Romana Weihnachten Band 20

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Oktober 2020
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-4936-1 (ISBN)
 
WINTERZAUBER IN DEN BERGEN von NIKKI WEST Hell läuten die Kirchenglocken in dem tiefverschneiten Tal, als Sophie ihre Jugendliebe wiedersieht. Damals verließ Julius, inzwischen ein berühmter Cellist, das Bergdorf ohne sie. Kann die Stille Nacht ihr gebrochenes Herz heilen - und ihnen beiden einen Neuanfang schenken? LIEBESSTERN ÜBER DEM DEICH von LILLI WIEMERS Ein Wintersturm tobt über der Nordsee, aber in der kleinen Reetdachkate hinterm Deich herrscht Wärme. Im goldenen Kerzenschein schmiegt Wenke sich an Matthies, den geheimnisvollen Gast auf dem Gestüt. Ihre Liebe ist wie ein Weihnachtswunder - das viel zu schnell mit den eiskalten Raunächten enden könnte ... EIN STÜCK VOM HIMMEL? von ANNA KELLER Zimmermädchen Marie kann es kaum fassen: Ihr Chef hat ihr im glitzernden Schnee einen Kuss geraubt! Doch das Glück gerät in Gefahr, als ihre Stiefschwester im bayerischen Winterwald auftaucht. Durchtrieben will sie den vermögenden Hotelier Leopold für sich gewinnen ...
  • Deutsch
  • 3,41 MB
978-3-7337-4936-1 (9783733749361)

PROLOG

"Oh, schau! Komm schon! Da vorne in dem Zelt gibt es Puppentheater! Das müssen wir sehen!" Sophie packte Julius an der Hand und zog ihn in die Richtung, wo sich rot und leuchtend das Spitzdach eines Puppentheaters aus der Menge von Wintermänteln abhob. Die Streben des offenen Theaterzelts waren mit Tannengrün und Stechpalmenzweigen verziert.

Bereitwillig ließ der Junge sich von ihr mitziehen. In ein paar Wochen wurde er schon sechs. Julius war zwei Jahre älter als sie, und wenn er von Sophies Papa in die Vorschule gefahren wurde, trug er immer schicke dunkelblaue Hosen und ein Hemd, das Mama ihm in aller Herrgottsfrühe aufbügelte. Dann wirkte er wie ein Fremder auf Sophie. Doch sobald er zu Hause war, nahm er sich Zeit für sie.

Sie bahnten sich einen Weg durch die Menge auf dem Adventsmarkt. Die Luft duftete nach Lebkuchen und Weihnachtsgewürzen, an den Ständen glitzerten Christbaumanhänger aus funkelndem Glas, leuchteten tausende Lichter und spiegelten sich in den feinen Flocken, die der Himmel über den Weihnachtsmarktbesuchern ausschüttete. Leise klangen Weihnachtslieder aus versteckten Lautsprechern.

Durch den flauschigen Wollstoff ihrer Fäustlinge spürte Sophie Julius' Hand kaum, aber sie wusste, er war da. Sein Griff gab ihr Sicherheit in der Menge aus Menschen, alle eingemummelt in Mützen, Schals und dicken Anoraks.

Sie drängte weiter. Über dem Eingang zum Zelt baumelte ein mit Schneeflocken und Efeuranken bemaltes Holzschild. "Nächste Vorstellung: 17:30 Uhr" stand darauf. Gerade schlug die Kirchenglocke zur halben Stunde.

Vor dem Puppentheater hatte sich eine Zuschauertraube gebildet. Sogar ein paar Holzbänke waren vor der Bühne aufgestellt, damit die Kinder dem Spektakel in aller Ruhe folgen konnten.

Sophie erspähte einen letzten Platz auf der Bank in der ersten Reihe. Sie setzte sich, ruckelte ein bisschen nach rechts und ein bisschen nach links und tappte dann mit der Hand auf die freie Stelle, die sie so neben sich geschaffen hatte.

Julius warf ihr einen skeptischen Blick zu.

"Nun komm. Gleich geht es los."

Ein lustiges Glockenspiel erklang, dann hob sich zum "Ohhh" und "Ahhh" der Zuschauer der rote Samtvorhang der Puppenbühne.

"Guten Abend, liebe Zuschauer", begrüßte der Erzähler die Kinder und Erwachsenen auf den Bänken. Dazu hüpfte eine Handpuppe über die Holzbühne, ein alter Mann mit Lodenumhang und langem Hirtenstock. "Sagt, Kinder, seid ihr alle da?"

"Jaaaa!", tönte es aus zahlreichen Kehlen.

"Kennt ihr die Geschichte vom armen Spielmann und den goldenen Schuhen?"

Gemeinsam mit den anderen Kindern schüttelte Sophie den Kopf.

"Ich kenne sie", flüsterte Julius ihr ins Ohr, leise genug, damit nur sie ihn hörte. "Opa Albert hat sie mir erzählt. Das ist eine Legende hier aus der Gegend."

"Es war einmal ein armer Spielmann", fuhr der Erzähler fort. "Der reiste in der ganzen Welt umher, immer von Dorf zu Dorf. Wo er rastete, spielte er für die Menschen auf seiner Geige und verdiente sich so ein paar Kreuzer."

Von der anderen Seite der Bühne betrat eine zweite Puppe das Theater. Sie trug zerrissene Kleider und einen schiefen Hut. In der Hand hielt die Puppe eine Fiedel.

Aus den Lautsprechern über den Köpfen der Zuschauer drang das klagende Singen einer Geige.

"Einmal, an einem besonders kalten Wintertag, suchte der Spielmann Schutz in einer Kapelle." Seitlich wurde ein neues Bühnenbild hinter die Puppen geschoben. Es zeigte einen prunkvollen Altar mit einem Sockel aus Marmor und einer zarten Marienstatue im Hintergrund. "Und weil der Spielmann nicht wusste, wie er besser zu Gott sprechen sollte als durch seine Musik, begann er, für die Muttergottes zu fiedeln."

Wieder setzte die Geigenmusik ein.

Sophie rückte näher an Julius.

"Kannst du auch so schön spielen?" In dem großen Haus, in dem sie beide wohnten, gab es ein ganzes Zimmer voller Instrumente.

"Würde ich gerne", gab Julius zu. "Aber nicht Geige, sondern Cello. Weißt du, was ein Cello ist? Es ist größer als eine Geige, und es klingt ." Er suchte nach Worten. "Himmlisch. Weich und warm und seidig. Dann wieder ernst und tröstend. Wie ein Sänger. Nur schöner. Als würde ein echter Engel singen, und du könntest sein Lied mit dem Herzen hören, nicht mit den Ohren."

Sophie war noch zu klein, um in Worte zu fassen, was sie in Julius' Blick erkannte, während er versuchte, ihr seine Begeisterung für das Cello zu beschreiben. Instinktiv spürte sie, dass es etwas Wichtiges war. Etwas, das groß war und ihrem Freund ganz allein gehörte. Etwas, das ihm vielleicht sogar noch wichtiger war als sie.

Plötzlich war ihr nicht mehr danach, das Theaterstück zu Ende zu schauen.

"Wir sollten gehen", sagte sie. "Sicher ist Herrn Fuchsberger schon aufgefallen, dass wir nicht mehr da sind." Mama und Papa hatten Sophie eingebläut, von Julius' Vater niemals anders zu sprechen als von Herrn Fuchsberger. Gnäd'ger Herr war auch in Ordnung, aber niemals dürfte sie Leopold sagen, oder dein Papa, wenn sie mit Julius sprach. Schließlich hielt Herr Fuchsberger sie in Lohn und Brot. Ihm war es zu verdanken, dass Sophies Familie ein Dach über dem Kopf hatte. Das verdiente Respekt, und dass Julius Sophies bester Freund auf der Welt war, änderte daran nichts. "Wenn du zu lange weg bist, wird er dich wieder schimpfen."

"Noch nicht", zischte Julius. "Wir wollten uns doch das Theaterstück ansehen."

Auf der Bühne nahm die Geschichte ihren Lauf. Die Muttergottes belohnte den Spielmann mit einem ihrer goldenen Schuhe für sein seelenvolles Lied. Der Spielmann, so arm wie er war, wusste nichts mit dem kostbaren Geschenk anzufangen. Zuerst ging er zu einem Bauernhaus und fragte den Bauern um Rat. Der erkannte den Schatz in den Händen des Spielmanns und war überzeugt, der Geiger müsse den Schuh geklaut haben. Also schickte er den Spielmann zum Schuster.

Doch auch der Schuster schenkte dem Geiger nichts als Misstrauen. "Mit dem Schuh kann ich nichts anfangen", sagte der Schuster zum Spielmann, "denn er ist nicht aus Leder. Geh lieber zum Goldschmied. Womöglich gibt der dir Geld für deinen Schatz."

Als der Spielmann zum Goldschmied kam, machte dieser große Augen. "Der ist ja aus purem Gold!", rief er aus. "Den will ich dir gerne abkaufen. Warte in der Stube, bis ich mein Tagwerk verrichtet habe."

Froh, seine müden Glieder ausruhen zu können, setzte sich der Spielmann an den Kamin und genoss die Wärme.

Der Goldschmied unterdessen hatte gar nicht vor, dem Spielmann das goldene Kleinod abzukaufen. Wie schon der Bauer und der Schuster konnte er sich nicht vorstellen, wie ein musizierender Vagabund zu solch einem Schatz gekommen sein sollte, wenn nicht durch Diebstahl. Er ließ die Landwächter holen. Im Nu waren sie da und legten den Spielmann in Schellen.

"Mein Herz ist rein und meine Hände ebenso. Das Einzige, was ich je gestohlen habe, waren die Töne aus meiner Geige", beteuerte der Spielmann, doch auch das ärgste Flehen half ihm nichts, und er wurde verhaftet.

Sophies Wangen brannten, so sehr nahm die Geschichte sie mittlerweile in ihren Bann.

"Oh nein!" Sie legte ihre Hand auf Julius' Oberschenkel, klammerte sich so fest an den Freund, als hätte der die Macht, den Lauf des Stücks zu beeinflussen. "Der Spielmann hat gar nichts gemacht. Er hat nur gespielt. Sie können ihn doch nicht für etwas einsperren und aufhängen, das er gar nicht gemacht hat!"

Julius blickte finster drein. "Du kriegst doch auch Strafen im Kindergarten für etwas, das du nicht getan hast. Wenn du nicht tust, was die Kindergartenfräuleins von dir wollen zum Beispiel. Die Strafen sind immer am schlimmsten, wenn man nicht macht, was die anderen von einem wollen."

"Aber ."

"Pssst", unterbrach er sie, gerade als dem Puppenspielmann die Schlinge um den Hals gelegt wurde.

Sophie kämpfte mit den Tränen. Warum fragte niemand, was wirklich geschehen war? Warum kamen alle zu ihren eigenen Schlüssen, ohne dem Spielmann überhaupt eine Chance zu geben?

"So gewährt einem Todgeweihten doch nur eine Bitte!", flehte der Puppenspielmann um Gnade. "Führt mich zur Kapelle am See, wo die Muttergottes mich so reich beschenkt hat. Noch einmal will ich spielen. Nur ein letztes Lied, bevor mein Leben zu Ende geht."

Wie Sophie hielten auch alle anderen Zuschauer den Atem an. Was würde geschehen?

Ein Aufatmen ging durch die Reihen, als die Landwächter mit dem Spielmann Mitleid hatten. Sie führten ihn zurück zur Kapelle mit der schönen, jungen Madonna, und der Spielmann spielte, wie er noch nie gespielt hatte. So innig und beseelt, dass kein Auge trocken blieb. Nicht auf der Bühne, wo den Puppen winzige Tränen über die hölzernen Wangen rannen und schon gar nicht auf den Zuschauerrängen.

Da rührte sich auf einmal die Muttergottes auf dem Bühnenbild, und Sophie erkannte, dass in die Kulisse eine weitere Puppe eingearbeitet war, die sich bewegen konnte. Die Marienpuppe bückte sich, streifte sich auch den zweiten Schuh von den Füßen und warf ihn dem Spielmann zu.

Die Landwächter erkannten, welch Unrecht sie dem Spielmann getan hatten, und ließen ihn frei. Der verkaufte die kostbaren Schuhe an den Goldschmied.

Fortan musste er niemals mehr hungern und frieren, denn die Geschichte von seinem Schicksal verbreitete sich im ganzen Land. Jeder wollte ihn spielen hören, und wo immer...

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