichgültig.

Das gab Marc offensichtlich zu denken. Er setzte sich und trommelte nervös mit seinen Fingern auf dem Schreibtisch. Richard ließ ihn trommeln und wandte sich gelassen seinen Autoreifen zu. Er war allerdings noch nicht sehr weit mit seiner Suche fortgeschritten, als ihn Marc unterbrach.

"Du behauptest also, dass Nagel ermordet wurde?"

"Ich behaupte gar nichts. Ich ziehe lediglich die einzig möglichen logischen Schlüsse aus den mir vorliegenden Fakten. Und dabei lasse ich mich von faulen Dummköpfen wie Shitbulski nicht beeindrucken."

"Und was sind bitte diese Fakten?"

"Was sind das für Fakten?" Richard lehnte sich bequem zurück und nickte weise. "Erstens einmal war dieser Nagel, der süße Holgi, kein Selbstmordtyp, der hatte noch nicht einmal im Ansatz das Zeug dazu. Tausend Verhöre in lebenslangem Polizeidienst haben mich da mit einem nicht geringen Erfahrungsschatz ausgestattet; das kannst du mir glauben. Zweitens passt die Sache einfach viel zu gut. Wir haben nach Monaten erfolgloser Ermittlungen gegen Hussock plötzlich einen Kronzeugen. Und als wir den so gut wie weichgeknetet haben, erschießt er sich. Einfach so! Bumm! Fall abgeschlossen. Glaub ich das, heiß ich Shitbulski? Irgendwann lernst du vielleicht noch, dass es bei echter Polizeiarbeit so gut wie keine Zufälle gibt. Und wenn es welche gibt, solltest du genau hinsehen, weil dir vielleicht jemand einen Bären aufbinden will."

"Hmm," Marc nickte zustimmend. "Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr sehe ich, dass du wahrscheinlich Recht hast. Ich hatte natürlich auch meine Zweifel. Du denkst also, dass Hussock Nagel als Risiko eingestuft und dann beseitigt hat?"

"So in der Art. Oder er hat einen seiner Leute damit beauftragt. Wird schon der eine oder andere dabei sein, der so was hinkriegt."

"Es hätte doch auch die Konkurrenz sein können. Wer weiß, wem die da mit ihren Geschäften ins Gehege gekommen sind."

"Quatsch." Wegen solch banaler Einwände sah Richard noch nicht mal von seinem Bildschirm auf. "Wenn die Araber in Berlin, oder sagen wir mal die Tschechen, so was machen, tarnen sie das nicht als Selbsttötung. Die markieren ihr Terrain. Wenn die jemanden umlegen, wollen sie damit auch eine Botschaft schicken. Du weißt doch: 'Luca Brasi schläft bei den Fischen'."

"Wer bitte ist Luca Brasi?"

"Vergiss es. Merk dir einfach, die Konkurrenz macht so was nicht heimlich. Aber vielleicht hast du in deiner Jugend ja Agatha Christie gelesen. Lass dir deshalb von einem alten Ermittler sagen: Der Mörder war nie der Gärtner, sondern praktisch immer der, den man zuerst im Verdacht hat."

"Agatha Christie war mehr deine Generation, wenn ihr hier im Osten überhaupt so was bekommen habt."

"Zumindest haben wir noch Bücher gelesen, die länger als dieser Schwachsinn auf Facebook und Twitter waren." Richard kehrte zu seiner Reifenrecherche zurück. Er hatte seine Meinung gesagt und auch noch ausführlich erklärt. Damit hätte die Angelegenheit eigentlich erledigt sein sollen. Trotzdem befürchtete er, dass das leidige Thema damit noch nicht vom Tisch war.

"Und was machen wir jetzt dagegen?" meldete sich nach einer längeren Denkpause Marc wieder zu Wort. "Ermitteln wir selbst? Oder setzen wir uns dafür ein, dass die bei Kapitalverbrechen den Fall richtig aufrollen?"

"Wir machen gar nichts, da wir bei Mord nicht zuständig sind. Und bei Kapitalverbrechen machen sie erst recht nichts, da sie sonst einräumen würden, dass - nomen est omen - Shitbulski Scheiße gebaut hat."

"Das ist alles, was dir dazu einfällt? Du willst es dir einfach so gefallen lassen, wenn dir so ein Wichtigtuer wie Schibulski die Butter vom Brot nimmt?

Richard sah etwas genervt von seinem PC auf. "Und was soll ich deiner Meinung nach machen? Soll ich, der kleine Hauptmeister, dem sie jetzt als fast Ex-Stasi-Mann das Gnadenbrot geben, mich mit einer allseits populären Koryphäe wie Schimmi-Shitbulski anlegen? Du kennst doch den Laden. Da kommt nicht nur absolut nichts raus; im...

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