Lass mich (nie mehr) los

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Februar 2021
  • |
  • 437 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7534-2252-7 (ISBN)
 
»Ich kann keinen einzigen Gedanken, kein Gefühl greifen. In mir ist eine so laute Leere, dass ich nichts und alles zugleich fühle.«

Neill Benett wird nie wieder Single sein! Er würde Brief und Siegel darauf geben und jeden in den Schwitzkasten nehmen, der daran zweifelt. Von einem Moment auf den anderen aber steht er wieder alleine da. Seine Welt gerät vollkommen aus den Angeln und als er dann auch noch seine Bandmitglieder verliert, droht er endgültig unterzugehen.

Maria Carmichael weiß, wie er sich fühlt, denn nach dem Verlust ihres Mannes stand sie am gleichen Punkt. Seit dem sind drei Jahre vergangen und Maria hat vieles verwunden. Sie verliebt sich in Neill, doch was so schön sein könnte, droht, sich in die gleiche Hölle zu verwandeln, die sie schon einmal durchgemacht hat.

"Lass mich nie mehr los" - ein Roman über innige Freundschaft, tödliche Schicksalsschläge und Berge versetzende Liebe.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,69 MB
978-3-7534-2252-7 (9783753422527)
Nicola J. West, geboren 1984 in Hamburg, ist Pferdewirtin und hat Psychologie auf dem Fernweg studiert. Sie verbrachte zuletzt eine längere Zeit in den USA und lebt derzeit in Südspanien. Geschichten zu schreiben war schon in jungen Jahren ihre größte Leidenschaft und jedes Mal in der Neujahrsnacht beginnt sie eine neue.

 

1. Kapitel - Maria


 

Maria war sich sicher, dass sie eines Tages in der Irrenanstalt enden würde. Schuld daran wäre ein Mann. Natürlich. Männer waren doch ohnehin die Wurzel allen Übels. Zugegebenermaßen musste sie selbst über diesen Gedanken lachen und kopfschüttelnd probierte sie ein weiteres Mal, Neill Benett am Telefon zu erreichen.

Es musste das hundertste Mal an diesem Vormittag sein, dass sie die Nummer des Musikers wählte und wie schon zuvor nur auf seiner Mailbox landete.

Sicherlich konnte jeder einmal so beschäftigt oder anderweitig verhindert sein, dass er einen Anruf nicht entgegennehmen konnte, dieses Gespräch aber hatten sie verabredet. Um zehn kannst du mich anrufen, hatte er gesagt. Bis dahin bin ich wieder wach.

Möglich war es schon, dass er auch um kurz vor 13 Uhr noch schlief, das würde dem blonden Lockenkopf ähnlich sehen. Oh, Maria kannte ihn und seine Gewohnheiten viel zu gut. Seit nunmehr drei Jahren war sie seine Managerin und somit bestens mit seinen Macken vertraut. Mit den Liebenswerten ebenso wie mit den Nervigen.

Neill gehörte zu jenen Menschen, die im Normalfall Anrufe niemals entgegennahmen. Meist war sein Handy lautlos oder er trug es nicht bei sich. Dass er seine Mailbox nicht abhörte, verstand sich dabei von selbst.

Als es halb zwei war, reichte es Maria endgültig und sie griff zum letzten ihr bekannten Mittel: Sie rief seine Verlobte an.

»Winter«, zischte es mit kühler, geschäftsmäßiger Stimme aus dem schon etwas abgeschrabbelten iPhone.

Maria fragte sich, ob der weiche Name Benett bei Olivia auch wie ein Kugelblitz klingen würde. Es war wohl offensichtlich, dass sie die brünette Frau mit den ebenso dunklen Mandelaugen nicht besonders gut leiden konnte. Etwas, das allerdings auf Gegenseitigkeit beruhte.

»Hi Olivia, hier ist Maria. Bist du Zuhause?« Sie bemühte sich, nett zu bleiben und ganz zwanglos zu plaudern.

»Ja.« Mehr sagte die andere nicht. Schon von Beginn an hatte Olivia Maria als mögliche Konkurrentin gesehen, dabei hatte diese nie das geringste Interesse an einer Beziehung dieser Art mit Neill gehabt. Sie war seine Managerin und nicht mehr. Jeder, der sie ein bisschen besser kannte, wusste auch, dass sie nicht vorhatte, sich jemals wieder zu verlieben. Schon gar nicht erneut in einen Musiker! Sie hatte das hinter sich und war seit nunmehr drei Jahren alleinerziehende Mutter eines mittlerweile sechsjährigen Jungen.

»Ist Neill auch da?« Maria kam sich vor, als wäre sie wieder Grundschülerin und hätte bei ihrem damaligen besten Freund geklingelt, um zu fragen, ob dieser zum Spielen herauskommen konnte.

»Ja.«

Mühsam hielt sie das Seufzen zurück und bemühte sich, nicht nervös mit den Fingern auf den Küchentresen zu trommeln. »Könntest du ihm bitte sagen, dass ich seit dem späten Vormittag versuche, ihn zu erreichen? Sein Handy ist offensichtlich auf lautlos geschaltet.«

»Nein, das klingelt in seiner Reisetasche im Flur.«

Und warum bist du dann nicht mal rangegangen?

Es hätte Maria Stunden des Wartens und Probierens erspart, und Olivia hätte sich nicht mit dem Gedudel herumärgern müssen. »Und Neill ...«

» ...schläft vermutlich noch. Ich habe jedenfalls noch nichts von ihm zu sehen bekommen. Gestern Abend als er nach Hause kam, haben wir einen Film angeguckt. Gucken wollen! Am Ende habe ich ihn alleine gesehen, weil er nach fünf Minuten eingeschlafen war.«

Was Olivias schlechte Laune wenigstens zum Teil erklärte. Zu Neills Verteidigung musste man allerdings sagen, dass er gemeinsam mit dem Rest von Lance Davys Band erst am Vortag aus Europa zurückgekehrt war, und ganz sicher unter einem gewaltigen Jetlag litt. »Okay, kannst du ihm dann bitte sagen, dass er mich zurückrufen möchte, sobald er aufgestanden ist?«

»Mach ich.« Und dann legte Olivia einfach auf.

 

Es war unschwer vorstellbar, dass Neill Maria auch bis zum späten Nachmittag nicht zurückgerufen hatte. Ganz sicher hatte er mittlerweile ihre unzähligen Anrufe in Abwesenheit gesehen und Maria ahnte, dass er sich auch vorgenommen hatte, nach dem Duschen, dem Essen oder einer Joggingrunde zurückzurufen. Nur hatten bis dahin vermutlich Dutzende andere Leute irgendwas von ihm gewollt und Maria war wieder einmal in Vergessenheit geraten.

Bis um siebzehn Uhr gab sie ihm Zeit, sich zu erinnern, dann genügte es ihr und sie rief ihn abermals an.

Erstaunlicherweise nahm er das Gespräch diesmal an. »Maria! Entschuldige! Ich habe dich wirklich vollkommen vergessen.«

Natürlich hatte er das. Maria seufzte unterdrückt auf. »Ich habe nichts anderes erwartet.«

Aus dem Hintergrund erklang deutlich tiefes männliches Lachen. Neill hatte also den Lautsprecher an und war vermutlich mit anderen Musikern zusammen essen, berichtete ihnen von den Erlebnissen auf dem Europa-Arm ihrer Tournee.

»Hast du morgen Vormittag schon etwas geplant? Es wird höchste Zeit, dass wir über deine nächsten Auftritte sprechen.« Der erste war immerhin schon am kommenden Abend.

»Morgen hat Olivia frei und ich muss mir jetzt unbedingt Zeit für sie nehmen. Sie hat mich viel zu lange nicht für sich gehabt.«

Es war nichts, das Maria ihm ankreiden konnte. Sie hätte an seiner Stelle kaum anders gehandelt. Im Hintergrund erklang Gemurmel, dann knackste es in der Leitung.

»Maria? Bist du noch dran?«

Sie gab einen zustimmenden Laut von sich.

»Kannst du jetzt?«

»Unmöglich. Ich bin auf dem Sprung, um Henry bei seinem besten Freund abzuholen.«

»Bring ihn mit. Lance hat sicher kein Problem damit. Weißt du, wo er wohnt?« Erneut erklang Gemurmel. »Lance sagt, Paul langweilt sich eh. Also?«

Woher sollte sie wissen, wo Lance Davy wohnte? Er war einer der Country-Musik-Superstars der Stadt, und ihr Schützling Neill hatte das Glück, seit etwas mehr als sieben Jahren Gitarre für ihn zu spielen. Seit dreien managte Maria ihn nun schon, Lance aber war sie bisher nicht ein einziges Mal begegnet.

Wenn man sie zwingen würde, zu raten, würde sie allerdings auf Belle Meade tippen, denn dort wohnten die Taylor Swifts, Keith Urbans und Blake Sheltons dieser Welt. »Also ja«, sagte sie schließlich, da es nicht schien, als hätte sie noch eine Wahl. »Wir kommen vorbei, aber du erinnerst dich daran, dass Henry ziemlich schüchtern gegenüber anderen Kindern ist?«

»Paul macht das schon. Die Adresse lautet ...«

 

Natürlich befand sich das Haus - oder besser die Prachtvilla - in Nashvilles schönstem Stadtteil. Das silbrig glänzende Tor zum riesigen umliegenden Park war videoüberwacht und gerade, als Maria ausgestiegen war, um einen Klingelknopf zu suchen, öffnete es sich automatisch. Ganz offensichtlich hatte Neill sie auf dem Monitor erkannt und Lance das Okay gegeben.

»Mama«, sagte Henry mit piepsiger Stimme vom Rücksitz, als sie wieder einstieg. »Ist der Paul auch wirklich nett?« Seine Nasenwurzel hatte sich gekräuselt und er sah aus, als hätte er sich die schon wieder zu langen blonden Locken gerauft.

»Ich kenne ihn auch nicht, Schätzchen, aber ich denke doch, dass sein Papa ihn gut erzogen hat. So wie deiner dich.«

Marias verstorbener Mann war auf dem besten Wege gewesen, ihnen beiden und ihrem gemeinsamen Sohn in nicht allzu ferner Zukunft auch ein solches Leben zu ermöglichen. Dann aber war alles anders gekommen und zu dem dunkelsten Kapitel ihres bisher 27-jährigen Lebens geworden.

Henry nickte mit verkniffenem Mund. »Ist seine Mama auch im Himmel?«

»Nein«, sagte Maria und ließ ihren Ford Fiesta langsam über den mit weißem Kies bedeckten Parkplatz in Richtung des marmornen Springbrunnens rollen. »Seine Mama hat sich nur nicht mehr so gut mit seinem Papa verstanden und deshalb leben sie in unterschiedlichen Häusern.«

»Das ist doch doof.« Henry blinzelte. »Meinst du, Paul war sehr traurig darüber?«

»Bestimmt. Und das ist er wahrscheinlich auch jetzt noch. Ich denke, es ist besser, wenn du ihn nicht danach fragst.«

»Hm«, machte Henry nachdenklich und schwieg dann. Genau wie seine Mutter betrachtete er mit großen Augen die Gartenanlage.

 

Einige Minuten später standen sie beide auf den dunklen Granit-Stufen, die ins Haus führten und Maria bat Henry, den Klingelknopf zu betätigen. Der Ton erinnerte nicht nur sie an eine Schulglocke, auch Henry verzog das Gesicht. Seine Sommersprossen tanzten Lambada.

Fast im selben Moment wurde die Tür geöffnet. Nicht von Lance selbst, wie sie es erwartet hatte, und auch nicht von einer Haushälterin. Vor ihnen stand Neill. In einem verwaschenen roten T-Shirt und Leinenhosen, die sicherlich einmal kräftiger schwarz gewesen waren. Seine Füße waren nackt und seine Augen so müde, wie Maria es erwartet hatte.

»Nach wie vielen Stunden Schlaf siehst du so aus?«, fragte sie, statt ihn ordentlich zu begrüßen. Neill und sie kannten einander seit etwas mehr als drei Jahren und oft genug kam es ihnen beiden so vor, als wäre es eigentlich schon ein ganzes Leben. Als hätten sie schon im Sandkasten zusammen Burgen gebaut und sich mit der Schippe gehauen.

»15 ungefähr. Ich hasse Jetlags, wie du weißt.« Kein böses Wort kam von ihm, keine Spitze und keine Retourkutsche. Neill war der gute Zwilling. Der böse war sein Bandkollege Levis, der ihm, obwohl nicht verwandt, fast aufs Haar glich. Neill streckte die Hand aus und wuschelte Henry über den Kopf. »Na, Kleiner, hast du mich vermisst?«

Henry nickte und schmiegte sich an Neills Bauch. Wenn er sich einen Ersatzpapa aussuchen könnte, wäre es vermutlich Neill. »Hast du mir was mitgebracht?«

...

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