Lilly und die Zwölfen, 1, Elfen verboten

 
 
Kosmos (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. März 2020
  • |
  • 192 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-440-50179-5 (ISBN)
 
Die 9-jährige Lilly träumt davon, Elfen zu sehen. Stattdessen lernt sie aber die Zwölfen kennen, die ungeliebten Verwandten der Elfen. Mit diesen Zauberwesen wird es nie langweilig: Sie sind rund, fröhlich, frech und singen für ihr Leben gern. Mit ihren Stummelflügeln können die Zwölfen zwar nicht sehr hoch fliegen, aber dafür haben sie das Herz am rechten Fleck. Bei ihnen lernt Lilly, dass es nicht wichtig ist, wie man aussieht, es zählt nur, was man tut!

Lilly zieht zu ihrem Opa aufs Land und trifft dort auf die magischen Zwölfen. Als das Ausflugslokal von Lillys Familie vor dem Ruin steht, schmiedet Lilly gemeinsam mit ihrer Zwölfen-Freundin Flimm einen Plan. Können sie das Lokal jetzt noch retten?
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • 6,22 MB
978-3-440-50179-5 (9783440501795)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Elfenzauber und Brokkoli


"Sieh nur, Larina, es ist schlimmer, als wir dachten. Der Rubin hat schon fast seine ganze Farbe verloren!", sagt Caitlinn entsetzt und streckt der anderen Elfe ihre schlanke Hand entgegen.

Larina wirft ihr schwarzes Haar zurück, um den Edelstein am Finger der Elfenkönigin genauer betrachten zu können. "Du hast recht, bald wirst du gar nicht mehr mit ihm zaubern können. Wir müssen den Ring schnell zu Lillysande bringen. Sie ist die Einzige, die ihn jetzt noch retten kann!"

Caitlinn nickt. Wie zwei leuchtende Silberstreifen fliegen die beiden Elfen durch den Wald, bis sie den Zauberbaum am Seeufer erreichen.

"Lillysande!", ruft Larina und sieht sich um. "Wo ist sie nur?"

"Aber hier bin ich doch", ertönt da eine helle Stimme hinter ihnen. Die blonde Elfe ist so leise hinter dem Baum hervorgeflogen, dass die beiden anderen sie nicht gehört haben.

"Lillysande", seufzt Caitlinn erleichtert. "Du musst unbedingt mit uns komm."

"Genau. Das Abendessen ist nämlich fertig", sagte eine tiefe Stimme hinter Lilly.

Lilly ließ die Elfenfiguren sinken und drehte sich um. Ihr Opa Kurt stand in der Tür und lächelte sie an. "Henni hat dich schon fünfmal gerufen. Hast du das nicht gehört?"

"Schon?", fragte Lilly und drehte sich mit glühenden Wangen zu ihm um. "Ich bin hier noch gar nicht fertig."

Lilly saß auf dem Teppichboden in ihrem Zimmer und blickte auf ihr Elfenreich, das sie um sich herum aufgebaut hatte. Sie besaß vierzehn Elfenfiguren, sechs Einhörner, zwei Paläste und jede Menge anderes Zubehör, das sich noch in der Spielzeugkiste befand. Lilly hatte noch viele andere Hobbies. Sie las gern - am liebsten Märchenbücher -, sie liebte Tiere und sie mochte jede Art von Quizspielen. Dabei gewann sie nämlich ziemlich oft. Aber am liebsten waren ihr ihre Elfenfiguren. Wenn sie mit Lillysande und ihren Freundinnen unterwegs war, konnte sie alles um sich herum vergessen. "Hast du denn keinen Hunger?", fragte Kurt.

Lilly verzog das Gesicht. "Doch, schon", antwortete sie. "Aber nicht auf das, was Mama kocht. Bestimmt gibt's wieder so einen Gemüsepamps."

Kurt musste grinsen. "Ein Punkt für dich. Es gibt Wildreis mit Möhren und Brokkoli."

Lilly seufzte. Sie hasste Brokkoli.

"Also, sooo übel schmeckt das gar nicht, finde ich", sagte Kurt. Lillys Opa hatte leicht reden. Der würde bestimmt noch eine ganze Tüte Chips futtern, wenn er später in seinem Sessel saß und seine geliebten Krimihörspiele hörte. Lilly wusste genau, dass ihre Mutter Henni nur ihretwegen kalorienarm kochte. Das heißt, sie bereitete das Essen so zu, dass Lilly davon nicht weiter zunahm, sondern an Gewicht verlor. Lilly war nämlich zu dick oder hatte Übergewicht, wie der Arzt es nannte. Henni hatte ihr sogar ihr geliebtes Erdbeereis verboten. Nur einmal in der Woche erlaubte sie Lilly noch eine Portion .

"Nun komm schon. Deine Mutter hat auch die Käsesoße dazu gemacht, die du so gern isst." Kurt zwinkerte Lilly aufmunternd zu.

Schon kehrte Lillys gute Laune zurück. "Na, dann los", rief sie, rappelte sich auf und folgte Kurt nach unten.

Das Haus, in dem Lilly mit ihrer Mutter und ihrem Opa wohnte, war ein gemütliches altes Bauernhaus mit Fachwerk und rosafarbenen Rosen am Eingang. Durch eine Tür war es mit dem Ausflugslokal, das ebenfalls ihrem Opa gehörte, verbunden. Es hieß "Glückseiche" und bestand aus einer Gaststätte mit Biergarten, einer Konditorei, in der auch Eis verkauft wurde, einer Badestelle und einem Tretbootverleih. Die "Glückseiche" lag nämlich direkt an einem hübschen Badesee.

Lilly war erst vor zwei Wochen, zum Beginn der Sommerferien, mit ihrer Mutter aus der Stadt hergezogen. Das heißt, so richtig hergezogen mit Möbeln und allem Drum und Dran waren sie noch nicht. Denn Henni wollte die sechs Ferienwochen nutzen, um herauszufinden, ob sie dauerhaft hierblieben. Bisher hatte sie als Buchhalterin für eine Supermarktkette gearbeitet, aber schon immer davon geträumt, mit Lilly ins Grüne zu ziehen. Und was lag da näher, als ihren Vater Kurt bei der Arbeit in der "Glückseiche" zu unterstützen? Doch weil Henni ein sehr vorsichtiger und gewissenhafter Mensch war, wollte sie nichts überstürzen und hatte Job und Mietwohnung in der Stadt fürs Erste behalten. Sie wollte sicher sein, dass ein Umzug auch wirklich die richtige Entscheidung war.

Lilly hoffte sehr, dass sie für immer blieben, denn sie liebte die "Glückseiche". Sie liebte ihr Zimmer im Bauernhaus, das direkt über der Konditorei lag. Sie liebte das gemütliche Wohnzimmer, in dem sie mit Henni und Opa Kurt abends Quizsendungen guckte. Sie liebte den riesigen Garten, der sich bis zum See hinunter erstreckte. Sie liebte die gestreifte Katze Tinka und die Kaninchen, die in ihrem Stall hinter dem Haus lebten. Sie liebte das Gewächshaus, in dem ihre Oma Thesi früher Rosen gezüchtet hatte. Und natürlich liebte sie das hausgemachte Erdbeereis.

Früher war sie jeden Sommer mit ihren Eltern im Urlaub hier gewesen. Sie war mit ihrem Papa - damals hatten ihre Eltern noch zusammengelebt - Tretboot gefahren, hatte der alten Köchin Anneliese geholfen, und vor allem hatte sie ihrer Oma gelauscht, wenn diese ihr von den Elfen erzählte. Von der weisen Elfenkönigin Caitlinn, ihrer hitzigen Schwester Larina, dem ehrwürdigen Fürsten Lenetor und all den anderen Elfen. Stundenlang hatte Lilly am Tresen gesessen und gebannt zugehört, während Thesi erzählte und erzählte und dabei mühelos Bier zapfte, Limonade einschenkte und die Tabletts befüllte, die die Kellner dann zu den Gästen an die Tische brachten.

Heute lebte Lillys Papa mit seiner neuen Familie in einer anderen Stadt. Und Thesi war vor zwei Jahren an einer Krankheit gestorben, deren Namen Lilly nicht aussprechen konnte. Seitdem war ihr Opa Kurt oft traurig. Und seitdem kamen auch nicht mehr so viele Gäste aus der Stadt in die "Glückseiche", um sich einen schönen Tag zu machen. Die Gaststätte und der Biergarten waren oft leer, auch wenn die Sonne schien. Warum das so war, wusste Lilly nicht. Vielleicht lag es an dem Freizeitpark, der vor einer Weile in der Nähe geöffnet hatte? Oder daran, dass die Farbe inzwischen von der Eingangstür abblätterte, die Sonnenschirme schmutzig und von den Tretbooten nur noch drei in Schuss waren?

Als Lilly die Gaststätte betrat, sah sie, dass auch heute nur wenige Gäste gekommen waren. Sie ging zu dem großen, runden Tisch in der Nähe des Tresens, an dem die Familie meistens zu Abend aß, damit Kurt und Henni schnell aufstehen konnten, wenn sie gebraucht wurden. Denn seit so wenige Gäste kamen, war auch kaum noch Personal da. Nur die alte Anneliese und der Kellner Fritz, der als Student nur stundenweise aushalf, waren übrig geblieben.

"Da bist du ja", stellte Henni lächelnd fest. "Dann mal guten Appetit."

Lilly blickte seufzend auf den dampfenden Reis. Wie gern hätte sie stattdessen ein Erdbeereis! Da fiel ihr ein, was Kurt gesagt hatte. Sie griff zu der roten Schüssel mit der Käsesahnesoße und kippte sie großzügig darüber.

"Hey, die ist nicht nur für dich!", mahnte Henni. "Das reicht. Nimm lieber mehr Gemüse." Damit schaufelte sie Lilly ein paar Löffel Möhren und Brokkoli auf den Teller.

"Och nö", widersprach Lilly.

Doch ihre Mutter ging nicht darauf ein. Sie wandte sich an Kurt: "Du, Papa, heute früh wollte ich mal anfangen, mir einen Überblick über die Einnahmen der 'Glückseiche' zu verschaffen. Dabei ist mir aufgefallen, dass in den Ordnern ziemlich viele Unterlagen fehlen."

"Hmhm", erwiderte Kurt, während er kaute.

Lilly fiel auf, dass ihre Mutter ihre Brille nach oben schob, so wie sie es immer machte, wenn ihr etwas unangenehm war.

"Und anscheinend hast du auch ein paar Rechnungen nicht bezahlt", fuhr Henni fort. "Heute waren drei Mahnungen in der Post und gestern zwei."

"Hmhm", machte Kurt erneut, ohne von seinem Teller hochzusehen. Dann schluckte er und brummte: "Kann sein, dass ich da nicht so drauf geachtet habe."

Henni seufzte. "Ach, Papa, ich verstehe ja, dass es für dich in den letzten beiden Jahren nicht einfach war. Aber warum rufst du mich denn nicht an, wenn du Hilfe brauchst? Du weißt doch, dass ich mich mit Zahlen auskenne."

Kurt nahm sich noch mehr Reis. Er schien keine Lust zu haben, über dieses Thema zu sprechen. "Es war ja immer so viel anderes zu tun", erwiderte er schließlich.

Henni atmete tief durch. "Schon", sagte sie. "Aber du weißt doch, wie wichtig das ist. Gerade jetzt, wo die 'Glückseiche' nicht so gut läuft ."

"Ach, das wird schon", meinte Kurt. "Beim Sommerfest machen wir das wieder wett. Da haben wir doch immer richtig viel Geld eingenommen."

In wenigen Wochen sollte das große jährliche Sommerfest in der "Glückseiche" stattfinden.

"Hoffentlich", sagte Henni. "Aber auch das ist in den letzten Jahren nicht mehr so gut gelaufen."

Lilly hatte den Reis auf ihrem Teller inzwischen aufgegessen. Und die gesamte Käsesoße. Jetzt guckte sie unwillig auf den Brokkoli. Kurt schob ihr...

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