Ruinen

Partials 3
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. April 2015
  • |
  • 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97037-2 (ISBN)
 
Das große Finale der »Partials«-Reihe von Bestsellerautor Dan Wells: Die Zeit läuft ab und die Welt steht am Rand des letzten Krieges. Er wird das Schicksal beider Gattungen, der Menschen und der Partials, besiegeln. Während beide Seiten aufrüsten, um den vernichtenden Schlag zu führen, hat Kira Walker endlich ein Heilmittel für die Partials gefunden. In ihrem verzweifelten Bemühen, den Untergang zu verhindern, muss Kira bereit sein, alles zu opfern - selbst wenn es ihr eigenes Leben ist ...
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978-3-492-97037-2 (9783492970372)
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2


Senator Owen Tovar atmete gedehnt aus. »Woher wusste Delarosa, dass eins der versenkten Schiffe eine Atombombe an Bord hatte?« Er warf Haru Sato, dem Soldaten, der ihm die Neuigkeiten übermittelt hatte, einen Blick zu und wandte sich an Mr. Mkele, den Geheimdienstchef der Insel. »Genauer gesagt - wie kommt es, dass Sie es nicht wussten?«

»Die versenkte Flotte war mir bekannt«, erwiderte Mkele. »Hingegen hatte ich keine Ahnung, dass sie eine Atombombe transportierte.« Haru hatte Mkele immer als fähigen und selbstbewussten Mann betrachtet - furchtbar, wenn er und Haru unterschiedlicher Meinung waren, und äußerst zielstrebig, solange sie die gleichen Ziele verfolgten. Nun wirkte der Geheimdienstler niedergeschlagen und überfordert. Mkele derart ratlos zu sehen, war in gewisser Weise sogar noch verstörender als die Schrecken, die dieser Situation vorausgegangen waren.

»Ein Mitglied von Delarosas Widerstandsgruppe wusste davon«, erklärte Haru. »Ich kann nicht sagen, wer. Nur so viel, dass es wohl ein alter Marineoffizier war.«

»Und das hat er all die Jahre für sich behalten?«, fragte Tovar. »Wollte er irgendjemanden damit überraschen?«

Senator Hobb trommelte mit den Fingern auf den Tisch. »Wahrscheinlich hegte er die begründete Befürchtung, man könne die Bombe bergen und einsetzen, falls er jemandem davon erzählte. Offenbar wird nun genau das passieren.«

»Delarosa behauptet, die Partials überrennen uns«, meinte Haru. Die vier Männer saßen tief unter dem ehemaligen JFK Airport in einem Tunnel. Die Anlage war zerstört und zerbombt, doch dank der weiten freien Flächen konnten anrückende Partials früh entdeckt werden. Dies war der letzte Rückzugsort des verzweifelten Senats. »Nicht nur jetzt - sie würden bis in alle Ewigkeit damit fortfahren. Sie denkt, die Menschen könnten ihre Welt nie wieder aufbauen, solange sich die Partials dort draußen herumtreiben. Damit hat sie recht, so schrecklich es auch ist. Das heißt aber noch längst nicht, dass alles besser wird, wenn wir eine Atombombe zünden. Ich hätte sie nur zu gern aufgehalten, doch sie verfügt über ein ganzes Heer an Guerillakämpfern, und die meisten Soldaten meiner Einheit haben sich ihr angeschlossen.« Er schüttelte den Kopf. Haru war mit seinen gerade dreiundzwanzig Jahren der jüngste der vier Männer. Schon lange hatte er sich nicht mehr so klein und hilflos gefühlt - genau genommen seit dem Zusammenbruch nicht mehr. Der Untergang und das Chaos waren schon schlimm genug, aber die Tatsache, dass er das alles bereits kannte, machte ihm noch viel mehr zu schaffen. Vor zwölf Jahren war die Welt schon einmal untergegangen, und nun wiederholte sich die Geschichte. Damals war er noch ein Kind gewesen, und plötzlich fühlte er sich abermals wie ein Kind: verloren, verwirrt und von dem verzweifelten Wunsch beseelt, irgendjemand möge einschreiten und alles zum Besseren wenden. Dieses Gefühl mochte er überhaupt nicht, und er verachtete sich sogar selbst, weil es überhaupt in ihm aufgekommen war. Immerhin war er selbst Vater - der erste Vater seit zwölf Jahren, der ein lebendes, gesundes, atmendes Kind hatte. Die Kleine und ihre Mutter saßen zusammen mit ihm in der Patsche. Um ihretwillen musste er sich zusammenreißen.

»Mir gefiel Delarosa besser, als sie noch im Gefängnis saß«, erklärte Hobb. »Das haben wir davon, dass wir einer Terroristin vertraut haben.« Er warf Tovar einen raschen Blick zu. »Anwesende natürlich ausgenommen.«

»Nein, Sie haben ganz recht«, erwiderte Tovar. »Wir haben viel zu oft Fanatikern vertraut, und das ist für uns selten gut ausgegangen. Ich war ein ziemlich gerissener Terrorist - jedenfalls klug genug, um mich als Freiheitskämpfer zu verkaufen und eine führende Position zu übernehmen. Aber ich bin ein schrecklicher Senator. Wir mögen es, wenn sich die Menschen erheben und kämpfen, ganz besonders, wenn wir mit ihnen übereinstimmen, aber es ist der nächste Schritt, auf den es wirklich ankommt. Was geschieht, wenn die Kämpfe vorüber sind?« Er lächelte traurig. »Ich habe Sie alle enttäuscht.«

»Die Invasion der Partials war nicht Ihre Schuld«, widersprach Mkele.

»Die letzten Reste der Menschheit werden sich freuen, das zu hören«, erwiderte Tovar. »Es sei denn, die Invasion der Partials erweist sich als wundervolles Geschenk. In diesem Fall würde ich alle Belobigungen für mich beanspruchen.«

»Aber nur, wenn Hobb Ihnen nicht zuvorkommt«, warf Haru ein.

Senator Hobb stotterte etwas Unzusammenhängendes, um sich zu verteidigen, und Mkele warf Haru einen missbilligenden Blick zu. »Wir haben Wichtigeres zu tun, als Sticheleien auszutauschen.«

»Selbst wenn sie wahr sind«, sagte Tovar. Daraufhin starrten Mkele und Hobb ihn an, doch Tovar zuckte nur mit den Achseln. »Was denn? Bin ich etwa als Einziger bereit, persönliches Versagen einzugestehen?«

»Auf unserer Insel läuft eine abgeurteilte Kriegsverbrecherin mit einer Atombombe herum«, erklärte Hobb. »Ganz zu schweigen von der Armee von Supersoldaten, die uns abschlachten wie Vieh. Könnten wir uns vielleicht darauf statt auf persönliche Angriffe konzentrieren?«

»Sie wird die Bombe nicht auf der Insel einsetzen«, gab Haru zu bedenken. »Nicht einmal Delarosa ist derart blutrünstig. Sie will nicht um jeden Preis Partials töten, sondern vor allem die Menschen retten. Natürlich bringt sie Partials um, aber nicht auf Kosten der wenigen Menschen, die noch übrig sind.«

»Das ist ein guter Einwand«, räumte Mkele ein. »Aber eine Atombombe ist eine sehr ungenaue Waffe. Woher wissen wir, dass sie klug damit umgeht? Im günstigsten Fall schafft sie die Bombe aufs Festland und zündet sie irgendwo nördlich der Partials, damit sie der strahlende Fallout tötet. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie die Basis der Partials in die Luft jagt, worauf der Fallout anschließend uns umbringt.«

»Das könnte der einzige Plan sein, der überhaupt gelingen kann«, überlegte Hobb. »Soweit wir wissen, sterben die Partials nicht einmal an Strahlenvergiftung.«

»Wie weit ist White Plains entfernt?«, fragte Tovar. »Hat jemand eine Landkarte?«

»Aber klar.« Mkele legte die Aktentasche auf den Tisch, und die Schlösser öffneten sich mit leisem Klicken. »Die Reise von hier nach White Plains dauert eine gewisse Zeit, weil der Long Island Sound umgangen werden muss.« Er entfaltete eine Karte und breitete sie auf dem Tisch aus. »Selbst wenn Delarosa den Sund mit dem Boot überquert, braucht sie eine ganze Weile, um das Ziel zu erreichen. Wobei sie allerdings höchstwahrscheinlich erwischt wird. Sofern sie sehr vorsichtig ist und heimlich vorgeht, dauert die Reise vielleicht sogar mehrere Monate. Betrachtet man lediglich die Luftlinie, scheint es nicht sonderlich weit zu sein. Von White Plains bis East Meadow sind es .« Er betrachtete die Karte und maß die Entfernung mit einem abgegriffenen Plastiklineal. »Ungefähr sechzig Kilometer.« Er hob den Kopf. »Wissen wir, welche Atomwaffe sie besitzt? Wie stark ist die Ladung?«

»Sie sagte, die Bombe stamme aus einem Schiff namens The Sullivans«, berichtete Haru. »Ich weiß nicht, warum der Name die Pluralform hat.«

»Das war ein Zerstörer«, ergänzte Tovar. »Arleigh-Burke-Klasse. Das Schiff war schon vor zwölf Jahren recht alt, aber sehr zuverlässig. Die Navy setzte diesen Typ lange ein. Die The Sullivans ist nach fünf Brüdern benannt, die im Zweiten Weltkrieg gemeinsam in einer Schlacht gefallen sind.«

»Ich dachte, Sie wussten nichts von der Atombombe«, meinte Hobb.

»Das trifft auch zu«, erwiderte Tovar. »Aber Sie reden hier mit einem ehemaligen Marinesoldaten. Das Schiff, dessen Beschreibung ich nicht kenne, muss erst noch gebaut werden.«

»Dann klären Sie uns doch mal über die Daten dieses Schiffs auf!«, drängte ihn Mkele. »Trägt ein Zerstörer dieser Bauart Atomraketen, oder hatte er eine Bombe geladen, die von einem Selbstmordkommando direkt an Bord gezündet werden sollte?«

»Die Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse sind mit Tomahawks ausgerüstet«, erklärte Tovar. »Das sind Marschflugkörper mit Zweihundert- bis Dreihundertkilotonnenbomben. Die Waffen sind für Langstreckenangriffe gedacht, aber die Partials hatten eine starke Raketenabwehr und konnten sie abschießen, bevor sie einschlugen. Ich vermute, diese Bombe ist unmittelbar vor der Küste von Long Island gelandet, weil man sie dicht heranbringen und direkt am feindlichen Stützpunkt zünden wollte. Damit hätten sie die Flotte, den größten Teil von New York sowie New Jersey und Connecticut geopfert, aber die Partials wären auf jeden Fall vernichtet worden.«

Haru schnitt eine Grimasse und staunte wieder einmal darüber, wie verzweifelt die damalige Regierung gewesen war, um so etwas in Erwägung zu ziehen. Allerdings sah ihre eigene Situation derzeit auch nicht viel besser aus. Kurz vor dem Weltuntergang und wenn bereits klar war, wohin die Reise ging, war eine Atomexplosion ein kleiner Preis. Zwar kämen alle Menschen in Reichweite um, und die ganze Gegend bliebe für Jahrzehnte unbewohnbar, aber auch die Partials wären verschwunden. Das wäre es vielleicht sogar wert gewesen. Aber nun, da sich die letzten Vertreter der Menschheit nur sechzig Kilometer entfernt aufhielten .

»Wie sieht der Zerstörungsradius aus?«, fragte Haru. »Ist anschließend die ganze Insel tot?«

»Nicht unbedingt«, sagte Tovar. »Aber wenn es irgendwie möglich ist, wollen wir dann nicht hier sein. Bei dieser Ladung ist der Feuerball sofort nach der Zündung etwa zwei Kilometer...

»Nach wie vor steckt hinter dem Endzeit-Thriller eine Grundidee - wie weit dürfen Wissenschaft und Technik gehen? -, die zum Nachdenken anregt.«, Südhessen-Woche, 06.04.2016
 
»Philosophische Gedanken treffen hier auf genmanipulierte Menschen, eiserne Entschlossenheit und die Grausamkeiten von Kriegen. Packender und realistischer hätte Wells seinen Trilogie-Abschluss meiner Meinung nach nicht schreiben können. Ein würdiges Ende, das sehr zum Nachdenken anregt.«, legimus Blog, 28.04.2015
 
»Der dritte Band ist ein gelungener und spannender Abschluss. Dan Wells hat mich damit überzeugt. Ich spreche eine klare Leseempfehlung aus!«, book.sabrina.lordlamer.de
 
»Auch mit seinem finalen Band >Ruinen-Partials 3< konnte mich Dan Wells überzeugen. Nach wie vor bin ich von seinem Weltenentwurf und der komplexen Idee, die hinter allen Handlungssträngen bzw. der Grundidee steckt, absolut begeistert.«, magicallyprincess.blogspot.de

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